Sonntag, 5. Mai 2013

Aus Nacht zum Licht







Mit nur geringer Verspätung sind sie da, fünf Tage später nur, die possierlichen Schwarzbraunen! Unter der Erde ist die Freiheit zwar nicht grenzenlos, aber dafür ist es dort wärmer im kalten Winter, wenn es oberirdisch Stein und Bein friert.
Ganz unten ist es ganz warm, man hat jetzt endlich einmal ordentlich nachgemessen und festgestellt, daß es sogar 1000° C wärmer ist, als bei der letzten Schlampmessung festgestellt: ganze 6000°C sind es, statt 5000°. Mal sehen, was die dritte Messung erbringt.
Aber jedenfalls, es ist warm da unten, weswegen der Bergmann schon bei 500m Tiefe das Hemd auszieht. Es sind aber keine Briketts, die unten einheizen, es ist der radioaktive Zerfall im Erdinneren, der den Fußboden heizt. Und als ich neulich las, daß man früher, als es die schönen Lithium-Ionen-Akkus noch nicht gab, die Tiefseetauchanzüge mit Plutonium gewärmt hat, habe ich bei der Agentur für die immerwährende Endlagersuche für nukleare Wertstoffe ein paar Castoren für die nachhaltige Hausheizung angefordert. Denn:
“Eingeschlossen in einen Stahlbehälter oder selbst in eine Plastiktüte ist ein kleines Stückchen Plutonium relativ ungefährlich; faßt man ein solches Päckchen an, kann man die durch den radioaktiven Zerfall bedingte Wärme des Metalls fühlen. Diese Wärme kann man in Elektroenergie umwandeln. Plutoniumbatterien wurden zB bei den Apollo-Missionen eingesetzt, sie lieferten Energie für Tiefsee-Taucheranzüge und Herzschrittmacher.”
(John Emsley, Chemie im Alltag II, S. 264) Also her mit den Heizkörpern, den Maikäfern wird es auch gefallen. Die Hauswärme strahlt ja auch in den Engerlingbereich ab.

Samstag, 4. Mai 2013

Und dann kommt der Draghi mit dem Hämmerchen










Die Europäische ZentralBank EZB hat am Donnerstag den Leitzins auf 0,5% gesenkt. Er war mit 0,75% bereits niedrig. Der niedrige Zins macht das Verschulden leichter. Wird dadurch die Berufschulausbildung in den Südländern auf den Weg gebracht? Werden die Einstellungsbedingungen in Portugal auf diese Weise verbessert? Wird damit der aufgeblähte Bürokratieapparat in Griechenland reformiert? Nein, von alledem nichts. Zeit wird so herausgeschunden. Wie in Japan seit 15 Jahren.

Aber auch das einfache Sparen wird zerstört. Wenn der Sparzins unter der jährlichen Geldentwertung liegt, dann werden vor allem einfache Leute geschädigt, die ihr Geld auf dem Sparbuch deponiert haben. Und die Versicherungen, speziell Renten- und Lebensversicherungen, bekommen ein großes Problem. Sie müssen das Geld sicher und profitabel anlegen. Mit dieser staatlichen Zinsschweinerei geht das nur noch schwer. Und welche “mündelsicheren” Anlagen sollen die Banken ihren Kunden vermitteln, bei denen kein Geld verloren geht? Der EZB-Präsident Draghi betreibt auf Druck der Hollande, Merkel und Co. ein verderbliches Spiel.  







Freitag, 3. Mai 2013

Braver Junge







“Die Plebejer proben den Aufstand” will die ARD nicht senden? Unerhört. Günter Grass ist empört. Das könne die Beziehungen zu Moskau und Ost-Berlin stören, begründete die ARD. Grass beschwert sich im Februar 1970 in einem Brief an Willy Brandt:

“Die neue Ost- und Deutschlandpolitik der sozial-liberalen Koalition bringt es mit sich, daß der Stalinismus innerhalb der DDR nicht mehr kritisch angesprochen wird … kann allerdings innerhalb der SPD den Trugschluß fördern, es könne sich demnächst eine Aussöhnung mit der SED anbahnen (siehe Bruderparteien).”

