Donnerstag, 25. September 2008

Markowitz & Co., Paulsons weitsichtige Investition

Strizz, Reiche, FAZ

10- 15° b/s

- Die Grauzone trägt Mathematik: Markowitz und der Nobelpreis für Markowitz stehen für Effizienz des Markowitz Portfolios." Deswegen brach der Long Term Capital Management Fund zusammen, weil Markowitz und seine Kollegen meinten, man könne die Risiken angemessen im Modell erfassen und damit berechnen. Die Superrechner und Nobelpreisträger Scholes und Merton waren Board-Mitglieder des LTCM. Kollege John Cox war bzw. ist noch im Board von FREDDY MAC. An das Rechnen und die Formeln von Black, Scholes, Merton, Cox u.a. glaubten auch die Derivate-Jungs von Bear Stearns und Co. Doch für diese Märkte ist der Markowitz nicht schlau genug. Modelle sind Reduktionen und bilden nie die ganze Wirklichkeit ab. Mit Betrug und dergleichen hat das nichts zu tun, sondern mit der Anmaßung von Wissen durch mathematisierte Ökonomie. Man könnte auch fragen, warum die FED nach dem Fall des LTCM 97/98 (im Zusammenhang mit der Rußland-Krise) nicht dringlicher über die Ursachen nachdachte. Und die Niedrigzinspolitik beibehielt.
Übrigens: John Cox war bzw. ist im Board von FREDDIE MAC

- Gute Zahlen: NIKE . HP und MS kündigen Aktienrückkäufe an

- Sehr lesenswert: "Standpunkt: Gunnar Heinsohn. Henry Paulsons weitsichtige Investition . 700 Milliarden Dollar für den amerikanischen Finanzminister Henry Paulson zum Kauf von unterbesicherten Hypotheken sind eine Menge Geld. Es ..." FAZ 23.9.
- Rechnungslegung verschärft Finanzkrise . Bilanzierung nach IFRS wirkt prozyklisch / Studie der Ruhr-Universität Bochum
dmoh. FRANKFURT, 23. September. Die internationalen IFRS-Rechnungslegungsvorschriften begünstigen und verschärfen die Finanzkrise. Zu diesem ..." 24.9. FAZ

- "Merkel zum VW-Gesetz. Vereint gegen den Leitwolf aus Stuttgart. Angela Merkel setzt sich für das VW-Gesetz ein, Christian Wulff gibt den Klassenkämpfer - 15.000 Wolfsburger feiern sie. Der nächste Bundestagswahlkampf steht vor der Tür, soziale Gerechtigkeit wird ein Kernthema sein. Die Zeiten ändern sich. ... Frau Merkel scheint auf dem Podium in Halle 11 davon nicht besonders beeindruckt zu sein. „Das VW-Gesetz wird es auch in Zukunft geben“, verspricht sie den „lieben Mitarbeitern“ in den blauen Arbeitsoveralls. Denn: „VW ist Deutschland.“ Und: „Dafür kämpfen wir weiter.“ Osterloh applaudiert. Er führte Frau Merkel selbst in die Halle, sie drückte jedem der Betriebsräte auf der Arbeitnehmerseite des Podiums die Hand, nicht aber den pikierten Vorständen rechts. Wenn Frau Merkel und Wulff darüber sprechen, dass nicht einer das Sagen haben soll, sondern viele, dann denken die Beschäftigten im Saal vor allem an Porsche. Das VW-Gesetz und der Stuttgarter Autobauer, das sind an diesem Tag ein und dasselbe. Vor allem Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking hat das Gesetz immer wieder kritisiert, weil es ihm die Einflussnahme auf jenen Konzern erschwert, an dem Porsche schon den größten Anteil hält und dessen Mehrheit das Unternehmen bald übernehmen will. ..." 23.9. // Das nennt man wohl Linkspopoismus oder so.
- "Wohin steuert Frau Merkel die CDU?
LB Charlotte Simmens. Das Thema soziale Gerechtigkeit soll den nächsten Bundestagswahlkampf prägen. Daher geben Frau Merkel und Herr Wulff vor begeisterten VW-Werkern die Retter der Entrechteten. Was für eine Verblendung! Die Angestellten und Arbeiter von VW sind wohl die Letzten, für die das Thema soziale Gerechtigkeit drängend wäre. Hier geht es doch eher um Besitzstandswahrung auf verdammt hohem Niveau. Merkel und Wullf führen die CDU in die Beliebigkeit der politischen Opportunitäten. Standpunkte, Programm, Überzeugungen - alles Phrasen von gestern. Gekocht wird was der Konsument nachfragt. Es stellt sich da einfach nur noch die Frage: Warum fusioniert die CDU nicht mit der SPD? Unterschiede bestehen eh nur noch in Nuancen - wenn überhaupt. Ich würde mich freuen, wenn wir zukünftig wieder eine konservative Partei hätten, welche den Mut aufbringen würde, den Wählern und Wählerinnen auch unbequeme Wahrheiten zu sagen. Dieser allgegenwärtige Opportunismus stößt mich nur noch ab. Es ist die bleierne Zeit ohne wirkliche Alternativen - wenn man denn Lafontaine und Co. nicht als eine solche ansieht. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, nicht zur Wahl zu gehen. Im Moment bin ich mir da nicht mehr so sicher."

