Samstag, 27. August 2016

Ach, Academia


“Laß dich nicht anstecken, gib keines andern Meinung, ehe du sie dir anpassend gefunden, für deine eigene aus; meine lieber selbst.”
Georg Christoph Lichtenberg (1742-99), Sudelbücher, Heft D, 121

Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. In der Gegenwart mit ihren Massenmedien ist das eher noch schwieriger geworden.
Und auch die Universitäten tragen dazu bei zu bevormunden, zu verdrehen und zu erfinden.
Bei Max Weber hieß es noch:

Universalgeschichtliche Probleme wird der Sohn der modernen europäischen Kulturwelt unvermeidlicher-und berechtigterweise unter der Fragestellung behandeln: welche Verkettung von Umständen hat dazu geführt, daß gerade auf dem Boden des Okzidents, und nur hier, Kulturerscheinungen auftraten, welche doch – wie wenigstens wir uns gern vorstellen – in einer Entwicklungsrichtung von universellerBedeutung und Gültigkeit lagen?
Nur im Okzident gibt es »Wissenschaft« in dem Entwicklungsstadium, welches wir heute als »gültig« anerkennen. Empirische Kenntnisse, Nachdenken über Welt- und Lebensprobleme, philosophische und auch – obwohl die Vollentwicklung einer systematischen Theologie dem hellenistisch beeinflußten Christentum eignet (Ansätze nur im Islam und bei einigen indischen Sekten) – theologische Lebensweisheit tiefster Art, Wissen und Beobachtung von außerordentlicher Sublimierung hat es auch anderwärts, vor allem: in Indien, China, Babylon, Aegypten, gegeben. Aber: der babylonischen und jeder anderen Astronomie fehlte – was ja die Entwicklung namentlich der babylonischen Sternkunde nur um so erstaunlicher macht – die mathematische Fundamentierung, die erst die Hellenen ihr gaben. Der indischen Geometrie fehlte der rationale »Beweis«: wiederum ein Produkt hellenischen Geistes, der auch die Mechanik und Physik zuerst geschaffen hat. Den nach der Seite der Beobachtung überaus entwickelten indischen Naturwissenschaften fehlte das rationale Experiment: nach antiken Ansätzen wesentlich ein Produkt der Renaissance, und das moderne Laboratorium, daher der namentlich in Indien empirisch-technisch hochentwickelten Medizin die biologische und insbesondere biochemische Grundlage. Eine rationale Chemie fehlt allen Kulturgebieten[1] außer dem Okzident. Der hochentwickelten chinesischen Geschichtsschreibung fehlt das thukydideische Pragma. Macchiavelli hat Vorläufer in Indien. Aber aller asiatischen Staatslehre fehlt eine der aristotelischen gleichartigen Systematik und die rationalen Begriffe überhaupt. Für eine rationale Rechtslehre fehlen anderwärts trotz aller Ansätze in Indien (Mimamsa-Schule), trotz umfassender Kodifikationen besonders in Vorderasien und trotz aller indischen und sonstigen Rechtsbücher, die streng juristischen Schemata und Denkformen des römischen und des daran geschulten okzidentalen Rechtes. Ein Gebilde ferner wie das kanonische Recht kennt nur der Okzident.
Aehnlich in der Kunst. Das musikalische Gehör war bei anderen Völkern anscheinend eher feiner entwickelt als heute bei uns; jedenfalls nicht minder fein. Polyphonie verschiedener Art war weithin über die Erde verbreitet, Zusammenwirken einer Mehrheit von Instrumenten und auch das Diskantieren findet sich anderwärts. Alle unsere rationalen Tonintervalle waren auch anderwärts berechnet und bekannt. Aber rationale harmonische Musik: – sowohl Kontrapunktik wie Akkordharmonik, – Bildung des Tonmaterials auf der Basis der drei Dreiklänge mit der harmonischen Terz, unsre, nicht distanzmäßig, sondern in rationaler Form seit der Renaissance harmonisch gedeutete Chromatik und Enharmonik, unser Orchester mit seinem Streichquartett als Kern und der Organisation des Ensembles der Bläser, der Generalbaß, unsre Notenschrift (die erst das Komponieren und Ueben moderner Tonwerke, also ihre ganze Dauerexistenz überhaupt, ermöglicht), unsre Sonaten, Symphonien, Opern, – obwohl es Programmusik, Tonmalerei, Tonalteration und Chromatik als Ausdrucksmittel in den verschiedensten Musiken gab, – und als Mittel zu dem alle unsre Grundinstrumente: Orgel, Klavier, Violine: dies alles gab es nur im Okzident.
