Montag, 19. September 2016
Was für ein Geigenton! Sie spielt bekannte Konzerte wie das Beethoven’sche Violinkonzert auf unerhörte Weise. Insbesondere den hohen Tönen fehlt bei ihr jede Süße. Geige trocken, sozusagen, aber mit hoher Intensität.- Die genetische Lotterie hat auch bei ihren Brüdern zugeschlagen, sie sind ebenfalls Musiker. /// Veronika Eberle Plays Ysaÿe : Sonata for Solo Violin No.2 1st Mov.
Sonntag, 18. September 2016
Man muß auch nicht alles verschlechtern wollen
Mal so gesagt mit Montesquieu:
“Verschiedene Dinge beherrschen die Menschen: Klima, Religion, Gesetze, Regierungsgrundsätze, Vorbilder der Vergangenheit, Sitten und Gebräuche; und aus alledem entspringt und formt sich die Geisteshaltung des Volkes. … Es ist die Aufgabe des Gesetzgebers, sich dem Volksgeist anzupassen … Man lasse uns also so, wie wir sind.”
Montesquieu, Vom Geist der Gesetze, Buch 19,
4. Kap. Was ist die Geisteshaltung eines Volkes?,
5. Kap. Wie sehr man darauf achten muß, die Geisteshaltung eines Volkes nicht zu ändern,
6. Kap. Man muß nicht alles verbessern wollen (UTB 1, S. 413ff.)
Samstag, 17. September 2016
Apropos Albee
Literatur ist in der Moderne zunehmend zur Schwafelei
verkommen. Wo es bei Shakespeare um große Anthropologie und Psychologie geht,
gibt es in der Gegenwart Gartenzwergkram im Plüschambiente oder vor
Müllkippenkulisse, je nach Regisseur, gibt es solche Stückchen wie Albees „Wer
hat Angst vor Virginia Woolf“.
Auch ich wurde im Unterricht mit diesem Quatsch verwirrt.
Schon der Titel ist eine dreiste Täuschung. Virginia Woolf hat mit dieser
literarischen Absonderung rein gar nichts zu tun. Albee benutzte den bekannten
Namen, um sich dranzuhängen und aufzuwerten. Als Schüler ohne einschlägige
Eheerfahrung wußte ich damals nicht recht, was ich mit den beiden Ehepaaren des
Stücks anfangen sollte, und heute finde ich die Quatscherei der vier ziemlich
blödsinnig aufgeblasen konstruiert.
Ein lächerliches Stück eines albernen Autors.
Finnische Artefakte?
Ein ganz großer Stern in der Intelligenzforschung ist Elsbeth Stern leider nicht. Immerhin geht sie der Empirie nicht aus dem Weg: „Manche Personen verbesserten sich stark (wir bezeichnen sie als die ‚Lernfähigen’), andere Personen zeigten trotz Trainings kaum Leistungszuwachs.“ (Stern/Neubauer, Intelligenz, S. 173, Neubauer et al., 2004)
So ist das. Die Intelligenteren sind lernfähiger als die weniger intelligenten Trainingsteilnehmer im Grazer Labor. Anderswo ist das auch so. Nun will Stern aber gefunden haben, daß es „konkrete und abstrakte Lerntypen“ nicht gibt. (Ebd., S. 256) „Vom Lernziel und nicht von Merkmalen der Lernenden hängt es ab, welche Lernziele mit vertretbarem Aufwand erreicht werden können.“ (Ebd., S. 257)
Genau diese Frage stand am Anfang der ersten Intelligenztestentwicklung 1910 in Paris bei Alfred Binet und Theodore Simon. Die schwächeren Lerner sollten eine andere Schule besuchen als die stärkeren. Daher stammt die Dreiteilung des Schulsystems in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Diese Teilung lehnt Stern ab und plädiert für die Gesamtschule mit interner Differenzierung für verschiedene Lernstärken. Kronzeuge, daß das funktionieren kann, ist ihr die finnische Gemeinschaftsschule mit ihren PISA- und TIMMS-Ergebnissen. Sowohl die 15% schwächsten wie die 15% stäksten Schüler sollen profitieren in einer „Kultur der Individualisierung“. Pasi Sahlbergs „Finnish Lessons“ empfiehlt sie zur Lektüre. Entsprechend kommt bei Stern/Neubauer das Duale System der Berufsbildung bestehend aus Lehre und Berufsschule gar nicht vor. Alle lernen ja gleich vom Typ her.
Dabei wissen wir schon von Eysenck, daß Introvertierte und Extrovertierte etwas anders lernen, und aus der Schulpraxis ist bekannt, daß es Schüler und Studenten gibt, die den Lehrstoff nach einmaligem Hören abgespeichert haben, während andere sehr viele Wiederholungen benötigen und oft die einfachsten Abstraktionsstufen nicht überwinden können. Es ergibt sich deswegen bei Stern/Neubauer der Verdacht, daß sie Gemeinschaftsschul- und Akademisierungsapostel sind. Das Duale System wurde übrigens gerade von den OECD-Kollegen Sterns – nachdem sie es lange als minderwertig beargwöhnt haben – gelobt als erfolgreich bei der Integration in den Arbeitsmarkt.
Ob Stern/Neubauer da bald folgen werden?
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