Montag, 25. Februar 2013

Mit 14 Jahren unverdorben aus Schuldenklitsche profitablen Großbetrieb gemacht: Alfred Krupp



Alison Wolf , Does Education Matter?, S. 8

Von 200.000 auf 1.200.000 Lehrer - so sieht die Entwicklung in allen Industrieländern aus, nachdem Volksschüler wie die Krupps , Harkorts und Darbys enorme Werte geschaffen hatten, begann der Ausbau des Schulwesens. 

Man vergleiche einmal hinsichtlich Inhalt und Form die alten Briefe der volksschulgebildeten Großeltern mit Schul-Aushängen von Gymnasiallehrern heute, dann erhält man einen Eindruck, wohin die Entwicklung gegangen ist. 

Was soll ein Lehrer dem Schulabbrecher Justus Liebig gesagt haben? „Du bist ein Schafskopf! Bei Dir reicht es nicht mal zum Apothekenlehrling.“ (Wiki.) Ähnliches könnte man heute den meisten Lehrern sagen. Sie sind die Nutznießer dieser immensen Stellenvermehrung.

Sonntag, 24. Februar 2013

Von Zeit zu Zeit les’ ich den Alten gern









Schopenhauer haßte Hegel, nannte seinen Pudel aber trotzdem “Mensch”




“Daß die Weltgeschichte dieser Entwickelungsgang und das wirkliche Werden des Geistes ist, unter dem wechselnden Schauspiele ihrer Geschichten, - dies ist die wahrhafte Theodicee, die Rechtfertigung Gottes in der Geschichte. Nur die Einsicht kann den Geist mit der Weltgeschichte und der Wirklichkeit versöhnen, daß das, was geschehen ist und alle Tage geschieht, nicht nur nicht ohne Gott, sondern wesentlich das Werk seiner selbst ist.”
Meint Hegel am Ende seiner “Philosophie der Geschichte”.
Er wollte es eben so sehen und hat sein Geschichtsbild danach konstruiert. Da ist er in massenhafter Gesellschaft.

Treffender formuliert er über Luther und die Reformation:
“Luther hatte die geistige Freiheit und die concrete Versöhnung erworben: er hat siegreich festgestellt, was die ewige Bestimmung des Menschen sey, müsse in ihm selber vorgehen.
In Deutschland war in Ansehung der Weltlichkeit schon Alles durch die Reformation gebessert worden, jene verderblichen Institute der Ehelosigkeit, der Armuth und Faulheit waren schon abgeschafft, es war kein todter Reichtum der Kirche und kein Zwang gegen das Sittliche, welcher die Quelle und Veranlassung von Lastern ist, nicht jenes unsägliche Unrecht, das aus der Einmischung der geistlichen Gewalt in das weltliche Recht entsteht, noch jenes andre der gesalbten Legitimität der Könige, d. i. einer Willkür der Fürsten, die als solche, weil sie Willkür der Gesalbten ist, göttlich, heilig seyn soll; sondern ihr Wille wird nur für ehrwürdig gehalten, soweit er mit Weisheit das Recht, die Gerechtigkeit und das Wohl des Ganzen will.” (Hegel, ed. Glockner, Bd. 11, S. 552ff.)  

Die Stärkung der Subjektivität durch die Reformation durch Innerlichkeit und Rechtlichkeit kommt hier zum Ausdruck, und das war es eben, was klügere Köpfe und aktivere Menschen und die Bürger der Städte für die Reformation gewann, was auch wieder ein Gewinn für die Reformation war. Der tätige, intelligente Mensch interessierte sich nicht unbedingt für die Details der Theologie, der Ekel gegenüber den katholischen Schranzen stieß ihn von der alten Kirche ab und führte ihn der Reformation zu. Der Faule und Dumme blieb Katholik. Natürlich hatte das auch seine ökonomischen Folgen. Siehe Max Weber, Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen.  

Samstag, 23. Februar 2013

Wie gebildet mußten die Mönche sein, um Archimedes nicht zur Kenntnis zu nehmen?











Unter Hegelfreunden 

   


... wieder interessant, Ihr Text zur jüdischen Intelligenz.

Mit Wößmann anzufangen:
Dieser abgefeimte Schulideologe will die ganze Welt in eine totale Schule verwandeln! Ekelhaft. 

" Wößmann: Unser zentraler Befund ist, dass der wirtschaftliche Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken komplett verschwindet, wenn wir die ökonomischen Effekte der Bildung herausrechnen." (DIE ZEIT, 23.12.2008)  

Das ist doch grauenhaft. Der Mann bildet sich ein, er könnte die ökonomischen Effekte der Bildung berechnen. Soll dieser Schuljünger doch mal den Einfluß der Erfindung der Brille auf die längere Schaffenszeit der norditalienischen Mechaniker berechnen. 
Bei den Juden stellt sich mir die Frage, ob nicht die langandauernde Wettbewerbssituation in der Diaspora diesen arabischen Stamm nach dem römischen Sieg zu einer lernfähigen Population gemacht hat. Ohne die römische Intervention wären die Juden wohl heute so intelligent wie die anderen Semiten, die Saudis und Syrer etc. Der starke Wettbewerbsdruck steigerte sich zudem auch immer wieder zu Pogromen, denen vermutlich mehr untüchtige Juden zum Opfer fielen als tüchtige, die Tüchtigen hinterließen also mehr Nachkommen. 

