Samstag, 6. August 2016

"Mir geht nichts über mich"










Johann Caspar Schmidt aus Bayreuth (1806-56) wurde in Berlin Max Stirner - mutmaßlich wegen seiner hohen Stirn, die Friedrich Engels im einzigen vorhandenen Bild festhielt; die Linkshegelianer trafen sich damals im Bund der "Freien".


Ob Ayn Rand den Linkshegelianer Max Stirner kannte? Kaum. Dabei hätte sie  sprachlich und intellektuell viel von Stirner und seinem Buch “Der Einzige und sein Eigentum” von 1844 profitieren können. Fast könnte man meinen, Rands “Tugend des Egoismus” sei nur ein müder Abklatsch des Stirner’schen Werkes. Dieses hat einen mitreißenden Schwung, der manchmal ein wenig aus der Kurve trägt. Aber allein die Einleitung ist grandios:
„Was soll nicht alles Meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit, der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache Meines Volkes, Meines Fürsten, Meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes und tausend andere Sachen. Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. »Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt!« “
Und richtig bemerkt er, daß die Selbstfindung des Menschen ein großes Problem darstellt, denn schon dem Kleinkind wird alles Mögliche - positiv oder negativ - übergestülpt:
“Von dem Augenblick an, wo er das Licht der Welt erblickt, sucht ein Mensch aus ihrem Wirrwarr, in welchem auch er mit allem anderen bunt durcheinander herumgewürfelt wird,  s i c h  herauszufinden und   s i c h   zu gewinnen.
Doch wehrt sich wiederum alles, was mit dem Kind in Berührung kommt, gegen dessen Eingriffe und behauptet sein eigenes Bestehen.
Mithin ist, weil Jegliches   a u f s i c h   h ä l t ,  und zugleich mit anderm in stete Kollision gerät, der   K a m p f   der Selbstbehauptung unvermeidlich.” (Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Beginn)
Gut, daß sein genetisches Erbe ihm überwiegend ein Wachstum zu einem stabilen ICH erlaubt. Oft aber gibt es schlimme Konflikte bei der Reifung. Und ständig versuchen Kollektivisten aller Art den jungen Menschen einzufangen und für ihre Zwecke zu mißbrauchen: Religionskollektivisten, Kommunisten und Faschisten.
Deswegen hat schon der desaströse Erzkollektivistenprophet Karl Marx den Stirner übel persönlich beschimpft, typisch für diesen Fanatiker:
“Der hohlste und dürftigste Schädel unter den Philosophen mußte die Philosophie damit ‘verenden’ lassen, daß er seine Gedankenlosigkeit als das Ende der Philosophie und damit als den triumphierenden Eingang in das ‘leibhaftige’ Leben proklamierte.”
(Marx, Deutsche Ideologie, Leipziger Konzil, III. Sankt Max, MEGA 3, 435)

Man sieht hier die ganze Bösartigkeit Marxens, KPdSU und SED knüpften hier in besonderer Weise an. Und vor der KPdSU floh Ayn Rand nach Amerika.







Claudio Arrau - Brahms Piano Sonata No.3 in F minor, Op. 5 (1 - 3)

Mittwoch, 3. August 2016

This son of Joh. Seb. Bach lived 1710 (Weimar)-1784 (Berlin); he often is named the Halle'sche Bach, in Halle he played the organ at the Marienkirche from 1746-1764. /// Wilhelm Friedemann Bach Suite in sol min

Die Bachs, Bernoullis und Eysencks










Mit dem Müller Veit Bach fing es im 16. Jahrhundert an. Er lebte von etwa 1550 bis 1619. Und wurde Ahne jener Bachs, die man heute noch kennt und spielt: Johann Sebastian (1685-1750) und seine Söhne Joh. Chr. Friedrich, Joh. Christian, Wilhelm Friedemann und Carl Phil. Emanuel, die zu ihrer Zeit europaweit bekannter waren als der heute als bedeutender eingeschätzte Vater. Unter den fast 50 musikalisch begabten Bach-Vertretern sind es nur diese 5, die nicht nur Begabung erbten, sondern auch musikalisches Genie, ausgewiesen durch ihre Kompositionen.
Ein Instrument zu erlernen, das könnten die meisten; die wenigsten schaffen es. Noch viel weniger haben das Talent zum Soloinstrument, und kaum einer schafft es zu einer Spitzenkarriere der Klasse Paganini und Liszt. Diese beiden komponierten zudem wie die Bachs, das ist die Geniespitze. Was befähigt dazu? Zweifellos das ererbte Talent, wie es in der ganzen Bachfamilie vorhanden war. Diese Vererbung ist auch allgemein bekannt, ob bei Vollblutpferden, den Bernoullis oder Mozarts. Was aber macht den Unterschied zwischen einer Spitzenbegabung wie Salieri und einer Hyperbegabung wie Mozart? Sicher nicht das Üben und die goldenen Worte der Gönner und Kritiker. Die sind nur hilfreich, aber von untergeordneter Bedeutung. Talente wie Charles Ives komponieren auch für die Schublade. Und wer hat nicht darüber gelacht, daß der Dozent dem jungen Jagger gesagt haben soll, er möge ruhig seine Musik machen, aber sich doch nicht einbilden, damit Geld verdienen zu können?
Zurück zu Johann Sebastian, Ludwig van und Wolfgang Amadé. Hier dürfte der Begriff der “Emergenz” hilfreich sein. Je mehr positive Gene im Hinblick auf die spezielle Begabung zusammentreffen - das könnten sehr viele sein - desto stärker fällt die Begabungsaufladung aus. Ein guter Läufer braucht nicht nur die entsprechende Lauf-Muskulatur, sondern auch einen günstigen Körperbau, Lungenvolumen und viele rote Blutkörperchen für den chemischen Sauerstofftransport - und diese Teilleistungen ließen sich weiter zerlegen wie bei allen anderen Begabungsfeldern auch. “Emergent” daran ist, daß sich eine hohe Zahl von Teilleistungen gegenseitig steigern. Das ist aber der unwahrscheinliche Fall und wird in dieser Leistungsdichte nicht vererbt. Der Psychologe nennt es die “Regression zur Mitte”. Launig setzte Hans Jürgen Eysenck unter die Buch-Widmung an seine Kinder Gary, Connie, Kevin und Darrin den Wunsch: “in der Hoffnung, daß die genetische Regression zum Mittelmäßigen ihnen nicht allzusehr mitgespielt hat!” (Eysenck, Die Ungleichheit der Menschen, London 1973)
Ausgewirkt hat sie sich aber, wie bei den Bachs auch, den Bernoullis und Weizsäckers. Ein ferner Nachfahre von Johann Sebastian, der Texaner Dwight Back, hat nur noch die CDs des Altvorderen im Regal. Seine Schwester ist immerhin noch sonntags Organistin.  
Doch die “Regression zur Mitte” wirkt nicht nur in eine Richtung. Die “Progression zur Mitte” ist die andere Seite. Sehr intelligente Eltern haben tendenziell weniger intelligente Kinder. Und ganz unintelligente Eltern haben tendenziell intelligentere Kinder. Da kann man nicht meckern.