Dienstag, 28. Januar 2014

Karlemann





Krone statt römischer Wasserleitungskultur - Karl, ausnahmsweise mal ohne Schwert, läßt sich von einem Schamanen in Rom die Kaiserkrone aufsetzen
(Bild: Wikimedia)


Karl der Charlemagne starb vor 1200 Jahren, am 28.1.814. Lang her. Wie groß war Karl der Große? Das ist natürlich eine Frage des Maßstabs. Alle Seiten werden wohl darin übereinstimmen, daß der Franke ein großer Krieger war. 44 Jahre regierte er, 42 Jahre führte er Krieg. Der war offenbar sein Lebenselixier und viele nach ihm träumten davon, ihm nachzueifern. Um die eroberten Gebiete und die unterworfenen Stämme dauerhaft zu domestizieren, dachte er an Konstantin und baute auf eine unifizierende Reichsideologie. Den Klerus rüstete er deshalb auf mit dem Mönch Alkuin und seinen Schulen sowie der Reichsherrensprache Latein. Aber die Sprachen Althochdeutsch und Altfranzösisch hatten sich schon ordentlich auseinanderentwickelt, so daß die “Straßburger Eide” Karls des Kahlen und Ludwigs des Deutschen bereits zweisprachig gesprochen werden mußten, um von den beiden Heeren verstanden zu werden. Kommunikationen aber sind die Hauptsache bei einer Unifizierung. Die verschiedenen Teile des auf Gewalt und Christentum gebauten Frankenreiches strebten auseinander und bildeten verschiedene Sprachen und Kulturen aus. So sehr sich regierende Gewalttäter auch bemühten, ein gemeinsames europäisches Frankenreich kam nicht mehr zustande, auch wenn Ludwig 14. und vor allem Napoleon und dann Hitler es noch einmal probierten. Man sollte es dabei belassen und per Europa der Vaterländer sowie dem Freihandel weiterkommen. In dem Maße, wie Englisch als gemeinsam verfügbare Sprache den europäischen Sprachgemeinschaften stärkeren kommunikativen Austausch erlaubt, wird auch eine gewisse gemeinsame europäische Öffentlichkeit entstehen. Die Kulturen ähneln sich zwar aufgrund des gemeinsamen lateinischen Mittelalters, werden aber auch in Zukunft verschieden bleiben. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Es muß nicht alles Eintopf sein.

Im übrigen ist mir alles Große verhaßt, und Karl hätte besser daran getan, wo er schon dauernd alle seine Pfalzen auf dem Kriegspfad im ganzen Reich vollgekackt hat, sich für römische Wasserleitungen zu interessieren, statt für die römische Kaiserkrone. So kann ich ihm leider nur das Gesamturteil “großer Kriegskacker” zuerkennen. Schade eigentlich.  

Samstag, 25. Januar 2014

Kerry nimmt die Auslöschung der syrischen Christen durch die sunnitischen Banden billigend in Kauf.






Eine Familie ohne Handtuch um den Kopf - macht doch schon einmal keinen schlechten Eindruck. 
Engel sind die aber nicht, die Assads - so etwas gibt es in Arabien nicht, da stellt jeder jedem ein Bein bzw. eine Bombe unter den Stuhl. 
Aber verglichen mit al-Nusra & Co. sind die Assads erste Wahl. 
(Hinten der Augenarzt Baschar, derzeit regierend, der in London die kopftuchlose Sunnitin Asma, seine Studienfreundin, heiratete. Nach arabischem Maßstab also völlig aus der Art geschlagen - da heiratet man nicht nach außerhalb, schon gar nicht eine Frau, die eine christliche englische Schule besucht hat.)
(Bild: Wiki.)