Die Hochschätzung von Thora-Textarbeit macht wohl nicht unbedingt dümmer, wie man bei den Orthodoxen in Jerusalem den Eindruck haben kann, aber sie führt auch nicht zur Erfindung des Räderpflugs und anderer zukunftsträchtiger Instrumente, wie sie in Oberitalien des Mittelalters gelangen. Ich könnte mir vorstellen, daß die Juden ähnlich stark von den Westeuropäern gelernt haben wie heute die Chinesen von den USA lernen. Bis zu einer eigenständigen Erfinderkultur dauert es aber vielleicht noch 1000 Jahre, Intelligenz hin oder her. Denn auf Individualismus und wettbewerbliche Marktwirtschaft kommt es an. Und auf verläßliche Rechtssysteme.  

Wenn man die "Bildung" isoliert betrachtet, dann muß man auch ihre destruktiven Seiten veranschlagen: 
Lange scholastische Disputationen über Engel auf der Nadelspitze, Geschichtsblödsinn bei Hegel, Marxens Megakontamination der europäischen Gehirne bis heute, die Verwirrung armer Seelen durch Freud, die Sexverderberapostelei seines Schülers Wilhelm Reich, die andauernde neomarxistische Ideengeberei durch Adorno, Horkheimer und Marcuse etc. 
Nur mal so angemerkt.
Wößmann sollte man 100mal Alison Wolf abschreiben lassen: DOES EDUCATION MATTER?
Myths about Education and Economic Growth» (Penguin Books 2002) . 

Freitag, 22. Februar 2013

Savoire vivre









Die Sprache macht's, besonders nach der Erfindung des Herrn Gutenberg






“Papa, Mama!”, zu solchen Verlautbarungen bringen es die anderen Tiere nicht. Zoologisch ist der Mensch nichts Besonderes, aber wenn es um die Sprache geht, dann könnte man glatt meinen, daß der Mensch gar kein großer Affe sei. Welcher Schimpanse hätte schon einmal gedichtet wie Heine:

" Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute:
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute. "

Keiner! Man darf getrost die Hypothese wagen, daß erst die Sprache den Menschen ausmache, ja, ihn vermutlich erst hervorgebracht habe. Alles Wichtige wurde in den Sprachspeicher gepackt und konnte dann den Jungspunden mitgeteilt werden, die dadurch schneller lernen konnten, wie man dem Mammut den Schneid abkauft. Und daraus einen ordentlichen Braten macht. Das Sprachsystem wuchs so rasant wie der Kopfinhalt, und umgekehrt, jedenfalls entstand eine sprachlich-kulturelle Evolution, die heute die genetische Evolution stark beeinflußt.
Erstaunlich ist, wie viele Muttersprachen entstanden, weswegen man den Menschen besser nach seiner Sprachbefähigung benannt hätte, statt nach seiner Weisheit (sapientia, homo sapiens). Gesellschaften bestehen daher typischerweise aus muttersprachlichen Kommunikationsgemeinschaften. Verstößt die Politik dagegen, wie im Falle Belgiens, dann gibt es große Probleme. Wallonen und Flamen sprechen verschiedene Sprachen und sie sprechen auch über verschiedene Dinge, ihre Mentalität ist unterschiedlich.
“Sie haben eine Stunde für ihre Pausen und das Mittagessen, unterhalten sich drei Stunden und arbeiten drei Stunden”, schrieb Maurice Taylor als Titan-Reifen-Chef an den französischen Industrieminister Montebourg, der ihn überreden wollte, ein Werk in Amiens zu übernehmen. (“Glauben Sie, daß wir so blöd sind?”, FAZ 21.2.13)

Die Lebensprioritäten stellen sich in den verschiedenen Sprachgemeinschaften verschieden dar. Das soll jede Gesellschaft für sich regeln und bezahlen. Und dafür haften. Und nicht andere dafür bezahlen und haften lassen. Sagt das mal jemand dem alten Mann in seinem Schloß Bellevue? Der Mann redet gern, ein typischer homo linguosus.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Hat's was genutzt?



Nach dem Tode wird gewogen - daher haben die Christen das: Gerichts-Waage aus einem Totenbuch 

(Bild: Wiki.)


Die teuren Toten bekamen im alten Ägypten ein Totenbuch zugesteckt zur Orientierung nach dem Tode. 20 Jahre finanzierte die Akademie der Wissenschaften NRW die Erforschung und Dokumentation dieses Brauchs. Zum Abschluß präsentierten die Mitarbeiter ihre Arbeit.
In der Einleitung skizzierte der Gräcist Lebek die Geschichte der Ägyptologie, die er mit Herodot, dem Vater der Geschichtsschreibung,  beginnen ließ. Um 450 vuZ hatte Herodot Ägypten bereist und in seinen “Historien” von dem Land Kunde gegeben, dem die Griechen einigen Respekt zollten. Nach dem Ägyptenfeldzug Napoleons 1798/99 mit seinem wissenschaftlichen Troß begründete Richard Lepsius (1810-84), der einen Beitrag zur Entzifferung der Hieroglyphen leistete, die Ägyptologie für den deutschsprachigen Raum. Lepsius hatte bei seinen Ägyptenreisen freie Hand, denn die arabischen Ägypter interessierten sich nicht für die vorarabischen großen Vorgänger.
Damit endete leiderschon der geistreiche Teil der Veranstaltung, es folgten mehr buchhalterisch gefaßte Vorträge, die sich immer mehr ins Spezielle verloren, wo man sich inhaltliche Darstellung gewünscht hätte. Nicht ein einziger Totenbuch-Spruch wurde vorgeführt. Schade um die Zeit. Nach der Einleitung hätte man besser zu Jan Assmanns Tod und Jenseits im alten Ägypten. gegriffen.