Sonntag, 4. Januar 2015

Darf's etwas weniger sein?







Nilus von Ankyra hielt nichts von Gold - das orthodoxe Christentum um so mehr - russische Ikone des Nilus (Wiki.)




Es gab sie immer und überall, die Asketen. Es waren ihrer aber immer wenige. In der Regel besaßen sie eine spirituelle Ausrichtung als Priester und Mönche, die der Muße pflegten und keiner produktiven Arbeit nachgingen, und auch im Christentum gab es sie. Einer war Nilus von Ankyra (Ankara), der 430 starb und zu den Kirchenvätern zählt. Er schrieb Mahnbriefe an seine Genossen, wenn auch nicht sehr logisch konsistent. Die Edition dieser Opera ascetica des Nilus betreibt Henning Drecoll in Tübingen. Darin warnt der Mönch, der vorher ein Höfling des oströmischen Kaisers Theodosius II. war, vor Schlemmerei, Ruhmsucht und Unzucht und auch vor Handwerk und Landbau. Städte seien zu meiden, sie lenkten ab vom meditativen Leben. Vorbildlich seien die Asketen des Judentums.
Naturgemäß gehört eine individuelle Anlage zu solchem Leben, doch kann es auch in Gemeinschaften gepflegt werden. Bedingt kann sich der asketische Geist auch  mit Arbeit verpaaren, wie bei den Zisterziensern und den Benediktinern. Das sichert das Überleben, schafft aber wenig Wohlstand. Daher war das christliche Mittelalter so lang, dumpf und dunkel. Interessant wird die Askese als eine innerweltliche im Calvinismus, die mit ökonomischem Sinn nicht in Prunk wie im Orient investiert, sondern in wirtschaftliche Tätigkeit. Diese Haltung herrscht noch vor im Westen, doch ist sie bedroht durch eine offensive Genußgesinnung von innen und durch unqualifizierte Zuwanderung von außen.

Samstag, 3. Januar 2015

Eine üble Sache




Die Neigung zu Religion, Götter, Dämonen, Esoterik und Verschwörungstheorien wurzelt in der Phantasiebegabung des Menschen. Und Phantasien können leicht in die Irre führen und sogar eine destruktive Rolle spielen. Beispiele finden sich viele, besonders in der Literatur. Wer zählt die Theoretiker und Literaten, die mehr Phantasie als Kenntnisse besitzen? Ken Kesey ist so einer, der bereits verstorbene Hippie- und LSD-Literat. Bekannt wurde er durch seine Psychiatrie-Groteske “Einer flog über das Kuckucksnest”. Wirkungsmächtig wurde er durch die Hollywood-Verfilmung. Noch destruktiver wurde die Geschichte, indem sie Eingang in das ohnehin zur Verblödung neigende “Bildungs”system fand. Als Schullektüre. Seitdem besitzen viele Menschen ein Psychiatriebild, das von einem verrückten Drogen-Literaten stammt. Während andererseits belangvolle Wissensinhalte, zum Beispiel biologische und medizinische Psychologie, gar nicht erst vorkommen in der Schule.














Freitag, 2. Januar 2015

Goethe hatte recht











„Amerika, du hast es schlechter“, schreibt ein Schreiberling im rotgrünen FAZ-Feuilleton (28.11.14). 
Das Original lautete bei Goethe in seinem Gedicht ‚Den Vereinigten Staaten’ genau umgekehrt. 

Der Mann zählt dann 45 Punkte auf. Die ersten 5 habe ich geschafft. Im ersten Punkt gibt der Herr vor zu beklagen, daß die USA ihre Anpassungsfähigkeit verloren hätten. Warum versuchen aber so viele Lateinamerikaner, nach Norden zu kommen? Wegen des Wohlstands. Trotz einer zweifelhaften Wirtschaftspolitik haben die USA wieder Wachstum generiert, 3% zuletzt – zuviel übrigens für eine reife Wirtschaft. Die EU, des Schreiberlings Liebling, liegt demgegenüber bei 0%. Und besitzt keine einzige Zukunftstechnik, sondern weist Idiotien auf wie den deutschen Kernkraftausstieg und die Feindschaft gegenüber Pflanzentechnik.