- "Bekannt aus alter Zeit
Ich kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass der Fürst von Liechtenstein die Bundesrepublik für das Vierte Reich hält (F.A.Z. vom 12. September). Aber zu denken hat es mir schon gegeben, dass in der Steueraffäre Zumwinkel in der Presse und der Öffentlichkeit zwar die Steuerhinterziehung scharf kritisiert wurde, viel weniger oder gar nicht dagegen die Art und Weise, wie die Regierung an die Datensätze kam. Steuerhinterziehung ist nicht in Ordnung, aber es gibt sie, seitdem es Steuern gibt. Dass aber ein demokratischer Rechtsstaat von einem Kriminellen gestohlene Dateien kauft, ihn dafür fürstlich entlohnt und ihm auch eine neue Identität als deutscher Staatsbürger verschafft, damit er untertauchen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Warum regen sich so wenige darüber auf? Hier wurde nach dem Grundsatz verfahren, dass der Zweck die Mittel heiligt. Das kommt mir denn ein wenig bekannt vor aus längst vergangenen Zeiten. Warum fand hierzulande so wenig Beachtung, dass die dänische Regierung das Angebot der deutschen Regierung, relevante Daten zu kaufen, mit der Begründung abgelehnt hat, die Daten seien auf fragwürdige Art erworben worden?"
DR. OTTO GOLDSCHMIDT, FRANKFURT/M, LB, F.A.Z., 24.09.08

- Tata baut seine Maschinen ab.
Indien zeigt sich von seiner unternehmerfeindlichen Seite.
che. SINGAPUR, 24. September. Indien stellt sich in diesen Tagen äußerst investitionsfeindlich dar. So beginnt der Tata-Konzern, die Maschinen ..." FAZ 25.9.

Mittwoch, 24. September 2008

Rußland, Dönhoff

Strizz, Reiche, FAZ
12-17° b

- Gut, daß Rice Rußland-Spezialistin ist: "Condoleeza Rice: Russland isoliert sich selbst. Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice sieht die Welt einem zunehmend autoritären und aggressiven Russland gegenüber. In einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt Frau Rice, es sei an Russland, diesen Weg wieder zu verlassen. Noch könne sich Russland anders entscheiden. ..." FAZ 23.9.