Spitzbogen hat es als Dekorationsmittel auch anderwärts, in der Antike und in Asien, gegeben; angeblich war auch das Spitzbogen-Kreuzgewölbe im Orient nicht unbekannt. Aber die rationale Verwendung des gotischen Gewölbes als Mittel der Schub verteilung und der Ueberwölbung beliebig geformter Räume und, vor allem, als konstruktives Prinzip großer Monumentalbauten und Grundlage eines die Skulptur und Malerei einbeziehenden Stils, wie sie das Mittelalter schuf, fehlen[2]anderweitig. Ebenso aber fehlt, obwohl die technischen Grundlagen dem Orient entnommen waren, jene Lösung des Kuppelproblems und jene Art von »klassischer« Rationalisierung der gesamten Kunst – in der Malerei durch rationale Verwendung der Linear- und Luftperspektive – welche die Renaissance bei uns schuf. Produkte der Druckerkunst gab es in China. Aber eine gedruckte: eine nur für den Druck berechnete, nur durch ihn lebensmögliche Literatur: »Presse« und »Zeitschriften« vor allem, sind nur im Okzident entstanden. Hochschulen aller möglichen Art, auch solche, die unsern Universitäten oder doch unsern Akademien äußerlich ähnlich sahen, gab es auch anderwärts (China, Islam). Aber rationalen und systematischen Fachbetrieb der Wissenschaft: das eingeschulte Fachmenschentum, gab es in irgendeinem an seine heutige kulturbeherrschende Bedeutung heranreichenden Sinn nur im Okzident. Vor allem: den Fachbeamten, den Eckpfeiler des modernen Staats und der modernen Wirtschaft des Okzidents. Für ihn finden sich nur Ansätze, die nirgends in irgendeinem Sinn so konstitutiv für die soziale Ordnung wurden wie im Okzident. Natürlich ist der »Beamte«, auch der arbeitsteilig spezialisierte Beamte, eine uralte Erscheinung der verschiedensten Kulturen. Aber die absolut unentrinnbare Gebanntheit unserer ganzen Existenz, der politischen, technischen und wirtschaftlichen Grundbedingungen unseres Daseins, in das Gehäuse einer fachgeschulten Beamtenorganisation, den technischen, kaufmännischen, vor allem aber den juristischgeschulten staatlichen Beamten als Träger der wichtigsten Alltagsfunktionen des sozialen Lebens, hat kein Land und keine Zeit in dem Sinn gekannt, wie der moderne Okzident. Ständische Organisation der politischen und sozialen Verbände ist weit verbreitet gewesen. Aber schon den Ständestaat: »rex et regnum«, kannte im okzidentalen Sinn nur der Okzident. Und vollends Parlamente von periodisch gewählten »Volksvertretern«, den Demagogen und die Herrschaft von Parteiführern als parlamentarisch verantwortliche »Minister« hat – obwohl es natürlich »Parteien« im Sinn von Organisationen zur Eroberung und Beeinflussung der politischen Macht in aller Welt gegeben hat – nur der Okzident hervorgebracht. Der »Staat« überhaupt im Sinn einer politischen Anstalt, mit rational gesatzter »Verfassung«, rational gesatztem Recht und einer an rationalen,[3]gesatzten Regeln: »Gesetzen«, orientierten Verwaltung durch Fachbeamte, kennt, in dieser für ihn wesentlichen Kombination der entscheidenden Merkmale, ungeachtet aller anderweitigen Ansätze dazu, nur der Okzident. Und so steht es nun auch mit der schicksalsvollsten Macht unsres modernen Lebens: dem Kapitalismus.”
(Weber, Religionssoziologie, Vorbemerkung, Text u.a. bei Zeno.org)

