Sonntag, 10. April 2016

Und die Mutter blicket stumm ...









Storchenkampf - 

der Neuling packt den Vorbesitzer des Nests am Nacken und wirft ihn vom Nest. Beide Hähne sind verletzt und bluten. Der Neue hat gesiegt. 

Ein Storchen-Lehrstück innen- und außenpolitisch. (Foto: Jutta Sötje, g+)










Samstag, 9. April 2016

... sei nur die Persönlichkeit!















Vor hundert Jahren, Anfang April 1916,  wurde Hans Jürgen Eysenck in Berlin geboren. Die an die Macht gekommene braune Bande ließ ihn sein Glück in London suchen, wo er seine Psychologenlaufbahn begann. Und 1997 erfolgreich beendete. Er war empirisch orientiert, nicht geisteswissenschaftlich wie Freud. Anale und orale Charaktere gab es bei ihm nicht, sondern Persönlichkeitspsychologie nach 3 Dimensionen: 
Psychotizismus (vs. Impulskontrolle)
Extraversion (vs. Introversion)
Neurotizismus (vs. Stabilität)
Nach den Anfangsbuchstaben das PEN-Modell benannt. 
Dieses ist eingebettet in die Genetik einer Person, die auf das Limbische (Belohnungs-) System wirkt, das die PEN-Faktoren beeinflußt, woraus sich persönliche, individuelle Züge ergeben wie Konditionierungseigenschaften, Sensibilität, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Gedächtnis und Reminiszenz (Rückerinnerung). 

Weiterungen sind Soziabilität, Kriminalität, Kreativität, Psychopathologie und sexuelles Verhalten.


Das PEN-Modell Eysencks wurde zwischenzeitlich erweitert zum 5-Faktoren-Modell (Big Five, NEOCA):

Übersicht
Kürzel Faktor schwach ausgeprägt / stark ausgeprägt
N Neurotizismus: selbstsicher, ruhig /   emotional, verletzlich
E Extraversion: zurückhaltend, reserviert  / gesellig
O Offenheit für Erfahrungen: konsistent, vorsichtig  /erfinderisch, neugierig
C Gewissenhaftigkeit: unbekümmert, nachlässig  / effektiv, organisiert
A Verträglichkeit: kompetitiv, misstrauisch / kooperativ, freundlich, mitfühlend

Die Dimension PSYCHOTIZISMUS erscheint hier nicht mehr, weil der Faktor zu ungenau sei. Dagegen Eysenck:

“Insbesondere ist noch zu bemerken, daß diese Psychotizismus-Skala sehr hohe Werte unter jenen Kriminellen erbringt, die wegen aggressiver und sexueller Delikte einsitzen, d.h., gerade solche Verbrechen, wie man sie bei (primären) Psychopathen erwarten würde.” Hans J. Eysenck, Die Ungleichheit der Menschen, London 1973, S. 197)

Da Kriminalität eine bedeutsame Konstante in allen Gesellschaften darstellt, leuchtet es wenig ein, auf diese Persönlichkeits-Dimension zu verzichten.   













































Freitag, 8. April 2016

Die Verfestigung einer arbeitsunwilligen Unterschicht



“Carola Goetze, 46 Jahre, ist seit vielen Jahren arbeitslos, ebenso ihr Mann. Das Ehepaar und seine achtjährige Tochter bekommen 1400 € im Monat. Carola Goetze hat einen 1-Euro-Job bei der Essensausgabe der Gelsenkirchener Tafel. Sie war einmal im Job-Point mit dem Ergebnis: ‘Für mich war da nichts dabei.’ Während der vergangenen vier Jahre wurden ihr von der Arbeitsagentur sechs Jobs angeboten, sie wollte keinen davon. Arbeitsvermittler Sußmann sagt, daß in Gelsenkirchen alle 20 Minuten ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werde, die Arbeitslosigkeit sei nicht statisch. Er verwaltet viele Aktivierungsmöglichkeiten, aber es gelang ihm dennoch nicht, Carola Goetze mit ihren 46 Jahren in reguläre Arbeit zu bringen. Bekämen Carola Goetze und ihre Kleinfamilie nicht monatlich 1400 € vom Staat, würde sie wohl längst einer bezahlten Arbeit nachgehen. Es gibt Millionen Carola Goetzes im System, das zeigt die Untersuchung der Dynamik im SGB II durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung …”
Thilo Sarrazin: Deutschland, 2010, S. 175f.


