Donnerstag, 21. August 2014

Und töten, welche Lust







E.A. Poe war zu gut erzogen, bei ihm blieb das Töten Phantasie

(Bild: Wiki.)




- ' Ernest Hemingway : „Ich töte gerne“.

Nobelpreisträger Ernest Hemingway brüstete sich, 122 deutsche Kriegsgefangene erschossen zu haben – eine Spurensuche.
Günter Grass hatte Glück. Als der Angehörige der Waffen-SS im April 1945 in amerikanische Gefangenschaft geriet, war ein anderer späterer Literaturnobelpreisträger eben in die USA zurückgeflogen: Ernest Hemingway. Wäre Grass ihm in die Hände geraten, hätte ihm dies passieren können:  

„Einmal habe ich einen besonders frechen SS-Kraut umgelegt. Als ich ihm sagte, daß ich ihn töten würde, wenn er nicht seine Fluchtwegsignale rausrückte, sagte der Kerl doch: Du wirst mich nicht töten. Weil du Angst davor hast und weil du einer degenerierten Bastardrasse angehörst. Außerdem verstößt es gegen die Genfer Konvention. Du irrst dich, Bruder, sagte ich zu ihm und schoß ihm dreimal schnell in den Bauch, und dann, als er in die Knie ging, schoß ich ihm in den Schädel, so daß ihm das Gehirn aus dem Mund kam, oder aus der Nase, glaube ich.“ Das schrieb Hemingway am 27. August 1949 seinem Verleger Charles Scribner.
Eine He-Man-Pose? Ernest Hemingway war ein begeisterter Jäger zu Wasser und zu Lande. Man kennt die Trophäenbilder des Großwildjägers, seine Lust am Stierkampf und seine Reportagen. „Ich töte gerne“, hatte er sogar verlautbart.

1944 folgte Hemingway als Kriegsberichterstatter den alliierten US-Truppen in die Normandie. Acht Monate, bis zum 6. März 1945, begleitete er das 22. Regiment der Vierten Infanterie-Division im Rang eines Offiziers, bemerkenswerterweise teils auch im Auftrag des OSS. „Wir habens hier sehr nett und lustig, viele Tote, deutsche Beute, viel Schießerei und jede Menge Kämpfe“, schrieb er an Mary Welsh.
In Rambouillet ließ er sich mit Zustimmung des OSS-Obersten David Bruce zum inoffiziellen Gouverneur ernennen. Da er fließend Französisch sprach, beruhigte er die Bevölkerung, hielt die Stadt, ließ die feindlichen Stellungen auskundschaften – und verhörte deutsche Gefangene. In dem 50 Kilometer vor Paris gelegenen Ort trug er ein ganzes Waffenarsenal zusammen und entfernte überdies von seiner Uniform die Zeichen des Kriegsberichterstatters, weiß sein Biograph A. E. Hotchner.
Am 2. Juni 1950 berichtete Hemingway Arthur Mizener, dass er 122 Deutsche getötet habe. Eines seiner letzten Opfer sei ein junger, auf einem Fahrrad flüchtender Soldat gewesen – „ungefähr im Alter meines Sohnes Patrick“. Er habe ihm mit einer M1 von hinten durch das Rückgrat geschossen. Die Kugel zerfetzte die Leber.
Dass der Nobelpreisträger gegen die Genfer Konvention verstoßen hat, verschweigen selbst seine Bewunderer nicht. Mit der Zahl und Details konfrontiert, wiegeln sie aber meist ab: Man müsse verstehen, es sei Krieg gewesen. Hemingway hat zwar immer dick aufgetragen, den Macho demonstriert – aber was trieb ihn ohne Not zu diesem Eingeständnis? Die Briefe blieben bis heute in allen Ausgaben unkommentiert. Obwohl es keinen Zeugen für die 122 Morde gibt, mit denen er prahlt, sind jedoch nicht wenige Verehrer entsetzt über den „Massenmörder an deutschen Kriegsgefangenen“ (Alfred Mechtersheimer): Die Stadt Triberg im Schwarzwald setzte daraufhin 2002 ihr Festival „Hemingway Days“ ab. ' Focus 25.09.06 TEXTAUSZUG aus: Rainer Schmitz Was geschah mit Schillers Schädel? , Eichborn 2006







Mittwoch, 20. August 2014

Michael Brown in Ferguson, Missouri










Alfred Krupp verließ die Schule mit 14 Jahren und hatte dann gut zu tun mit der Übernahme des verschuldeten väterlichen Betriebs. Seitdem, 1826, wurde die Schulpflicht verlängert und verlängert ohne Rücksicht darauf, ob diese allgemeine Verlängerung für alle sinnvoll erscheint. Sie ist jedoch nicht nur meist unsinnig, sondern kann auch destruktiv sein. Nur für Lerntypen, die stillsitzen können und grundsätzlich von einen Lernwunsch motiviert werden, ist eine längere Schulzeit angezeigt. Für die anderen Schüler geht es überwiegend um Beschäftigung und Verzögerung der Persönlichkeitsreife. Die Fragwürdigkeit toten Katalogwissens verschärft die Problematik.

