Sonntag, 10. Mai 2015

Im Krankenhaus









„Czernecki, mein ukrainischer Assistent, kommt mich schon holen zum Empfang der Russen. Die Kranken, an denen ich vorüberkomme, recken die Hälse: ‚Zwei sind schon durchgelaufen und haben uns die Uhren weggenommen, und die Wally hat schon eins abgekriegt.‘ 

Wally, die beherzte kleine Russin, liegt mit blutüberströmtem Gesicht zwischen den Kranken am Boden und rührt sich nicht. Der Russe hat sie, als sie ihm in den Weg trat, am Schopf gepackt und mit dem Gesicht auf den Boden geschlagen. Der Oberkiefer ist gebrochen, mehrere Zähne sind ausgeschlagen. Sie ist bei Bewußtsein, gibt aber keinen Laut von sich.“ 


Königsberg unter den Russen, 9.-24. April 1945, Hans Graf von Lehndorff, Ostpreussisches Tagebuch, Aufzeichnungen eines Arztes 1945-47, S. 64f.

Samstag, 9. Mai 2015

Was gesagt werden muß













„Israels Präsident Reuven Rivlin hat sich gegen einen Palästinenser-Staat ausgesprochen, weil er diesen als «Gefahr für die Existenz Israels» betrachtet.
In einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag) warf er den Freunden seines Landes vor, sie würden versuchen, Israel «die Zwei-Staaten-Lösung aufzuzwingen».
«Aber sie müssen auch verstehen, wo die roten Linien sind für Israel, damit es sich selbst verteidigen kann».
Als Alternative schlug Rivlin eine Föderation mit den Palästinensern vor. Zugleich warf er den Palästinensern vor, kein ehrliches Interesse an einem Ausgleich mit Israel zu haben.“  20 Minuten, Schweiz, 9.5.15 / DLF


Die jahrzehntelange Kriegspolitik der arabischen Länder, der PLO und der Hamas lassen eine 2-Staaten-Regelung als völlig absurd erscheinen. Diverse Militärbanden wären natürlich sehr dafür. 



Freitag, 8. Mai 2015

Die Renaissance hatte Schwung






Athene des Phidias in Kopie (Bild: Wiki.)








Die christliche Kultur ist für mich die größte und schönste Kultur, die es gibt auf der Welt. Ich bin dankbar für die große Kunst, die Musik, die schönste Architektur, für die Literatur und Philosophie...
Gerhard Richter 2004 im Interview mit Werner Spieß

Der Kunsthandel denkt mit der Geldbörse, die Maler denken mit dem Pinsel, heißt es. Richter hätte ein paar Gründe angeben dürfen. Vor allem, was  genau er meint mit “christlicher Kultur”. Fing es mit der Kunst, der Musik, der Architektur nicht erst richtig an, nach Jahrhunderten der Wiederkäuerei, als die Renaissance anhub? Auch die Borgia-Päpste waren daran beteiligt, namentlich Alexander VI. (1431-1503) Könige, Fürstbischöfe und Fürsten haben überall und unabhängig von ihrer Weltanschauung dem Luxus und ihrer Eigenverherrlichung in Wort, Schrift und Musik gefrönt. Die großen Namen der Kultur, als da sind Phidias, Epikur, Epiktet, Seneca, Cicero, Marc Aurel, Lukrez, Montaigne, Voltaire, Diderot, d’Alembert, Goethe, Schiller, Schopenhauer, Beethoven, Picasso, Adam Smith, Max Weber, Hayek, Popper, de Kooning, Luhmann etc. stehen mehr im Kontext von Antike und Renaissance als in dem des Christentums. Anders als die orthodoxen Richtungen des Christentums hat sich aber insbesondere das protestantische Christentum als recht lernfähig erwiesen. Allerdings geht der Bildersturm auf das Konto des Protestantismus.  

Donnerstag, 7. Mai 2015

Nahost halbblind gesehen





Der Schwarzwälder Badausstatter DURAVIT in Ägypten 


(Foto: Duravit)

„Ivesa Lübben studierte 1973 bis 1981 in Marburg und Bremen Wirtschaftswissenschaften und Politik, wobei sie sich vor allem mit Fragen der Entwicklungstheorie und der Konfliktforschung beschäftigte. Nach ihrem Diplom arbeitete sie zunächst als Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen.
Von 1984 bis 1987 lernte sie am Arabic Teaching Institute for Foreigners und der Universität Damaskus Arabisch.
Von 1990 bis 2004 lebte sie in Kairo, wo sie als freie Journalistin und wissenschaftliche Autorin für Medien wie die TAZ, GEO, INAMO, Radio Bremen, den WDR und al-Jazeera sowie für Stiftungen und Forschungsinstitute wie die Konrad-Adenauer-Stiftung, das Orient-Institut in Hamburg (heute GIGA), die GTZ u.a. arbeitete. Dabei beschäftigte sie sich seit Mitte der 90er Jahre vor allem mit islamistischen Parteien und islamisch-politischen Diskursen.
Seit 2004 lebt sie wieder in Deutschland, wo sie neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit regelmäßig Fortbildungen für Sozialarbeiter und Pädagogen zu Fragen der Integration von Muslimen und islamischen Familienbildern durchführt.
Am CNMS (Centrum für Nahost- und Mittelost-Studien, Marburg) bearbeitet sie ab August 2009 in dem Projekt "Außenpolitische Vorstellungen moderater islamistischer Parteien am Beispiel der EU-Mittelmeerpartnerschaft" die beiden Länderschwerpunkte Ägypten und Jordanien.“ (CNMS)

