Dienstag, 6. Oktober 2009

Thilo Sarrazin, Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?

- Lettre-Interview "Rücktrittsforderungen an Sarrazin.
FAZ 04. Oktober 2009 Nach seinen umstrittenen Äußerungen in einem Interview mit der Berliner Kulturzeitschrift „Lettre International“ nimmt die Kritik an Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin (SPD) zu. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast, sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Sarrazins Menschenverachtung ist untragbar.“ Seine Entschuldigungen nehme man ihm nicht mehr ab, weil er „immer wieder hetzt“. Bundesbankpräsident Axel Weber müsse umgehend handeln. „Jede Ortssparkasse müsste umgehend Konsequenzen ziehen. Wenn die Bundesbank nicht sofort handelt, gefährdet sie ihre Substanz.“
Sarrazin hatte in dem Interview unter anderem eine mangelnde Integration vor allem von Türken und Arabern in Berlin kritisiert. Von denen erfülle in Berlin „eine große Zahl keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel“. Besondere Empörung riefen zwei Sätze hervor: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“. Sowie: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ FAZ
/// Ein Klartext-Freund. Er könnte die Partei, in der Mitglied ist, die SPD, aus der Talsohle herausführen.

- - "Thilo Sarrazin wurde nicht als Bundesbanker,
sondern als ehemaliger, dort bespiellos heilsamer Finanzsenator Berlins interviewt. Und man sollte dieses Interview vollständig lesen; Sarrazin weist schlicht nach, dass Auswahl und Integration der Zuwanderer, Europas drückendstes Problem, mit den gegenwärtigen kostspieligen Heucheleien nicht gelöst werden kann und dass Berlin ein Fass ohne Boden ist.
Es ist untergriffig, Sarrazin zu zerreißen und als Konfetti auf den medialen Tanzboden zu pusten — und so die grundgesetzlich garantierte Rede- und Meinungsfreiheit mit Füßen zu treten. Aber politisch-korrekte Sprachregelung, Gender-Diktate und Denkverbote tun dies schon lange; eine infame Inquisition feiert fröhliche Urständ'.
Axel Weber sieht darin eine Gelegenheit, einen fachlich und menschlich überlegenen Konkurrenten auf dem gutmenschlichen Scheiterhaufen zu entsorgen; dazu scheint ihm jedes Mittel recht, was schäbig, aber in Mode ist. Ts, ts!
Thilo Sarrazin, Hecht im Karpfenteich der Realitätsverweigerer, sei gegrüßt und geströstet:
Wer die Wahrheit sagt, wird aus neun Dörfern vertrieben. — Türkisches Sprichwort
"Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man die Fiedel auf den Kopf." — Grimmelshausen, "Simplicius Simplicissimus" (Komm. Peter Zentner auf faz.net)

- - "Wer darf das Kind beim rechten Namen nennen?
Die wenigen, die was davon erkannt,
Die töricht gnug ihr volles Herz nicht wahrten,
Dem Pöbel ihr Gefühl, ihr Schauen offenbarten,
Hat man von je gekreuzigt und verbrannt."
- Faust I, Vers 589 ff.

- Auch aus dem Pfarrhaus: Wilhelm Busch wuchs bei seinem Onkel auf, dem Pastor Georg Kleine, der auch Bienenzüchter war und bei dem Darwin anfragte (Als die Bienen sprechen lernten . Wilhelm Buschs Bestiarium: Was der Satiriker von Charles Darwin lernte
Am 18. Juni 1862 erhielt das "Bienenwirthschaftliche Centralblatt für Hannover" Post aus England, eine Anfrage des berühmten englischen Naturforschers ..." FAZ 30.9.09)
- Brehm 1880 in einem Brief, er gehe mit "Schopenhauer in der einen, den Darwin in der anderen Tasche" durchs Leben. (Als die Bienen sprechen lernten . Wilhelm Buschs Bestiarium , FAZ 30.9.09)