Persien, eine finstere Diktatur, die die Bahai und andere Minderheiten verfolgt, mit einem raffiniert-taqyya-freundlichen neuen Ministerpräsidenten Rohani, ist wirtschaftlich am Ende, militärisch aber potenter als die anderen Länder des Nahen Ostens mit Ausnahme Israels. Teheran bastelt weiter an seiner Mittelstreckenrakete, und, so darf man vermuten, an der Atomwaffe. Die Wirtschaftskatastrophe zwingt Teheran aber zu Winkelzügen, für die Rohani besonders geeignet erscheint. Sein Gegenspieler ist der nervöse Kerry, der auf die sunnitischen Länder setzt, die sämtlich Angst vor den Persern haben, aber in jeder Hinsicht inkompetent sind. Sie wollen jedoch religionspolitisch die Schiiten ganz gerne ausrotten, und daher haben sie Geld, Waffen und Kämpfer nach Syrien geschickt, um dort die schiitischen Alawiten und die Christen auszulöschen, Assad als Konkurrenten zu beseitigen und Teheran zu schwächen.

Letzteres wollen auch die Israelis und Amerikaner, weil die Steinzeit-Saudis und ihre Verbündeten Israel nicht gefährden können. Quer in diesem Macht-Geschiebe liegen die eher säkulare PLO und die sunnitisch-extremistische Hamas, die unbedingt Israel vernichten will. Das stört Kerry weiter nicht, auch nicht die fehlende Gewaltverzichtserklärung der PLO, er will möglichst schnell einen selbständigen PLO-Staat, damit die Gewalt der PLO zurückgeht. Eine naive, kindische Vorstellung, denn es fehlt jede palästinensische Versöhnungsbereitschaft seit vielen Jahren. Arafat hat Oslo scheitern lassen.

Vor allem möchte Kerry aber Teherans Verbündeten Damaskus aus dem Weg räumen, dafür will er auch die syrischen Christen opfern, die bereits dezimiert sind durch Massaker und Flucht. 
(Hallo Stockholm: Dafür hätte Kerry doch schon einmal den Friedensnobelpreis verdient! Sein Chef hat ihn ja schon.) 
Die Amerikaner zögern aber bei einer weiteren Unterstützung der sunnitischen Terrorbanden wie al-Nusra und al-Kaida, weil sie keine Islamisten als Herren Syriens sehen wollen wie in Ägypten, Tunesien und Libyen. Aber sie scheinen das in Kauf nehmen zu wollen, um Iran zu schwächen und möglicherweise später die sunnitischen Kämpfer gegen Teheran zu instrumentalisieren wie seinerzeit die Taliban gegen die moskaufreundliche Regierung in Kabul und gegen die russische Armee.
Das Ganze sieht nicht gut aus.

Freitag, 24. Januar 2014

Aber Herr Shaw!




  







Nein, der auch. Daß Shaw bei den Sozis der "Fabian Society" war, daran kann man sich erinnern. Als man den "Pygmalion" las. Was sagte Higgins: "Ich werde eine Herzogin aus dieser Gassenschlampe machen. ... Ja, in sechs Monaten - ach was, in dreien". (2. Akt)
Da ist er, der Milieutheoretiker Shaw. Nur die Einflüsse der Umgebung entscheiden. Das meinte der stalinistische Theoretiker Lyssenko auch. Und deswegen verteidigte Shaw ihn auch gegen Angriffe. Und Stalin ebenfalls. Das war doch ein so netter Kerl! Shaw fuhr mit reifen 75 Jahren 1931 nach Rußland und fand es prima. Wie Stalin, der ihn in Moskau empfing.

Shaw hatte auch Sidney Webb vom Sozialismus und den "Fabians" überzeugt, der dann seine Beatrice überzeugte, und so fuhren die beiden ein Jahr später, 1932, ebenfalls nach Rußland. Und belehrten die Welt hinterher mit dem Alles-prima-Buch "Soviet Communism: A New Civilization" (1935), gefolgt von “The Truth about Soviet Russia” (1942). Zentrale Planung war einfach gut. Für alle.

Für Shaw auch bei der Fortpflanzung. Er war ein Eugeniker auf der geistigen Stufe eines Hundezüchters, bösartige Vergasungsphantasien inbegriffen.
Wer hätte das gedacht. Der humorige Shaw. Man lernt nicht aus.  


Die Webbs an Bord zum Besuch in Rußland 1932  
(Bild: Wiki.)