Mittwoch, 1. April 2015

Nach den preußischen Reformen



Er war kein Aprilscherz, der am 1.4.1815 in Schönhausen geboren wurde: Bismarck. Im Zeitalter der Kabinettspolitik in Europa. Im Deutschen Reich mit rund 1000 reichsunmittelbaren Herrschaften. Bedroht vor allem von Frankreich, das ganz Deutschland besetzt hatte und bis Moskau marschiert war. Waterloo, Napoleon endgültig besiegt, Frankreich ausgeblutet, Wiener Kongreß, Metternich’sche Restauration, Deutschland nur noch gut 300 Stätlein, davon nur Preußen und Österreich von Statur, aber in ständiger Rivalität. Und zerrissen auch konfessionell. Paris hatte den Hochadel unterworfen und die Protestanten ausgerottet oder vertrieben. Und damit ein zentralisiertes Eintopfland hervorgebracht. Österreich verfuhr ähnlich und war die deutsche Vormacht.  
Wie sollte die Politik in Preußen in einer solchen bedrohten Mittellage bei solcher Zersplitterung aussehen? 

Diese Frage besitzt keine schlüssige Antwort.  













Dienstag, 31. März 2015

Und ewig währet die Verdinglichungsphantasie

Das System 1 weiß sofort, welche Linien kürzer sind - liegt aber immer falsch. Müller-Lyer-Täuschung, Graphik: Wikip.


LIEBE UND GESCHÄFT  "Menschen wie Waren auf einem Tisch ausgelegt“!
Diese Überschrift wählte Torsten Teichmann für sein Interview (DLF 29.3.15) mit Eva Illouz, die einen Lehrstuhl für Soziologie in Jerusalem besetzt hält, aber auch Adorno-Vorlesungen am einschlägig bekannten „Institut für Sozialforschung“ in Frankfurt hält.

"Menschen wie Waren“, das kannte Teichmann wohl aus seiner Ost-Berliner Polytechnischen Oberschule, denn bekanntlich verwandeln sich im Kapitalismus die menschlichen Beziehungen in Warenbeziehungen. Sagte Marx. Sagten Horkheimer und Adorno, die Begründer des einschlägig bekannten „Instituts für Sozialforschung“ in Frankfurt. Sagten auch Erich Fromm und viele andere freudianische Neomarxianer der „Kritischen Theorie“.
Symptomatisch für diese antibürgerliche Geisteshaltung bezieht sich Illouz auf den Psychoanalytiker Fromm, der mit seinem Buch „Haben oder Sein“ viel Lob in ZEIT, SPIEGEL, SZ, konkret etc. erntete. Tenor der Schrift war: Güter essen Seele auf. Diese Simpl-Sicht scheint auch in dem Titel auf. Als ob das Leben ohne HABEN zu haben sei!

Schon in der Antike galt das rechte Maß als die Kardinaltugend. Und das richtige Maß für sich selbst herauszufinden, das ist auch heute noch die Grundlage der Lebenskunst. Einfach ist das nicht. Und die passende Partnerwahl gehört dazu. Wer erst in der Partnerschaft merkt, daß der Partner labil ist und säuft und kifft, braucht für die Schläge zusätzlich wahrscheinlich nicht zu sorgen.
Daher sind Partnerbörsen eine große zivilisatorische Errungenschaft. Überlegen! heißt da die Devise, nicht hineinstolpern. In der empirischen Psychologie wird zwischen dem intuitiven, schnellen System 1 und dem langsameren, betulichen, rationaleren System 2 des Denkens unterschieden (vgl. Kahneman, Denken). Während in der direkten Begegnung das System 1 dominiert und zu schnellen Urteilen drängt, die aber falsch sein können, bekommt das überlegende System 2 eine bessere Chance in der Partnerbörse. Das ist eine große Verbesserung.
Fehler allerdings macht auch das System 2, denn die Vielzahl der Partnerschaftseinflußfaktoren von der Genetik bis zur Endokrinologie, von dem Familieneinfluß während des Aufwachsens bis zur Bestimmung der Persönlichkeitsreife läßt sich nicht einfach erfassen. Da müssen beide Systeme gut zusammenarbeiten. Sonst kann es im schlimmsten Fall passieren, daß man neben einem Andreas L. sitzt.












