Sonntag, 22. März 2015

Kahneman steht vornean















Brain Mapping
Prof.'in Dr. Katrin Amunts, Jülich

“Das menschliche Gehirn ist eines der komplexesten Systeme – es umfasst verschiedene räumliche und zeitliche Skalen und reicht von den Genen über einzelne Zellen und ihre Schaltkreise, die zelluläre und molekulare Architektur bis hin zu Hirnarealen und großen Netzwerken, die für kognitive Prozesse, wie z.B. Sprache, bedeutend sind.
Hirnatlanten sind unverzichtbare Werkzeuge im Bereich des „Mappings“ kognitiver Funktionen –  sie ermöglichen die Analyse von Struktur-Funktionsbeziehungen in einem gemeinsamen räumlichen Referenzsystem und sind Basis dafür, die unterschiedliche Modalitäten miteinander in Beziehung zu setzen. Zytoarchitektonische Karten des in Jülich und Düsseldorf entwickelten JuBrain – Atlas erlauben es beispielsweise, Areale und Netzwerke zu identifizieren, die bei Neuroimaging-Untersuchungen während einer bestimmten Sprachaufgabe aktiviert wurden oder Genexpression sowie Rezeptorkonzentrationen in Hirnarealen zu bestimmen. Als Wahrscheinlichkeitskarten berücksichtigen sie die inter-individuelle Variabilität der Areale in Bezug auf ihre Größe und Lage. Variabilität findet sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen der Hirnorganisation und ist selbst Gegenstand von Forschung.
Mit dem „Big Brain“ gibt es erstmals einen Hirnatlas auf mikroskopischer Ebene. Damit können anatomische und funktionelle Befunde auf der Ebene von Schichten und Unterschichten der Hirnrinde räumlich korrekt aufeinander abgebildet werden. Ergänzt wird dieser Ansatz durch 3D-PLI (Polarized Light Imaging); dieses Verfahren zeigt selbst dünne Faserbündel und einzelne Nervenfasern in ihrem räumlichen Verlauf und erlaubt die Identifizierung neuer anatomischer Strukturen. Technologischer Fortschritt im Bereich der Bildanalyse, Softwareentwicklung, Visualisierung und Rechenleistung ermöglichen es, von der makroskopischen bis auf die zelluläre Ebene hinein zu „zoomen“. Sie erfordern die Einbeziehung moderner ICT und eröffnen neue Wege, sich der Entschlüsselung des Gehirns zu nähern.” (Amunts)
Ja, da hat sie was zu tun bis zur Rente. Auch ein Bild des Jülicher Großrechners fehlt bei ihr nicht. Und für die Hirnchirurgie sind die verfeinerten Gehirnkarten sicher eine große Hilfe.
Aber sonst?
Die empirische Forschung im Bereich der Psychologie hat mehr zu bieten. Zwei Systeme des Denkens zum Beispiel. Keith Stanovich und Richard West haben sie so benannt, Daniel Kahneman widmet ihnen besondere Aufmerksamkeit.
-    „System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Steuerung.
-  System 2 lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten, die auf sie angewiesen sind, darunter auch komplexe Berechnungen.
(Soll wohl heißen, daß diese Aufgaben nur möglich sind, wenn die Aufmerksamkeit 1. aufgerufen ist, was eine Anstrengung darstellt, und 2. diese Anstrengung aufrechterhalten wird, um beispielsweise zu rechnen, was auch wiederum anstrengend ist, WD)
Die Operationen von System 2 gehen oftmals mit dem subjektiven Erleben von Handlungsmacht, Entscheidungsfreiheit und Konzentration einher.“ (Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken, S. 33)
Das System 1 arbeitet schnell, daher der Buchtitel, und System 2 arbeitet langsam.
Zur Erkundung der Eigentümlichkeiten der beiden Systeme ist es nicht nötig, sie in einer Hirnkarte einzutragen, was so gar nicht möglich wäre, sondern es müssen möglichst viele Versuche am lebenden Objekt durchgeführt werden.
Eine Eigenschaft des schnellen, intuitiven Systems 1 liegt dabei auf der Hand: es braucht weniger Anstrengung und wird deswegen bevorzugt. Manche Menschen – oder die meisten? – verzichten am liebsten lebenslang auf das anstrengende System 2. Weswegen die Spaßschule beliebter ist als die Lernschule.