“Es erschien eine junge, dunkelgekleidete Frau von etwa 20 Jahren mit ihrem ebenfalls dunkel gekleideten 22jährigen Freund. Beide lebten von Hartz4. Die junge Frau hatte zwei Jahre zuvor den Realschulabschluß gemacht. Sie wollte Maskenbildnerin werden, fand aber keine Stelle. … Ob sie nicht wenigstens eine Ausbildung als Verkäuferin machen wolle? Der Filialleiter bei Lidl, wo sie öfter jobbe, habe sie das auch schon gefragt, meinte sie. Sie wolle aber nicht. … Ihr Leben sei langweilig, sagte sie. Kochen könne sie nicht, ihre Eltern, ebenfalls Hartz4-Empfänger, auch nicht.” Sarrazin, S. 127f.  

Wer als Hausverwalter tätig war, kennt solche Fälle aus der Nähe; Kinder werden bereits früh an das asoziale Abzocken gewöhnt. Am Rückbau des Sozialstaats in Richtung “Workfare” geht kein Weg vorbei. Das macht auch Gelder frei für tatsächlich Hilfsbedürftige.  

























Donnerstag, 7. April 2016

Profile der Biochemie






Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz, wer mit 40 immer noch Sozialist ist, hat keinen Verstand. Ja, wenn es so einfach wäre! Der Biochemiker Lothar Jaenicke, Jahrgang 1923, war früh Sozialist und er blieb es sein ganzes, erfolgreiches Biochemikerleben lang. Der schnellsprechende und schnelldenkende Berliner starb Ende 2015. 
Seine letzte Veröffentlichung sind seine „Profile der Biochemie“, die 44 Biochemiker von Moritz Traube (1826-94) bis Max Ferdinand Perutz (1914-2002) eng am Fach porträtiert, weswegen das Buch auch die Entwicklungsgeschichte der Biochemie vorführt und für Interessenten der Lebenswissenschaften eine lohnende Lektüre darstellt. 


Jaenickes Ehefrau Erna Buttermilch war jüdischer Herkunft, sicher ein Grund, weswegen ihm die braune Brut früh verhaßt war. Dieser Haß begleitete Jaenicke lebenslang und das Vorwort und die Ausführungen im Buch verraten es. Der Verkauf lief schleppend, und Jaenicke mutmaßte, daß der Hirzel-Verlag nicht genug für die Werbung tue. Daher hier der Hinweis auf dieses großartige Werk zu etwa 150 Jahren Biochemiegeschichte, eingebettet in die Zeit der vorgestellten Protagonisten. 
Den linken basso continuo kann man am Baßregler justieren.




























Die Porno-Schlange ist fünfhundert Meter länger als die Essensschlange.





Die Größe der "relativen Armut" bleibt gleich bei steigendem Gesamteinkommen - Darstellung aus: WARUM DICK NICHT DOOF MACHT UND GENMAIS NICHT TÖTET, von Bauer, Gigerenzer, Krämer, S. 125






„Armut“ ein ein Wort, das manchem in die Knochen fährt. Das soll es auch. Manche erinnern sich sofort an die Nachkriegszeit, an den Hungerwinter 1946/47. Viele verhungerten in den zerbombten Städten. Ich habe es nicht erlebt, aber mußte noch die Schuhe meines Vaters auftragen und als Schüler arbeiten. Damals gab es noch keine Armutsstatistik. Die gibt es erst heute, im allgemeinen Wohlstand. Sie ist ein Produkt des Wohlstands. Und der Organisationen, die von dem  Statistikmißbrauch leben, der Paritätische Wohlfahrtsverband, beispielsweise. Da es in den Industrieländern keine klassische Armut mehr gibt, sind die Wohlfahrtsabzockerverbände in ihrer Existenz bedroht. Die Lösung haben sie wie eine gezinkte Karte aus dem Ärmel gezogen: die „relative Armut“. Wer unter einen bestimmten - ständig steigenden - Mittelwert fällt, wird zum Armutsfall erklärt. Damit ist die Zukunft der Oxfam, Caritas & Co. gesichert. In ihren Werbeabteilungen haben sie sich werbewirksam die „Tafeln“ ausgedacht. Dort wird kostenlos Essen ausgegeben, und da überall, wo es etwas umsonst gibt, eine Schlange entsteht, läßt sich das gut abfilmen. Das ist aber nur ein Gag. Ich werde demnächst demonstrativ Porno-CDs gratis an einer Porno-Tafel neben der Essens-Tafel verteilen und so demonstrieren, daß die Porno-Schlange fünfhundert Meter länger ist als die Essensschlange.