Sonntag, 7. Januar 2018
Samstag, 6. Januar 2018
Ein langer Weg in die Zivilisation
„ In England vom Tiger zerfleischt - Gladiatorenfriedhof ausgegraben
Niels Anner, Cambridge ⋅ Britische Archäologen gehen davon aus, dass sie im nordenglischen York den besterhaltenen Friedhof für römische Gladiatoren ausgegraben haben. 80 Skelette, die in den letzten Jahren unter den Gärten eines Wohnquartiers gefunden wurden, weisen typische Verletzungen wie Schwerthiebe und Hammerschläge gegen den Kopf auf – sofern dieser nicht gleich abgetrennt worden war. Einige der Blessuren waren verheilt, andere tödlich, wie gerichtsmedizinische Untersuchungen der University of Central Lancashire ergaben. ...“
Neue Zürcher Zeitung, 18.6.2010
„In Paris gehörte es während des 16. Jahrhunderts zur Festesfreude des Johannestages, ein oder zwei Dutzend Katzen lebendig zu verbrennen. Diese Feier war sehr berühmt. Das Volk versammelte sich. Festliche Musik spielte auf. Unter einer Art von Gerüst wurde ein mächtiger Scheiterhaufen errichtet. Dann hing man an dem Gerüst einen Sack oder Korb mit den Katzen auf. Sack oder Korb fingen an zu glimmen. Die Katzen fielen in den Scheiterhaufen und verbrannten, während sich die Menge an ihrem Schreien und Miauen erfreute. Gewöhnlich waren König und Hof anwesend.“
Elias, Prozeß der Zivilisation, Bd. 1, S. 281
Elias interpretiert diesen Prozeß als einen der Differenzierung und Verinnerlichung von Fremdzwängen. Der primitive Mensch wird von außen gelenkt, durch Zwänge der Häuptlinge und Körperstrafen, der zivilisierte Mensch durch Selbstzwänge. Die körperliche Gewalt wird zurückgedrängt, selbst Duelle sind heute in zivilisierten Gesellschaften verboten.
Auch die eigenhändige Rache an Verbrechern, die besondere Anforderungen an die Affektkontrolle stellt. Besonders in der Unterschicht: "Weil er mit zwei weiteren Männern einen Türsteher lebensgefährlich verletzt hat, ist am Freitag ein 30-jähriger Mann vom Landgericht Detmold zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein 29-jähriger Mitangeklagter erhielt wegen Beihilfe eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Der dritte mutmaßliche Täter ist bislang nicht bekannt." (RP)
"Düsseldorf: Mordversuch vor der „Nachtresidenz“:
https://www.express.de › Düsseldorf
vor 4 Tagen - Der Mordversuch vom Neujahrsmorgen ..."
Ähnlich verhält es sich mit Sexualstraftaten. Der elementare Trieb verlangt ein besonders großes Potential an Affektkontrolle, die auch in den zivilisierten Ländern seit 1968 abgebaut wird. Öffentliche und halböffentliche Register von Sexualverbrechern - wie in einzelnen Staaten der USA und jetzt in Polen - dienen der Stärkung der Affektkontrolle und der Sicherheit von Mädchen und Frauen.
Freitag, 5. Januar 2018
Gattenwahl genetisch gesteuert
Wen wundert's? Studie mit 174 eineiigen Zwillingen und 148 zweieiigen Zwillingen.
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1111/j.0956-7976.2005.01574.x#articleShareContainer
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1111/j.0956-7976.2005.01574.x#articleShareContainer
Goethe am Gardasee und die größte Erfindung der Menschheit
Antike. Römische Bedürfnisanstalt mit Wasserspülung.
Dann begann das finstere christliche Mittelalter.
(Bildquelle: John Romero/quora.com)
“In der Abendkühle ging ich spazieren und befinde mich nun wirklich in einem neuen Lande, in einer ganz fremden Umgebung. Die Menschen leben ein nachlässiges Schlaraffenleben: erstlich haben die Türen keine Schlösser; der Wirt aber versicherte mir, ich könnte ganz ruhig sein, und wenn alles, was ich bei mir hätte, aus Diamanten bestünde; zweitens sind die Fenster mit Ölpapier statt Glasscheiben geschlossen; drittens fehlt eine höchst nötige Bequemlichkeit, so daß man dem Naturzustande hier ziemlich nahe kömmt. Als ich den Hausknecht nach einer gewissen Gelegenheit fragte, deutete er in den Hof hinunter. »Qui abasso può servirsi!« Ich fragte: »Dove?« – »Da per tutto, dove vuol!« antwortete er freundlich. Durchaus zeigt sich die größte Sorglosigkeit, doch Leben und Geschäftigkeit genug. …”
Goethe: Italienische Reise - Kapitel 5, Torbole, den 12. September 1786
Am Gardasee fällt es Goethe auf, daß er in Italien ist. Und nicht im Rom der Antike, wo es in den besseren Vierteln einschlägige Bequemlichkeitsorte mit Wasserspülung gab. Im christlichen Mittelalter machte man sich keine Gedanken über die Wasserspülung, die ferkeligen Mönche bewegte die bedeutende Frage, wieviel Engel auf einer Messerspitze Platz hätten. Noch Dürer in Nürnberg ließ seine Unbequemlichkeit frei auf den Kopf des Nachbarn fallen, wofür er vom Magistrat verwarnt wurde. Auch die Renaissance dachte noch nicht an die Wasserspülung, die größte Erfindung der Menschheit schlechthin. Wie muß es in Nürnberg und Wittenberg gestunken haben? Man war daran gewöhnt, und Luther fragte bei Tische arglos seine Tischgenossen: Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket?
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