Timothy Garton Ash teilt das dem Leser seines Buches IM NAMEN EUROPAS mit (S. 310). SPD-Mitglied und Brandt-Freund Grass setzte sich in seinem “Plebejer”-Stück mit der dubiosen Rolle Bertolt Brechts im Aufstand von 1953 gegen die SED-Diktatur auseinander. Das war der ARD zuviel. Man berichtete lieber über die “Errungenschaften” der Ost-Berliner Diktatur. Und die Brandt-Scheel-Regierung verhielt sich ähnlich gegenüber der Opposition in Polen und der Tschechoslowakei. Garton Ash dazu: “Es waren die Vereinigten Staaten unter Carter, die die Wahrung der Menschenrechte unmittelbar mit der Vergabe von neuen Krediten verknüpften. Ganz eindeutig beeinflußten sie damit Giereks Toleranz gegenüber der gerade flügge werdenden demokratischen Opposition. Es waren Regierung, Kongreß, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen der Vereinigten Staaten, die den Vorgängern von Solidarnosz und schließlich Solidarnosz selbst die größte politische, moralische und vor allem finanzielle Unterstützung gewährten. … Aber im allgemeinen ist richtig, daß - wie Havel in seiner Frankfurter Rede andeutete - die Bundesrepublik hier das andere Extrem verkörperte. (Ebd., S. 421) Wir erinnern uns, Helmut Schmidt ging mit Gierek lieber segeln.-

Garton Ash zu lesen ist zweifellos interessant. Er hat gestern den Medienpreis KARLSMEDAILLE für sein EU- und Euro-Engagement bekommen, just am gleichen Tag, an dem in englischen Regionalwahlen die UNITED KINGDOM INDEPENDENCE PARTY (Ukip) sehr erfolgreich war. Garton Ash denkt als Historiker der Zeitgeschichte vor allem in politischen Zusammenhängen, Wirtschaftsgeschichte ist ihm fremd. Ihn, obwohl Engländer, leitet der Wunsch zu einem großen, einheitlichen Europa, daher seine Vorliebe für den Brüsselkratismus. Dafür bekommt er die KARLSMEDAILLE. Er unterschätzt leider die langen Traditionen der europäischen Nationen, die sich in unterschiedlichen Mentalitäten niedergeschlagen hat. Deren Konvergenz, wenn sie denn kommt, wird nur sehr langsam vonstatten gehen. Und er übersieht ebenfalls das Sprachenproblem, das Amerika und Rußland nicht haben. Es wird noch geraume Zeit dauern, bis die meisten Europäer ein kultur- und politikfähiges Englisch beherrschen werden, das mehr sprachlichen Austausch und kulturelle Nähe zuläßt. Daran läßt sich in Ruhe und Geduld arbeiten. Brüssel und der Euro säen stattdessen Zwietracht.


Donnerstag, 2. Mai 2013

Freundin des Himmels








Diese Grasmücke erzählt gerade dem geneigten Publikum, daß es sich nicht lohne, arbeiten zu gehen. Siehe die Vöglein auf dem Felde, habe ein bekannter Arbeitsscheuer seinerzeit gepredigt, sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie sind doch durch die hohen Steuern der Arbeitswilligen gut genährt, haben sogar Übergewicht. So halte sie, die Grasmücke, eine Freundin des Himmels, es auch. Und jetzt, wenn der Frühling doch noch komme, sei das Leben ohne Arbeit noch einmal so schön!  

Mittwoch, 1. Mai 2013

Fälschungen für die gute Sache





Schneiderssohn, Sattler, Reichspräsident: Friedrich Ebert.
Sein früher Tod 1925 war ein schwerer Schlag für die Weimarer Republik. (Bild: Bundesarchiv / Wiki.)








Im Mai, im Mai hat jeder Vogel ein Nest und ein Ei, lautet ein alter Kinderspruch. Das gilt allerdings schon für den April, und es sind gleich mehrere Eier, die ein Vogel sein eigen nennt. Im April und Mai gibt es auch die Frühlingsfeste, und die Arbeiterbewegung hat sich im 19. Jahrhundert den 1. Mai als Tag für Aufzüge und Märsche ausgesucht. Ostern war ja bereits belegt von der Konkurrenz. Hitler hat für Deutschland dann den 1. Mai zum staatlichen Feiertag erhoben und über den Ostermontag gestellt, denn dieser neue Feiertag wurde erstmalig bezahlt. Das war ein Zeichen, dem viele weitere folgten und das viele KPD- und SPD-Mitglieder, auch Funktionäre, zur Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wechseln ließ.
Auch heute gibt’s noch den bezahlten 1. Mai, obwohl alle Regierungen seit langem auch sozialistische Politik machen. Entsprechend müde und überflüssig fallen die Gewerkschaftsrituale heutzutage aus, obwohl sie von den Medien bevorzugt behandelt werden.

