Mittwoch, 30. Januar 2013

Kann in den besten Familien vorkommen






Hagedorn - Serienmörder im Arbeiter- und Bauernparadies 




Earnest Albert Hooton, ein amerikanischer Anthropologe, machte 1944 den Vorschlag, Deutschland mit neuer Bevölkerung zu durchmischen, da die Deutschen 'genetisch bedingt bösartig' seien. So ähnlich sehen das ja die Grünen auch. Hooton hatte sich mit Rasseneinteilungen beschäftigt, das war damals wissenschaftliche Mode. Diese Rassenbeschreibungen führten zu nichts oder zu Schlimmem. Nur medizinisch hat man da oder dort etwas Sinnvolles gefunden. Der Schluß Hootons ging vom Phänotyp auf Persönlichkeitsmerkmale, die er kollektivistisch verallgemeinern zu können glaubte. 
Da er ein heller Kopf war, hätte er eigentlich aus Lebenserfahrung und aus der psychologischen Literatur wissen können, daß sich die Persönlichkeiten der Kinder innerhalb einer Familie stark unterscheiden können, obwohl sie von den gleichen Eltern abstammen. 
Die Falldarstellungen des Münchner Psychiaters Johannes Lange in seinem Zwillingsstudienbuch mit dem reißerischen, aber verzerrenden Titel "Verbrechen als Schicksal" führen das eindringlich vor Augen. Die kriminellen Zwillinge Adolf und August etwa kamen aus einer geordneten Familie und weder die Eltern noch die fünf Brüder und Schwestern der beiden waren je kriminell auffällig geworden. 
Jedes Genom ist ein individueller Fall, und die Verhaltensbeeinflussung durch genetisch prädisponierende Vorgaben ist weitgehend unverstanden. Persönlichkeitseigenschaften wie Intelligenz oder Neurotizismus sind kontinuierliche Merkmale, die durch viele Gene und viele, unüberschaubare Zusammenschaltungen gesteuert werden. 
Es sind keine primitiven Einzelmerkmale wie die, die Mendel untersucht hat. Bei der menschlichen Vererbung läßt sich nur in seltenen Ausnahmen, zum Beispiel bei der Bluterkrankheit, ein einzelnes Gen ausfindig machen. Daher sind alle Verallgemeinerungen schon bei einer einzelnen Familie völlig unzulässig. Das bekannte "schwarze Schaf" der Familie ist ein individueller genetischer Fall, der nichts über die anderen Familienmitglieder aussagen muß, wie dies auch bei der Intelligenz zutrifft. Und statistische Aussagen über Gruppen sind qualitativ von Individualangaben scharf zu unterscheiden. 
Hooton und die anderen Rassentheoretiker haben ihre eigene Lebenserfahrung nicht ernstgenommen zugunsten eines wissenschaftlichen Herdentriebs. 
Oft sind eben hochintelligente Wissenschaftler nur blöde Zeitgenossen.  

Dienstag, 29. Januar 2013

Wie das Genom so würfelt





Ziemlich ähnlich bis in den Lebenslauf - wenn Zwillinge getrennt aufwuchsen, sind sie wissenschaftlich besonders interessant im Hinblick auf den Einfluß der Umwelt

Bild: http://tinyurl.com/akbguqq   





Der Münchener Psychiater Johannes Lange verfaßte die erste Zwillingsstudie, in der er 15 eineiige (monozygotische) und 22 zweieiige (dizygotische) Zwillings-Paare im Hinblick auf ihre Kriminalität untersuchte. Bei den 15 Eineiigen waren in zehn Fällen beide Zwillinge in Gefängnishaft gewesen. Lange kommt zu dem Schluß: 
" Was Verbrechen betrifft, reagieren monozygotische Zwillinge, alles in allem, in einer eindeutig ähnlichen Weise, dizygotische verhalten sich unterschiedlich. " (Joh. Lange, Verbrechen als Schicksal, 1928)
In seiner differenzierten Darstellung der Fälle wird deutlich, daß die einschlägige Erblichkeit in einer Disposition zu sehen ist, die sich in recht unterschiedlicher Weise zeigt, in sehr verschiedenen Taten und in mehr passiver als auch in aktiver Ausformung. Der Verlagstitel formuliert dagegen zu reißerisch und deterministisch. 
Spätere Zwillings-Studien von Legras, Kranz, Stumpfl, Rosanoff, Borgstroem bestätigen Lange, Eysenck faßt zusammen:
" Wenn ein Zwilling kriminell ist, besteht unter identischen Zwillingen für den anderen viermal soviel Wahrscheinlichkeit, ebenfalls kriminell zu sein, als unter zweieiigen Zwillingen. " 
(Hans Jürgen Eysenck, Kriminalität und Persönlichkeit, London 1964, S. 87) 
Eysenck sieht bei Kriminellen ein bestimmtes, physiologisch bedingtes Lernproblem, das sich bearbeiten läßt.  

