Samstag, 14. Dezember 2019

Herde und Außenseiter





Herde und Außenseiter
Kreativität besitzt verschiedene Dimensionen. Ein kreativer Fußballer, der in einer Spielsituation blitzschnell einen neuen Kick praktiziert, hat nichts mit einem kreativen Arzt zu tun. Nehmen wir den Gynäkologen Ignaz Semmelweis. Ihm fiel auf, daß die wohlhabenden Damen mit akademischen Geburtshelfern im Krankenhaus viel öfter an Kindbettfieber starben als die armen Mütter mit Hebammen. Am Anfang seiner Überlegungen stand also ein Vergleich. Warum waren die Ärzte öfters tödlich im Vergleich zu den Hebammen? Semmelweis fand die Kausalität heraus: die Ärzte übertrugen Bakterien von Kranken und Leichen, weil sie die Hände nicht desinfizierten. Diese Saulümmel - darunter auch Rudolf Virchow - wiesen aber jede Belehrung zurück - sie waren ja die Mehrheit - und dieser Semmelweis war nur ein kleiner Assistenzarzt. Der beharrlich blieb gegenüber der Mehrheit, was vermuten läßt, daß er eigensinnig war, also kein Herdentier. Die Mehrheit besteht jedoch immer aus Opportunisten, die alles mitspielen, was gerade angesagt ist. Kreativität im Wissensbereich verlangt neben der Fragekompetenz und dem sorgfältigen methodischen Vorgehen auch Abstand zur Mehrheit, Abstand zur Herde. Jedenfalls, wenn es um mehr geht als um einen neuen Farbanstrich.
Semmelweis mußte seine Eigenständigkeit schwer büßen. Von drei ärztlichen Kollegen wurde er ohne Diagnose in die Psychiatrie eingewiesen, wo ihn Pfleger mutmaßlich töteten.
Die Medizingeschichte zählt Hekatomben an Opfern, ganz wie Goethe im FAUST schildert:

“Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben:
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.”
(Faust I, Vor dem Tor)

Foto: Eventuell spendiert die Herde später eine Büste - Semmelweis vor der Semmelweis-Frauenklinik in Wien (Wikip.)












Freitag, 13. Dezember 2019

Es perlt von den Tasten ... /// F. CHOPIN NOCTURNE C# m Op. Posth CLAUDIO MARTINEZ MEHNER

F. CHOPIN NOCTURNE C# m Op. Posth CLAUDIO MARTINEZ MEHNER

Man hat sie - oder man hat sie nicht


“Kreativität” gilt meist in der öffentlichen Diskussion viel, Wissen dagegen wenig. Es handelt sich um ein Modewort, hinter dem sich aber Seriöses verbirgt: neues Denken kann Fortschritt in der Wissenschaft und der Technik bewirken und der Psyche guttun. Aber wie kommt neues Denken im Kopf zustande? Andreas Fink und Mathias Benedek geben darüber zum Forschungsstand Auskunft. (NEUROFORUM 4/2019, S. 231) Sehr weit ist die neurologische Forschung noch nicht gekommen, aber immerhin bestätigt sie einen Befund Epiktets (50-135): Nicht die Dinge seien das Problem, sondern unsere Sicht davon. Das leuchtet ein, kann doch alles aus einer anderen Perspektive gesehen werden. Die Einübung des Perspektivenwechsels ist denn auch Teil jeder Gesprächstherapie. Aber schwierig bleibt die Impulskontrolle, wenn jemand etwas Beleidigendes sagt. Rasch muß dann die Situation neu bewertet und eine Umdeutung vorgenommen werden. Der Beleidiger könnte zum Beispiel gerade selbst beleidigt worden sein und will seinen Ärger abladen, der Angesprochene fungiert also nur als Blitzableiter etc. Aber diese Uminterpretation verlangt Gefühlsunterdrückung, die in manchen Kulturen mit ausgeprägtem Ehrbegriff nicht vorgesehen ist.

Zusammenfassung (bei Fink und Benedek)
"Frühere Studien im Bereich der neurowissenschaftlichen Kreativitätsforschung wurden oft wegen ihrer heterogenen Befunde kritisiert. In der Zwischenzeit haben sich aber einheitlichere Vorgangsweisen in der methodisch-praktischen Durchführung der Studien etabliert, die zur besseren Replizierbarkeit der Befunde beigetragen haben. Einschlägigen Befunden zufolge lässt sich kreatives Denken als Konglomerat von exekutiven Funktionen, Gedächtnisfunktionen, Aufmerksamkeitsprozessen und spontanen Denkprozessen charakterisieren. Studien in alltagsnäheren Kreativitätsdomänen legen einige Überlappungen mit konventionellen kreativen Denkmustern nahe, weisen allerdings auch darauf hin, dass Kreativität und ihre neuronalen Grundlagen spezifisch für die (spezielle) Domäne (Modul) sind. Neuere Trends in diesem Forschungsbereich beschäftigen sich auch mit Möglichkeiten zur Förderung der Kreativität, wobei hier ein breites Spektrum von kognitiv-orientierten Techniken bis hin zu Sportinterventionen zum Einsatz kommt.
Keywords: EEG; fMRI; functional connectivity; creative cognition; divergent thinking


Schlüsselwörter: EEG; fMRI; Funktionelle Konnektivität; Kreative Kognition; Divergentes Denken"














Donnerstag, 12. Dezember 2019

Deep Purple-Child in Time

Datenfrisierung


Prof. Roy Spencer macht sich auf seiner Netzseite Gedanken über "Climategate", das nur wenige stutzig gemacht und die Augen geöffnet hat. Wie wird das weitergehen? Die Täuschungspolitik hat bereits vorgesorgt, indem sie - als sie merkte, daß es keine Erwärmung mehr gibt - das Etikett änderte: von "Klimaerwärmung" ("global warming") zu "Klimawandel" ("climate change"). Außerdem erkärte sie 1,5°C zum Ziel - wissend, daß eine solche Änderung positiv oder negativ niemand bemerkt und der jetzige Erwärmungsstillstand trotz steigender CO2-Emissionen als "Erfolg" vorgetäuscht werden kann.