Sonntag, 12. März 2017
Samstag, 11. März 2017
So ein kleines Gen macht was aus
Höhere kognitive Leistungen resultieren aus molekularen Prozessen.
In diesem Fall dem Hippocampus („Seepferdchen“) und seiner Rolle bei der Gedächtnisbildung:
„Die Experimente mit genetisch veränderten Mäusen weckten bei Peter Seeburg ein starkes Interesse für die molekularen Grundlagen von Lernprozessen. In den letzten 15 bis 20 Jahren widmeten sich er und seine Arbeitsgruppe, nun am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, dem Thema „Lernen und Gedächtnis“.
Die Entschlüsselung der genetischen Komposition der ionotropen Glutamatrezeptoren ermöglichte es, genetisch modifizierte Mäuse zu generieren, die veränderte ionotrope Gutamatrezeptoren exprimieren.
Die Analyse einer dieser Mauslinien, bei der das Gen für die AMPA-Rezeptor-Untereinheit GluA1 inaktiviert wurde, stellte die damals allgemein akzeptierte Rolle des dorsalen Hippocampus als alleinige Speicherregion lokaler Informationen in Frage: Der im Hippocampus der GluA1-Knockout-Maus beobachtete Verlust dendritischer AMPA-Rezeptoren und die deutlich reduzierte synaptische Plastizität waren nicht mit dem erwarteten Verlust des räumlichen Erinnerungsvermögens gekoppelt, sondern nur mit einem Totalverlust des räumlichen Kurzzeitgedächtnisses.
Diese Befunde belegten, dass im Gegensatz zu den bis dahin gültigen Vorstellungen GluA1-haltige AMPA-Rezeptoren zur synaptischen Plastizität hippocampaler Synapsen beitragen. Überraschend war jedoch die Beobachtung, dass die GluA1-abhängige synaptische Plastizität hippocampaler Verschaltungen zur Ausbildung eines räumlichen Gedächtnisses überhaupt nicht notwendig ist.“
Aus dem Nachruf auf Peter Seeburg. https://www.degruyter.com/view/j/nf.2017.23.issue-1/nf-2016-1109/nf-2016-1109.xml
Freitag, 10. März 2017
Wer immer strebend sich bemüht
Poppers drei Welten
(aus: Eberhard Döring, Karl Popper, Einführung in Leben und Werk, S. 137)
Die Wissenschaftsgeschichte ist eine Geschichte von Irrtümern. Und vorläufigen Erkenntnissen. Teilweise grundlegenden Fortschritten. Die niemand missen möchte. Aber die Erkenntnisgewinne verteilen sich recht ungleichmäßig.
Popper teilte die Erkenntnisgegenstände 3 Welten zu, was einen großen Fortschritt darstellt.
- In der Welt 1 herrschen relativ einfache Erkenntnisbedingungen, zwar ist “das Ding an sich” nicht erkennbar (Kant), aber man kann experimentieren und auf diese Weise systematisch Eigenschaften, etwa von Wasserstoff, in Erfahrung bringen. Beweisen kann man nichts , aber widerlegen. Solange etwas nicht widerlegt ist, kann man damit arbeiten und es als richtig betrachten (Fallibilismus).
- In Welt 2 wird der Blick und das Erkennen gelenkt von den vielen Gedächtnisinhalten, die ein Mensch im Laufe vieler Jahre abgespeichert hat. Daher sehen die Menschen sehr unterschiedlich. Experimente zur Klärung von Sachverhalten sind nur eingeschränkt möglich, etwa auf der Mikro-Ebene der Psyche, bei Phänomenen wie Obrigkeitsgläubigkeit (Zimbardo, Jerry Burger), Halo-Effekt, Erkenntnisillusion, Ego-Depletion (Tversky, Kahneman).
- Welt 3 schließlich beinhaltet Abstraktionen und Theorien. In dieser Welt der Abstrakta herrscht besondere Unübersichtlichkeit und Verwirrung. Alles ist dort möglich an blühendem Unsinn, ob Platons totalitärer Philosophenkönig, die Sklaven-und-Herrenmenschen-Anschauung des Aristoteles, die Offenbarungs-Religionen, der religionsähnliche Marxismus oder der übel-phantastische Freudianismus. Und wer von solch einer Theorie besessen ist, der sieht alles aus einem bestimmten Blickwinkel, aus dem beobachtet vieles eben nicht sichtbar ist.
Die Blickwinkelproblematik hat Niklas Luhmann (auch Maturana) besonders intensiv untersucht mit beachtlichen Ergebnissen.
Erkennen ist problematisch, unsicher und vorläufig. Siehe die Linksintellektuellen auf den Killing Fields bei Pol Pot (Fröberg Idling, Enquist, Jan Myrdal, Hedda Ekkerwald, Chomsky). Auf den Begriff der “Wahrheit” sollte man deswegen besser verzichten, oder ihn auf mathematische Beweise beschränken, weil er leicht suggeriert, daß eine Meinung, ein Standpunkt, eine Theorie “wahr” sein könnte. Es herrschen aber immer nur die Perspektive und die Vorläufigkeit.
Abonnieren
Posts (Atom)