Dienstag, 31. Juli 2007

RAF-Mörderclique, grün angestrichener Winter

Drei Wochen grün angestrichener Winter – 14° tags, nachts 9° - warmes Klima wäre prima.

Stefan Aust, Ex-konkret-Redakteur, hat etwas gefunden: „ Die letzten Worte (nein, nicht ‚unseres Heilands am Kreuze', sondern) der RAF“ (faz.net/RAF):
Wird hier am Nachruhm der Galgenstricke gebastelt?
Ist das fanatisierte Geschwätz dieser Mörderclique nicht schon hinreichend dokumentiert?

Teheran, Habermas und Bush

Ich war die Gefangene von Teheran
Grauenvolles aus Iran: Marina Nemat schildert die Jahre ihrer Haft im Evin-Gefängnis
F.A.Z., 30.07.2007, Nr. 174 / Seite 31
„Marina Nemat: "Ich bitte nicht um mein Leben". Aus dem Amerikanischen von Holger Fock und Sabine Müller. Weltbild Verlag, Augsburg 2007. 392 S., Abb., geb., 12,95 [Euro]
Die ersten Stunden, die Marina Nemat im Evin-Gefängnis erlebt, sind Augenblicke der puren Gewalt. Das Geräusch von Gummislippern, die an leblosen Körpern über Steinböden schleifen; wütende Stimmen; das Knallen von Kabeln auf nackter Haut und Schreie - unter der Augenbinde kann die Iranerin nicht sehen, was um sie herum geschieht. Das Grauen kriecht in ihre Ohren, der Schock legt sich wie eine Bleiplatte auf ihre Seele und tötet alle Empfindungen ab. Ob das Evin-Gefängnis ein Ort sei, an dem alle menschlichen Gefühle erstickt werden, ohne dass man sich den Luxus leistet, dagegen anzukämpfen? So fragt sich Marina Nemat.

Sie habe in der Schülerzeitung Artikel gegen die Regierung geschrieben und einen Streik ausgelöst, wirft ihr der Revolutionswächter im Verhör vor. Nun wolle er die Namen ihrer Komplizen wissen. Marina Nemat schweigt - es gibt nichts, das sie erzählen könnte. Aus Protest gegen die politische Indoktrinierung hatte die Schülerin den Mathematikunterricht verlassen, die anderen Mädchen schlossen sich ihr einfach an. Marina Nemat lauscht der Stimme ihres Peinigers, der ihr, der Christin, aus dem Koran vorliest. Dann wird sie geschlagen, bis sie die Besinnung verliert. Als sie erwacht, hat ein Schnellgericht ihr Todesurteil schon unterschrieben. ...“ (http://www.faz.net/)
Gut, daß unser gescheiter Herr Habermas den Diskurs in Teheran pflegt (hatte er sich damals nicht mit Nirumand gegen den Schah engagiert?); vielleicht noch besser, daß die Regierung Bush eine Abwehrraketenrampe gegen Teheran plant.

Montag, 30. Juli 2007

Rockpalast

Rockpalast: WDR: ein Heer von Ameisen vor der Bühne, gigantische Aufbauten, drittklassige Musikanten (My Chemical Romance), hirnlose Texte ("I feel like a fucking ballerina"), Strombedarf einer Kleinstadt p.a. – Elvis, Berry, Hendricks, Jagger, Lennon – die hatten einfach für das Talent bessere Bedingungen: die fünfziger Jahre. Pars pro toto.

Aber der Vollmond macht wie immer eine gute Figur.

Sonntag, 29. Juli 2007

Islam-Konvertiten

"Sakka war verhaftet worden, als die Polizei in seiner Wohnung im Badeort Antalya eine 750 Kilogramm schwere Bombe fand. Mit dieser Bombe an Bord wollte er, das Vorbild gab der Hollywoodfilm „Syriana“ ab, vor der türkischen Küste ein Schnellboot in ein israelisches Kreuzfahrtschiff rammen. Sakka wurde nicht, wie die Vorbilder in „Syriana“, auf den arabischen Ölfeldern zum Dschihadisten. Er stammt aus Aleppo und lebte mehrere Jahre im politischen Exil in Schramberg, einer stillen Kleinstadt im Südschwarzwald. Dschihadist wurde er über seine Kontakte zu deutschen Konvertiten. Er ging in den Irak, geriet in das Umfeld von Terrorführer Zarqawi, und der schickte ihn mit Dollarbündeln in die Türkei. Zuvor habe er, sagte er in Istanbul aus, persönlich den „Prozess“ gegen den Briten Bigley geleitet, bei dem dieser zum Tod durch Enthauptung verurteilt worden sei."
Text: F.A.Z., 28.07.2007, Nr. 173 / Seite 33

Luhmann, Grass, Waffen-SS

Auch Luhmann soll Mitglied der NSDAP gewesen sein. Es könnte sich dabei um eine Fremdmeldung handeln wie bei Walser. Zu den NSDAP-Karteikarten von Hildebrandt, Lenz, Walser, Lübbe meldeten sich auf den Leserbriefseiten der FAZ seit etwa dem 1.7.07 eine Reihe von Stimmen, die direkt oder indirekt davon berichteten, daß es Kollektiveintrittsmeldungen von örtlichen Funktionären gegeben habe, besonders in den letzten Kriegsjahren, von denen die Betroffenen nicht unbedingt erfuhren (weil entweder keine Dokumentzustellung erfolgte oder eine solche nicht möglich war oder eine Fehlzustellung an wechselnde Einsatzorte Dokumente verlorengehen ließ); in solchen Fällen trägt die Mitgliedskarte keine Unterschrift der angeblich Beigetretenen.
Martin Walser hat so von seiner gefälschten Mitgliedschaft bis 2007 nichts erfahren.
Der Hintergrund solcher Manipulationen sind verstärkte Bemühungen um Mitglieder, weil seit Kriegsbeginn die Sympathie für die NSDAP kontinuierlich zurückging und 1943 einen ersten Tiefpunkt erreichte, der in den folgenden beiden Jahren weiter unterschritten wurde (vgl. u.a. Götz Aly (Herausgeber): Volkes Stimme. Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2006. 224 S., 12,95 [Euro])

Etwas völlig anderes ist es, wenn sich der stramme Jungnazi Günter Grass freiwillig zur Waffen-SS meldete und dies Jahrzehnte verschwieg, obwohl er in diesen Jahrzehnten pausenlos andere zum Bekennen aufrief, die gar nichts zu bekennen hatten, wie z.B. der Ökonom Karl Schiller.
Für Deutsche war die Waffen-SS tatsächlich freiwillig, weil eine Meldung auch zur konkurrierenden Wehrmacht möglich war; alle Nazigegner meldeten sich deswegen zur Wehrmacht, wenn die SS-Werber anklopften, weil die Waffen-SS als ‚Bande der bekennenden Kriegsverbrecher’, um es drastisch zu formulieren, im Inland bekannt war. Anders verhielt es sich bei Ausländern, beispielsweise Balten, die gegen Stalin kämpfen wollten; Ausländer konnten nur in der Waffen-SS Dienst tun, und ihnen war der Gegensatz zwischen der Wehrmacht und der nazistischen Gegenarmee Waffen-SS nicht bekannt.