Der US-Wohlstand gefährdet allerdings Nordamerika. Der Wohlstand zieht „Gastbürger“ an, Abstauber, die ihren eigenen Vorteil suchen und nichts zur Aufrechterhaltung der Kultur beitragen, die den Wohlstand hervorbringt.
Das kennen wir auch aus Deutschland. 
In der alten Industriesiedlung „Eisenheim“ in Oberhausen, die zeitweilig fast nur noch von Türken bewohnt war, engagierte sich der Architekt Roland Günther und baute ein Gemeinschaftshaus im Zentrum der Siedlung – heute ein Museum, denn die Türken beteiligten sich nicht. Das ist auch nicht verwunderlich, denn sie kommen aus einer Kommandokultur, in der von oben herab befohlen wird, vom Präsidenten bis zum Familienvater.
Gastbürger belasten eine Wohlstands- und Wissenschaftskultur eher, wenn die kulturelle Differenz groß ist.
Sam Huntington fragt daher völlig zurecht: „Wäre Amerika so, wie es heute ist, wenn es im 17. Und 18. Jahrhundert nicht von britischen Protestanten besiedelt worden wäre, sondern von französischen, spanischen und portugiesischen Katholiken? Die Antwort lautet ‚nein’. Das Ergebnis wäre nicht Amerika, sondern Quebec, Mexiko und Brasilien.“ (Sam Huntington, Who are we? S. 85)

Zutreffender hätte er Kolumbien, Argentinien und Mexiko nennen können. Argentinien hat sein Einwanderungsverbot für Nicht-Katholiken nämlich sehr strikt und sehr lang, bis ins 20. Jahrhundert hinein, gehandhabt. Die katholische Einwanderung aus Mexiko ist bereits eine große Belastungsprobe für die produktive angelsächsische Kultur. Allerdings ist die Belastung in der EU durch die Zuwanderung aus dem Orient noch sehr viel größer. Noch hat es Amerika also weit, weit besser als das verkalkte und sozialistische Europa, das aus Bequemlichkeit keine eigenen Kinder mehr zeugt.
PS: Euro heute auf neuem Tiefststand zum USD: 1,2042

Donnerstag, 1. Januar 2015

Trau keinem Fachmann nicht, es sei denn, es wäre der Klempner













Mich deucht, auf dem Foto fehlen ein paar polemogene Hauptfiguren, beispielsweise Grey und Poincare



Christopher Clarks “Schlafwandler” liest man mit großem Gewinn. Das Buch läßt sich auch als Einführung in die Politik als auch in die Außenpolitik verwenden. Und wirft nebenbei interessante Schlaglichter auf Milieus. So berichtet der Makler und Manager in französisch-russischen Unternehmen, Maurice de Verneuil, von Petersburg nach Paris:


“Es ist etwas wirklich Fantastisches in Vorbereitung, dessen Symptome selbst den Verstand der kundigsten Beobachter verblüffen werden. Ich habe den sehr klaren Eindruck, daß wir in den kommenden dreißig Jahren in Rußland ein erstaunliches Wirtschaftswachstum erleben werden, das der kolossalen Bewegung gleichkommen wird (wenn es sie nicht gar übertrifft), die sich im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten abgespielt hatte.”
(Clark, Schlafwandler, Teil II, Kap. 5, S. 405)


Dieses Zitat läßt sich der Vorlesung “Die Lesbarkeit der Welt” voranstellen. Ein erfahrener leitender Angestellter mit politischen Verbindungen zum französischen Außenminister Pichon gibt ein Urteil ab, das enthüllt, daß er von den treibenden Kräften einer Wirtschaft absolut nichts versteht, daß er sich aber eine Prognosekompetenz anmaßt, die wiederum den Staatspräsidenten Poincare beeindruckt.

Diese Blauäugigkeit gibt es auch heute noch, nicht nur bei “Wirtschaftsfachleuten”. Neben ihrer engen Organisations- oder anderen Fachkompetenz verstehen sie nichts mehr.