Kapitalismus? Nicht mit uns!, war das Motto von 1968, als zB der Massenmörder Pol Pot in Kambodscha und sein Vorbild Mao auf den Schild gehoben wurden. Bürgerliche Wissenschaft sei Herrschaftswissenschaft.
Viele dieser Studenten wurden Professoren und arbeiten heute nicht mehr mit Krakeel auf der Straße, sondern scheiden im Seminar Dinge aus wie die Behauptung, der Begriff der wissenschaftlichen Revolution sei ein Mythos, und sowieso habe Wissenschaft überall stattgefunden. Nähere Belege und Angaben bleiben Katherine Park und Lorraine Daston schuldig in ihrer Publikation “The Cambridge History of Science”, Vol. 3, Early Modern Science, 2007.
Dieser Hang zu Lug, Betrug und kultureller Selbstdemontage in der akademischen Welt ist schon sehr speziell und bemerkenswert. Man kann es sich nur mit dem abrahamitischen Mem der Schuldselbstgeißelung erklären.


















Alfred Brendel Plays Franz Schubert -Klavierstücke Impromptu, D. 946 No...

Freitag, 26. August 2016

Westliche Kultur bewahren

"What would Jean-Paul Sartre have said about the policemen of Nice who forced the moslem woman to take off her clothes on the beach?", asks Abdel-Samad in his post on Facebook. 

Well, well, well, Mr. Samad! This really sucks! Sartre to be asked about French affairs. Sartre, the friend of dictator Castro! The friend of international communism and revolution! The man who visited the German killers of the so called Red Army Faction in prison as a PR-success! Not quite the right guy to be asked about French actions.

"10.08.1960

SARTRE-REISEPerspektive der Jungen

Jean-Paul Sartre, der Philosoph, besuchte Fidel Castros Kuba und sah - Sartres Kuba. Und war entzückt.
Er trottete an der Seite seiner Lebensgefährtin, Simone de Beauvoir, durch die Straßen von Havana, stapfte über Zukkerrohrfelder und saß neben dem bärtigen Fidel im Auto. Wo immer er ging, was immer er hörte, er nahm immer nur seine eigene Philosophie wahr. Im Pueblo inmitten von Tomatenfeldern oder im Regierungspalast, überall auf Weg und Steg der Zucker-Insel begegnete ihm der Mensch von jenem Typ, wie er, der Philosoph, ihn sich am Schreibtisch erdacht hatte: der Mensch, der nichts zu verlieren hat, der jung ist, der handelt, ohne über Vergangenes zu spekulieren, der seine Bedürfnisse zu befriedige trachtet - und sei es das Bedürfnis, den Mond zu besitzen. Nicht ohne Rührung nennt Sartre die Castroiten seine "Söhne". ..."   http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43066481.html
The severe problem with Samad is, that he doesn’t understand the role of culture forming civil liberties, e.g. women’s lib. As Hamad formerly pointed out in his book “Islamic Fascism”, Islam is a fierce enemy of Western culture. And Islam steps forward by setting symbols in the public. So the West has to respond. No liberty for the totalitarian enemies of liberty!

