Sonntag, 11. August 2013

Eine ekelhafte Sorte










“Zur Aussetzung oder dem Aufziehen der Neugeborenen soll ein Gesetz vorschreiben, daß man kein behindertes Kind aufziehen darf”.
Aristoteles, Politik, Buch VII (wbg 9 IV, S. 43)

Das kann man so vertreten, und im antiken Griechenland wurde es so gemacht, wie auch Alte in den Steinbruch gestoßen wurden. Man kann aber auch etwas anderes vertreten als Aristoteles, der das europäische Geistesleben schwer schädigte. Was bis heute wirkt, ist sein unheilvoller kollektivistischer Ansatz. Ein intelligenter Mensch könnte auch auf den Gedanken kommen, solche sehr schwierigen Entscheidungen der Mutter zu überlassen, die das Kind geboren hat. Einfach aufzuschreiben, was verbreitete Praxis war, überzeugt wenig. Aber bis heute versuchen Leute wie Aristoteles, die sich klug dünken, aber nur herrschaftssüchtige Wichtigtuer sind, anderen Leuten vorzuschreiben, was sie tun sollen. Und es sind leider nicht weniger geworden, sondern sehr viel mehr. An allen Ecken stolpert man über sie, wie Schmeißfliegen stürzen sie sich auf alles, was ihnen gefällt. Ethiker nennen sie sich, und sie sind viel lästiger als Schmeißfliegen, weil die sich einfacher verjagen lassen und für ihr übles Tun nicht auch noch hoch bezahlt werden müssen. Natürlich stammt dieses Übel, wie andere, aus der Philosphischen Fakultät, wie könnte es anders sein.
Und auch an die Abrichtung der Kinder dachte der dreiste Ethiker Ari.:

“Die Knabenaufseher sollen darüber wachen, wie diese Kinder sonst ihre Zeit verbringen, und besonders, daß sie sich möglichst wenig in der Gesellschaft von Sklaven aufhalten.”
Aristoteles, Politik, Buch VII (wbg 9 IV, S. 44)

Hier haben die Sklavenhalter ihren trübgeistigen Most geholt.

Samstag, 10. August 2013

Innovatives Klima, risikofreundliche Unternehmer und produktive Krisen make the world go round

1997 machte sich Bill Gates ein paar Gedanken in seinem Buch “Der Weg nach vorn. Die Zukunft der Informationsgesellschaft” . Keine Vorstellung besaß er zu dieser Zeit davon, wie sich das Internet entwickeln würde. Begabte Physiker wie Schellnhuber, die Voraussagen abgeben, machen sich besonders lächerlich. Was in fünf Jahren sein wird, weiß niemand genau. Im Rückblick kann man aber gut erkennen, daß unvorhergesehene Phänomene wie die industrielle Stromerzeugung, die Großchemie, das Automobil, die Kernspaltung und das Internet größte Veränderungen bewirkt haben.
Die Entkoppelung von Geldmenge und Kreditvergabe gehört nicht dazu. Die riskantere Kreditschöpfung seit etwa 1950 hat aber zweifellos in innovativen Regionen wie dem Silicon Valley eine positive Rolle gespielt und spielt sie noch. In den etwas verkalkten Gegenden des rheinischen Kapitalismus fließt das Geld in Idiotenprojekte wie Windräder und Solarbretter.

Auf die innovative Mentalität kommt es eben an, sonst landen die vermehrten Kredite in leerstehendem Beton, wie in Spanien, oder verteuertem Beton und Stromerzeugungsschrott wie in Deutschland.

