Samstag, 13. September 2014

Mal ne Frage an Kurt Flasch


 
Könnte man sagen, daß Flasch, der alte, kenntnisreiche Knabe, nach der Art kenntnisreicher Christen, durch Auslassen alles Wichtigen und Aufblasen alles Unwichtigen, die Klugheit des Lesers beschädigt und ihn davon abhält, seine eigene Philosophie für seine eigene Person, die er erst einmal erkunden muß, Schritt für Schritt zu entwickeln, so daß er zuletzt zu seiner eigenen Lebenskunst findet und seine Lebenszeit nicht mit christlicher Scheinphilosphie verplempert?

Freitag, 12. September 2014

Der Tod und das Mädchen












Der Tod geht uns nichts an. Denn was sich aufgelöst hat, hat keine Empfindung. Was aber keine Empfindung hat, geht uns nichts an.

Meint Epikur in seinem Katechismus. 

Sehr zutreffend. Hier spielt eine junge Frau mit dem Motiv. Oder hat es wahrscheinlich gedankenlos von Philipp Plein übernommen, der es aus der Halbstarken-, Rocker- und Rockmusikermode bezog.

Donnerstag, 11. September 2014

Priesterliches Stundenritual






Graefe im Grab bei der staubigen Arbeit - die vielen Bruchstücke werden zur Dokumentation und Zusammenführung gescannt, eine große Erleichterung der Arbeit. (Bild: http://www.uni-muenster.de/IAEK/forschen/aeg/proj/laufend/index.html#StR)


42 Jahre arbeitet Erhart Graefe am altägyptischen Stundenritual, einem von Jan Assmann 1969 identifizierten Text im Grab TT 196 bei Luxor. 
Auf eine solche Idee käme in Kairo niemand, denn die stündliche Anrufung altägyptischer Götter kommt im Koran nicht vor. Es ist erstaunlich, wie gleichgültig die Ägypter der Gegenwart ihrer eigenen Vergangenheit gegenüberstehen, wenn sich nicht Geld daraus schlagen läßt. 
Die vorübergehende Herrschaft der Muslimbrüder bedrohte sogar die Ausgrabungen und ließ die europäischen und amerikanischen Archäologen um die Zukunft fürchten.

Die arabische Eroberung schnitt die Entwicklungsmöglichkeiten der ägyptischen Antike ab und führte zur tausendjährigen geistigen und zivilisatorischen Erstarrung Ägyptens. Schade eigentlich.








Mittwoch, 10. September 2014

Schneeball herbstlich mit Wespen









Wespen unterwegs - in der EU auch


Draghi macht italienische Zentralbankpolitik, der gescheiterte französische Finanzminister macht den EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen, der deutsche Kommissar Oettinger wird degradiert zur Digitalwirtschaft – auf den ersten Blick kann man in Deutschland über die von Juncker vorgeschlagene Mannschaft nicht sehr erfreut sein. Auf den zweiten Blick könnten die ranghöheren Vize-Kommissionspräsidenten eine moderierende Rolle spielen – da darf man gespannt sein, wie das funktionieren wird.







Dienstag, 9. September 2014

Schick die Legionen los zum ludus latinus









Latein – ein lustiges Kinderspiel mit diesem schönen Unterrichtswerk



Vor dem Weender Tore begegneten mir zwei eingeborne kleine Schulknaben, wovon der eine zum andern sagte: »Mit dem Theodor will ich gar nicht mehr umgehen, er ist ein Lumpenkerl, denn gestern wußte er nicht mal, wie der Genitiv von Mensa heißt.« So unbedeutend diese Worte klingen, so muß ich sie doch wiedererzählen, ja, ich möchte sie als Stadtmotto gleich auf das Tor schreiben lassen; denn die Jungen piepen, wie die Alten pfeifen, und jene Worte bezeichnen ganz den engen, trocknen Notizenstolz der hochgelahrten Georgia Augusta.’
So Heinrich Heine eingangs seiner „Harzreise“, die er in Göttingen beginnen läßt.
Ja, das ist wirklich allerhand. Den Genitiv von Mensa nicht kennen! Zur Mensa drängt, an der Mensa hängt, doch alles, oder doch einiges. Die beiden braven Schüler kennen ihren Genitiv natürlich. Aber wie ist es damit:
O vitae philosphia dux! Und es geht noch weiter: „O vitae philosophia dux, o virtutis indagatrix expultrixque vitiorum!“ 
Da muß man schon das Latinum besitzen, wie es jetzt immer mehr Studien- und Prüfungsordnungen für Germanistik, Anglistik und Romanistik als Eingangsvoraussetzung ausmustern bzw. schon ausgemustert haben. Das bedrückt die Freunde des Lateins, und die Akademie der Wissenschaften NRW veranstaltete ein Kolloquium, das die Bedeutung der alten Sprache auch für die neuen erweisen sollte.
Eine Bedeutung hat das Latein sicher, wer wollte das bestreiten? Wie groß jedoch diese Bedeutung ist, darüber läßt sich trefflich streiten. Aber wer muß das obige Cicero-Zitat wirklich übersetzen können? Wer muß diesen Aufwand an Grammatiklernen getrieben haben, wenn er nicht Althistoriker oder Latinist werden möchte? Reicht nicht ein Seminar im Studiengang ‚Latein für Germanisten’ o.ä.? Wahrscheinlich doch. Die Mittel sind begrenzt, auch die intellektuellen, und von der Zeit sagen die Lateiner ohnehin, daß sie knapp sei:
Ars longs, vita brevis.
Müssen die Abiturienten ihre Zeit nicht auf das Erlernen der deutschen Sprache konzentrieren, wozu bekanntlich auch die Grammatik gehört? Sprechen die Abiturienten nicht ziemlich schlecht Deutsch? Und wieviel schlechter noch sprechen die Abiturienten Englisch? Man mag es bedauern oder nicht, aber dank Kolonialismus hat Englisch die Weltbedeutung gewonnen, die es für die Europäer unabdingbar macht, Englisch zu beherrschen, um sich untereinander zu verstehen, und nicht nur, wie meist jetzt, Flughafenenglisch.
Das obige Cicero-Zitat können uns getrost die Latinisten übersetzen:

O Philosophie, Lenkerin des Lebens, Entdeckerin der Tugend, Siegerin über die Laster!“ (Cicero, Gespräche in Tusculum, 5/5)

Die an der lateinischen Grammatik eingesparte Zeit soll man auf die Lektüre klassischer Texte verwenden. Ob dies aber bei den heutigen Gymnasiasten überhaupt möglich ist?
Im Zweifelsfall werden Eltern ihre Kinder doch in die Lateinklasse schicken, weil dort eine andere Schülerauswahl vorhanden ist an genetischem Material, Disziplin und Interesse am Lernen.