Anmerkung: Einige Orte wie Nizza und Cannes haben an ihren Stränden den langen Schwimm-Flattersack "Burkini" verboten. Er behindert die Schwimmerin, stellt für schwimmungeübte Mädchen eine Gefahr dar und verschandelt die Strandlandschaft. Eine mutmaßliche Provokateurin wurde an den Strand in Nizza geschickt, die weder den Strand verlassen wollte noch den Flattersack ausziehen. Doch die Polizei bestand auf der Entledigung des Burkinis, darunter sich aber noch weitere Kleiderschichten befanden. 













Donnerstag, 25. August 2016

Glinka - Trio Pathétique in D Minor

1834 und ein ängstlicher Professor









Bild: Friedrich List (1789-1846), Wiki.



Deutsche Geschichte, Freihandel, begrenzter Freihandel, TTIP.

Die Zollunion von 1834 hat die teilnehmenden deutschen Kleinländer vor allem von den Binnenzöllen befreit. Eine Wohltat. “Der preußisch dominierte Zollverein löste den Preußisch-Hessischen Zollverein, den Mitteldeutschen Handelsverein und den Süddeutschen Zollverein ab. Neben Preußen umfasste der Deutsche Zollverein zu Beginn das Großherzogtum Hessen,Kurhessen, Bayern, Württemberg, Sachsen und die thüringischen Einzelstaaten. Bis 1836 traten Baden, Nassau und Frankfurt dem Zollverein bei. 1842 erweiterte sich das Zollgebiet um Luxemburg, Braunschweig und Lippe, 1854 folgten Hannover und Oldenburg. Somit umfasste der Zollverein vor der Gründung des Norddeutschen Bundes circa 425.000 km².” (Wiki.) Die Fesselung der wirtschaftlichen Entwicklung durch Binnenzölle sah jeder, auch List:
„Achtunddreißig Zoll- und Mautlinien in Deutschland lähmen den Verkehr im Innern und bringen ungefähr dieselbe Wirkung hervor, wie wenn jedes Glied des menschlichen Körpers unterbunden wird, damit das Blut ja nicht in ein anderes überfließe. Um von Hamburg nach Österreich, von Berlin in die Schweiz zu handeln, hat man zehn Staaten zu durchschneiden, zehn Zoll- und Mautordnungen zu studieren, zehnmal Durchgangszoll zu bezahlen. Wer aber das Unglück hat, auf einer Grenze zu wohnen, wo drei oder vier Staaten zusammenstoßen, der verlebt sein ganzes Leben mitten unter feindlich gesinnten Zöllnern und Mautnern, der hat kein Vaterland.“ (List, Wiki.)
Im Zollverein spielten die protektionistischen Außenzölle eine geringe Rolle, die Handelsströme veränderten sich nach 1834 praktisch nicht. Die Wirkung der moderaten Außenzölle war also recht gering. List hatte zuviel Angst vor der englischen Industrie und hatte Krupp noch nicht getroffen, er war halt Verwaltungsmensch und Professor. Daß Wirtschaft in der Hauptsache eine Unternehmerveranstaltung darstellt - nur die Unternehmer unternehmen etwas, die Arbeitnehmer sind produktive Trittbrettfahrer - das war List nicht recht klar. Und daß Unternehmer durch Wettbewerb angetrieben werden, während sie sonst - geschützt durch Zölle - gerne Kartelle der Trägheit bilden - das stand List nicht vor Augen. Putin geht es genauso. Als Diktator hält er sich Unternehmer, die sog. Oligarchen, das sind korrupte Kartellbrüder, die - sie sind ja auch zusätzlich gefesselt durch die Usancen der Diktatur - nicht so viel leisten wie freie Unternehmer. Wie man aktuell hört, fallen ihnen üble Tricks ein, wie ein Test zeigte: die Testerin zündete vor der Kamera original russischen Yoghurt an, und der brannte 15 Minuten. Weil die Putin-Unternehmer den Yoghurt mit brennbarem Plastik versetzt hatten. Da hilft auch nicht die Lektüre Lists. Da hilft nur Freihandel!

Bild: Friedrich List (1789-1846), Wiki.