Freitag, 6. September 2013

Denkend handeln, handelnd denkend




Man kann natürlich auch geistesabwesend arbeiten, Routinetätigkeiten können unterhalb der Bewußtseinsschwelle verlaufen und tun es oft. Aber das Denken kann sich so mit dem Handeln verhaken, daß dabei Handlungsalternativen und neue Handlungsentwürfe entstehen können. Kleist hat das für das Schreiben anschaulich vorgestellt in seinem Aufsatz “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden”, wobei aber die dem Reden unterliegende Hirntätigkeit die Hauptsache ist, nicht die Sprache. Die Wechselwirkung darf daher nicht als eine Dominanz der Sprache interpretiert werden, denn die Sprache ist vor allem ein Ausgabemedium. Ludwig Wittgenstein “Tractatus”-Zitat "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen", trifft daher, wohlformuliert, weit daneben: Worüber ich nicht sprechen kann, darüber kann ich trefflich nachdenken, eventuell auch malen, zeichnen, musizieren.  
Das Kind hat es noch nicht mit Alternativen. Es läuft ungehemmt geradeaus und macht sich meist keine Gedanken, wenn der Pfad am Abgrund verläuft. Das kommt mit zunehmendem Alter. Das Vorstellungsvermögen konstruiert aus dem Fundus des Gedächtnisses immer mehr Alternativen. Das kann zur Lähmung führen, denn mit den Jahren hat man so viele Fehler selbst erlebt, bei anderen beobachtet und davon gehört, daß der Entscheidungsmut geschwächt wird. Daher soll ja der ältere Aufsichtsratsvorsitzende den jüngeren Vorstand kontrollieren, und nicht umgekehrt. So fragt man sich im Falle von ThyssenKrupp und seinen Milliardenverlusten in Süd- und Nordamerika, was der Aufsichtsratsvorsitzende Cromme so getrieben hat bei der Entscheidungsvorbereitung für dieses riesige Investitionsvorhaben. Oder fehlte ihm nur der Verstand, die Phantasie, das Vorstellungsvermögen, sich die möglichen Fehlentwicklungen vorzustellen? Jedenfalls war er seine Vergütung nicht wert und muß so schnell wie möglich abtreten.


Donnerstag, 5. September 2013

Heuss, Bosch, Wulff und das Oktoberfest





Wo haben wir denn heute einen Robert Bosch?
Und wo einen Theodor Heuss, der nicht das Oktoberfest besucht, sondern einen Robert Bosch porträtiert?




“Was fehlt Ihnen noch zum Oktoberfest”, fragt mich e-bay heute.
Ein Kopf, sage ich, wie ihn der Ex-BP Wulff besitzt. 
Er wurde jetzt der Vorteilsannahme angeklagt, weil er mit einem Filmheini auf dem Oktoberfest war und der Filmheini für ihn das Hotel bezahlt hat.

Man erinnere sich an frühere Bundespräsidenten: Theodor Heuss auf dem Oktoberfest? Heinrich Lübke? Weizsäcker?
Die Ernsthaftigkeit der Politiker hat nicht zugenommen. Man kann das Amt getrost abschaffen und damit Steuergelder sparen.

Mittwoch, 4. September 2013

Den Bericht der UN-Inspektoren in jedem Falle abwarten


1980 griff Saddam Hussein Persien an. Beide Seiten sollen Giftgas eingesetzt haben. Der Krieg endete nach acht Jahren 1988 mit einem Waffenstillstand zwischen Bagdad und Teheran.
(Bilder:  gIre_3piCH2005 at fa.wikipedia)


Warum sollte das Assad-Regime, das gegenüber den aufständischen sunnitischen Banden immer weitere Gewinne verbucht und sich auf dem Weg zum Sieg befindet, Giftgas einsetzen und damit einen US-Einsatz provozieren? Wäre das nicht dumm? Mit einem Giftgaseinsatz hätte Assad nur zu verlieren. Es könnte sich natürlich um eine administrative Panne innerhalb des Regimes handeln, so etwas kann nicht ausgeschlossen werden. Doch wäre der Einsatz in Bodenkämpfen, dies ein weiterer Grund, wegen der schlechten Kontrolle der Mittel wenig sinnvoll.
Sehr wahrscheinlich wäre aber, wenn chemische Kampfmittel wie Sarin etc. überhaupt eingesetzt wurden, eine verdeckte, gut organisierte Aktion einer Rebellengruppe, die nichts zu verlieren hat.
Die Sowjetunion betrachtete chemische Kampfmittel übrigens als “normale” konventionelle Waffen, sie soll sie in Afghanistan eingesetzt haben. 
Gesichert soll ihr Einsatz im Krieg des Irak gegen den Iran sein. (Erster Golfkrieg 1980-88)

Sowohl die FSA als auch die Dschabhat al Nusra kämen für eine getarnte Provokation infrage, um die USA in den Bürgerkrieg tiefer hineinzuziehen. Im Mai berichtete der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer aus Syrien:

‘Frühling in Damaskus. Vor mir, in einer ärmlichen Damaszener Wohnung, sitzt Salem, ein 27 Jahre alter Rebellenführer. Er gehört der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) an, die im Westen als gemäßigt gilt. Seine Mütze hat er tief ins Gesicht gezogen. Im Minutentakt schlagen im benachbarten Vorort Dschobar Granaten ein. Seit Monaten tobt die Schlacht um die Vororte der Hauptstadt. Er sagt:
„Wir kämpfen, bis das Regime fällt. Notfalls noch Jahre. Selbst wenn die Hälfte der Syrer sterben muss. Wir wollen ein islamisches Kalifat ähnlich Saudi-Arabien. Aber nicht nur für die Reichen, auch für die Armen. Für eure Demokratie sterben wir nicht.“
Salem berichtet, dass viele seiner Kämpfer zu Dschabhat al Nusra, der Filiale von Al Qaida, überliefen. Die zahle ihren Kämpfern mit mehr als 300 Dollar pro Monat das Doppelte. Al Nusra habe auch die besseren Waffen. Als „Speerspitze der Revolution“ könne sie sich bei Auslandslieferungen die besten Waffen aussuchen. Ihn störe das nicht. Man kämpfe für den gleichen Gottesstaat. Allerdings verfolge Al Qaida weltweite Ziele, die FSA nur nationale. Dass die „Exil-Opposition“ sich gelegentlich leise von Al Nusra distanziere, sei bedeutungslos. Sie spiele in Syrien keine Rolle.’
(Es gibt keine gemäßigten Rebellen mehr, FAZ 3.5.13)

Dienstag, 3. September 2013

Betonblock ankratzen






Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht, klagte der Alt-Bundespräsident Weizsäcker.
Stimmt.
Sie machen das u.a. über die Wahllistenaufstellungen. Dadurch bestimmen die Parteigenerale, wer aufgestellt wird. Wer kein gehorsamer Parteisoldat ist, besitzt kaum eine Chance. Im Ergebnis sitzen solche Leute im Bundestag, wie wir sie heute sehen.

Zeit, daß das anders wird.
Die ALTERNATIVE will mehr direkte Demokratie.
Dazu muß erst einmal der Betonblock der Altparteien aufgelöst werden.

Montag, 2. September 2013