- Dönhoff, Dreck am Stecken, Überkompensation: "... November 1944. Schon zu jenem Zeitpunkt erachtete die damalige Gutsherrin auf Quittainen die Eroberung Ostpreußens durch die Sowjets als unabwendbar und die Möglichkeit eines geregelten kollektiven Abzugs als illusorisch. Da sie "es für hoffnungslos halte, wenn die ganze Provinz erst einmal unterwegs ist, überhaupt noch vorwärts, geschweige denn über eine der Brücken, zu kommen" - so Marion Dönhoff an Otto am 1. November 1944 -, beabsichtige sie, sich "mit dem Reitpferd zu verselbständigen und allmählich gen Westen zu reiten". ... welches grausame Schicksal die Zurückgebliebenen erwarten würde. Dabei erinnert die Gräfin selbst in ihrem veröffentlichten Fluchtbericht daran, dass das Regime den Meldungen über sowjetische Greueltaten an der Zivilbevölkerung im ostpreußischen Nemmersdorf (Oktober 1944) weiteste Publizität verschafft hatte. ... hätten es die Quittainer Gutsleute in Wirklichkeit wohl vorgezogen, wie ihre unmittelbaren Nachbarn auf dem Dohnaschen Gut Schlobitten, die Flucht im Treck zu wagen. Weit über dreihundert Schlobittern gelang das von Marion Dönhoff von vornherein für aussichtslos Gehaltene: Unter Führung des Gutsherrn kam ihr Treck im März 1945 in Niedersachsen an. ... den ein radikales Liberalisierungsprogramm ankündigenden und damit das bundesdeutsche Wirtschaftswunder einläutenden Ludwig Erhard vernichtend abqualifiziert hatte: "Wenn Deutschland nicht schon eh ruiniert wäre, dieser Mann mit seinem absurden Plan, alle Bewirtschaftung aufzuheben, würde es gewiss fertigbringen. Gott schütze uns davor, dass er einmal Wirtschaftsminister wird. Das wäre nach Hitler und der Zerstückelung Deutschlands die dritte Katastrophe." ... Im April 1988 hatte sie - an die Adresse der "Ewiggestrigen" in der Bundesrepublik - festgestellt, "die Proklamierung der Wiedervereinigung als Ziel der Bonner Außenpolitik" sei genau das, "was den Weg dorthin" blockiere und "jede Entwicklung unmöglich" mache. ... sie habe Erich Honecker eine doch wohl nicht ganz gerechtfertigte Respektabilität zuerkannt. ..." F.A.Z., 24.09.2008, Rez. Paul Stauffer: Klaus Harpprecht: Die Gräfin. Marion Dönhoff. Eine Biographie. // Ich habe die ZEIT von etwa 1965 bis etwa 1980 im Abonnemont bezogen und recht intensiv gelesen und noch 1990 habe ich Dönhoff für eine äußerst respektable Frau gehalten. Keinesfalls hätte ich mir vorstellen können, daß sie ihre Guts-Leute einfach im Stich gelassen hat, obwohl sie selbst, wie ich mich gut erinnere, in Artikeln darauf hingewiesen hat, daß das preußische Gut eine fürsorgliche Gemeinschaft darstellte. Sie war eine schlechte, eine feige, eine egomanische Führungsperson, so scheint es, und dann war sie eine große Schwätzerin. - Großen Dank an den Rezensenten Paul Stauffer.

Geldsystem politisch

Strizz, Reiche, FAZ

Fehlendes Vertrauen in den Markt. Von Thorsten Polleit.
Die Erschütterungen, die die globale Finanzarchitektur durchziehen, versetzen professionelle Investoren wie auch private Anleger in Sorge. Doch die Furcht vor einem Zusammenbruch des Geldsystems, vergleichbar etwa mit dem Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wäre ein schlechter Ratgeber. Im günstigsten Fall kehrt das Vertrauen in die Kreditmärkte zurück. Krisensymptome wie abnehmende Handelsvolumina, steigende Kreditzinsen sowie fallende Wertpapierkurse würden sich zurückbilden und Finanzhäuser vor einem weiteren Abwärtsstrudel bewahren.
Doch kaum einer will sich noch auf die Bereinigungskraft des freien Marktes verlassen. So werden sich wohl die Regierungen aufmachen und die Sache in die Hand nehmen. An Instrumenten herrscht kein Mangel. Strauchelnde Banken können nationalisiert oder ihre Verbindlichkeiten garantiert werden. Möglich ist auch, dass Regierungen Schuldverschreibungen an Finanzinstitute übertragen und so deren Eigenkapital aufpolstern. So wurde beispielsweise in Deutschland bei der Umstellung der Reichsmark auf die D-Mark vorgegangen - man nannte die damals ausgegebenen Papiere "Ausgleichsforderungen".
Regierungen können auch einen "Auffangfonds" auflegen, der problembeladene Kredite aufnimmt und mit Staatsanleihen refinanziert - ganz so, wie mit den Folgen der amerikanischen Sparkassenkrise Ende der achtziger Jahre verfahren wurde. Alternativ können die staatlichen Zentralbanken den Geschäftsbanken Verluste ersparen, indem sie ihnen Wertpapiere und Kredite abnehmen und so das Eigenkapital der Banken vor einem weiteren Schrumpfen bewahren. Das Inflationieren jedoch wäre keine gangbare Strategie der Entschuldung. Denn eine steigende Inflation führt zu steigenden Zinsen, die wiederum Dauerschuldner, die ihre Kredite neu finanzieren müssen, in die Pleite führen könnten. Somit würde das Problem, das man entschärfen will, noch verstärkt.
Welche dieser staatlichen "Rettungsmaßnahmen" auch bemüht werden, sie dürften so machtvoll sein, dass Kreditgeber und Einleger der Banken nicht um ihr Geld fürchten müssen. Zum Nulltarif ist all das jedoch nicht zu haben: Die Finanzierung erfordert Steuererhöhungen oder Staatsverschuldung, die die Einkommen der Privaten heute oder morgen sozialisieren. Wie groß die Rechnung ausfällt, lässt sich derzeit kaum verlässlich abschätzen. Als besonders kostenträchtig dürfte sich erweisen, dass die Übelstände einem kapitalistischen Finanzmarktgeschehen zugeschrieben werden, obwohl sie doch eigentlich Folge eines Geldsystems sind, das gewissermaßen planwirtschaftlich verfasst ist. Es ruht auf der Hoffnung, staatliche Eingriffe in das Wirtschaftsleben - in diesem Fall in seinen wohl wichtigsten Koordinationsmechanismus: dem Angebot von Geld - würden bessere Ergebnisse erzielen, als wenn das Geld von Privaten bereitgestellt wird. Auch die jüngste Krise und ihre Kosten scheint diese Hoffnung nicht wirklich erschüttert zu haben.FAZ 22.9.08
Der Autor ist Chefvolkswirt von Barclays Capital.

