Mittwoch, 5. Mai 2021
Klimaschau #34: Sind Dürren in Mitteleuropa wirklich häufiger geworden?
Montag, 3. Mai 2021
Was denn nun?
Was bei Mitterauer (“Warum Europa?) ein Unterpfand des europäischen Entwicklungserfolgs ist, erscheint bei Bartlett als ein ökologisches Problem: DIE VERGETREIDUNG der Landwirtschaft. Gut, das Roggenbrot ernährte verläßlich mehr Menschen. Aber die schönen Bäume waren weg! Die hatte der böhmische König als höchste Zierde Böhmens in den höchsten Tönen gelobt. Der König jagte gern, da waren ihm die Felder ein Ärgernis. Jedesmal, wenn er sie mit seinen hundert Jagdkumpanen kaputtritt, schrieen und klagten die albernen Bauern. Und Hunger brauchte er nicht zu leiden, seine Vasallen und deren Bauern lieferten reichlich, und dazu kam noch das Wildbret aus seiner Lieblingsbeschäftigung. Und wie war das mit der Verzwergung? Diese “Getreidemonokultur” machte die kleinen Leute noch kleiner!
“Ebenso hat man eine merkliche Verringerung der durchschnittlichen Körpergröße der Bevölkerung um etwa 5 cm zwischen dem frühen und dem späten Mittelalter als Folge veränderter Ernährungsgewohnheiten deuten wollen, resultierend aus der Forcierung von Ackerbau und Getreidewirtschaft. Beim Ackerbau werden mehr Kalorien pro Hektar Land erzeugt als bei der Weidewirtschaft oder bei Jägern und Sammlern, und deshalb läßt sich mit Ackerbau eine größere Bevölkerung ernähren; doch ist diese Bevölkerung oft nicht besonders gesund oder auch körperlich nicht sehr stark entwickelt, und die Abhängigkeit von einer einzigen Nahrungsquelle kann sogar gefährliche Ausmaße annehmen.”*
Da haben wir’s.
Ich denke, das ist Obelix aus tiefstem Herzen geschrieben, er ist ja selbst ein Paradebeispiel für Wildschweinbraten ohne Brot und 10 cm größer.
*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 192
Sonntag, 2. Mai 2021
Praktische Geometrie
“Bei Landvergaben in großen Stil war die Anzahl der Hufen notwendigerweise kaum mehr als ein Annäherungswert, denn es ist nicht sehr wahrscheinlich, daß der großpolnische Herzog Wladislav Odonicz im Jahre 1224, als er dem Deutschen Orden 500 Hufen Land übereignete, oder auch 1233, als er den Zisterziensern Landstriche von schätzungsweise 2000 oder 3000 Hufen vermachte, die Fläche vorher exakt hatte vermessen lassen - denn 3000 Hufen entsprechen immerhin knapp 500 Quadratkilometern.”*
Vermessen wurde dann bei den neuen Dörfern und Hofstellen, mit Meßschnüren, wie sie schon in antiken Texten verwendet werden.
Bei Rousseau liest sich das so:
Der erste, der ein Stück Land mit einem Zaun umgab und auf den Gedanken kam zu sagen „Dies gehört mir“ und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der eigentliche Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Elend und Schrecken wäre dem Menschengeschlecht erspart geblieben, wenn jemand die Pfähle ausgerissen und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: „Hütet euch, dem Betrüger Glauben zu schenken; ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass zwar die Früchte allen, aber die Erde niemandem gehört“. (Jean‐Jacques Rousseau: Diskurs über die Ungleichheit (Ed. Meier). UTB, 2008, S. 173)
Nur die Feuilletonisten nehmen das bis heute ernst. So etwas endet dann in der sozialistischen Diktatur.
*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 172f.
Freitag, 30. April 2021
Freiheit und Sozialstaat
“Es gibt ein einfaches, aber prägnantes Wort, mit dem sich alle hier erörterten Siedlerrechte und -privilegien zusammenfassen lassen: Freiheit. Die Siedler, welche der Johanniterorden auf seinen mährischen Gütern im frühen 13. Jahrhundert ansiedeln durfte, sollten ‘in allem … gesicherte Freiheit und beständiges und festes Recht’ (securam libertatem, ius stabile et firmum) haben. Christliche Einwanderer im wiedereroberten Ebro-Tal sollten als ‘frei und freigeboren’ gelten (franci et ingenui), und ihr Land sollten sie ‘francum et liberum et ingeniuum et securum’ besitzen. Diese Freiheit war nicht an Rasse- oder Standesgrenzen gebunden: ‘Die dort angesiedelten Leute jeden Standes und jeder Sprache sollen nach ein und derselben Freiheit leben und arbeiten’, dekretierte der ungarische König Bela IV. für die neuen Siedler in Beregowo (in der Theißebene).”*
Ohne Sozialstaat war viel Freiheit möglich, denn wer im Mittelalter aufbrach, um in einem neuen Land völlig von vorne anzufangen, wer die großen Anstrengungen der Waldrodung in Siebenbürgen oder der Trockenlegung großer Sumpfgebiete im Oderbruch und die Urbarmachung des Bodens nicht scheute, um auf freiem eigenem Grund und Boden zu stehen, der war kein Abstauber und Trittbrettfahrer, wie dies heute überwiegend bei der Einwanderung in die Sozialstaaten unterstellt werden kann.
*Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 163f.
Donnerstag, 29. April 2021
VILLA FRANCA, FREIES DORF
Graf Roger, der Bruder des normannischen Abenteurers und Eroberers Robert Guiskard, machte es anders als sein Bruder. Der setzte stets Gewalt ein und siedelte ganze Dörfer in neu eroberte Gebiete um. Roger hatte Malta erobert, das wiederum 870 von den Arabern erobert wurde. Es gehörte zuvor zum byzantinischen Reich. Den Besiegten bot Roger an, in Sizilien ohne Abgaben in einer Villa Franca zu siedeln, denn er brauchte Siedler. Das war das Problem im ganzen Frankenreich: die Herren besaßen viel Land, aber keine Bauern zur Urbarmachung und Kultivierung. Die Gebietsherren standen im Wettbewerb um Leibeigene, aber deren Mobilität war durch ihren Status blockiert. Die Betonköpfe verschärften nun diesen Status, während die anderen - wie Roger Guiskard - Verlockungen erfanden. Ebenso verfuhren andere Gebietsherren wie etwa der Magdeburger Erzbischof Wichmann, dem die wirtschaftliche Entwicklung seine Diozöse ein großes Anliegen war. Ein “diese Wirtschaft tötet” wäre nicht über seine Lippen gekommen, im Gegenteil, er warb auch flämische Siedler an, nachdem er mit Albrecht dem Bären Brandenburg von den Wenden erobert hatte. 1159 befreite er in Großwusteritz an der Havel die Flamen vom Burgwerk-Dienst. Flamen hatte Wichmann vorher als Bischof in Naumburg kennengelernt, die sein Vorgänger im Dorf Flemmingen angesiedelt hatte.
Da bahnten sich neue Entwicklungen an, die in eine dynamischere und freiere Zukunft führen sollten.
Vgl. Bartlett, “Die Geburt Europas aus dem Geist der Gewalt”, S. 145ff.