Samstag, 21. März 2015

Nicco und Fritz











25. Welchen Einfluß das Glück auf die Angelegenheiten der Menschen hat.
Ich weiß wohl, daß Viele ehedem die Meinung gehegt haben und noch jetzt hegen, die Begebenheiten der Welt würden solchergestalt vom Glücke und von Gott regiert, daß die Menschen mit aller Klugheit sie nicht verbessern und nichts dagegen ausrichten könnten. Daraus könne man abnehmen, daß es nicht der Mühe werth sei, viel einzufädeln, sondern daß man sich nur dem Schicksale hingeben möge. Diese Meinung hat in unsern Tagen durch die großen Veränderungen, die Alles erlitten hat, die man noch täglich sieht, und welche alle menschlichen Vermuthungen zu Schanden machen, viel gewonnen. Indem ich hierüber nachgedacht, bin ich zu Zeiten geneigt gewesen, mich zu derselben Meinung zu bekennen. Weil aber doch der menschliche freie Wille damit in Widerspruch steht, so urtheile ich, daß das Glück wol die Hälfte aller menschlichen Angelegenheiten beherrschen mag; aber die andre Hälfte, oder doch beinahe so viel, uns selbst überlassen müsse. Ich vergleiche das Glück mit einem gefährlichen Flusse, der, wenn er anschwillt, die Ebene überschwemmt, Bäume und Gebäude umstürzt, Erdreich hier fortreißt, dort ansetzt. Jedermann flieht davor und gibt nach; Niemand kann widerstehen. Dennoch können die Menschen in ruhigen Zeiten Vorkehrungen treffen, mit Deichen und Wällen bewirken, daß der Fluß bei hohem Wasser in einem Canale abfließen muß, oder doch nicht so unbändig überströmt und nicht so viel Schaden thut. In gleicher Art geht es mit dem Glücke, welches seine Macht zeigt, wo keine ordentlichen Gegenanstalten gemacht sind, und sich mit Ungestüm dahin kehrt, wo keine Wälle und Dämme vorhanden sind, es im Zaume zu halten. Wenn man Italien betrachtet, welches [pg 118] der Sitz dieser großen Umwälzungen gewesen ist, so wird man ein ebenes Feld finden, ohne Wälle und Dämme. Wäre dieses Land durch hinlängliche Kriegstugend vertheidigt, so wie Deutschland, Frankreich und Spanien, so hätten jene Ueberschwemmungen keine solchen Umwälzungen hervorgebracht, oder wären gar nicht eingetreten. So viel im Allgemeinen vom Widerstande gegen das Schicksal. Nunmehr der Sache näher zu treten, sage ich, daß man einen Fürsten heute im Wohlstande, morgen zu Grunde gehen sieht, ohne daß er seine Natur im Geringsten verändert habe. Dies scheint mir zuerst von den Ursachen herzurühren, die ich oben ausführlich erörtert habe: nämlich, daß ein Fürst, der sich ganz auf das Glück verläßt, zu Grunde gehen muß, sobald dieses sich dreht. Ferner glaube ich, daß es dem gut gehe, der in seiner Handlungsweise mit dem Geiste der Zeit zusammentrifft, und daß derjenige verunglücken müsse, der mit den Zeiten in Widerspruch geräth. …”
Dies ist eine klare Absage an den Fatalismus, die am Ende des Kapitels noch einmal bekräftigt wird. Der Hintergrund der ganzen Schrift rückt hier ins Auge und mündet im Schlußkapitel: “Aufruf, Italien von den Barbaren zu befreien”. Die italienischen Partialherrschaften kooperierten mit ausländischen Mächten, mit Frankreich und Spanien, und waren zugleich deren Spielball. Und ihre Bürger mit.
Dieses quasi-nationale Anliegen hat sich dann in ganz Europa durchgesetzt, heute wieder in Frage gestellt durch die Multikulti-Ideologie.
Der schlechte Ruf Machiavellis verdankte sich früh seinen Gegnern, die seinen realanalytischen Blick ohne Ornamente und bunte Schleifen ablehnten. Fürstbischöfe waren das, zum Beispiel, aber auch Thronfolger wie Friedrich II., der kurz vor seiner Machtübernahme den “Antimacciavell” schrieb, durchaus mit diskutablen Argumenten. Zwei Jahre später griff er Österreich in Schlesien an und annektierte es. Dergestalt Machiavelli bestätigend:
„… Sie ist in der That eine natürliche und gewöhnliche Sache, die Begierde zu Eroberungen: und die Menschen werden immer gelobt und nicht getadelt, die so etwas unternehmen, wenn sie es ausführen; wenn sie das aber nicht vermögen und doch unternehmen, es koste was es wolle: da liegt der Fehler, und darüber werden sie getadelt. …“ (N.M., Fürst, Ende 3. Kap., Reclam S. 45)

Es sollte in Europa noch lange dauern, bis der Krieg als ganz normales Mittel der Politik diskreditiert wurde. Dieser Paradigmenwechsel gilt aber weitgehend nur für Westeuropa. Die Außenpolitik, will sie sich nicht an Fortuna und den Fatalismus ausliefern, muß das berücksichtigen.