- Er sitzt nachts stundenlang im Regen, bei 10°C, die Vorderbeine gestreckt, den Kopf hoch aufgereckt, auf eine Spinne wartend, von unten: der Feuersalamander.
Gräßliches Wetter: 10-15°C, Regen

Montag, 5. Oktober 2009

Immer mehr Öl-Funde: Ewig blamiert sich der Club of Rome. Vier Fragen an einen CO2-abergläubischen Physiker




Zwischen etwa 1940 und 1980 stagnieren die Temperaturen trotz stark wachsender CO2-Emission, seit 2004/5 fallen die Werte wieder, wie heute: 7-12°C, Regen (Diagramm: http://wattsupwiththat.com/)

Immer mehr Öl-Funde (Diagramm FAZ)


- Rußland weitet Ölproduktion (gegen Opec) aus und wird größter Ölförderer und Exporteur (7,4 Mio. Fässer tägl.) vor Saudi-Arabien (7 Mio.), das die Produktion weiter gedrosselt hält, um Lagerbestände abzubauen.

- "BP entdeckt neues "Tiber"-Ölfeld im Golf von Mexiko
theu. LONDON, 2. September. Der britische Ölkonzern British Petroleum (BP) ist nach eigenen Angaben auf eine "gigantische Ölquelle" im Golf von Mexiko 400 km südöstlich von Houston ... Die gesamten weltweit nachgewiesenen Ölreserven betragen zu Zeit knapp 1,3 Billionen Fässer. ... " FAZ 3.9.09
/// Ewig blamiert sich der Club of Rome.

- "Ölfunde. Riesige neue Ölfunde im Meer dämpfen die Angst vor einem baldigen Engpass. Mit 200 neuen Funden könnte 2009 zum erfolgreichsten Jahr seit der Jahrtausendwende werden." FAZ 3.10.09

- Vier Fragen an einen CO2-abergläubischen Physiker:
1) Ihre Berechnungen enden mit dem Jahr 1999 (also ziemlich identisch mit dem Extremjahr - El Niño - 1998). Das letzte Jahrzehnt, das eindeutig einen umgekehrt proportionalen Verlauf von Temperatur und CO2 aufweist, haben Sie ausgespart.

2) Wie erklären Sie sich die Eisfreiheit des Schniedejochs (zum Beispiel) während des Mittelalterlichen Klimaoptimums (nicht-pessimums!) und während der Römischen Warmzeit mit vorindustriellen CO2-Werten?

3) Sie verwenden (wie übrigens der IPCC auch) Hadley-Temperaturdaten, also Stationsdaten, die nur unter Vergewaltigung wissenschaftlicher Grundprinzipien für die Ermittlung einer globalen Durchschnittstemperatur verwendet werden können. Es kann nicht angezweifelt werden, dass der zunehmende Heat Island Effekt, der eindeutig in den CRU-Hadley-Daten versteckt ist, ziemlich proportional zu den antropogenen CO2-Emissionen verlaufen dürfte (ohne dass notwendigerweise ein Kausalzusammenhang besteht). Da Sie den Urban Heat Island Effekt als Variationsursache nicht quantifiziert haben (und dies natürlich auch nicht so leicht können), entfällt ein relativ hoher Varianzanteil der Temperatur nach Ihrer Rechnung auf das CO2, das ohne Kausalzusammenhang zum Wärmeinseleffekt proportional verlaufen dürfte. Verwenden Sie bitte in Zukunft durch Satelliten ermittelte Temperaturwerte mit gerechter Verteilung über den Planeten! Alles andere ist Unfug, wenn man von einer globalen Mitteltemperatur sprechen will.

