Sonntag, 28. Februar 2021

Adorno und sein mieser Charakter

“Wenig später traf Mann Otto Vossler, der ihm mitteilte, Adorno erzähle, um Manns Berufung zu verhindern, "dirty stories" über ihn, "probably in connection with Dr. Hacker. Which I shall keep in mind" (im Tagebuch). Beim Psychiater Friedrich Hacker war Golo Mann 1952/53 in Behandlung gewesen, nachdem sein damaliger Lebenspartner ihn verlassen hatte, um zu heiraten. Mann geriet daraufhin in eine tiefe depressive Krise. Adorno, ein Freund Hackers, arbeitete just in der Zeit, als Mann auf der Couch des Psychiaters Platz nahm, als Forschungsdirektor der Hacker-Foundation. Jahre später notierte Golo Mann im Tagebuch, Adorno habe sich in Frankfurt, um eine Berufung zu verhindern, über Manns "Sitten", seinen "Lebenswandel" verbreitet …” (War so ein Kollege wünschbar? Tilman Lahme, FAZ 28. März 2009)(https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/zum-100-geburtstag-von-golo-mann-war-so-ein-mensch-als-kollege-wuenschbar-1926434.html)

Wenn sich so einer wie Adorno dem “Autoritären Charakter” zuwendet, dann darf man das nicht allzu ernst nehmen. Nicht so ernst, wie das Fleischhauer in seinem Kanal tut. (Die FOCUS-Kolumne von Jan Fleischhauer

Die neue Lust an der Macht: Wie viele Politiker insgeheim über die Lockdown-Regeln denken) Adorno führt immer in die Irre, denn wer empirische Forschung geringschätzt und Persönlichkeitspsychologie (Differentielle Psychologie) nicht kennt, der kann nur herumschwurbeln, weil die Bezugsgrößen die als invalide überführte Psychoanalyse (vgl. D.E. Zimmer u.a.) und neomarxistische Vorstellungen gar nichts anderes erlauben. 

Freitag, 26. Februar 2021

Der Roggen ist’s!

David Landes wählte in seiner Monographie “Armut und Wohlstand der Nationen” ebenfalls einen vergleichenden Ansatz, allerdings streift er nur allgemein die Landwirtschaft des frühen Mittelalters. Michael Mitterauer setzt just da an. “Roggen und Hafer, die Agrarrevolution des Frühmittelalters” ist sein erstes Kapitel überschrieben. Natürlich ist die Ernährungsfrage das Fundament für alles andere, wie leicht einzusehen ist. Aber ernährt haben sich alle Populationen rund um die Welt. Sollte der Roggen als Hauptgetreide - statt Weizen wie im Mittelmeerraum und Reis in China - eine so bedeutende Rolle gespielt haben? Roggen sei haltbarer, meint Mitterauer, erlaube die Dreifelderwirtschaft, die Heuwirtschaft auf dem Brachland und verlange nach den Wassermühlen mit vertikalem Rad, was wiederum zur Nockenwelle führe. 

Abb.: Roggenähre (Wiki.)


Mittwoch, 24. Februar 2021

Hallo Peter!

 Unter den Intellektuellen des Mittelalters fallen zwei Gestalten auf, die zueinander in einem Lehrer- Schülerverhältnis standen: Peter der Pilger und Roger Bacon (1220-92).

Der Schüler würdigt seinen Lehrer mit einer Lobrede:

“Er ist mit der Naturwissenschaft durch Experimente und mit den Medikamenten und der Alchemie und mit allen Dingen im Himmel und unter dem Himmel vertraut, und er würde sich schämen, wenn irgend ein Laie, eine alte Frau oder ein Bauer oder ein Soldat irgend etwas über den Boden wissen würden, von dem er keine Kenntnis hat. Er weiß Bescheid über das Gießen der Metalle und die Bearbeitung von Gold, Silber und anderen Metallen und alle Mineralien; er weiß alles über den soldatischen Beruf, über Waffen und Jagd; er hat den Ackerbau, die Landvermessung und die Landbearbeitung untersucht; er hat sich außerdem mit den Zaubereien weiser Frauen, mit ihrem Wahrsagen und ihren Zaubersprüchen sowie mit denen der Zauberer, mit den Kniffen und Blendwerken der Gaukler beschäftigt. Ehren und Belohnungen aber verachtet er, da sie ihn von seinen großartigen experimentellen Arbeiten abhalten würden.” (J.D. Bernal, Die Wissenschaft in der Geschichte, S. 235)