Dienstag, 23. September 2008

Ölfund, Arktis, Georgien, Krieger Allahs, Bildungsmängel


Gefängnis-Gemälde: Kunst à la Hugo Chávez

14-16° b/R

- " Ölfund in Brasilien . Brasilien meldet einen weiteren bedeutenden Ölfund vor der Atlantikküste. Nach Angaben der Mineralölgesellschaft Petrobras solle in dem 230 ..." 20.9. FAZ

- Einschließlich Nordpol: " Medwedjew: Die Arktis gehört uns . MOSKAU, 17. September (dpa). Im Streit um die in der Arktis vermuteten Rohstoffvorkommen hat der russische Präsident Dmitrij Medwedjew eine ..."
- " Grundrauschen der Gewalt. Waren die Gegner im Georgien-Krieg Handelnde oder Getriebene? Die Darstellungen Russlands und Georgiens zum Beginn des Fünftagekriegs im August sind gegensätzlich - und doch gleich. Hält man die Kurzfassungen ..." 18.9. FAZ

- " Krieg an vielen Fronten. Zu "Deutsch-afghanische Illusionen" von Stephan Löwenstein in der F.A.Z. vom 5. September: Löwenstein überschätzt den Stellenwert der klassischen Guerrillataktik innerhalb der Strategie terroristischer Netzwerke islamistischer Prägung. ... sind die westlichen Medien der wichtigste Helfer: Zehn Seiten widmet PARIS-MATCH einem makabren Fotoshooting samt Exklusivinterview mit den 'Kriegern Allahs', die französische Soldaten umgebracht hatten. ..." 19.9. LB Holik

- Finanzsenator Thilo Sarrazin: ' Unsere Bildungsmängel sind keine Geldfrage . Der Leitartikel von Heike Schmoll "Bildungspolitik braucht ehrgeizige Ziele" (F.A.Z. vom 4. September) spricht von der "demographischen Rendite" ...' FAZ 18.9.

- Sollte man nicht einräumen, daß ein Dieb schöne Waden haben könne, meinte einst Montaigne. Wie ist das mit Chavez, dem Polit-Gauner? "Chávez-Gemälde erzielt Rekordpreis: Die Mühle der Götter malt . 19. September 2008. Ein Meisterwerk ist es nicht, eher eine Arbeit, die in der Beschäftigungstherapie entstanden sein könnte. Ein Blick durch Gefängnisgitter hinaus in die Nacht, zwei Straßenlaternen, ein Wachturm. Und der hell leuchtende Mond, der „Mond von Yare“, wie der Titel ausweist. Was auf dem Bild fehlt, ist die knallbunte Teufelsfratze, die man gewöhnlich mit der Ortsbezeichnung San Francisco de Yare im venezolanischen Bundesstaat Miranda verbindet. Im dortigen Gefängnis saß 1993 ein Häftling, der nichts weniger getan hatte, als einen Putschversuch anzuführen, und der sich damals offenbar die Zeit damit vertrieb, seine triste Gefängniswelt auf die Leinwand zu bannen. ..." // Dieses Talent erinnert an den Kunstmaler Hitler.
- "Five hundred dollars, friends, I lost:
Woman even sell me cat and horse!
Heya! Matilda, she take me money and run Venezuela." H. Belafonte

- 'Das Kindermobil. „Gibt es jetzt neue Nazis?“ Innenstadt - Kinder wissen oft wenig aus der NS-Zeit. Das Kindermobil, ein neues Projekt des NS-Dokumentationszentrums, soll das ändern: Ein Koffer voller Geschichten und Bilder erzählt von Widerstand, Krieg und Verfolgung. ...' Kölner St.-A. 23.9. // Das ist wirklich ein geeigneter Kinderstoff.