4) Für die CRU-Hadley-Daten zeichnen Namen verantwortlich wie Jones und Briffa, die durch Verweigerung der Freigabe von Rohdaten aufgefallen sind und deshalb nicht gerade beispielhaft für wissenschaftliche Integrität stehen.
(Dr. Albrecht Glatzle, www.klimaskeptiker.info/beitraege/glatzle_nipcc.html )


- Holländisch für Historiker: Instituut voor geschiedenis

Sonntag, 4. Oktober 2009

Privatschulen, Goethe und Schiller meinten: Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens; Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Mensc




Es wird immer bunter, der Blätterfall ist jetzt hörbar, laut fallen die Bucheckern.

Disziplin, Ordnung und Sauberkeit: darauf pfiffen sie, auch sonst waren sie nicht zurechnungsfähig (linksradikale Studenten, FAZ/Klemm)

- "Der Kollege Bruno liest (wg. Ketzertum) zurzeit nicht öffentlich
Die Universität Helmstedt, das "Athen der Welfen", ersteht im Internet wieder auf: Ein Projekt der Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel
Ein schlecht beheizter Hörsaal, eng sitzen die vierzig Studiosi beieinander, aufrecht, edel gekleidet, die Feder schreibbereit. Man schreibt ..." FAZ 23.9.09
/// 1809/10 von den französischen Eroberern geschlossen. 1784 erschien hier die weltweit erste Chemie-Fachzeitschrift "Chemische Annalen für die Freunde der Naturlehre, Arzneygelahrheit, Haushaltungskunst und Manufacturen" !

- Privat ist einfach effizienter: "Privatschulboom
Die Privatschulen in Deutschland expandieren. Sank beispielsweise die Zahl der Schulen im Osten Deutschlands zwischen 2000 und 2007 um mehr ..." FAZ 23.9.09 /// Auf das Schulklima kommt viel an.

- Privatschulgründung in Dreieich : "Eine Schule wie ein Unternehmen.
Strothoff investierte 15 Millionen Euro. ...
Zum Umfeld gehört auch die Schuluniform: blauer Rock oder Hose und weißes Polohemd. Das stärke den Gemeinschaftsgeist, glaubt Strothoff. In seiner Schule sollen die Schüler vorbereitet werden auf ein Leben im internationalen Umfeld. Dazu will er ihnen „exzellente Lernbedingungen“ bieten. In kleinen Klassen von durchschnittlich zwölf Schülern soll jeder Schüler individuell gefördert werden. Außerdem wirbt die Schule mit einem internationalen Lehrerkollegium, das nach neuesten pädagogischen Methoden arbeite. ... Äußerlich sind die Lehrer nicht von MHK-Mitarbeitern zu unterscheiden. Dunkler Anzug, dezentes Hemd und eine Anstecknadel im Revers gehören zum offiziellen Dresscode. Einen Ohrring oder einen Vollbart würde er ebenso wenig akzeptieren. Er glaubt: Wer durch die Einhaltung der Kleidervorschriften Disziplin zeigt, ist auch sonst diszipliniert, kommt pünktlich und sorgt für Ordnung und Sauberkeit.
Disziplin, Ordnung und Sauberkeit sind Strothoff wichtig. Den Hausmeister hat er genauso sorgfältig ausgesucht wie den Schulleiter. Auch Führung sei wichtig. Mit den Lehrern muss der Schulleiter Personalgespräche führen und über deren Einkommen entscheiden. Die Anfangsgehälter liegen freilich um 30 bis 40 Prozent über dem eines Lehrers an einer staatlichen Schule. Dafür wird viel Engagement erwartet. Auch gibt es kurze Kündigungsfristen. „Wer nicht reinpasst, muss gehen“, sagt Schmid. ... " FAZ 5.9.09
/// Eine erfreuliche Initiative! Es fehlt an Vorbildern und Maßstäben, nach denen sich andere Schulen ausrichten können. Man sollte aber an keiner Stelle übertreiben. Und die Möglichkeiten auch einer guten Schule werden leicht überschätzt. Es sollen zwar alle das Gleiche lernen, aber die Schüler sind unterschiedlich, ihre individuelle Begabung, ihre individuelle Aufnahmefähigkeit entscheiden zu großen Teilen über die Integration des Lernstoffs und dessen Wichtung im Bewußtsein des Schülers. Dieses Paradox der Pädagogik läßt sich nicht aus der Welt schaffen. Und Lehren und Lernen lassen sich auch nicht mechanisch betreiben, ob mit oder ohne Vollbart oder Ohrring. Die Lehrerpersönlichkeit steht im Zentrum des Unterrichts, dafür braucht er auch Spielraum.- Die seit vielen Jahren stetig steigenden 'Bildungsausgaben' haben die Qualität der öffentlichen Schulen nicht verbessert, weil, wie ich als Gymnasiallehrer feststellen mußte, das Lernklima immer mehr beschädigt wurde. Es fehlt an Disziplin, Ordnung und Sauberkeit. Bei Lehrern und Schülern. Es fehlt an Disziplinarmaßnahmen, die Störer in die Schranken weisen. Es fehlt an Schulleitern, die Lehrer entlassen (können), die sich regelmäßig von Schülern mit Schwämmen und anderen Gegenständen bewerfen lassen, die lauten Schwätzern und Rauchern Raum geben, die sich schlecht auf den Unterricht vorbereiten, die Bölls "Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral" als inhaltliche Leitschnur ihrer Textauswahl erkoren haben etc. Wenn Schüler gefordert statt verwöhnt werden (s. das gleichnamige, sehr lesenswerte Buch von Felix v. Cube), dann trägt das nicht nur zu ihrer Leistungsfähigkeit bei, sondern auch zu ihrer Lebenszufriedenheit.