Dieser Tage gibt es einen besonderen Fall. Ein Achtzehnjähriger hat mehr schlecht als recht die Gemeinschaftsschule beendet und will Klempner und Heizungstechniker werden. Ungefähr das, was der junge Krupp mit 14 begonnen hat. Muß man, um einen praktischen Beruf zu ergreifen, so viele Schuljahre mit Hängen und Würgen hinter sich bringen? Das ist destruktiv und kann sich im Einzelfall auch bösartig auswirken. Wenn nämlich Elternhaus und Schule nicht erziehen und nicht erziehen können. Wie geht man mit einem Schüler um, der 1,93 m mißt, etwa 120 kg wiegt, lernunlustig und aggressiv ist? Die Aggressivität unseres Mannes wurde in einem Fall in einem Laden aufgezeichnet, in dem der B. zwei Kisten Zigarren stahl und dann gegen den Filialleiter handgreiflich wurde und den Laden mit dem Diebesgut verließ. Um anschließend mit seinem Freund mitten auf der Straße zu gehen und den Verkehr zu blockieren und dieses Verhalten auch auf polizeiliche Aufforderung hin nicht aufzugeben, stattdessen sogar erneut handgreiflich zu werden.  


Dienstag, 19. August 2014

Unseld links, Grass links, Müller links - Thierse mag sowas




Amazon will die Preise für digitale Bücher senken. Gut so! Digitale Bücher kosten nur noch einen Bruchteil der Papierbücher. Da gibt es jetzt eine Liste von Skribenten, die gegen diese wohllöbliche Preispolitik Amazons Stimmung machen. Neben ihrer Habgier steht ein zweites Motiv. Sie befürchten einen Schaden für die „Suhrkamp-Kultur“, für das Modell „Autor links, Verleger links und Buchhändler auch noch links“. Dieses Links-Kartell soll bestehen bleiben! 
Das aber muß wirklich nicht sein! Im Gegenteil.







Montag, 18. August 2014

Wehler, Lenin und die taz



„In heutigem Vokabular würde man sagen: Der Prüfungsausschuss warf Wehler eine Ökonomisierung des Geschichtsbildes vor.
Das Primat der Ökonomie
Das stand damals unter Marxismusverdacht, später warf man es – unter umgekehrten Vorzeichen – dem „Neoliberalismus“ vor. Beides traf auf Wehler nicht zu, der sein theoretisches Rüstzeug von dem Soziologen Max Weber bezog. Und doch hatten seine skeptischen Prüfer zweifellos recht: Der Bielefelder Historiker, der kürzlich im Alter von 82 Jahren gestorben ist, hat die deutsche Geschichtswissenschaft von ihren idealistischen Höhen auf die materiellen Grundlagen zurückgeführt. Das war für ihn kein Detail, sondern die Basis jener „Allgemeinen Geschichte“, die er als Lehrstuhlinhaber vertrat.“ So Ralph Bollmann in der FAS v. 19.7.14
Der 33jährige Wehler wollte sich mit der Arbeit „Aufstieg des amerikanischen Imperialismus“ habilitieren.

Hier ist alles krumm und schief. Als Historiker sollte man sich nicht unter 50 habilitieren dürfen, dazu ist die Geschichte ein zu weites Feld und ein zu tiefer Sumpf. Mit 33 fällt man auf fixe Ideen wie den Marxismus und ähnlichen Unsinn herein, weil Lebenserfahrung und Fülle des Wissens fehlen. Und schließlich ist der Begriff des „Imperialismus“ an tatsächliche Imperien gebunden, in denen ein Princeps wie Augustus befiehlt und alle folgen und folgen müssen. Eine Übertragung auf Kolonialreiche der Neuzeit mag noch angehen, weil die Zentrale ihre militärisch gestützten Kolonialbeamten anweisen kann. Dubios wird es aber, wenn Lenin mit seiner kurzschlüssigen Schrift „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ ins Spiel kommt, wie dies bei Wehler doch wohl der Fall war und, abgemildert, blieb. Bei dem frühen Max Weber mag er ebenfalls in die Lehre gegangen sein; Weber zeigt sich in Arbeiten wie "Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland" durchaus marxnah, doch löste er sich von solcher Inspiration und wurde der „Marxtöter“, als den man ihn kennt.

Ob der FAS-Journalist Bollmann bei Wehler studiert hat? Nein, er kommt von der „taz“.








Sonntag, 17. August 2014

Tschüss, Kafka


„ ... es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage-
dein fernbestimmtes: Du mußt.
Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

Nur zwei Dinge, Gottfried Benn


Es gibt Menschen, für die das mehr ist als eine Denkfühlung ab und zu. Benn selbst gehörte dazu. Er machte elegische Lyrik daraus. Andere Sofa-Prosa wie Proust. Wieder andere werden Deutsch-Lehrer und verlegen sich auf die Kafka-Vermittlung so oft wie möglich. Kafka für alle, für alle Schüler, auch, damit sie bessere Menschen werden. So feine wie Kafka. Für ihn, den gezeichneten und verwirrten Sensibel, ginge das in Ordnung. Für die meisten Schüler aber ist das eine sublime Zumutung und Verwirrung. Diese Angst-Verwirr-und Spielprosa können sich nur Erben und Pensionäre leisten, wenn es ihnen denn gefällt.