Mittwoch, 18. Juli 2007

Krümmel, Lübbe, Weber

„Summertime, when the living is easy“, summer nights, when the stars are so bright.

Wetter schön, Nachrichten verhagelt.
„Das Bundesamt für Strahlenschutz beurteilt indes die Pannen in Brunsbüttel und Krümmel nach seinem bisherigen Wissensstand als relativ ungefährlich. "Nach allen Erkenntnissen, die wir haben, sind diese Störfälle nicht sehr gravierend gewesen", sagte der Präsident der Behörde, Wolfram König, im Deutschlandfunk.“ (Vattenfall entläßt Atom-Chef, FAZ 17.7.07, S. 11)
Die meisten Journalisten, ausgebrütet im germanistischen Seminar, ficht das nicht an. Man sieht eben nur mit dem richtigen Glauben gut.
Dazu paßt, über die Ecke gedacht: Der Philosoph Hermann Lübbe, geboren 1926 in Aurich, veröffentlichte 1977 eine Monographie zur historischen Methode: "Geschichtsbegriff und Geschichtsinteresse". Er begründet darin unter anderem die These, dass sich "zu Biographien kaum bessere Titel finden" lassen "als die Namen der Personen, deren Leben darin erzählt wird". Es mag verwundern, dass die These der Begründung bedarf. Gemeint ist, dass keine Charakterisierung des Biographierten die Geschichte seines Lebens erschöpfen könnte. Lübbe verweist auf Beispiele aus der "großen biographischen Historiographie", die wohl tatsächlich keine besseren Titel tragen könnten, wie "Richelieu" von Carl Jacob Burckhardt. "Der Kardinal" oder "Der Minister": Die Entscheidung für den geistlichen Rang oder das weltliche Amt müsste das Urteil über Richelieus Lebensproblem präjudizieren. Ein Kapitel von Lübbes Untersuchung legt den Sinn der Redensart "Das kann man nur historisch erklären" frei. Einer historischen Erklärung bedarf alles, was sich nicht als Resultat einer augenscheinlich vernünftigen Absicht von selbst versteht. Historische Erklärungen führen zusätzliche Faktoren ein, hinzutretende Bedingungen, die die ursprüngliche Absicht im Ergebnis verzerrt haben. (...)(F.A.Z., 17.07.2007, Nr. 163 / Seite 33)
Oder: "Es ist durchaus wahr und eine Grundtatsache aller Geschichte, daß das schließliche Resultat politischen Handelns oft, nein: geradezu regelmäßig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichen Sinn steht."

Max Weber, Politik als Beruf
Ob Merkel je eine Zeile Weber gelesen hat? Das braucht man bei Müntefering und Beck gar nicht erst zu fragen. Aber alle drei leben von der Politik.

Montag, 16. Juli 2007

Piscator, Stalin, Mao

30° - eigentlich nur ein Abend, um den Grillen zuzuhören.
Zufallsfund im Archiv, paßt aber gut zum heutigen FAZ-Feuilleton-Aufmacher („Über Maos Jagd darf heute niemand mehr reden“) : Erwin Piscator, Präsident des Internationalen Revolutionären Theaterbundes mit Sitz in Moskau, verfilmt 1932, nein, nicht den von Stalin in der Ukraine organisierten Massenhungermord, sondern Genossin Seghers’ „Aufstand der Fischer“ am Schwarzen Meer. Hübsche Bilder zeigen ihn auch im im großen Packard, den er aus Berlin einführen ließ (von der Roten Hilfe?). (FAZ 17.8.02)
Dazu fällt mir ein, daß Robert Conquest gerade 90 geworden ist (FAZ 14.7.07, S. 35), der über Stalins Hungerterror forschte: „In 1986, Conquest published ‚The Harvest of Sorrow: Soviet Collectivisation and the Terror-Famine, another exhaustively researched work, dealing with the collectivisation of agriculture under Stalin's direction in 1929-31, in which millions of peasants died of starvation or through deportation to labour camps.“ (Wikipedia) Den Schriftsteller Warlam Schalamow konnte Piscator in seiner geschätzten SU nicht treffen, was er auch gar nicht wollte; der saß seit 1929 im Gulag. („Am Kältepol der Grausamkeit“, Neue Zürcher Zeitung, 30.6.07)
- Das gehört dann auch noch hierher: „Einhundert Millionen
13. November 1997 FAZ
Gezählt hat sie keiner. Fünfundachtzig, vielleicht sogar hundert Millionen sollen es seit 1917 gewesen sein. Zum achtzigsten Geburtstag der Oktoberrevolution haben französische Historiker eine Bestandsaufnahme der im Namen des Kommunismus erfolgten Verbrechen vorgelegt: "Le livre noir du communisme. Crimes, Terreur, Répression". Der 850 Seiten umfassende Sammelband ist in den Editions Robert Laffont erschienen, der Historiker Stéphane Courtois zeichnet als verantwortlicher Herausgeber. Von Rußland bis Vietnam, von der ehemaligen DDR über Äthiopien und Kambodscha bis China, Kuba, Nordkorea wird eine Bilanz erstellt. Der Befund ist niederschmetternd. "Der Nürnberger Prozeß des Kommunismus" überschrieb Pierre Daix im "Figaro" seine Besprechung: "In den meisten kommunistischen Ländern gehörten die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Regierungssystem.“ "
(Alle genannten FAZ-Artikel sind frei auf faz.net einsehbar)