Freitag, 20. März 2015

"Rogue elephant" (Johnson) Churchill had an idea









Irresistible sinkt die "Irresistible" vor Gallipoli

(Foto: Wiki.)

Sir Winston Leonard Spencer-Churchill und sein Chef Herbert Henry Asquith, 1. Earl of Oxford and Asquith, die beiden englischen Kriegstreiber, mußten 1916 zurücktreten. Nach der verlorenen Schlacht von Gallipoli 1915. Abertausende verloren in der Dardanellen-Schlacht ihr Leben. Adelsgroßkotz Churchill hatte als Marineminister mal so eine Idee gehabt. Waffen sollten die Russen kriegen über das Schwarze Meer. Doch die Türken, vorher noch düpiert von Churchill und Asquith, verteidigten die Dardanellen. Dabei spielte Mustafa Kemal eine große Rolle, und die verhalf ihm später zum „Atatürk“.  
















Donnerstag, 19. März 2015

Serbische Tradition






Der altägyptische Staats-Stier APIS 
(Foto: Jastrow/Wiki.)






Schon 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica in Ostbosnien verlautet aus Belgrad, daß direkt Beteiligte festgenommen worden seien. Respekt! Schon nach 20 Jahren! 
Die „Schwarze Hand“, der halbstaatliche serbische Geheimbund, scheint auch nicht mehr der alte zu sein.
Wir erinnern uns:

Der Putsch von 28 Offizieren der serbischen Armee gegen König Alexander und Königin Draga Juni 1903

„Das Paar wurde in einem Kugelhagel aus nächster Nähe niedergeschossen. … Es folgte eine Orgie sinnloser Gewalt. Die Leichen wurden … mit Säbeln zerstochen, mit einem Bajonett aufgerissen, teilweise ausgenommen und mit einer Axt zerhackt, bis sie zur Unkenntlichkeit verstümmelt waren.“ (Clark, Schlafwandler, S. 25)
Die Offiziere inthronisierten einen Konkurrenten, Peter Karadjordjevic, von dem sie sich u.a. mehr Militärausgaben erwarteten. 
Einer der Verschwörer gegen König Alexander war der junge Leutnant im Generalstab Dimitrijevic, „Apis“ genannt, der einer der Drahtzieher beim Attentat der „Schwarzen Hand“ auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand werden sollte. 

Vorher gab es aber noch allerhand andere Massaker auf dem Balkan durch die großserbische Politik, in Albanien, zum Beispiel:
„Während der Balkankriege 1912 und 1913 lösten mehrere serbische Angriffe auf Nordalbanien eine Reihe internationaler Krisen aus. … schlechte Neuigkeiten aus den von serbischen Truppen eroberten Gebieten … Oktober 1913 Berichte über Greueltaten gegen die einheimische Bevölkerung … Zerstörung zehn kleiner Dörfer, deren gesamte Bevölkerung getötet worden sei. Zuerst wurden die Männer gezwungen, aus dem Dorf zu kommen, und reihenweise erschossen; dann wurden die Häuser in Brand gesteckt, und als die Frauen und Kinder vor den Flammen flüchteten, wurden sie mit Bajonetten ermordet.“ 
(Clark, Schlafwandler, S. 158f.)
Denn aus serbischer Sicht zählten unter den Süd-Slawen nur die Serben. 
Und das fand die Unterstützung Rußlands, dessen Vision die Eroberung der türkischen Meerengen war. 
Noch immer ist? Was nützt eine Schwarzmeerflotte, die in den türkischen Meerengen von den Küstenbatterien zusammengeschossen werden kann? 


Was die Brutalität der serbischen Mentalität betrifft, so stellt sich auch die Frage nach der geistigen Rückständigkeit des orthodoxen Christentums. Standen nicht die Popen an der Straße und segneten die Brutalos der Karadzic und Mladic in ihrer Aggression gegen Kroaten, Bosnier und Albaner?