Mittwoch, 29. Februar 2012

Rom gefiel ihm gut







Wenn nur Humboldt daraufsteht mit Goldrand, hier eine Werkauswahl von 1917, dann handelt es sich um den Wilhelm (1767-1835), den Neuhumanisten und preußischen Kultusminister unter Friedrich Wilhelm III.; als liberaler Politiker überwarf er sich Ende 1819 mit diesem. Die Zeit der großen preußischen Reformen war vorbei. Die von ihm mitgegründete Berliner Universität trägt seinen Namen.

“ Ich mache keine Ansprüche auf die meisten anderen Vorzüge, nicht auf Talente und Gelehrsamkeit. Aber gern möchte ich Anspruch machen auf den Vorzug: Mensch und gebildeter Mensch zu sein. “
Wilh. v. Humboldt

Der Münsteraner Historiker Karl-Ernst Jeismann starb dieser Tage. Der Kategorie “Historische Bildung” galt sein besonderes Interesse.
Der Bildung insgesamt galt das Wirken Hartmut von Hentigs, dem jetzt, wegen seiner Verschweige- und Vertuschungspolitik in Sachen Sex-Serientäter Gerold Becker, der Comenius-Preis aberkannt wurde. Dieses sehr gebildete Pädagogen- und Freundespaar demonstriert einmal mehr, wie weit die Macht der Bildung reicht: bis zum nächsten primitiven Interesse.

Dienstag, 28. Februar 2012

Nichts Genaues weiß man nicht




Das Licht der Sonne trifft kurzwellig auf die Erde (blaue Pfeile) - diese strahlt langwellig (rot) wieder ab.
Es gibt allerdings viele Arten von Wolken - vereinfacht: Höhenwolken und Tiefenwolken; die Faustformel lautet, daß Höhenwolken durch die Reflektion des Sonnenlichts in großer Höhe einen eher kühlenden Effekt besitzen, weil eben nur ein Bruchteil der Sonnenstrahlen überhaupt die Eroberfläche erreicht - und daß Tiefenwolken per Saldo durch die Wärmerückstrahlung eine wärmende Wirkung ausüben, dies insbesondere nachts, denn tagsüber sorgt eine Wolkendecke für Kühlung, weil sie weniger Sonnenlicht zum Erdboden durchläßt.
Die Wolkenbildung ist im Zusammenspiel mit der Sonne also der entscheidende Faktor im Klimageschehen, alles andere läuft unter zweitrangige Einflußgrößen.

(Bild bei http://meteoklima.wordpress.com/2012/02/22/abkuhlung-durch-tiefere-wolken/#comment-23)




- Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e.V. (IfT) Leipzig: “Trotz dieser wichtigen Beziehungen zwischen Mensch, Aerosolen und Wolken sind die physikochemischen Prozesse von Aerosol- und Wolkenbildung und die Wechselwirkungen mit Gesundheit und Klima noch wenig verstanden. Dies liegt vor allem an Schwierigkeiten bei der Analyse der beteiligten kleinsten Stoffmengen und an dem komplexen Verhalten troposphärischer Mehrphasensysteme, deren Einzelprozesse in der Atmosphäre nicht klar getrennt beobachtet werden können. In der gegenwärtigen Klimadiskussion zum globalen Wandel spiegelt sich diese Kenntnislage in den sehr viel größeren Unsicherheiten in allen zu Aerosol- und Wolkenwirkung veröffentlichten Zahlen im Verhältnis zu Treibhauseffekten der Gase wider.” www.tropos.de/ift_institut.html

- “... Der bisher unbekannte Wolkenhalo, so schreiben die Forscher jetzt in den "Geophysical Research Letters", habe wie alle Aerosole einen großen Einfluss auf die Strahlungsbilanz, gehe aber bisher nicht in die entsprechenden Berechnungen ein. Bislang hat die Forschergruppe den Wolkenschleier nur an einzelnen, besonders großen Wolken genau untersucht. Die Wissenschaftler nehmen aber an, dass jede Wolke von einem solchen Halo umgeben ist. Eine typische Verteilung der Wolken zugrunde gelegt, könnten dann mehr als dreißig Prozent der bisher für wolkenfrei gehaltenen Himmelsfläche in Wirklichkeit von dem Wolkenhalo "verschleiert" sein. Wenn sich diese bisher nur aus wenigen Satellitenmessungen abgeleiteten Ergebnisse bestätigen sollten, müssten eine Reihe von Klimamodellen korrigiert werden. In ihnen würden dann nämlich der Aerosolgehalt der Luft und damit das Rückstrahlverhalten der Atmosphäre deutlich unterschätzt.” (Bislang übersehen: Feine Wolken-Halos: Ist die Rückstrahlung der Erdatmosphäre stärker als erwartet?
HORST RADEMACHER, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2007)

