Montag, 29. Mai 2017

Kompetenzkompetenz



Adorno und Horkheimer rechneten 1946 in „Dialektik der Aufklärung“ auf ihre Weise mit der Aufklärung ab. Sie stand für Wissen und Wissenserwerb. Und für die Hypothese, das Wissen die Welt verbessere. Das habe sich, so Horkheimer und Adorno, als falsch herausgestellt. Es war der Zündfunke für die „Kompetenz“. Die Didaktiker Heinrich Roth und Wolfgang Klafki nahmen den Impuls auf und dachten das weiter in die Schule hinein. Allgemeine Lernziele der gymnasialen Oberstufe sollten 1972 nach Vorgabe des Kultusministeriums sein:
- dem Schüler eine wissenschaftspropädeutische Ausbildung zu vermitteln
- dem Schüler Hilfen zur Selbstverwirklichung in sozialer Verantwortung zu geben.
(Schule in NRW, Richtlinien Gymnasiale Oberstufe)
Seitdem wird der zweite Punkt immer stärker betont gegenüber dem ersten, und er ist jetzt auch in den Universitäten angekommen. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Wenn man nach Amerika blickt, dann ist zu erwarten, daß der Wissenserwerb weiter an Bedeutung verliert und demnächst in den Labors von Harvard und Stanford nur noch Chinesen, Japaner und Koreaner anzutreffen sein werden, bei denen die Kompetenz noch nicht richtig angekommen ist.
Damit soll nicht der Paukschule das Wort geredet werden. Das rein repetitive Lernen ist zu wenig, weil es zu eng fachborniert ist. Es bedarf der Erweiterung in Anwendungssituationen. Aber keinesfalls so weit, daß es den Wissenserwerb einschränkt. Wie dies hinterrücks der Fall ist.

"Landarztkompetent – wie wird man das?
Gewusst, wie, aber nicht, warum: Kompetenzorientierung wird jetzt auch Medizinstudenten verschrieben. Ist es das richtige Rezept? Oder das Ende des Fachs und der Medizin?
Von Josef Pfeilschifter  F.A.Z. - Forschung und Lehre
MITTWOCH, 24.05.2017

Ihr werdet sein wie Gott“, sagte die Schlange, „und werdet wissen, was gut und böse ist.“ Und Adam und Eva bissen in den Apfel und wurden wissend und gottähnlich. Und Gott warf sie aus dem Paradies. Der Sünde halber, aber auch, weil er fürchtet, dass der Mensch auf die Idee kommen könnte, vom nächsten verbotenen Baum im Paradies zu naschen: von dem des Lebens. Nicht unserer Kompetenz des Apfelpflückens und -essens halber wirft er uns hinaus, nein, des Wissens wegen wurden wir vertrieben. Kompetent, aber unwissend – das war der paradiesische Zustand. Kompetent, aber wissend – das ist der seitherige Zustand. Den paradiesischen Zustand – kompetent, aber unwissend – wiederherzustellen ist seit einiger Zeit das Ziel der Universitätspolitik in Deutschland und im Masterplan 2020 nun auch für die Medizin.

„Kompetenz“, so schreibt der Duden, „ist ein feminines Substantiv, und bedeutet erstens: Sachverstand, Fähigkeit; und zweitens, besonders in der Rechtssprache: Zuständigkeit.“ Das klingt nun fast so gut wie das Versprechen der Schlange, hätten nicht die Pädagogen den Apfel der „Kompetenzorientierung“, in den die Universitäten nun beißen sollen, gründlich vergiftet. „Kompetenzen“, so liest man da in der gängigen pädagogischen Definition von Franz Emanuel Weinert, „sind die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten.“ Das ist schon beeindruckend, denn offenbar ist man schon dann kompetent, wenn man es noch nicht ist, es aber werden könnte. ..."

















Sonntag, 28. Mai 2017

Toru Takemitsu: I Hear the Water Dreaming / Hiroshi Koizumi

Alles hat sein Gutes



Wir leben in einer Zwischeneiszeit, die nächste Eiszeit ist zu fürchten. (Warmzeitdefinition: beide Pole eisfrei). In den den letzten 2000 Jahren ist das Klima mit Schwankungen ziemlich stabil geblieben. In der Römerzeit und im Mittelalteroptimum war es so warm wie heute. In der Kleinen Eiszeit - die Goethezeit lag am Ende - war es kühler. Die Klima-Alarmisten wählen immer das Ende der Kleinen Eiszeit bis heute als Vergleichszeitraum - ein Trick.

Jetzt erfolgte mutmaßlich der erste Schritt, den Klimaklamauk abzuräumen und riesige Gelder in sinnvolle Projekte zu lenken.









Nach Indien


"Pharmastandort Basel
Novartis baut radikal um
von Sergio Aiolfi NZZ 18.5.2017
Im Hauptquartier von Novartis kommt es zu einem Umbau. Chemie wird abgebaut, Biotechnologie ausgebaut. Ausserdem werden Jobs von Basel nach Indien transferiert.
Novartis plant eine umfassende Umstrukturierung am Standort Basel, die auch Beschäftigte stark in Mitleidenschaft ziehen wird. Der Pharmakonzern plant, in den nächsten anderthalb Jahren am Hauptsitz, dem Campus, sowie im nahe gelegenen Industriegelände von Schweizerhalle zwei Produktionsanlagen stillzulegen; die Fabriken, die der chemischen Herstellung von Wirkstoffen dienten, sind in jüngerer Zeit nur noch unzureichend genutzt worden. Ausserdem ist vorgesehen, Funktionen in den Bereichen Koordination und Entwicklung, die bisher in Basel angesiedelt waren, aufzuheben und in das Shared-Service-Center nach Hyderabad in Südindien zu verlegen. In Basel werden diese Massnahmen zusammen die Streichung von 500 Stellen zur Folge haben.
Gleichzeitig werden – ebenfalls in der Rheinstadt – 350 neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Ausbau betrifft vorab den Bereich Medikamentenentwicklung sowie die Herstellung von innovativen biotechnologischen Produkten. Mit der Umstrukturierung werden mit anderen Worten «alte» oder wenig wertschöpfungsintensive Tätigkeiten abgebaut und moderne und mutmasslich zukunftsträchtige Entwicklungs- und Produktionskapazitäten aufgebaut. ..."
Was für das Unternehmen sinnvoll ist und für Indien angenehm, kann für den Standort Basel nicht überzeugen. Auf diese Weise wird Niedrig-IQ-Arbeitslosigkeit aufgebaut; da muß die Nation Schweiz gegensteuern.