Selten findet sich eine solch krasse Linearität in so brutaler Tatausführung:  
"Australien: Verwandter des Rucksackmörders wird zum Mörder
Fünfzehn Jahre, nachdem der australische Rucksackmörder Ivan Milat verurteilt wurde, bekennt sich ein junger Verwandter von ihm eines grausamen Mordes schuldig.
Von ALEXANDER HOFMANN, SYDNEY
25.10.2011 FAZ" (Artikel im Netz) (s. auch tinyurl.com/aj2gduh )   

Montag, 28. Januar 2013

Der Mensch fällt nicht vom Himmel












Die Geschichte ist etwas unklar, doch hat sich Kardinal Meisner öffentlich für die Abweisung einer jungen Frau an zwei katholischen Krankenhäusern entschuldigt. Es liegt also ein Fehlverhalten vor. Dieses hängt mit der "Pille danach" zusammen, und bekanntlich sitzt der Katholenverein da auf mittelalterlichen Dogmen. Es ist dumm genug, daß die Kirche ihren eigenen Spitzenkräften die Genweitergabe verbietet. Sie steht aber insgesamt bei der Genetik im dunklen Zeitalter, obwohl einer der ihren, Gregor Mendel, einen Beitrag zur Vererbunglehre geleistet hat. Züchter wußten aber lange vorher, daß man durch Auswahl der Paarungspartner die Vererbung lenken kann. Seit jeher hat sich der Adel entsprechend verhalten. Da grundsätzlich alles vererbt wird, wenn auch oft in überraschenden Kombinationen, verwundert es natürlich nicht, daß dies auch für die Disposition zu bestimmtem Sozialverhalten gilt. Im Fall der abgewiesenen vergewaltigten Frau bedeutet das, daß sich aggressive Männer in den letzten 50.000 Jahren wesentlich stärker vermehrt haben, unter anderem durch die in Kriegszeiten regelhaften Massenvergewaltigungen (s. Blog 6.6.09), als zivilisiertere Männer. Daher gibt es heute in modernen Gesellschaften mit sehr hohem Erziehungsaufwand immer noch massenhaft umlaufende, zu aggressivem Verhalten disponierende Genome. Zivilisierte Menschen müßten also darauf achten, daß das Genom von Vergewaltigern nicht zum Zuge kommt. Auch durch die Gabe der "Pille danach". An erster Stelle steht jedoch der Wille der Vergewaltigungsopfer. Wird der in katholischen Krankenhäusern mißachtet, arbeitet der Klerus gegen zivilisierte Maßstäbe und macht sich hinterrücks gemein mit den aggressivsten Kräften der Gesellschaft, den Vergewaltigern. Krankenhäuser gehören eben nicht in die Hand religiöser Dunkelmänner.  

Sonntag, 27. Januar 2013

Margarita und die Meister









Wieviel Optimismus darf's denn sein?   

Dies ist offenbar nicht Ulrich Beck, der überall nach Risiken schnüffelt   

(Bild: Boulgacov/Wiki.)



Nun hatten doch Adorno und Horkheimer in ihrer "Dialektik der Aufklärung" geklärt, "daß alles Lebendige unter einem Bann" stehe. 
Und Reinhard Lettau hatte 1970 in seinem "Täglichen Faschismus" nachgelegt: 
"Müßige, vor Langeweile fast ohnmächtige, grell hauteng gekleidete Greisinnen und Greise, die sich 'senior citizens' nennen, und wellenreitende, braungebrannte Hünen, riesenhafte Blondinen, stumpfsinnige, brutale Musik: das sind die Wahrzeichen Kaliforniens."  