FAZ 4. Mai 2011







Freitag, 9. August 2013

Ein origineller Kopf







Was Wunder denn, daß es mit der Welt nicht vorwärts will, und das Böse mehr und mehr um sich greift, da es ja immer langweiliger auf Erden wird und die Langeweile eine Wurzel alles Übels ist. Das kann man von Anfang der Welt her verfolgen. Adam langweilte sich, weil er allein war, deshalb wurde ihm Eva gegeben; darauf langweilten sich Adam und Eva, und Kain und Abel en famille; dann mehrten sich die Menschen, und die Menschen langweilten sich en masse. Um sich zu zerstreuen, wollten sie einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reichte. Dieser Gedanke ist gerade so langweilig wie der Turm hoch war, und ein schrecklicher Beweis dafür, daß die Langeweile schon eine große Macht geworden war. Dann wurden die Menschen über die ganze Erde zerstreut – man reist ja auch heute noch ins Ausland, um sich zu zerstreuen - , aber sie hörten nicht auf, sich zu langweilen. Und welche traurigen Folgen hatte nicht diese Langeweile.” Kierkegaard, Entweder/Oder, Die Wechsel-Wirtschaft, S. 305



Den Frauen der Mauer ein Bein gestellt: Orthodoxe Schwarzhüte wiesen ihre Frauen an, den Klagemauerabschnitt für Frauen zu besetzen, den monatlich die sog. “Frauen der Mauer” aufsuchen, um dort laut und mit Schal zu beten, was nach fanatisch-orthodoxer Auffassung verboten sei. Die Polizei wies die nicht-orthodoxen Jüdinnen ab.

Daran kann man ersehen, welches Kriegs- und Streitpotential Religion beinhalten kann. Es hat lange gedauert, die religiösen Organisationen zu zivilisieren, im großen und ganzen ist das nur bei den christlichen Kirchen gelungen. Während die katholische Kirche immer noch weitgehend in geistiger Finsternis und in Aberglauben verharrt, überwanden Luther und nach ihm Kierkegaard die geistige Finsternis. Kierkegaard, der vor hundert Jahren geboren wurde, vollendete die reformatorische Wendung zur Subjektivität durch seine Existenztheologie. Während Luther schnell, nachdem er selbst der katholischen Nachstellung entkommen war, selbst verfolgerisch wurde und die Lutheraner mit ihrer Staatsgläubigkeit in Preußen (Hofprediger Stocker) und in dem von Hitler gekaperten Deutschland (Deutsche Christen) keine konstruktive Rolle spielten, kann man sich das bei dem “Existenzchristentum” Kierkegaards nicht recht vorstellen. Kierkegaards Innerlichkeitsreligion lehnt das Christentum als Lehre und Organisation ab. Mir scheint, daß erst diese religiöse Reifeform die Gewähr bietet, friedlich zu sein und zu bleiben.

Donnerstag, 8. August 2013

Gleichgewicht?






Deutschland schafft sich ab in der EU, die EU wird zur albernen Grünzone - nur die USA haben das wissenschaftliche Streitklima, den CO2-Klimaklamauk zu beenden.
Das offenere wissenschaftliche Klima hängt auch damit zusammen, daß es nicht nur staatliche Universitäten gibt, sondern auch private.




Das Gleichgewicht von Großmächten (“Balance”) scheint mir eher polemogen zu sein. Die Rivalität zweier starker Poleis, Athen und Sparta, führte zum Peloponnesischen Krieg mit der Niederlage Athens; das Großreich Persien versuchte mehrmals, sich die Griechen einzuverleiben, bis Alexander sowohl die alte Poliswelt zerstörte als auch Persien niederwarf; der furchtbare Dreißigjährige Krieg entsprang der zersplitterten Machtsituation in der Mitte Europas, wobei Wien und Paris als Gegner herausragten. Spanien und England fochten als ähnlich starke Mächte den Hundertjährigen Krieg aus, den Spanien verlor. Ähnlich dann wieder Frankreich und Preußen bis zum 1. Weltkrieg, den die USA entschieden, wie auch den 2. WK. Hätten sich die USA nicht zurückgezogen, sondern Frankreich den Diktatfrieden von Versailles aus der Hand geschlagen, sie waren geneigt dazu, hätten sie sich als machtbewußter Hegemon installiert - WK II wäre ausgefallen, Lenin wäre in Zürich geblieben und Kerenski hätte Rußland in eine Zukunft ohne Stalin geführt; Hitler wäre als Dauerabonnent in Bayreuth verstorben.