In Einstimmung auf den 1. Mai suchte man sich den pfiffigen Einzelhändler amazon aus und sendete einen ARD-Angriff mit erfundenen Damen. Eine Polin wurde da als Ausbeutungsbeispiel präsentiert, aber die gab es gar nicht:
“Frau Lewandowska arbeitet hier nicht mehr. Eine einstweilige Verfügung gegen den Amazon-Dokumentarfilm "Ausgeliefert" Agnieszka Lewandowska hat nie als Leiharbeiterin bei Amazon gearbeitet. Zumindest nicht die Frau dieses Namens, von der im Fernsehen die Rede war ...” . (FAZ 9.4.13, Medienseite) 
Auch die rotgrüne FAZ-Fraktion, geführt von Feuilletonchef und Herausgeber Schirrmacher, schickte eine Studentin zu amazon und stellte ihr dann eine ganze Seite zur Verfügung. 
Da kamen schlimme Dinge ans Licht: das Frühstück wurde in den Gästehäusern in Bad Hersfeld nicht am Bett serviert und Sicherheitsschuhe gab es auch nicht, obwohl vorgesehen. Und so ein Buch kann richtig schwer sein!
Der Verfasser bekommt heute noch einen Schreck, wenn er daran denkt, daß er nicht einmal als Bauhelfer im Tiefbau Sicherheitsschuhe für die zarten Schülerfüße bekommen hat. Glück gehabt, die Füße blieben heil, und auch der Studentin fiel nichts auf die Füßchen.

Ja, das Leben der Gewerkschaftsbonzen 
und Gewerkschaftsfreunde ist schwer geworden, obwohl sie natürlich immer noch auf den Wunsch nach dem Mehr setzen können: mehr Lohn, mehr Weihnachtsgeld, mehr Urlaub etc. Der Wunsch nach Mehr hat bekanntlich die Form einer Spirale. Darauf setzt auch Verdi, die amazon bestreiken will. Kandidat Steinbrück absolvierte schon einen Wahlkampfauftritt für die Gewerkschaft in Bad Hersfeld. 97,6% seien für Streikmaßnahmen, berichtete der ebenfalls rötlich eingefärbte DLF, unterschlug aber, daß es sich um 97% der Verdi-Mitglieder handelt. Wie viele Prozent der Belegschaft das aber sind, das interessiert den Tendenzjournalisten nicht. Die Gewerkschaft selbst verweigert dazu jede Auskunft. Möglicherweise sind das ja nur 5%. Dann sind 97% von 5% eben nur 160 Personen von 3300 Mitarbeitern, die amazon in Bad Hersfeld beschäftigt. Eine unerhebliche Zahl also. Da braucht Verdi schon die Genossen in den Redaktionen, damit das Ganze nicht als Trick auffliegt.
Entsprechend wird eine Stimme aus der Belegschaft zitiert:
“Mehrere Mitarbeiterinnen in Bad Hersfeld berichteten am Montag, dass das Meinungsbild in der Belegschaft gespalten sei. Ein Teil der Beschäftigten sei zufrieden mit Bezahlung und Arbeitsbedingungen. „Für mich als ungelernte Kraft gibt es hier wenig zu klagen“, sagte eine Mitarbeiterin der Abteilung, die für Retoursendungen von Paketen zuständig ist. So wie sie würden das viele Ungelernte sehen, die aus der Gastronomie und anderen Branchen weitaus schlechtere Löhne gewohnt seien. Amazon bezahlt Kommissioniererinnen nach zwei Jahren 11,48 Euro Stundenlohn.”  (FAZ 30.4.13, Seite Unternehmen (sic!))

Solche Stimmen beeindrucken Verdi natürlich nicht. Die Gewerkschaftsfunktionäre haben stets auch ihre eigenen Stellen im Blick. Sie besitzen inzwischen fast alle Abitur und einen Hochschulabschluß. Und viele Arbeiter haben es ihnen gleich getan und sind heute gar keine Arbeiter mehr. Die Älteren, wie der Verfasser, haben das Abitur auf dem 2. Bildungsweg nachgeholt, die Jüngeren wurden ohnehin, wenn sie ihren Namen richtig schreiben konnten, zum Gymnasium überwiesen. Die große Durchlässigkeit des Bildungssystems hat zu einer stärkeren Bedeutung des IQ geführt, während der Status der Herkunftsfamilie abgenommen hat.
Ein intelligenter Junge aus unordentlichen Familienverhältnissen wie amazon-Gründer Jeff Bezos kann es zu großem Wohlstand und führender Position bringen, während viele Kinder aus erfolgreichen Familien mangels IQ den Status nicht halten können. Ein großer Strukturwandel spiegelt sich da wieder. Für die sog. Arbeiterbewegung bedeutet das, ganz anders als um 1900, daß heute ein niedriger IQ zu einer Arbeitertätigkeit führt. Intelligente Arbeiter wie Friedrich Ebert oder Otto Wels wurden Arbeiter aus Familientradition, entfalteten sich aber in der Gewerkschaft und der SPD und wurden dort auch politische Führer und zusätzlich über diese Organisationen hinaus.
Heute hat die SPD einen Beamtensohn und Lehrer als Vorsitzenden und einen Architektensohn und Volkswirt als Kanzlerkandidaten. Das alte Intelligenzreservoir der Arbeiterschaft ist erschöpft. So wie die Arbeiterbewegung auch. Da helfen auch keine Maireden und Traditionsrituale.