Freitag, 16. Januar 2015
Großfürstin Anastasia plauderte und Premier Viviani wurde schlecht
Während Kaiser Willi 2 Ende Juni 1914 seine jährliche Ferienfahrt Richtung Norden antrat, schiffte Präsident Poincare mit der “France” nach Petersburg zur Festigung der französisch-russischen Allianz.
Es gab eine große Schauveranstaltung, bei der dem pazifistischen französischen Premierminister Viviani wegen der aggressiven Stimmung schlecht wurde. Anastasia, Gattin des Großfürsten und Kommandeurs der zaristischen Garde, Nikolai Nikolajewitsch, brachte die Stimmung am 22.7.14 auf den Punkt:
“ ‘ Der Krieg wird ausbrechen … Von Österreich wird nichts mehr übrigbleiben … Sie werden sich Elsaß und Lothringen zurücknehmen … Unsere Armeen werden sich in Berlin vereinigen … Deutschland wird vernichtet werden …' ”
Clark, Schlafwandler, S. 574
Donnerstag, 15. Januar 2015
Man trifft sich, man plaudert etwas
Nachdem bereits der Makler und Manager Maurice de Verneuil 1913 von Moskau nach Paris berichtet hatte, daß Rußland in den kommenden Jahrzehnten wirtschaftlich sehr stark wachsen werde, begann in “Le matin” am 2.1.1914 eine Artikelserie des Chefredakteurs Stephane Lauzanne unter dem Titel “La plus grande Russie” (Das größere Rußland). Hier handelte es sich um eine konzertierte Aktion, die von Politikern und Zeitungsverlegern dirigiert wurde. “Le Matin” stand Poincare nahe, wie heute die FAZ Merkel.
“Der wohl alarmierendste Beitrag war eine Landkarte mit der Überschrift ‘Der Kriegsplan Rußlands’. Das gesamte Gebiet zwischen Ostsee und Schwarzem Meer war darauf dicht übersät von einem Archipel aus Truppenkonzentrationen, die über ein Gitter aus Bahnlinien miteinander verbunden waren. Aus dem dazugehörigen Kommentar ging hervor, daß ‘dies die genauen Stellungen der russischen Armeekorps zum 31.12.1913’ waren; der Leser wurde ausdrücklich aufgefordert, ‘die außergewöhnliche Ansammlung von Streitkräften an der russisch-preußischen Grenze’ zu beachten.”
Clark, Schlafwandler, S. 538
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Mittwoch, 14. Januar 2015
Die Mediendemokratie
Mit Bildern läßt sich am besten lügen - die HAMAS zB beherrscht das meisterlich, aber auch Hollande, Merkel und Gabriel machen Fortschritte mit ihrer Pariser Inszenierung - sie schlachten schamlos alles aus, was sich ausschlachten läßt. Das Bild hier aus der NZZ v. 11.10.14 zeigt aber echte Demonstranten - linke Kurden, die Waffen für die PKK verlangen, und Salafisten auf der Gegenseite, die mit dem Messer drohen.
“Lügenpresse” ist das “Unwort” des Jahres, gekürt von linken Linguisten. Gibt es die “Lügenpresse”?
Eher nicht, es handelt sich um eine Behauptung der Art, wie jene, Islam bedeute Frieden, oder Zuwanderung bereichere das aufgesuchte Land. Es gibt natürlich Journalisten, die lügen, also mit Absicht etwas Unzutreffendes schreiben, so wie es auch friedliebende Mohammedaner gibt, und welcher chinesische Pianist, sagen wir, jemand wie Lang Lang, wäre nicht eine Bereicherung?