- - Wie individuell und auch wie individuell schwierig Schülerwerdegänge sein können, dafür gibt der Andreas-Baader-Mitschüler Wendelin v. Boch ein gutes Beispiel (vgl. "MENSCHEN & WIRTSCHAFT. Saarland-Adel. Wendelin von Boch droht mit einer Verlagerung seines Unternehmens nach Luxemburg. Dass Wendelin Franz Egon Luitwinus Maria von Boch-Galhau einmal der Tradition seines Namens gerecht werden würde und das Ansehen der Familie ..." FAZ 4.9.09).
- - Boch gibt wohl auch ein Beispiel dafür, daß die wichtigsten Lektionen nicht in der Schule zu haben sind, sondern nur in der Hauptschule des Lebens. Zudem enthalten die Lehrpläne immer zu viel altes Gerümpel; für die deutschen Lehrpläne nach 1970 gilt verschlimmernd, daß sie, in den entsprechenden Fächern, große Mengen des Denkgiftes NEOMARXISMUS enthalten.
- - Seneca: „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ (Briefe an Lucilius (Epistulae morales ad Lucilium), XVII, 106, 12)

- Goethe und Schiller meinten:
Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche, vergebens;
Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus.
(Xenien von Schiller u. G., Deutscher Nationalcharakter)
/// Das eine hat sich erledigt, auch wenn der Nationalstaat als Ordnungsstruktur nach wie vor unverzichtbar ist, und das andere liegt offenbar den deutschen Stämmen nicht im Blut.

- Novemberwetter: 10-12°C, Schauer; Igel und Fledermaus sind noch unterwegs.
Hz.öl 58,20 (58,05)

Samstag, 3. Oktober 2009

Drei deutsche Staaten unter dem EU-Dach wären vorzuziehen gewesen nach einer so langen Sonderentwicklung