Lübben sprach bei der Thomas-Morus-Akademie zur Lage in Nahost. Sie verglich die jetzige Situation mit der Restauration der Metternich-Zeit in Europa, den sog. arabischen Frühling mit der französischen Revolution. Die willkürlich gezogenen Staatsgrenzen seien problematisch, die USA hätten keinen Aufbauplan für den Irak besessen. In Tunesien und Ägypten spielten die Gewerkschaften eine positive Rolle. Man müsse Geduld haben.

Das muß man wohl. Der Badeinrichter DURAVIT hat sie noch immer in Kairo und Heliopolis. Trotz der langen Streiks in Ägypten in den vergangenen Jahren. Aber die Belegschaft im Produktionsstandort Heliopolis wurde reduziert, monatelang wurde nicht produziert, obwohl die soziale Lage das Hauptproblem in Nahost darstellt. Eine Verfünffachung (sic!) der Bevölkerung in Ägypten, islamische Unproduktivität und orientierungslose Politik seit Jahrzehnten - da wäre es erstaunlich, wenn die vielen jungen Männer, von denen die Revolte gegen Mubarak ausging, zufrieden wären. All das kam bei Lübben nicht vor.
Auch nicht das Akademikerproblem. In Kairo fehlen Handwerker, sie verdienen mehr als Akademiker, von denen es zu viele gibt. Wie in Tunesien. Mit Abitur arbeitete Mohamed Bouazizi als selbständiger kleiner Gemüsehändler ohne Genehmigung, der ständig mit der arabisch-sozialistischen Bürokratie Ärger hatte bis zu seinem Verbrennungstod, der zur arabischen Jugendrevolte in Nahost führte. Mit einer bürokratisierten Wirtschaft und einer fehlgesteuerten Bildungspolitik kommt kein Wohlstand zustande. Bei Lübben aber kein Thema. Insofern drängt sich das Fazit auf: an der Hauptsache vorbeigeredet. Schade, Frau Lübben.







Mittwoch, 6. Mai 2015

Vom Tage



FEMEN: Zeigegeile, ferngesteuerte Klamaukpüppchen, die das armselige Niveau von 68er Straßendemonstrationen noch einmal bedeutend unterschreiten. 

Geht das schon wieder los, soll die remigrierte Hilde Domin gesagt haben, als der Heidelberger SDS unter ihrer Wohnung vorbeitobte. 
Die Sozialdemokraten haben im vorletzten Jahrhundert mit Straßenaufmärschen begonnen, wenn man nicht zurückgehen will bis 1789. 
Da die Massenmedien weitgehend noch nicht zugänglich waren, naheliegend. Jakobiner, Kommunisten und Nazis haben die Demos dann zum Straßenkampf ausgebaut und zur Masseneinschüchterung eingesetzt. Die Straße bietet keinen Platz für argumentative Auseinandersetzung.- Bei Femen denkt sich der Gründer und Direktor dieses und jenes aus, was er gerade schick findet, und schickt die Hühner los, ob Messeauftritt oder Kreuzabhacken, die nackten Titten tun ihr Werk. 

Wie meinte Schiller?
Jeder, sieht man ihn einzeln, ist leidlich klug und verständig;
   Sind sie in corpore, gleich wird euch ein Dummkopf daraus.“
Xenion (288) 

 Das machen sich alle Organisationen zunutze, besonders Bewegungen ohne feste Strukturen, die völlig von Führern beherrscht werden, wie Robespierre, Stalin, Mussolini, Hitler, Mao, Pol Pot ...  
Vgl. auch Bernhard von Clairvaux und den 2. Kreuzzug, sowie seinen Zisterzienserbruder Radulf. 
Und natürlich die Assassinen und Hassan ibn Sabah.

https://www.youtube.com/watch?v=oWv6I6FO4bc

STRASSE: Und in jedem Mob gibt es auch die Scharfmacher, und das ganze schaukelt sich auf: http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/afghanistan/11487220/Mob-beats-Afghan-woman-to-death-for-allegedly-burning-Koran.html


Nebenbei: Heute war schon das zweite Bild einer lachenden Merkel in der FAZ- sie hatte sich ja vorgenommen, mehr öffentlich zu lachen, verkündet öffentlich nach der letzten Wahl; am Wochenende war sie schon einmal in Großaufnahme lachend zu sehen über einem Artikel von Eckart Lohse, der ihrem Humor gewidmet war. Sehr unüberzeugend. Es scheint, Lohse hat einen Auftrag aus dem Kanzleramt bekommen und kommt dem nun nach.