Montag, 27. Februar 2012

Let the good times roll





Alles schön verteilen und immer nachlegen



Ich habe mir jetzt doch den neuen Rolls bestellt. Den kann ich mir zwar nicht leisten, aber ich habe ein prima Überziehungskreditsystem: Target Rolls. Den Kredit nehme ich bei der BMW-Bank auf, die die Verkäufe von BMW unterstützt, und Rolls Royce gehört zu BMW. Die BMW-Bank gibt den Kredit an die Bundesbank weiter, die wiederum liefert ihn der EZB ein. Irgendwann wird die dann merken, daß ich den Kredit nicht bedienen kann und tritt ihn an ihre Schlechtbank ab namens Sicherungsbank Großer Schutzschirm. Deren Eigenkapital stammt aus den Steuerkassen, in die auch BMW viel einzahlt. Bei mir ist nichts zu holen, denn ich gehöre dem großen Heiligen Euro-Friedensschuldnerbund an, der stets damit droht, keine Luxuskarossen mehr zu bestellen, nicht einmal mehr Opels. Das zieht immer. So habe ich schon den Phaeton und den Bentley erworben. Das fördert das Bruttosozialprodukt und die Beschäftigung. Ist doch prima.
So funktioniert auch das Euro-Target-System. Die einen liefern die Waren, die anderen bezahlen mit Krediten, die dritten reichen die Kredite weiter, und so fort. Der Geschäftsumfang steigt und steigt, jetzt sind es 782 Mrd. im Euro-System an Target-Forderungen.
Die Euro-Zone ist eben das Ei des Kolumbus. Oder das System Madoff-Mirakel. Man muß einfach immer mehr ins Boot holen, die Chinesen zum Beispiel. Das stärkt auch den Weltfrieden. Und das wollen wir doch alle. Salami aleikum.

Sonntag, 26. Februar 2012

Wie nützlich, fragte Friedrich








“ Für die Politik ist es völlig belanglos, ob ein Herrscher religiös ist oder nicht. Geht man allen Religionen auf den Grund, so beruhen sie auf einem mehr oder minder widersinnigen System von Fabeln. …
Die Juden sind von allen diesen Sekten die gefährlichsten; denn sie schädigen den Handel der Christen und sind für den Staat nicht zu brauchen. Wir haben die Juden zwar wegen des Kleinhandels mit Polen nötig, aber wir müssen verhindern, daß sie sich vermehren. “

Friedrich II., Politisches Testament von 1752, Die Geistlichen und die Religion, S. 44

Anmerkung: Gemeint sind die orthodoxen Religionsjuden. Nicht die religionslosen oder konvertierten Juden. In der Wissenschaft im Preußen des 19. Jahrhunderts gab es viele assimilierte Wissenschaftler jüdischer Herkunft, mehr als in anderen europäischen Ländern.

- Jendouba, Tunesien: Nach Festnahme eines Salafisten wurden ein Polizeigebäude und der Parteisitz des “Kongresses für die Republik” in Brand gesetzt; Alkoholtrinker wurden bedroht, Frauen in Röcken oder Hosen geschlagen. Über die Lautsprecher der Moscheen sei zum "Heiligen Krieg" aufgerufen worden. Die islamistische Regierungspartei Ennahda duldet den Terror ihres Koalitionspartners. (FAZ, TAP, Reuters)

- Teheran: Pastor in iranischer Todeszelle. Einem vom Islam konvertierten Christen droht wegen "Abfalls vom Islam" die Hinrichtung. Der 34-jährige Youcef Nadarkhani hat als Jugendlicher seinen Glauben gewechselt. Dafür soll er jetzt sterben, aufgrund des überlieferten Ausspruchs (Hadith) des Propheten Mohammed rekurrieren: "Wer den Glauben aufgibt, den tötet!"

Samstag, 25. Februar 2012

Rätselhaft







Wertrelativismus, Wertantinomien und wechselndes Wertgefühl machen alles etwas nebelhaft, dazu kommen dann noch die Wertnebelkerzenwerfer





“ Warum die Welt gerade so ist, wie sie ist, wissen wir nicht”, meinte Nikolai Hartmann (Einführung in die Philosophie, S. 182) Seit dem Urknall ist die Welt ein Rätsel, und davor war es noch schlimmer. Warum es in der Kreide so schön warm war und dann im Tertiär die Pole vereisten, wir wissen es nicht. Warum einer Bier dem Bordeaux vorzieht, alles rätselhaft.Aber es ist so, was dem einen die Eule, ist dem anderen die Nachtigall.

” Von einem Wert erfaßt zu sein bedeutet, daß man sich gedrängt fühlt, ihn im Leben zu verwirklichen “ so Hartmann (a.a.O., S. 177). Deswegen fährt der junge Mann gerne mit aufgedrehtem Autoradio durch die Gegend und kurbelt die Scheibe herunter. Aber: “ Was für den einen ein Wert ist, kann für das ganz anders geartete Ethos des anderen ein Unwert sein. “ (ders., a.a.O., S. 158) Hier fangen die Werte an, polemogen zu werden, kriegstreibend. Schon in einer Person können die Werte aufeinanderschlagen, zwei Seelen, ach, in meiner Brust, die Blonde oder die andere, und meist schließt der eine Wert den anderen aus. Oder er tyrannisiert sogar alle anderen, wie bei Michael Kohlhaas, der seiner Gerechtigkeitsvorstellung frönt und alles andere vernichtet. Hartmann hat dafür die treffende Wendung von der TYRANNEI DER WERTE gefunden, und diese Streitlust des Wertebewußtseins wirkt sich auch international und interkulturell aus. Religionskonflikte besitzen hier eine Energiequelle und meist gilt, daß die primitivste Religionsform die kriegerischste ist.

Moralen und ihren Wertelisten ist daher der Kredit zu versagen, ein offener Wertpluralismus entschieden zu fordern. Erfahrungswerte können dabei helfen, allgemeinverbindliche Regeln aufzustellen und weiterzuentwickeln, die das gesellschaftliche Miteinander regulieren um des lieben Friedens willen.