- ' "Nationalismus, n'est-ce pas?" Akten zur Wiedervereinigung
Von Gina Thomas, London, FAZ
02. Oktober 2009 In der Regel unterliegen britische Regierungsdokumente der sogenannten Dreißigjahresregel, so dass sich der Staub legen kann, bevor sie zur Einsicht freigegeben werden. Das macht die Veröffentlichung des aufschlussreichen Schriftverkehrs der britischen Diplomatie zur deutschen Vereinigung umso bemerkenswerter. Im Regierungsapparat wird zwar mit beamtenhafter Logik differenziert zwischen Veröffentlichung und Freigabe. Aber das sind semantische Feinheiten. Der dicke, bei Routledge erschienene Band „German Unification 1989-90“ macht das Material allgemein zugänglich. Er ist ein Ableger der sehr viel umfangreicheren Akten zu Berlin im Kalten Krieg, die im Rahmen der von Historikern des Foreign Office nach und nach herausgegebenen Dokumentensammlungen erschienen sind.
Angesichts der immer noch frischen Erinnerungen an Margaret Thatchers Widerstände gegen den deutschen Einheitsprozess kommt dem Sonderband besondere Aufmerksamkeit zu, zumal sich im Anhang das berühmt gewordene Resümee jenes Seminars zur deutschen Geschichte vom März 1990 findet, zu dem die Premierministerin Historiker auf ihren Landsitz Chequers gebeten hatte. Dieses Dokument rief mit seiner als klischeehaft empfundenen Charakterisierung des deutschen Wesens Wogen der Empörung hervor, als sein Inhalt wenig später an die Öffentlichkeit durchsickerte. Strenggenommen gehört diese Begebenheit nicht in eine Sammlung von Foreign-Office-Dokumenten, da sie in Downing Street initiiert wurde von Margaret Thatchers außenpolitischem Sekretär Charles Powell, der die Premierministerin umstimmen wollte. Aber sie trug zu der allgemeinen, im britischen Außenministerium und anderswo vielfach beklagten Wahrnehmung bei, dass Großbritannien die deutsche Vereinigung wenn nicht zu verhindern, so doch zu verzögern suchte.
...
Dieser Missstand wird durch den jetzt vorliegenden Band korrigiert, früher, als Mallaby und alle anderen Beteiligten es wohl je gedacht hätten. Sonst wären ihre Ausführungen womöglich auch anders ausgefallen. Die Schriftwechsel dokumentieren nicht nur die gravierenden Bedenken der Premierministerin, die daraus folgende Kluft zwischen Downing Street und dem Foreign Office und die Ärgernisse über Alleingänge Kohls, der, wie die Premierministerin dem französischen Präsidenten Mitterrand erläuterte, keine Vorstellungen habe von den Empfindlichkeiten anderer in Europa. „Er scheint vergessen zu haben, dass die Teilung Deutschlands die Folge eines Krieges ist, den Deutschland angefangen hatte.“
...
Die resoluten Aktennotizen von Margaret Thatchers außenpolitischem Privatsekretär Charles Powell zeichnen ein lebendiges Bild der Gespräche mit Präsident Mitterrand, der die Bedenken der britischen Premierministerin gegen die deutsche Einheit schmeichlerisch bekräftigt, sich aber dann mit den Deutschen arrangiert, sobald er merkt, dass der Zug abgefahren ist. Bei einem Mittagessen im Elysée-Palast am 20. Januar 1990 stellt der französische Präsident fest, die plötzliche Aussicht auf die Vereinigung habe den Deutschen „eine Art mentalen Schock“ versetzt und sie wieder in jene „bösen“ Deutschen verwandelt, die sie einmal gewesen seien. Europa sei noch nicht reif für die deutsche Wiedervereinigung, erklärte Mitterrand. Wegen ihrer engen Freundschaft und der Tradition des gemeinsamen Vorgehens der beiden Länder, brüstete sich der Präsident gegenüber der Premierministerin, werde er ihr anvertrauen, wie unverblümt er sich Kohl und Genscher gegenüber geäußert habe.
...
„Die deutsche Stunde hat geschlagen: Sie werden ihr Schicksal bestimmen.“ Dazu Margaret Thatcher am Rand: „Nationalismus, n'est-ce pas?“ Einige Zeilen tiefer geht Powell auf Kohls Ärger über die britische Vorgehensweise ein. Sie wirke auf ihn wie der Versuch, die Flutwelle aufzuhalten, die ihn zum ersten Kanzler eines frisch vereinten Deutschland emportragen werde, einer künftigen Weltmacht. Diesmal merkt Frau Thatcher an: „Gewaltiger Nationalismus“. Und am Schluss, wenn Powell berichtet, dass die Briten wissen müssten, wie Deutschland zur Nato, zu den Helsinki-Abkommen, den Viermächterechten und der Europäischen Gemeinschaft stehe, bevor sie die Vereinigung geschehen lassen dürften, kommentiert die Premierministerin: „Wir haben wieder einmal recht, und Kohl nimmt uns übel, dass seine Taktiken durchschaut worden sind.“
Margaret Thatchers Abneigung gegen die deutsche Einheit war atavistisch, hatte aber auch sachliche Gründe: ihre Sorge um die prekäre Position Gorbatschows, auf den sie persönlich so viel gesetzt hatte, Befürchtungen wegen der Auswirkungen auf die Sicherheits- und Europa-Politik und wegen der Oder-Neiße-Grenze. Die meisten britischen Politiker und Beamten frustrierte diese Haltung. Sie erkannten, dass „wir das Problem beträchtlich erschweren, wenn wir es mit einer antagonistischen Einstellung angehen“, wie Nigel Broomfield, britischer Botschafter in Ost-Berlin, warnte.
Im Nachhinein allerdings wirkt das Chequers-Seminar längst nicht so anstößig, wie es damals empfunden wurde. Vielmehr zeugt es von einer Bereitschaft Margaret Thatchers, sich mit den tieferen Zusammenhängen auseinanderzusetzen, wie sie unter anderem durch ihre in Charles Powells Gesprächsgrundlage für die geladenen Historiker eingeflossene Bemerkung belegt wird: „Während die Geschichte früher weitgehend bestimmt wurde von Persönlichkeiten und dem Ehrgeiz der Herrschenden, scheint mir, dass sie in Zukunft eher durch den Charakter der Menschen entschieden werden wird. Nichtsdestoweniger ist die Lehre der letzten zwei Jahre, dass weder Charakter noch Stolz durch Unterdrückung erstickt wurden.“ ...'

