Freitag, 3. Dezember 2021

Wissenschaft und Politik


“In der Tat macht nun die Politik einen rasch fortschreitenden, sich ausweitenden Gebrauch von der Wissenschaft. … Beiräte dienen den politischen Instanzen nicht selten als Dekor. … Die zweite, hier noch rasch zu erwähnende, damit verwandte, aber nicht identische Funktion, die wissenschaftliche Beiräte heute nicht selten erfüllen, ist die bekannte Feigenblattfunktion. … Die Figur ist immer dieselbe -: man tut, was man sowieso tun wollte, sagt aber, man täte es, weil es die Professoren geraten haben.”

Hermann Lübbe, Theorie und Entscheidung, 1971, S. 56f.  


Besonders beliebt ist inzwischen auch eine vorausschauende Besetzungspolitik aus den eigenen Reihen.


Mittwoch, 1. Dezember 2021

Mittwoch, 24. November 2021

Mit Ron Sommer zu den Mondpreisen

 Ein bewegungsarmes Staatsunternehmen wird vor rund 20 Jahren privatisiert und an die Börse gebracht - zu realistischen Preisen und erfolgreich. Dem Unternehmenschef, dem Mathematiker Sommer, stieg der Erfolg zu Kopf und er brachte weitere Anteile heraus zu zuletzt Phantasiepreisen, die viele verwirrte Köpfe tatsächlich kauften und später mit schlimmen Verlusten bezahlten. 

Grotesk, daß der jetzige Rechtsstreit um eine Bagatelle, einen mutmaßlichen Prospektfehler, geht. 

Dienstag, 23. November 2021

Interpretationen und Kommunikationen sind Glückssache



“In mehr als hundert Fällen haben wir die Begleitumstände des sozialen Geschehens untersucht, wenn jemand für schizophren gehalten wird. Unserer Meinung nach stellen dabei ohne Ausnahme Erfahrung und Verhalten, wenn sie als schizophren gelten, eine spezielle Strategie dar, die jemand erfindet, um eine unerträgliche Situation ertragen zu können.”

(Ronald D. Laing in “Phänomenologie der Erfahrung”, 1967, es S. 104)

Solchen für die Patienten gefährlichen, blühenden Unsinn sonderte Laing ab und fand damit auch in Deutschland zahlreiche Anhänger nicht nur unter Psychiatern. Naturwissenschaftlich orientierte Ärzte wurden angefeindet und es wurden ihnen Nazi-Methoden unterstellt. Das wirkt bis heute nach.

Rätsel Religion

Religion tritt sozial als Lebensabschnittsritualspenderin auf, auch als Geselligkeitsvermittlung, andererseits als spirituelle Sinnvermittlerin für das gläubige Individuum. Beides kann kongruent sein oder auch getrennt. Die soziale Seite - um die geht es Luhmann - ist einerseits trivial, weil die Religion einfach tradiert wird, von Eltern und Kirche/Schule sozialisiert; andererseits offenbar mit tief empfundenem Gefühl erlebt wird (zb Radioastronom Heino Falcke). Wie stellt sich da der Sinn her? Durch spezifische Kommunikationen, meint Luhmann, im Medium Sinn. Das ist wohl so, bleibt mir aber doch rätselhaft. Die Andockstelle muß sich in den neuronalen Bahnen befinden, die ein entsprechendes Bewußtsein hervorbringen. Werden diese Bahnen in der Großhirnrinde erst durch religiös konnotierte Kommunikationen geschaffen? Ist das die Sinndockstelle überhaupt?