Also klaro alles, kein Fortschritt nirgends, schon gar nicht in Amerika. Bann und Fluch und Beach-Boys-Musik. Igitt. Wenigstens zahlten die Amis gut, so daß Lettau nicht nur nach Kalifornien ging, sondern auch den US-Paß erwarb. Nach all diesen subtilen professoralen Klärungen war es ziemlich unangemessen, daß eine junge, gute Bekannte Willy Brandts 1988 in Bonn mit dem Thema "Amerika. Das Experiment des Fortschritts" promoviert wurde. Plagiatsvorwürfe wurden schon 1989 von Andreas Franke erhoben, was 1991 nach einer Untersuchung zu einer Rüge wegen unkorrekter Zitierweise der Margarita Mathiopoulos führte, die Arbeit aber wurde gleichwohl gelobt. Dies tat auch zuvor schon Michael Stürmer, dessen lesenswerte SFB-Rezension von 1988 im Netz steht.  

Mathiopoulos fand nicht alles so faschistisch wie Lettau. Die geglückte amerikanische Revolution, die ohne die Blutsäufereien der französischen ausgekommen war, sah sie als ein Unterpfand des amerikanischen Optimismus.  
Die Arbeit wurde auch gleich in Deutschland gedruckt und ein Jahr später ins Amerikanische übertragen, versehen mit einem Vorwort Gordon A. Craigs. Die Autorin wurde zwar nicht Presse-Sprecherin der SPD, wie von Brandt vorgeschlagen, aber doch u.a. Honorar-Professorin in Braunschweig und Potsdam. 
Im April 2012 aber wurde ihr der Titel aberkannt, und dieser Tage bestätigt vom Verwaltungsgericht.
  
Was diesen Fall von den anderen bisherigen Plagiatsfällen Koch-MehrinChatzimakisGuttenberg und Schavan unterscheidet, das ist die langjährige Hochschularbeit der Mathiopoulos, die man doch wohl als anhaltendes Interesse an wissenschaftlicher Arbeit werten darf. Ihre Beauftragung durch mehr als vier verschiedene Hochschulen seit 1989 dürfte die Zitiermängel geheilt haben. 

Samstag, 26. Januar 2013

Ach, wär’ sie eine schwäbische Hausfrau geworden - stattdessen stritt sie für Bachelor und Master im Dienste der Massenhalbbildung







Auch kleine Schritte können zur Promotion führen 







Die Vermeidung der Originalliteratur, der Primärtexte - das steht im Zentrum der Vorwürfe gegen die Dissertation der Wissenschaftsministerin Schavan. Sie hat nicht Heidegger gelesen, sondern Walter Biemel über Heidegger (vgl. Kaube, Frau Jedermanns Plagiat, FAZ 24.1.13) 
Frau Schavan verteilt 380 Mio. für die Geisteswissenschaften, da verwundert es nicht, daß sich aus den Reihen der Geisteswissenschaft Verteidiger finden, die darauf hinweisen, daß dieses ihr uninteressiertes Verhalten gegenüber den Primärtexten verbreitet sei. Und sie haben in der Tat recht damit. Das benennt die jahrhundertealte Krankheit der Geisteswissenschaften: die geistlose Abschreiberei. Die weitgehende Wertlosigkeit der Geisteswissenschaften hat hier ihren Grund. Man kann also feststellen, daß Schavans kleingeistige Promotion in der schlechten Tradition der Philosophischen Fakultät steht und nur, weil rotgrüne Geisteswissenschaftler der CDU-Ministerin an die Karre fahren wollen, sei es nicht nötig, großes und nachhaltiges Theater zu veranstalten. Meinen ihre akademischen Verteidiger. 
Diesen Standpunkt kann man einnehmen und zudem erweitern: Schavan wollte nur den Titel, ein wissenschaftliches Interesse verspürte sie nicht, und das paßt gut zur Chefin Merkel, die auch mal so promovierte und dann sofort die Physik an den Nagel hängte, um Politikerin zu werden. In dieser Runde der wissenschaftlich Uninteressierten saß ja auch noch der promovierte Blender Guttenberg.

Aber man sollte doch an die Minderheit der soliden, sauberen und gelehrten Geisteswissenschaftler denken, die gibt es nämlich. Die ihrem Fach, selbst einem merkwürdigen Gemischtwarenladen mit besonders niedrigem Niveau wie der sog. Erziehungswissenschaft, Ehre machen. 
Im Moment fällt mir da kein Name als Beispiel ein, ich reiche den später nach. 
Für diese Minderheit sollte streng auf den wissenschaftlichen Zitierstandard geachtet werden, auch nach der Promotion. Die Titelabstauber aus Karrieregründen sollen in Zukunft keine Schonung erwarten dürfen. Und vielleicht fällt dann eines Tages auch die Unsitte, den Titel als Namensbestandteil zu führen.