Sonntag, 6. Mai 2012

Eins+eins ist null, denn wir warn beim eiPätt in de Schull





Endlich mal ordentliche Hausaufgaben









Bei Apple gibt es eine Werbepräsentation, die das iPad in allen Schulstufen als pädagogisches Zaubermittel empfiehlt. 

Der glückliche Ausdruck auf den abgefilmten Schülergesichtern stammt nicht von aufgerufenen Porno- oder Spielseiten, sondern zeigen, so die Äpfel-Leute, die Lernbegeisterung der Schüler, die endlich so lernen dürfen, wie es ihnen gefällt. 
Bei einfachem Vokabellernen und ähnlichen Dingen kann man dem folgen, wichtige Wiederholungen lassen sich gut installieren zu individuellen Geschwindigkeiten, insbesondere bei lernschwachen Schülern. Bei komplexen Gegenständen gilt das aber nicht, und schon gar nicht läßt sich die Lerndynamik einer Schüler-Lehrer-Gruppe durch simple Blechknechte ersetzen. 

Apple will natürlich seine Computerchen verkaufen, das ist nicht zu beanstanden. Ärgerlich wird es, wenn Politiker auf solchen Blödsinn hereinfallen und dafür Schulden machen. So der Herr Hollande, der als Präsident des Generalrates von Corrèze schuldenfinanzierte iPads an alle Grundschüler am Ende der Unterstufe verschenken läßt. Sagte ein Vater: meine Tochter spielt jetzt immer in und nach der Schule, mit dem iPad.


So sind sie, die Sozis. Symbolpolitik ohne Sinn und Verstand, aber schuldenfinanziert.

Samstag, 5. Mai 2012











Eine kluge Sammlung zu Lebenskunst und Staatsklugheit






Während Cervantes (1547-1616) so durch die Gegend schwätzte mit seinem DON QUICHOTE, gab es auch Leute von Substanz:
Galilei (1564-1642), Gerhard Mercator (1512-1594), Brahe, Kepler, Grotius (1583-1645), Montaigne (1533-1592), William Harvey (1578-1657) und Francis Bacon (1561-1626).
Als die deutsche Übersetzung des DON QUIXOTE 1621 erschien, hatte gerade Bacon sein NOVUM ORGANUM veröffentlicht (1620). Der Titel zielt auf das ORGANON des Aristoteles, der mit seinen “Zweckursachen” das wissenschaftliche Denken für Jahrhunderte blockiert hatte.
Galilei führte vor, daß Herummeinerei nicht der direkte Weg zur Erkenntnis ist, sondern Überlegung und Experiment nötig sind. Niemand bis dahin zweifelte an solchen Aussagen des Aristoteles, wie etwa der, daß das Eis schwimme, weil es flach sei; dabei hatte schon Archimedes um das spezifische Gewicht eines Stoffes gewußt.
Bacon systematisierte den Erfahrungs- und Beobachtungsansatz gegen Aristoteles und begründete damit den Empirismus - eine große Leistung.
Das geistige Mittelalter des Nachplapperns in der christlichen Scholastik wurde damit überwunden.
Cervantes, das soll ncht unerwähnt bleiben, leistete allerdings auch einen Beitrag zur westlichen Wissenschaft, indirekt, zu ihrer Sicherung vor dem finstersten Dogmatismus. Er kämpfte 1571 in der Seeschlacht von Lepanto, mit der die Seeherrschaft der Türken im Mittelmeer beseitigt wurde.

Freitag, 4. Mai 2012

Sehr unterhaltsam





Erdhummel an Buntnessel - ein nahrhaftes Verhältnis 











- Cervantes ein bißchen, ein Don Quixote im Mittelpunkt, eine Alleinerziehende in Berlin, ein fiktives Tobosow in Brandenburg als Heimatort - das Ganze mit viel Phantasie und aktueller Schnoddrigkeit umgerührt, hervorragend
und einfallsreich gezeichnet von FLIX: 
das war sehr unterhaltsam. 
Heute ging die Reihe in der FAZ zu Ende, und man darf es bedauern. Zeichnerisch war diese Don-Quixote-Version eine große Freude. Inhaltlich hat sie den Vorteil, nicht so viel Lese-und Betrachtungszeit zu erfordern wie der Roman des Cervantes, den ich wegen Verschwätztheit seinerzeit abbrach. Das ging mir bei vielen dicken Romanen so. 
Die Dialektik von überspannter Phantasie und brutaler Wirklichkeit kann man auch kognitiver und sehr viel kürzer behandeln, die beiden Teile des Romans zu schreiben haben nicht nur den Verfasser von nützlicheren Tätigkeiten abgehalten, zum Beispiel vom Wissenserwerb, vgl. Francis Bacon in der gleichen Zeit, auch die Leser kostete die Lektüre viel Tageslicht-Zeit im Kerzenzeitalter. 
Insofern sind 5 Minuten Comicbetrachtungszeit dienstags bis freitags ein überzeugendes Angebot gewesen und ein schönes Vergnügen.