- Kölner Gewalt: "... Polizei-Gewerkschaftschef: Einsatzkräfte besser ausstatten. Vor dem Hintergrund des Einsatzes bei der "Pro Köln"-Demo hat Konrad Freiberg, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, eine bessere personelle Ausstattung der Polizei gefordert. ... Die Gewalttaten der linken Gegendemonstranten verurteilte er: "Linke Chaoten kamen aus ganz Deutschland an, mit bereits vorgebastelten Molotow-Cocktails, mit Steinen im Wagen. Auch fernab des Demonstrationsgeschehens haben sie sofort mit Gewalttaten begonnen. Das war geplante Gewalt, das ist das Erschreckende", sagte der Gewerkschaftschef. Sechs Kollegen seien verletzt worden und er sorge sich, dass irgendwann ein Mensch durch Steinwürfe oder ähnliches zu Tode komme."
(dpa/ddp/epd/bs)
- "... Köln-Porz - Die Arbeiten an der am Samstagmorgen durch einen Brandanschlag zerstörten Zug-Signalanlage dauern weiter an. Das Ausmaß des Schadens an der Anlage in der Nähe der S-Bahn-Station Porz-Wahn ist unterdessen nach wie vor völlig unklar. ..." Kölner St.-A. 23.9.
- Ob links, ob rechts, Kölner Crapule bleibt sich gleich. Obwohl das starke katholische Milieu die Nationalen Sozialisten nicht wählte, obwohl mit Adenauer, ganz anders als heute, ein überragender Oberbürgermeister im Amt war, gab es in der Stadt, wie heute, eine starke Gruppe von Fanatikern: 12. 3.1933 Kommunalwahl in Köln: die NSDAP wird mit 39,6% stärkste Fraktion im Rat. 13. 3.1933 : Oberbürgermeister Adenauer flieht frühmorgens aus Köln. SS und SA besetzen das Rathaus. Adenauer wird für abgesetzt erklärt und Günther Riesen (NSDAP) zum Nachfolger ausgerufen. Es folgt die Gleichschaltung der Stadtverwaltung. Mächtigster Mann in Köln ist fortan der Leiter des NSDAP-Gaues Köln-Aachen, Josef Grohé.
- Hatte wirklich Courage und machte keinen Mode-Rabatz im Gruppenmief: Ferdinand Franz Wallraf verweigerte 1798 als Rektor der alten (Albertus Magnus!) Kölner Universität den Eid auf die französischen Invasoren. Die französische Diktatur schloß die Universität, die erst Adenauer neu gründete.

- Alter Offe: " Wie der Markt die Politik vergiftet . Die Finanzkrise als Demokratieverlust: Colin Crouchs Lagebericht. ..." 22.9. FAZ // Offe, auch ein schlechter Lehrer meiner Jugend (als die FAZ noch keine Rezensionen von Offe abgedruckt hätte), lernt auch weiterhin nicht dazu und glaubt an die Herstellung des Volonte generale durch Politbürokraten, die vor allem wissen, wie man in ein Amt kommt und Schleimreden vor Belegschaften hält. Daß der allgemeine Begriff MARKT für die Menschen steht, die etwas kaufen oder verkaufen wollen, ohne Bezugsmarken zum Beispiel, ohne eine Stunde anzustehen, Bananen zu jeder Jahreszeit, das will in seinen Ideologenschädel nicht hinein.

- Neu: " Du sollst das Mem lieben wie dich selbst! Daniel C. Dennett will die schädlichen Anteile an religiösen Überzeugungen herausfinden. Er übt eine anspruchsvolle Religionskritik, die sich ..." DEN BANN BRECHEN. RELIGION ALS NATÜRLICHES PHÄNOMEN, FFM. 2008, FAZ 22.9.

- "Neues vom Fall Julius und Ethel Rosenberg: Der mitangeklagte Morton Sobell legt ein Geständnis ab. ..." 22.9. FAZ

- Übrigens: "Neandertaler haben auch in Ostfriesland gelebt. Das belegt der Fund eines 40 000 Jahre alten Feuersteins. Bislang waren Neandertaler in Nordwestdeutschland nicht nachgewiesen ..." 19.9. FAZ