/// Drei Nationalisten- einer als Treuhänder
Es überrascht, daß nur Bush souverän genug war, nicht in den alten Kladderadatsch zurückzufallen. Die Teilung Deutschlands war eine Perversion, das konnte man offenbar von Amerika aus besser sehen (schon Woodrow Wilson sah den Charakter des Schikanefriedens von Versailles klar). Mitterand, Thatcher und Kohl verfallen dagegen in das alte Schema jeder Straßengang: Was ist unser Revier? Wer bedroht es oder könnte es bedrohen? Wie kann man die anderen Straßenbanden in Schach halten? Kohl wollte die Wiedervereinigung, wie die Verfassung sie befahl - und die Wiedervereinigung war nach der kommunistischen Totaldiktatur und der völligen Ruinierung der sowjetisch besetzten Zone durch die Honecker, Bisky und Gysi zweifellos eine große Wohltat für die darbende Bevölkerung. Als Bürger der "DDR" wäre das meine erstrebte Lösung gewesen. Und niemand wußte ja, was von den im Lande zwischen Rostock und Erfurt stationierten Panzern der Roten Armee zu erwarten war - wie lange sich Gorbatschow würde halten können, wußte niemand. Kohl handelte sozusagen als Treuhänder für die Ossis, und es gelang ihm, die perverse nationale Teilung zu überwinden. Mitterand und Thatcher dagegen handelten nicht national, sondern nationalistisch motiviert. Die Ossis waren ihnen gleichgültig, sie befürchteten eine Minderung ihrer jeweiligen nationalen Macht, gespeist aus der tausendjährigen europäischen Kriegsgeschichte. Das Geschehen in der SBZ überrollte alle; die Diktatur, die Mauer fielen, man fiel sich in die Arme, die Wiedervereinigung nahm ihren Lauf. Am Schreibtisch hätte man auf andere, für die Wessis finanziell sehr, sehr viel günstigere Lösungen setzen können, auf konföderale vielleicht. Es hätte dann drei deutsche Nationalstaaten gegeben: Österreich, die Bundesrepublik Deutschland und noch eine deutsche Republik. Man hätte später einen Dreierbund gründen können nach dem Schweizer Vorbild, aber im Rahmen der EU sollte und braucht auch nicht zuviel deutsche Einheit zu herrschen. Engländer und Franzosen sind auch ganz nett. Die Namensgebung "Tag der dt. Einheit" halte ich für völlig verfehlt, den Hauptstadt-Umzug für national vorgestrig und verschwenderisch.