Die Presse, die Medien, also die 80% linken Journalisten, und die 90% linken Chefredakteure, auf die es ankommt, arbeiten so, wie bei den “Unwörtern” des Jahres. 100 linke Oberlehrer und 100 Journalisten von taz, SPIEGEL, SZ und Frankfurter Rundschau, verstärkt von 100 roten Pastoren und 50 linksextremen Bundestagsabgeordneten, telefonieren ein bißchen miteinander und geben 50 Vorschläge nach Darmstadt. Daraus erwählen die linken Linguisten ihren Favoriten. Und das geht dann an alle Medien landauf, landab, garniert mit allerhand Oberlehrerkommentaren. So geht das. Das funktioniert gut. Das hat Wirkung auf Millionen. Da lügt niemand.
Dienstag, 13. Januar 2015
Man kann die Feinde der offenen Gesellschaft auch importieren
Die offene Gesellschaft hat immer Feinde, Volker Zastrow erinnert in der FAS an Poppers grundlegendes Buch. Allerdings sind die Feinde recht unterschiedlicher Art. Die einen kümmern sich wenig um Politik und wollen vom Staat nur versorgt werden. Solche gibt es in der Parteien- und Kanzlerdemokratie immer mehr. Sie verhalten sich aber passiv und überfallen und massakrieren andere Bürger nicht. Sie ermöglichen die linke Fürsorgediktatur.
Die andere Sorte Feinde greift zu Bombe und Kalaschnikow und ist naturgemäß mordsgefährlich. Heinrich Bölls Freundin Ulrike Meinhof und ihre RAF-Mordgesellen gehörten dazu und ihre heutigen Geistesverwandten, die regelmäßig Polizisten und - jüngst in Leipzig - Polizeiwachen angreifen. Und auch Bürger, deren politische Standpunkte sie nicht teilen. Seit 1968 bilden sie den blutigen linken Rand. Ebenso gefährlich sind die importierten Feinde der offenen Gesellschaft. Da sie todesbereit und von einer religiös angehauchten totalitären Ideologie motiviert sind, geht von ihnen eine wachsende Gefahr aus, denn der Kinderreichtum in den Parallelgesellschaften dieses Totalitarismus ist groß. Leider leugnen die meisten Politiker und Chefjournalisten das Problem. Das bedroht die offene Gesellschaft.Montag, 12. Januar 2015
Bildung ist die Lösung? Da lacht der Hominide
NZZ 3.1.15 - Hominidenmentalität
Gründliche Einsicht
Ein Mensch sah jedesmal noch klar:
Nichts ist geblieben so, wie's war.
Woraus er ziemlich leicht ermißt:
Es bleibt auch nichts so, wie's grad ist.
Ja, heut schon denkt er, unbeirrt:
Nichts wird so bleiben, wie's sein wird.
Eugen Roth, Für Lebenskünstler
Aber was bedeutet schon Einsicht. Die vitalen Triebe durchbrechen leicht jede Einsicht, die ohnehin bei den meisten nur eine dunkle Ahnung ist. So erzählte ein Techniker von seinen Jahren in Tansania, die er dort mit seiner Familie an der Küste verbrachte, daß er bestens mit den fast ausschließlich mohammedanischen Nachbarn ausgekommen sei. Möglicherweise habe geholfen, daß er als Zen-Buddhist nicht so ganz ernst genommen worden wäre. Eines Tages aber störte die Kunde des Todesurteils gegen Salman Rushdie wegen Verunglimpfung des Islams die guten Beziehungen, denn die Nachbarn, die meisten hatten in Europa studiert, äußerten sich zustimmend zum Mullah-Urteil und gaben an, daß sie Rushdie lynchen würden, fiele er ihnen in die Hände.
So ist das mit der Tradition. Sie klebt an den Sohlen und verklebt das Großhirn, wo die Einsicht ihren Sitz hat, wenn sie überhaupt vorhanden ist. Und es gibt Religionen, Ideologien und Denkfiguren (“Reinigung durch Weltenbrand”, “Götterdämmerung”), die die Steinzeitmentalität der Hominiden bewahren und gegen jede Einsicht abschirmen. Conditio humana.
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