Montag, 22. September 2008

Demonstrieren in Köln

Demonstrieren in Köln
Die Ordnung der Dinge, Von Matthias Hannemann, FAZ
21. September 2008 Der ältere Mann hatte die braune Jacke aus dem Schrank geholt: die wasserabweisende mit dem Reißverschluss, wie es sie im Versandhandel oder im Kaffeeladen um die Ecke zu kaufen gibt. Dazu ein Lederetui für die Farbkopie mit der Großmoschee. Eigentlich unauffällig, dachte er. Eigentlich schien nichts dabei zu sein, mit der S-Bahn in die Stadt zu fahren und sich am Dom entlang bis zur Altstadt vorzukämpfen. So machen es viele an diesem Samstag im September, auch ältere Herren von seiner Statur.
Einhundert Meter vor dem Heumarkt glauben sie ihn trotzdem zu erkennen. „Nicht durchlassen, nicht durchlassen!“, brüllt eine Frau, deren Stimme vom Schreien schon ganz heiser klingt. Sie steht in einer schmalen Gasse, inmitten eines Pulks aus aufgeregten Menschen. Die Umstehenden greifen ihre Parole auf, hysterisch, laut und wie ein Mann: „Nicht durchlassen, nicht durchlassen!“, rufen sie. Dann löst sich ein Kerl aus der Wegsperre, er ist groß und stark und bösen Blickes.
„War das ein Nazi?“
Der Mann trägt eine grelle Ordnerweste, als käme er vom Saalschutz. Parteiabzeichen sind auf den Stoff genäht, er gibt sich reichlich offiziös. „Wer sind Sie, wo wollen Sie hin?“, fragt er, und die Menschen hinter ihm wiederholen seine Worte wie im Chor. Einige wollen einen Ausweis sehen. „Wer sind denn Sie, dass ich Ihnen das verraten müsste. Lassen Sie mich durch!“, versucht der Eindringling sich zu wehren. Doch man drängt ihn zurück – zu zweit, zu dritt, zu viert, voller Drohgebärden und ganz ohne Polizei. Die steht behelmt und mit angestrengten Gesichtern hinter der Wegsperre und weiß gar nicht, wohin sie schauen soll: zu den Wahnsinnigen vor oder hinter der Blockade.
In Köln, an diesem Samstag im September, singt man viel von Demokratie und Meinungsfreiheit und kann sie – so schmerzhaft das ist – im Grunde nicht ertragen. Man hätte die Rollläden herunterlassen können am Heumarkt. Man hätte stille Zeichen setzen können, so wie es Anwohner in den Schaufenstern mit Blumen und Protestzetteln versucht haben, stillen Widerstand leisten wie die Hoteliers und Taxifahrer, die sich weigerten, Teilnehmer des Kongresses zu beherbergen und in die Stadt zu fahren. Man hätte alles dafür tun können, um dem provokanten „Antiislamisierungskongress“ der Rechtspopulisten die Aufmerksamkeit zu entziehen.
Doch nicht einmal das Thema Islam ist an diesem Sonnentag gefragt. Nicht hier unten, direkt am Heumarkt, um den herum in jeder einzelnen der engen Altstadtstraßen ein selbsternannter Stoßtrupp hockt – im Namen der Demokratie.
„War das ein Nazi?“, fragt eine Schülerin, als der ältere Herr verschwunden ist. „Das sieht man doch gleich“, antwortet irgendjemand. Und bläst Seifenblasen in die Luft, die hübsch zerplatzen. Der Jubel der Zustimmenden übertönt selbst den Polizeihubschrauber. Seit Stunden hängt der über dem Rhein. Beobachtet, wie sich die Innenstadt füllt. Wie der Heumarkt leer bleibt. Wie sich am nahe gelegenen Bahnhof die Züge auf den Gleisen stauen; die Strecke nach Köln ist nach einem Anschlag auf eine Signalanlage teilweise blockiert.
Die Internationale auf den Barrikaden
„Was haltet ihr denn eigentlich von der Moschee in Köln, die bald gebaut wird?“ Am Buttermarkt, der von Kneipen gesäumten Parallelstraße zum Rheinufer, steht ein Herr mit Brille vor einer der Blockaden. Ein Lehrer offenbar. Er legt darauf Wert, gegen die Gesinnung von „Pro Köln“ zu demonstrieren. Doch er zögert plötzlich, sich in die Menschen hinter der Absperrung einzureihen. Was ihn stört, sind die alarmfarbenen Ordnerwesten. Sie prägen auch hier das Bild. Sollen es auch. Denn ausgegeben hat sie „Die Linke“, für zwölf Euro das Stück, wie es heißt. Beim Gewerkschaftsbund soll es dunklere Waten für umsonst gegeben haben. „Na los, was haltet ihr davon?“, wiederholt der Lehrer seine Frage. Die Westenträger schauen sich an, kopfschüttelnd: „Du bist doch auch nur einer von denen“, sagt der eine, der mit dem Spahnferkelbrötchen im Mund. „Ich finde das nicht in Ordnung, wie das hier abläuft“, sagt der Lehrer. „Wir müssen demonstrieren, klar. Denen da geht es ja gar nicht um Köln. Aber.“ „ Faschist!“, unterbricht ihn der Ordnungshüter. „Ihr seid doch genauso krank wie die Rechten, die ihr stark macht. Verfluchte DDR“, ereifert sich der Lehrer. „Faschist! Mach bloß, dass du wegkommst!“, schleudert man ihm ins Gesicht.
Prompt stimmt eine Gruppe auf den Barrikaden die „Internationale“ an. Nicht etwa halb im Scherz, wie dies früher bei Demonstranten einmal üblich war, zumal bei euphorisierten Juso-Grüppchen. Sondern laut und aggressiv, durchmischt mit antikapitalistischen Parolen, die nach einer Woche wie dieser so selbstverständlich skandiert werden wie selten zuvor. Abends, im Fernsehen, wird ein „Pro Köln“-Aktivist zu sehen sein, der „Nieder mit den Kapitalisten!“ brüllt.
