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Dienstag, 26. April 2022

Amerikanismus/Antiamerikanismus

 “Der Einfluß des Amerikanismus ist so enorm, weil er in mancher Hinsicht anderen Geistesströmungen ähnelt, die den jungen Deutschen heute formen: Marxismus, die materialistische Geschichtsphilosophie, die rein animalistische Gesellschaftsdoktrin, Kommunismus, deren niveaulose Angriffe gegen das individualistische und das metaphysische Sein gerichtet sind. 

Ich persönlich bin gegen Amerikanismus. Ich bin der Meinung, daß die Philosophie des rein utilitaristischen Denkens, des Optimismus a tout prix, des ‘keep smiling’, des dauernden Grinsens auf den Zähnen, dem abendländischen Menschen und seiner Geschichte nicht gemäß ist.”

Benn, Über den amerikanischen Geist, 1928, Ges. Werke 4, S. 202


So hat es nicht nur Benn gesehen, sondern auch viele andere, wobei sie sich auch auf Landeskundige wie Adolf Halfeld bezogen haben. Jeder Reisende nimmt seine Vorstellungen mit und biegt oft das, was er sieht, in seinem Sinne hin. So verfuhr Adolf Halfeld in den USA, so tat es der islamistische Ideologe Sayyid Qutb ebendort und bei Putin in Deutschland dürfen wir Ähnliches vermuten.




Samstag, 16. Februar 2013

Besser ist das



Dževad Karahasan würdigte in der FAZ v. 14.2.13 Josef Ratzinger: "Menschen vom Schlag Benedikts braucht die Welt". Der bosnische Autor und Mohammedaner schätzt Ratzinger als einen Mann des Dialogischen und der Gelehrsamkeit. Letzteres gefällt mir ebenfalls, obwohl ich die Dinge aus ganz anderer Perspektive sehe. Man kann der Welt nicht mit Gelehrsamkeit kommen. Aber man kann aus dem Zirkus aussteigen, was Ratzinger zum Monatsende tun wird. Mit 85 Jahren darf man zurückschalten und die verbleibenden Jahre so gestalten, wie es einem erstrebenswert erscheint. Ratzinger will sich nicht mehr an die Öffentlichkeit wenden und in ein Kloster gehen.  

Es ist so, wie schon Epikur, der Platon-Verächter, es sah: das politische Handeln macht nicht glücklich. Für die katholische Kirche, für die Kirchenpolitik gilt das gleiche wie für jede andere bürokratische Organisation. Sie sind alle Intrigantenstadel, wobei intrigierende Kirchenfunktionäre ihre Leute sogar nahe am Papst selbst plaziert hatten. Wenn man den Kammerdiener vom Schreibtisch des Chefs stehlen läßt, dann zeigt das die Dreistigkeit der frommen Drahtzieher. Wer will sich den Lebensabend mit solchem Pack verdüstern? Ratzinger will es nicht, und er hatte auch keine Lust, sich die Finger schmutzig zu machen durch Disziplinarmaßnahmen. Ratzinger ist kein Machtmensch, wie es Platon (Politeia, Dionysios II.) sein wollte. Ratzinger ödeten offenbar die Machtspielereien an. Ich finde das sympathisch.  
  
Benn 
ANEMONE 

Erschütterer  -:  Anemone, 
die  Erde  ist  kalt,  ist  Nichts, 
da  murmelt  deine  Krone 
ein  Wort  des  Glaubens,  des  Lichts. 
Die  Erde  ohne  Güte, 
der  nur  die  Macht  gerät, 
ward  deine  leise  Blüte 
so  schweigend  hingesät. 
Erschütterer  -:  Anemone, 
du  trägst  den  Glauben,  das  Licht, 
den  einst  der  Sommer  als  Krone 
aus  grossen  Blüten  flicht. 

Gilt auch für Schneeglöckchen 
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