Sonntag, 15. Juli 2007

Grillen, Kröten, Hamburger und Dübel

Seitdem die Vögel schweigen, zirpen die Grillen; viele kleine Kröten (8-10 mm) sind unterwegs.
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Ian MacEwan liest den GUARDIAN und die HERALD TRIBUNE, verrät er der FAZ (14.7.), ob er auch den Wirtschaftsteil liest? Skurril seine Vorstellungen zur Schichtenernährung, „class“ fälschlich mit „Klasse“ übersetzt.
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Freitag, 13. Juli 2007

Toxoplasma gondii, Antarktis, Bismarck

Recht schwül geworden, aber was für ein samtener Sternenhimmel! 18°C

"Verlängerte Klimareihe in der Antarktis FAZ 11.7.07
Epica-Eisbohrung verlängert den untersuchten Zeitraum auf 800 000 Jahre- „enorme natürliche Schwankungsbreite: kältester Durchschnitt
vor rund 20000 Jahren rund 10° unter heute, wärmster Durchnitt vor 130000 Jahren 4,5° über heute."
------- Das arme Leben der Reichen: Was mag Bismarcks Ururenkel über den freien Willen gedacht haben?
(„Gottfried Graf Bismarck, 44, 9. Juli 2007 FAZ, Als die Polizei am Montag in der 7,5 Millionen Euro teuren Londoner Penthouse-Wohnung von Gottfried Graf von Bismarck-Schönhausen eintrifft, findet sie nahezu leere Zimmer vor. Auf dem Boden die Leiche des Grafen. Die Drogenutensilien um ihn herum lassen kaum einen Zweifel an der Todesursache: eine Überdosis Heroin.“) -----------

„Parasit manipuliert Verhalten von Ratten
Die Manipulation der Ratte ist erstaunlich spezifisch
11. Juli 2007 FAZ
Ratten, die von dem Parasiten Toxoplasma gondii befallen sind, zeigen eine Verhaltensanomalie. Der Urin von Katzen löst bei ihnen keine Schreckreaktion mehr aus, sondern sie fühlen sich von ihm sogar angezogen. Das dürfte für den Parasiten einen Überlebensvorteil mit sich bringen. Denn die Toxoplasmen sind für ihre geschlechtliche Vermehrung auf den Wechsel zwischen zwei Wirten angewiesen.“
Wer hat das Bakterium programmiert, das im Hirn der Ratte programmiert? Die Herren Jahwe, Jesus, Allah etc. werden es nicht gewesen sein. Die Herren Evolutionsbiologen äußern sich auf mikrobiologischer Ebene, wenn überhaupt, sehr wolkig.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Mildes Wetter, Glücks-Schwarz, Petri, Zecken, immer bunter

Ich liebe dieses milde Atlantikwetter ohne Regen, mit leichtem Wind!
Die Faschos sterben einfach nicht aus: Der Kinder- und Jugendpsychiater Horst Petri warnt in seinem gleichnamigen Buch: „Bloß nicht zu viel Liebe“ (FAZ-Rez. 11.7.07); außerdem rät er zu den klassischen Geschlechterrollen.
Norbert Schwarz, empirischer Psychologe an der Universität von Michigan, blättert in einem Vortrag seine Glücksforschung auf und kommt zu dem einleuchtenden (das hatten wir doch schon in Schopenhauers „Aphorismen zur Lebensweisheit“! Wenn auch nicht empirisch.) Befund: Alte Menschen sind im Durchschnitt glücklicher als junge. Und: Zufriedenheit sei lernbar. (FAZ 11.7.07, S.38)
Glück gehabt mit den Zecken dieses Jahr: die erste heute entfernt, normalerweise steckt schon Ende März oder Anfang April die erste in der Haut; da der Winter schön mild war, verwundert das: haben sich die Raubinsekten stärker vermehrt?

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Die bunten Bilder in der FAZ wachsen und vermehren sich – und sie verdrängen nicht nur den Text, oft schlagen sie durch ihre grelle Farbwirkung den Text nebenan auch noch tot (vgl. 12.7., S.35 / 30.6., S.5). Eine sehr unschöne Entwicklung.
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