Einige Schüler, die sich ebenfalls in die Menschenmenge an der Wegsperre gemischt haben, schauen sich unsicher an. Sie wissen nicht genau, was eigentlich in der Altstadt passiert. Dann aber singen sie mit. Vorsichtshalber. Schon weil ein Kamerateam jetzt auf die Absperrung draufhält.
Und das, obwohl die Kameraleute die Gruppen mit den schwarzen Kapuzenpullovern und den Allwetterjacken gesehen haben. Nur wenige Meter weiter, auf der Wiese am Rhein, streifen sie schwarze Sonnenbrillen über, knoten sich schwarze Tücher vor das Gesicht. „Hier sind doch überall Kameras der Rechten. Die führen doch Listen“, murmelt einer von ihnen, überrascht über die Frage nach Sinn und Zweck der Vermummung. Ganz überzeugt ist er von seiner Antwort aber offenbar selbst nicht. „Lach doch mal“, rufen wir ihm zu. Da zieht er tatsächlich die Zähne auseinander. Oder das, was von ihnen noch übrig ist.
„Werbeveranstaltung für den Baader-Meinhof-Film“
Am Geländer am Wasser lehnt der ältere Herr mit der braunen Jacke. „Das finde ich nicht gut“, murmelt er und schüttelt den Kopf. Was denn genau? „Nee, nee, nee.“ Wie bitte? „Na, das alles hier“, sagt er. Und will dann nicht mehr reden. Nie wieder.
Er ist nicht der Einzige, der hier lehnt oder auf den Steinen vor den Cafés sitzt, ein wenig verstohlen. Einige von ihnen haben sich eben an den Barrikaden noch als Touristen ausgegeben. Als Journalisten. Als Anwohner oder Brauhausbesitzer. Keine Chance. Nur ein Pärchen gibt zu, eigentlich zur Veranstaltung auf dem Heumarkt unterwegs gewesen zu sein. Sie sagen das ganz leise. „Aus Angst“ sagt der Mann, „aus Protest gegen die geplante Großmoschee für Köln-Ehrenfeld.“ „Wegen der Christen in der Türkei“, sagt die Frau, „und wegen der Selbstmordattentäter. Die sind ja überall.“
Sie sagt das genau in dem Augenblick, als die Polizei die Veranstaltung der Populisten absagt. Aus Sicherheitsgründen. Unterhalb des Turmes von Groß St. Martin fliegen jetzt Gläser und Blumentöpfe durch die Luft. Ziel ist ein Polizeiwagen, hinter dem sich eine Handvoll Männer mit auffallend kurzen Haaren duckt. Feixend, juxend, hohlen Blickes. „Das ist eine Werbeveranstaltung für den Baader-Meinhof-Film“, krakeelt es aus dem Biergarten nebenan. „Kei-ne-Gewalt“, skandiert von der anderen Seite ein Grüppchen Demonstranten. Ein Martinshorn ertönt von der Brücke, unter der sich eine Unterführung zum Heumarkt befinden soll.
Zeit, sich auf den Weg zu machen nach Ehrenfeld, in den Westen der Stadt. Die Haltestelle, die man uns genannt hat, trägt denkwürdigerweise den Namen „Piusstraße“. Sie liegt in der Gegend, durch die „Pro Köln“ seine Gäste ursprünglich hatte fahren wollen. In Reisebussen, so als gelte es, einen gefährlichen Freilicht-Zoo zu durchqueren. Die Karawane hätte vermutlich kaum durch die kleine Straße gepasst, die an einer Tankstelle vorbei zu den Fußballplätzen des Viertels führt. Ein Amateurspiel, B-Jugend, findet ausgerechnet heute dort statt. Einige der Väter, die ihre Söhne abliefern, haben einen „Migrationshintergrund“. Einige von ihnen nicht.
„Demokraten in der Moschee?“
Aus dem Saal der Moschee sind die Gesänge des Mittagsgebetes zu hören. Über den Rundbögen des Eingangs hängt der Schriftzug „Merkez Camii“ – „Zentrale Moschee“. An den Baracken, in denen Lebensmittel und Bücher verkauft werden, hängen drei Poster. Eines von ihnen zeigt das Modell der neuen Moschee, mit deren Bau in wenigen Wochen, nach dem Ende des Ramadans, begonnen werden soll. Eines ist eine Einladung zum „Tag der offenen Moschee“, der im Oktober stattfinden soll. Und eines ist ein Aufruf der Polizei. Sie wisse von der Beunruhigung in der Gemeinde, ist zu lesen. Sie werde dafür sorgen, dass „Sie sich mit Ihrer Kultur und Ihrer Religion bei uns in Köln sicher fühlen können“. Doch bitte: „Lassen Sie sich nicht provozieren!“, heißt es am Ende.
Der Junge, der am Eingang zu einer der Baracke Fladenbrote verkauft, sagt: „Das ist bei uns auch gepredigt worden. Natürlich halten wir uns daran. Schon weil wir wissen, dass man in einer Demokratie solche Protestauftritte akzeptieren muss. Und weil wir wissen, dass es ja schon demokratische Beschlüsse zum Moscheebau gibt.“ Eine junge Frau, die einige hundert Meter entfernt steht, sagt: „Demokraten in der Moschee? Ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Die Atmosphäre ist ja schon auch unter den gläubigen Türken strenger und religiöser geworden.“
Der Mann, der sich später in der S-Bahn erschöpft auf den uns gegenüberliegenden Sitz fallen lässt, sagt schließlich: „Denen haben wir es aber gezeigt, den Populisten.“ Die kulturelle Bedeutung des Fragezeichens wird heutzutage völlig verkannt.