Mit den Nuklearwaffen entstand eine neue Situation. Ein wirtschaftlicher und wissenschaftlicher russischer Zwerg konnte sich militärisch als Großmacht gebärden gegenüber einem wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und militärischen Riesen, den USA. Die militärisch aufgeblasene Sowjetunion kollabierte inzwischen einschließlich ihrer Kolonien, aber trotz ihrer weiterhin erbärmlichen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Situation ist Rußland allein aufgrund seiner Nuklearwaffen noch immer eine Großmacht. Mit inzwischen mehreren Nuklearmächten, vor allem dem volkreichen China, sowie Persien als Kandidat, ähnelt die Weltsituation derjenigen vor WK I . Das läßt weniger Stabilität erwarten als die Pax Romana seinerzeit.

Mittwoch, 7. August 2013

Erhard und die Wohlfühldiktatur









"Das erfolgversprechendste Mittel zur Erreichung jeden Wohstandes ist der Wettbewerb"!
Das ist doch mal ein Wort.

Vielleicht lernen Sie ja auch noch die Sache mit der Seitenangabe und das Zitieren von Primärtexten. Auf S. 7 befindet sich o.g. Zitat in Erhard, Wohlstand für Alle, 1957

Und die Ludwig-Erhard-Stiftung hat das ganze goldene Buch ins Netz gestellt unter: http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/files/wohlstand_fuer_alle.pdf

Prima.
Ist Ihnen übrigens aufgefallen, daß Erhard meist nur von “Marktwirtschaft” spricht und wenig von “sozialer Marktwirtschft”? 
Sein jovialer und rheinischer Staatssekretär Müller-Armack soll den Ausdruck erfunden haben, offenbar in der zutreffenden Annahme, daß die Hälfte der Deutschen entweder nationale Sozialisten oder internationale Sozialisten seien, je nach Zeitgeist. Deswegen muß man ja bei den Deutschen aufmerksam sein. Die Hälfte der Deutschen wollen eine Diktatur, derzeit eine Wohlfühldiktatur, vor der schon Erhard gewarnt hat:

“Die soziale Marktwirtschaft kann nicht gedeihen,
wenn die ihr zugrunde liegende geistige Haltung, d. h. also
die Bereitschaft, für das eigene Schicksal Verantwortung zu
tragen, und aus dem Streben nach Leistungssteigerung an
einem ehrlichen freien Wettbewerb teilzunehmen, durch
vermeintliche soziale Maßnahmen auf benachbarten Gebieten zum Absterben verurteilt wird. …”  
(Ludwig Erhard, “Wohlstand für alle”, 12. Kap. VERSORGUNGSSTAAT - DER MODERNE WAHN, S. 245) 

Das sagt Hayek auch, nur etwas wissenschaftlicher formuliert, wie sich das für einen Nobelpreisträger gehört.

“Wohlstand für alle” hat der Praktiker und Politiker Erhard sein Buch benannt, sogar die Sklaven hat er nicht ausgeschlossen! Bubi Aristoteles hätte sich bei diesem Gedanken geschüttelt, denn:
"Es ist wohlbegründet, daß Hellenen über Barbaren herrschen", da Barbar und Sklave von Natur dasselbe ist.” Aristoteles , 1. Buch der Politik, Schütrumpf 9 I, S. 12
Aber Ari. quasselt stets von “Maß und Mitte”. Dieses Scheinargument "von Natur", das er so häufig verwendet, behinderte viele hundert Jahre den rationalen Fortschritt in Europa. Ohne ihn und Platon hätte die Öffnung zu rationaler, systematischer Wissenschaft früher eintreten können.
(Aus einer Korrespondenz mit einem Aristoteles-Freund)