Montag, 30. März 2015

Griechenland




Eine Reihe von europäischen Staaten hat Mindestlöhne eingeführt:
Estland: 488 Euro monatl.
Lettland: 507
Litauen 464
Polen 738
Tschechei: 502
Slowakei: 536
Ungarn: 593
Slowenien: 949
Kroatien: 584
Rumänien: 384
Bulgarien: 380
Griechenland: 764
Quelle: FAZ 28.2.15 (Kaufkraftbereinigt)

Mindestlöhne dämpfen die Beschäftigung vor allem bei unqualifizierten Jugendlichen. Bei den Menschen also, für die eine Anstellung besonders wichtig ist. Ein hoher Mindestlohn hat viel mit Wählerkauf zu tun, daher überrascht zwar der hohe griechische Mindestlohn von 764 Euro in einem rückständigen Balkanland, aber man versteht die Logik.  Die Logik der Korruption.
Da gibt es eigentlich nicht viel Spielraum für  Verständnis. Zudem hat sich Athen den Beitritt zum Euro durch gefälschte Statistiken betrügerisch erschlichen, weswegen die Bundesbank Schröder warnte.
Das alles ist bekannt, und das ist für die Athener Regierung aus Links- und Rechtsradikalen nicht hilfreich. Deswegen schieben sie und ihre Unterstützer in Europa die Gesundheitsversorgung nach vorn: die Leute sterben in Griechenland wegen der deutschen Katastrophenpolitik, ja, die griechischen Säuglinge schon. So auch Volker Reiche in der FAZ.
Da stockt den Schlechtinformierten der Atem. Tote griechische Säuglinge wegen der „Sparpolitik“. Schrecklich, Herr Reiche.
Allerdings muß man wissen, daß auch das griechische Gesundheitssystem seine Besonderheiten aufweist. Die griechischen Krankenhäuser dienen nämlich nicht in erster Linie der Krankenversorgung, sondern der Klientelpolitik. Stellenversorgung für Wahlfreunde ist der Hauptzweck. Die Gesundheitsversorgung ist angeschlossen. Nachgeordnet. Zuerst kommen die Gärtner, Hausmeister und Verwaltungsangestellten, sie stellen 2/3 der Krankenhausbediensteten. Ein Drittel der Stellen entfällt auf das medizinische Personal, auf Ärzte und Krankenschwestern. Das griechische Korruptionsverhältnis.

Noch Fragen, Herr Volker Reiche? 


Nicht nur beim Mindestlohn zum Wählerkauf ist Athen führend. Auch beim Pro-Kopf-Einkommen: Rang 2 mit 28.000 Euro jährlich (2008). Fallend 2013 auf 17.000. Danach kommen mit rund 20.000 Slowenien, Tschechei mit gut 15.000, dann Slowakei. Steigend Estland, Slowakei, Litauen, Lettland, Polen, Rumänien, Bulgarien (ca. 2300 auf 5500).

Unangefochten auf dem 1. Schulden-Platz rangiert Griechenland mit 175% des Bruttoinlandsprodukts (28.700 € pro Kopf).
Über dem Maastricht-Grenzwert von 60% liegen noch Ungarn, Kroatien und Slowenien, alle bei 75%.
Darunter liegen Polen, Slowakei, Lettland, Rumänien, Litauen, Tschechei, Bulgarien und, mit nur 10% Verschuldung (!), Estland. (FAZ 28.2.15)

Noch Fragen, Herr Volker Reiche? 














Sonntag, 29. März 2015

Gräßliche Geschichte(n)






Lenins Spießgesellen Nikolai Bucharin und Alexei Iwanowitsch Rykow 1938 vor dem Schaugericht des großen Schlächters Stalin (Foto: Wikip.)  