Ende der Republik
Hans Meier, LB, faz.net
Eigentlich geht es beim Moscheebau um die Frage, welches Gesicht unser Land in Zukunft trägt. Immerhin ist das Verhältnis des Islam zu westlichen Werten, zu Gewalt, Toleranz und Freiheit nach wie vor völlig ungeklärt. Von daher ist es auch leichtsinnig, die einzigen, die den diesbezüglichen Sorgen eine Stimme verleihen, als "populistisch" zu bezeichnen - ich finde die Frage, welchen Stellenwert der Islam im öffentlichen Leben einnehmen soll, eigentlich sehr substantiell. Wenn dies aber nichtmal mehr öffentlich thematisiert werden kann, weil Linksfaschisten, Presse und Behörden gemeinsam gegen die "Populisten" vorgehen, bedeutet das eigentlich das Ende von Demokratie und Republik. Wer so vom öffentlichen Diskurs und demokratischer Teilhabe ausgeschlossen wird, daß ihm faktisch jede Möglichkeit genommen wird, sich zu artikulieren, ist eigentlich zur Auswanderung gezwungen. Was hier geschieht, ist mehr als demokratischer Meinungskampf; es ist ein Bürgerkrieg gegen Teile des eigenen Volkes.

- "... Attacke durch Linke.
Von Erfahrungen mit der Gewaltbereitschaft der Linksautonomen und mit dem Polizeieinsatz berichtet auch Günter A. Menne, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region. Ein Freund und dessen Bruder, mit denen er sich zum Friedensgebet in St. Maria im Kapitol treffen wollte, seien in der Altstadt von Linksautonomen attackiert worden. In einem Bericht, der auf der Internetseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“ dokumentiert ist, schildert er den Vorgang aus Sicht der beiden Opfer, die zuvor noch ihr Büro am Buttermarkt aufsuchen wollten. Ohne ersichtlichen Grund wird der Freund aufs Kopfsteinpflaster geschleudert, sein Bruder bekommt einen Faustschlag auf die Brust. „Wir rappeln uns auf und trollen uns wie zwei getretene Hunde“, so der Bericht. ..." www.ksta.de/html/artikel/1218660599322.shtml 22.9.