- Wer liest übrigens dicke Romane? Ruth Klüger und Hannelore Schlaffer haben es in der Straßenbahn etc. beobachtet:
"Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden immer mehr. Im Leseverhalten aber zeigen sich noch immer – oder immer mehr – eklatante Differenzen: Männer bevorzugen die Zeitung, Frauen den Roman. NZZ 31. Juli 2010, Neue Zürcher Zeitung. Hannelore Schlaffer"

Donnerstag, 3. Mai 2012



Der Feuerdorn ist Vogels Liebling; auch die erste Brut der Amseln kreucht jetzt herum, während schon das zweite Nest gebaut wird.













Nach Handwerkerterminen fallen einem leicht die beiden Schlußzeilen des Brentano-Gedichts “Eingang” ein:

O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!

Mittwoch, 2. Mai 2012

Die Brille macht's





Was wurde denn hier durch Destillation (Rektifikation) gereinigt? Doch wohl kein Alkohol?
(Bild aus J.D. Bernal, Wissenschaft in der Geschichte, 1957)





Der OPTISCHE THESAURUS des Alhacen (Haitham) um 1038 war zweifellos ein interessanteres Büchlein als die Schriften des Aristoteles. Wolfgang G. Lerch schreibt zu Alhazen in seiner Rezension des Buches “Platon in Bagdad” von John Freely: “ In Kairo errang sich Ibn al Haitham als Optiker einen Ruf, der dem eines Christian Huygens ebenbürtig ist. “ (Als Aladins Lampe zu leuchten begann, FAZ 30.4.12) 

Ruf? Kommt es auf den Ruf an? Ein Schwiemelsatz. Was kam heraus für meine Lesebrille heute, das ist der Maßstab. Mit den Brillen begann es um 1350, nein, nicht in Kairo, und nicht in Bagdad, in Norditalien war das. Durch wen, ist nicht bekannt, wahrscheinlich war die Technik bereits so verbreitet, daß kein besonderer “Ruf” entstand, nicht einmal ein Name verbindet sich mit den ersten Brillen, die den alten Handwerken auf der Höhe ihres Könnens ein weiteres fruchtbares Arbeiten erlaubten, was wiederum auf den Wohlstand Padaniens zurückwirkte. Ob irgendein Mufti, Sultan, Abt oder König auch davon profitierte, ist für die heutigen, überall billig und in bester Qualität erhältlichen Brillen unerheblich. In Padanien gab es nicht nur fähige Optiker, sondern auch eine breite Nachfrage nach den Sehhilfen, so daß die optisch-technische Errungenschaft über den Markt Teil der europäischen Alltagskultur wurde.  
Nicht aber in der islamischen Alltagskultur, denn die wissenschaftlichen Begabungen wie Alhacen waren in der Regel als Ärzte einzelner reicher Leute tätig, von denen sie abhingen. Das war in China ähnlich, wo der Kaiser über das Wohl der Erfindungen befand, nicht aber die Nachfrage eines Marktes. Der Institution des Marktes verdankte es Europa, daß wichtiges Wissen und wohlstandsfördernde Erfindungen nicht von den privaten Schubladen der Großkopfeten abhängig waren. Deswegen blieben Wissenschaftler im Orient singulär und ohne Breitenwirkung. Wenn Lerch von der “langen Abendämmerung der islamischen Wissenschaften” spricht, dann bleibt verdeckt, daß es tatsächlich um arabische Begabungen ging, die sich in ihrem islamischen Kulturraum nicht so entwickeln konnten, wie dies die Euklids und Archimedes, die Galileis, Huygens und Leeuwenhoeks konnten; in der schlimmsten Zeit des christlichen Aberglaubens fanden sie allerdings ebensfalls wenig förderliche Bedingungen vor. Seitdem die Renaissance die große Macht der Katholischen Kirche begann zurückzudrängen, das heißt, frühbürgerliches Denken tat es im Rückgriff auf die Antike, seitdem konnte sich empirisches Denken und empirische Naturwissenschaft immer stärker in die Breite entwickeln.  
Im arabischen Kulturraum gelang das bis heute nicht, weil der landesübliche, extrem dogmatische Aberglauben nicht zurückgeschnitten werden konnte. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Beispiel Chinas nach dem Fall der marxistisch-maoistischen Dogmen. Begabungen hatte China zur Zeit Maos sicher nicht weniger als heute, nur fanden sie keine Entfaltungsmöglichkeiten vor, sie wurden sogar in der maoistischen Unkultur-Revolution verfolgt und geknechtet. Seit dem Dogmensturz hat sich die Situation in nur dreißig Jahren dramatisch verändert und verbessert.   

Wenn andere Länder das nachmachen wollen, müssen sie die Rolle der Dogmen in ihrem Kulturraum ins Auge fassen und den Gestaltungsspielraum des begabten Individuums sichern. Wie weiland Leeuwenhoek müssen sie unter dem Mikroskop nach den fruchtbaren Elementen suchen. Das hilft.