Das klingt nach einem, der nicht die Engel auf der Nadelspitze zählen, sondern nach einem, der das Ganze erfassen will, dem es um universales Wissen geht. Diesen Typus gab es in der Antike nicht, den Griechen ging es mehr um die Theorie, Technik und Handwerk waren minder bewertet. Die sklavenhaltenden Römer übernahmen die griechische Kultur, entwickelten aber Handwerk und Technik, vor allem Kriegstechnik. Die wurde für ihre endlosen Eroberungen und Kriege in erster Linie gebraucht. Wissenserwerb als solcher wird zwar schon in der aristotelischen Schule, dem Lykeion, gepflegt, auch im Museion von Alexandria, aber erst die Aufklärung institutionalisiert ihn. Peter der Pilger und Roger Bacon können als zukunftsweisende Figuren angesehen werden, die in ihrer Orientierung die innovative Entwicklung in der Praxis ihrer Zeit reflektieren: experimentieren statt sinnieren. Was leistet der schwere Wendepflug, wer zieht ihn, was brauchen die Zugtiere, funktioniert die Dreifelderwirtschaft, das sind einige Fragen der Zeit.  


Montag, 22. Februar 2021

Wenig Ertrag

 “Roger Bacon (1220-1292) gab ein Vermögen für wissenschaftliche Forschung aus und wurde trotz des päpstlichen Segens für seine Bemühungen ins Gefängnis gesperrt. Peter der Pilger war ein Bahnbrecher bei der experimentellen Untersuchung des Magnetismus, worüber er einen kurzen Brief veröffentlichte. … (1269, Petrus Peregrinus de Maricourt, Lehrer Bacons, WD)

Die gesamten Errungenschaften des Mittelalters auf dem Gebiet der Naturwissenschaften bestehen in einigen wenigen Bemerkungen des Albertus Magnus über Naturgeschichte und Mineralien, in einer bedeutenden Abhandlung von Kaiser Friedrich II. über Jagdvögel, in einigen Verbesserungen der Optik von Alhazen durch Dietrich von Freiburg und Witelo, einschließlich einer Beschreibung des Regenbogens, die erst von Newton verbessert werden sollte, und in einigen nicht sehr originellen kritischen Betrachtungen von Buridan und Oresme zur aristotelischen Theorie der Bewegung.”

J.D. Bernal, Die Wissenschaft in der Geschichte, S. 229


Sonntag, 21. Februar 2021

Seneca und die Zeit

Das erste Heft von “Aufklärung und Kritik” in 2021 widmet sich Seneca. Das kann ich nur loben, grundierte doch die STOA das europäische Denken.

Hier ein paar Zitate von ihm:


“ Auch dem Hin- und Herrennen muß man Einhalt tun, welches einem großen Teile der Menschen eigen ist, die Häuser, Theater und Marktplätze durchstreifen. Sie bieten sich zu Geschäften für andere an und sehen aus wie Leute, die immer etwas tun wollen. … Nicht Tätigkeitstrieb, sondern falsche Vorstellungen von den Dingen sind es, die sie in Unruhe und Unverstand umhertreiben; denn auch sie regen sich nicht ohne Hoffnung auf irgend einen Erfolg; aber es treibt sie nur ein Scheinbild irgend einer Sache, dessen Nichtigkeit ihre befangene Seele sie nicht erkennen läßt.”

(Seneca, Von der Gemütsruhe, 12. Kap.)   

---------------------------------------------------

Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ (Moralische Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), Buch XVII, Brief 106, 12)


"Selbst wenn noch eine lange Lebensdauer übrigbliebe,

müßte man sie sparsam aufteilen, damit sie für

notwendige Dinge ausreiche: Doch welch ein Wahnsinn

ist es nun, Überflüssiges zu lernen bei diesem großen

Zeitmangel! Leb wohl!" (Seneca, 49. Brief an Lucilius)


"Zeit, die nicht einmal für notwendige Dinge

ausreichen kann ... Vale" Seneca, a.a.O.


"Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen."