Dienstag, 19. Februar 2019

Kristóf Baráti - Klara Würtz - Beethoven - Kreutzer Sonata - Opus 47 in A

PINKER UND DIE AUFKLÄRUNG


“Es gibt eine Reihe von sehr zentralen Theoriemerkmalen und Forschungseinstellungen in der Soziologie, die unter einem erweiterten Begriff der Aufklärung interpretiert werden können, und dieser erweiterte Begriff der Aufklärung läßt wiederum besser erkennen, was mit dem geschichtlich zurückliegenden Versuch der Vernunftaufklärung eigentlich verfolgt wurde und warum dieser Versuch scheitern mußte. … Letztlich läuft die Abklärung der Aufklärung mithin auf ein Reflexivwerden des Aufklärens hinaus. … Aus dem, was einst ihre Prämissen waren, aus den Annahmen über den gemeinsamen Vernunftbesitz und absehbare Zwecke der Menschheit, holt die Aufklärung ihre immanenten Schranken heraus. … daß die Komplexität der Welt nur erfaßbar ist, wenn sie auch reduziert werden kann. Erst dieses Gesetz gibt ihr die Möglichkeit, Bedingungen und Chancen einer wirklichen Aufklärung zu erkennen.” (Luhmann, Soziologische Aufklärung I, Abklärung der Aufklärung, S. 66ff.


Pinker bezieht sich auf die nichtreligiöse Aufklärung, wenn er auf “the good without god” vertraut, auf das, was Luhmann die “Vernunftaufklärung” nennt, und deren Scheitern wir alle erlebt haben von Carlyle bis Pol Pot. So weit ich sehe, reflektiert Pinker nirgendwo die Bedingungen dieses Scheiterns. Er mutet etwas unterkomplex an, wenn er postuliert: neuer Versuch!
















Uli Beckerhoff Quartett - My Unseen Movie

Sonntag, 17. Februar 2019

Pinker, „Aufklärung jetzt: Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung“









  • “Deshalb wird ein Rationalist, auch wenn er glaubt, daß er den anderen intellektuell überlegen ist, alle Autoritätsansprüche ablehnen. Er weiß, daß diese Überlegenheit nur insofern besteht, als er fähig ist, von der Kritik sowie auch von den Fehlern zu lernen, die er und andere begehen, und daß er nur dann daraus lernen kann, wenn er andere und ihre Argumente ernst nimmt.”
  • Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd. II, S. 278f.  
  • Popper führt hier einen Gedanken Kants  aus dem legendären Aufklärungsaufsatz weiter:
  • "Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich." (Immanuel Kant
  • Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?)
  • Bedauerlicherweise verhält sich Pinker gegenüber einem Kardinalproblem von Wissenschaft und Politik recht irrational: er glaubt tatsächlich an die CO2-Legende und die Klimaerwärmung, die inzwischen camouflierend “Klimawandel” heißt. Die Devise der Physik heißt “Messen, messen, messen”, das gilt auch für die Atmosphärenphysik; hingegen beschwören die Klimamodelle die Mathematik, die Devise heißt dort “Rechnen, rechnen, rechnen”. Wo gerechnet wird, verrechnet man sich auch. Wird in langen Formelketten ein Parameter geringfügig verändert, können sich Ergebnisse stark verändern. Und Pinker müßte wissen, daß die Klimamodelle die Klimavergangenheit nicht abbilden können.
  • Auch die vielen Kritiker des IPCC müßte er vernommen haben, etwa die ausgewiesenen Klimatologen Richard Lindzen, Judith Curry, John Christy, Roy Spencer u.a., die Lindzens Petition an Trump („Ziehen Sie sich aus der UN Convention on Climate Change zurück!“) unterschrieben haben.
  • Was Michael Mann, Phil D. Jones (“Hide the decline”) und die Klima-Alarmisten tun, haben Hans Albert und Popper ‘Immunisierung gegen Falsifikation’ genannt.
  • “... wir haben nicht nur die Pflicht, Argumente anzuhören, sondern wir haben auch die Pflicht, zu antworten, zu reagieren, sobald andere durch unsere Handlungen beeinflußt werden.” (Popper, ebd.)
  • Beim Klima-Alarmismus geht es um Abermilliarden. Pinker übernimmt kritiklos, was die Netzwerke interessierter Klimaphysiker und -politiker präsentieren. Obwohl die Klimamodelle mit ihrem Vergangenheitsversagen bereits  falsifiziert sind. Damit befindet sich Pinker nicht auf der Höhe der Aufklärung.