Der Kampf um die Macht ist kein einfacher, wenn mehrere ähnlich starke Bewerber nach vorne drängen. Im Bürgerkrieg nach Caesars Tod fanden sich die Konkurrenten in der Dreimännerherrschaft zusammen (Triumvirat). So etwas hält nicht lange. Eine bürokratisierte Form der Mehrmännerherrschaft findet sich im Politbüro der Kommunistischen Parteien. Auch sie wird schnell zur Farce. Nachdem sich Stalin mit Tricks gegen Trotzki als Generalsekretär durchgesetzt hatte, ermordete er bis 1938 alle alten Rivalen des Leninschen Politbüros, zum Teil in groß inszenierten, grotesken Schauprozessen.
Stalins Beispiel erinnert an Cesare Borgia, dessen Beispiel Machiavelli empfiehlt:
“Nachdem der Herzog (Cesare Borgia, WD) die Romagna unter sich gebracht hatte, so fand er, daß dies Land ohnmächtigen Herren angehört hatte, die ihre Unterthanen mehr ausgeplündert als regiert, und mehr Unordnung veranlaßt, als öffentliche Ordnung gehandhabt hatten, so daß diese Provinzen voll von Straßenraub, Parteigängerei und aller Art von Gewaltthätigkeit waren. Er fand also nöthig, sie zu beruhigen und der Obrigkeit unterthan zu machen. Zu diesem Ende gab er ihr den Remiro d'Orco zum Vorgesetzten, einen entschlossenen und grausamen Mann. Ihm ertheilte er volle Gewalt. Derselbe erwarb sich großen Ruhm, indem er das Land in kurzer Zeit zur Ruhe und Sicherheit brachte. Hierauf aber schien es dem Herzoge, daß eine so ausnehmende Gewalt nicht mehr gut angebracht sei, weil sie verhaßt werden möchte. Er ordnete also unter dem Vorsitze eines ganz vorzüglichen Mannes mitten im Lande einen Gerichtshof an, bei welchem jede Stadt ihren Vertreter hatte. Weil die vorige Strenge aber einigen Haß erzeugt hatte, so suchte er diesen auszulöschen und das Volk vollends dadurch zu gewinnen, daß er ihm bewiese, alle begangenen Grausamkeiten rührten nicht von ihm her, sondern von der rauhen Gemüthsart seines Stellvertreters. Er ergriff die erste Veranlassung, ihn eines Tages zu Cesena auf dem öffentlichen Markte in zwei Stücke zerrissen auszustellen, mit einem Stücke Holz und einem blutigen Messer zur Seite. Durch diesen gräßlichen Anblick erhielt das Volk einige Befriedigung und ward eine Zeit lang in dumpfer Ruhe gehalten.” Machiavelli, Fürst, 7. Kap., Reclam S. 61
Da stockt dem modernen Leser der Atem. Er kann aber nicht umhin, angesichts der Ausgangslage völliger Unordnung und allgemeiner Räuberei das Ergebnis, nämlich die Befriedung der Romagna, als positiv anzuerkennen. Wäre das gelungen, wenn direkt ein Gerichtshof eingesetzt worden wäre? Das ist leider zu bezweifeln, weil Gewalttäter auch vor Richtern nicht haltmachen. Nach der gewalttätigen Ausschaltung der führenden Verbrecher war aber ein Gerichtshof sehr wohl möglich. Welches Maß an Grausamkeit aufgewendet werden muß, um zur Befriedung zu gelangen, bleibt allerdings zu diskutieren. Man mag dies tun, muß dabei aber auch an den „Islamischen Staat“ und an „Boko Haram“ etc. denken. Naiven Frauen, und nicht nur diesen, kann man von der Lektüre Machiavellis nicht abraten:
  • 20 Jahre Haft für Mörder der AP-Journalistin Anja Niedringhaus

  • Der Mörder der deutschen Foto-Journalistin Anja Niedringhaus ist in Afghanistan zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Oberste Gerichtshof in Kabul reduzierte die Strafe für den ehemaligen Polizisten, der ursprünglich zum Tode verurteilt worden war. Der Täter hatte die Journalistin vor rund einem Jahr in der Stadt Chost im Südwesten des Landes erschossen. Zudem verletzte er die AP-Reporterin Kathy Gannon schwer, die mit Niedringhaus über die Wahlen in Afghanistan berichtet hatte. Die Hintergründe der tödlichen Schüsse sind bis heute unklar.” (DLF 29.3.15)  

Die Hintergründe sind allerdings klar. Der Mann hat “Allahu akbar” gerufen, als die beiden Frauen aus dem Westen nicht das Verhalten zeigten, das das mohammedanische Buch für Frauen vorschreibt. Der Mörder wird demnächst, damit ist ziemlich sicher zu rechnen, von außen befreit werden.












Samstag, 28. März 2015

Was wollen die Delphine?










Alles so schön friedlich hier - Verbildung durch Bilder; hier ein Stich von Matthaeus Merian aus der Luther-Bibel.


Frage eines Tiergläubigen: 
Sollte man also Haie und Wölfe ausrotten damit es nie niemals zu Unfällen kommt?
Was ist mit Wildschweinen, die können einen auch töten?
Auch ausrotten?
Menschen kommen immer wieder durch Wildunfälle auf der Autobahn um's Leben.
Vielleicht sollte man am besten alle Wildtiere, die größer als ein Igel sind, ausrotten, um das menschliche Unfallrisiko zu minimieren, egal wie gering die Wahrscheinlichkeit ist?


Antwort eines Tierreligionslosen: 
Haie betreffend würden die kleinen Hai-Arten, die Robben und die Delphine antworten: alle großen Haie ausrotten.
Elche, Rene, Hirsche, Rehe, Kühe und Schafe würden für den völligen Abschuß aller Wölfe plädieren.
Der kluge Mensch würde einen Mittelweg beschreiten. So, wie er auch Tierwechsel-Warnschilder an betroffenen Straßen aufstellt.
Wildschweine leben in Deutschland überwiegend in eingezäunten Wildparks und werden dort und außerhalb bejagt.
Sie sind nicht aggressiv, wie der Wanderer im Wildpark weiß, können aber Felder stark zerwühlen, wenn man sie läßt.