Freitag, 2. Oktober 2009

Berliner Schnauze Sarrazin, Marokko schließt Zeitung



Rettete Berlin vor dem völligen finanziellen Ruin: Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin
(liquidierte ein Defizit von fast 2 Mrd. und legte zuletzt einen Überschußhaushalt vor.)

- Berliner Schnauze: " Sarrazin entschuldigt sich .
"Ich entschuldige mich dafür": Thilo Sarrazin
FAZ 01. Oktober 2009 Nach umstrittenen Äußerungen über Einwanderer hat die Berliner Justiz ein Ermittlungsverfahren gegen den Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin eingeleitet. Es werde der Anfangsverdacht der Volksverhetzung geprüft, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Donnerstag. Er bestätigte damit einen Bericht der Berliner „Morgenpost“. Der frühere Berliner Finanzsenator hatte mit Aussagen über in Berlin lebende Einwanderer in einem Interview in der Zeitschrift „Lettre International“ Empörung ausgelöst.
Thilo Sarrazin hat sich für seine umstrittenen Äußerungen über Berlin und zu Integrationsproblemen von Migranten mittlerweile entschuldigt. „Die Reaktionen, die mein Interview in „Lettre International“ verursacht hat, zeigen mir, dass nicht jede Formulierung in diesem Interview gelungen war“, schrieb der frühere Berliner Finanzsenator am Donnerstag in einer „persönlichen Mitteilung“. Sein Anliegen sei es gewesen, die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskreditieren. „Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür.“
Die Bundesbank hatte sich bereits am Mittwoch „entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin“ distanziert (siehe auch Sarrazin-Interview: Bundesbank in Aufruhr).
Sarrazin hatte in dem Interview gesagt, Berlin sei belastet von „der 68er-Tradition und dem Westberliner Schlamp-Faktor“. Ein Problem sei, „dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden“, sagte Sarrazin. Aber „türkische Wärmestuben“ könnten die Stadt nicht voranbringen.
Zudem hatte Sarrazin in dem Interview gesagt: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde konterte: „Die Bundesbank sollte sich Gedanken darüber machen, warum sie so einen Menschen in ihren Reihen beschäftigt.“
Das Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Annelie Buntenbach, kritisierte Sarrazin scharf. „Sarrazin schürt in verantwortungsloser Weise Fremdenhass und gießt damit Öl auf das Feuer all derer, die ohnehin zu ausländerfeindlichen Ansichten neigen“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. ' FAZ

- Orientalismus beim Reformkönig: "Keine Karikaturen!
Marokko schließt Zeitung

Wegen einer Karikatur eines marokkanischen Prinzen ist die Zeitung "Akhbar Al Youm" in Casablanca geschlossen worden. Der dargestellte Prinz ..." 2.10. FAZ

- Orientalist Weidner: " Vernunft ist auch dem Orient nicht fremd.
Wie bringt man die Auseinandersetzung mit dem Islam voran? Stefan Weidners kluger Ratgeber empfiehlt, den Islam nicht als monolithischen Block zu betrachten. Sein größtes Problem mit dem Westen ist der Werterelativismus der Postmoderne. ..." 8.1.09 FAZ

- Klimaerwärmung: 5-13°C, R