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Montag, 13. Mai 2019

Das waren die Zeiten ohne Wasserleitung



Auch Dürer porträtierte Erasmus
(Rechte Museum Melanchthonhaus Bretten)

Nett formuliert:
“Was meint ihr: ist es der Kopf, das Gesicht, die Brust, die Hand, das Ohr, kurzum, ein sogenannter edler Teil, was einem Gott, was einem Menschen das Leben gibt? Ich denke nein; vielmehr ein dermaßen törichtes, dermaßen lächerliches Etwas am Menschen ist der Stammhalter seines Geschlechts, daß man es, ohne zu lachen, gar nicht nennen kann; aber dieses Etwas ist der wahre heilige Quell, aus dem alle Wesen ihr Leben schöpfen, und nicht, wie der gute Pythagoras meinte, die Vierzahl.”

Erasmus von Rotterdam,. Das Lob der Torheit (German Edition) . Projekt Gutenberg-DE. Kindle-Version.
Nett formuliert, aber doch verräterisch. Auch der gescheite Christ, der gelehrte Christ bleibt ein beschränkter Kopf, der keinen Gedanken an die Wasserleitung, die Ingenieurskunst und die Naturwissenschaft verschwendet. Dieser Mangel entdeckt, warum das Christentum die Menschen so lange im stinkigen und finsteren Mittelalter gehalten hat. Das Menschenbild war völlig falsch, inspiriert und dominiert von Göttern, Geistern und Dämonen. Da stritten sich die Doktoren der Scholastik, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz fänden, statt darüber nachzudenken, wie ihre täglichen Stoffwechselendprodukte hygienisch und unstinkig zu entsorgen wären.

In den Häusern war es kalt, man sieht es an der Kleidung des Erasmus. Noch kälter aber waren die Aborte hinter dem Haus. Den Gang dahin in der Kälte scheute mancher Stadtbewohner in mehrgeschossigen Häusern, so daß der Magistrat entsprechende Vorschriften und Strafen beschloß, um die Passanten auf der Straße schützen, die aber auch der Stadtreinlichkeit allgemein dienen sollten. Die Durchsetzung bereitete Schwierigkeiten, so wurde beispielsweise Albrecht Dürer in Nürnberg wegen Zuwiderhandlung verwarnt. Dürer - man kann den Ort im Nürnberger Dürerhaus besichtigen - defäkierte aus dem 1. Stock dem Passanten auf den Kopf, wenn der Pech hatte und gerade unten vorbeiging.















Samstag, 11. Mai 2019

Silvana Koch-Mehrin, Annette Schavan, Karl-Theo Guttenberg, Franziska Giffey gewidmet






Erasmus. Lob der Torheit. Ein zeitloses Thema. Auch wenn die Schrift schon 1508 entstand auf der Reise nach Italien. Sie wurde Teil des europäischen Kanons, ein unschätzbares Erbe des zum Mönch gezwungenen Gelehrten, uneheliches Kind eines Pristers und der verwitweten Arzttochter Margaritha Rogerius. So zeitlos ist diese ironische Schrift, daß man mit Zitaten aus ihr Gegenwärtige bedienen kann, zum Beispiel Silvana Koch-Mehrin, Annette Schavan, Karl-Theo Guttenberg, Franziska Giffey und viele andere mehr, bekannte und unbekannte Damen und Herren. Daß schlechte Literatur und Plagiate damals und heute erfolgreich sind, sagt einiges über das krumme Holz aus, aus dem nach Kant der Mensch geschnitzt ist.
 
“Da ist doch ein Schriftsteller von meinen Gnaden viel glücklicher in seinem Wahn: er braucht nicht bei der Lampe zu wachen; sobald ihn die Lust ankommt, schmiert er hin, was in die Feder läuft, und wären es nur seine Träume – was kostet's ihn mehr als das Papier? Und dabei weiß er: je kindischere Kindereien er schreibt, desto mehr loben ihn, nämlich alle die Toren und Banausen. Denn jene paar Kenner lesen derlei nicht, und wenn, dann ist es doch keine Sache, ihr Urteil in den Wind zu schlagen; oder was bedeuten die Stimmen der Handvoll Weisen, wo eine so riesige Übermacht sie niederschreit? Eine feinere Nase noch haben die Schlauen, die Fremdes als Eigenes herausgeben und den Ruhm, den ein andrer sich sauer verdient hat, mit ein paar Federstrichen auf ihre Mühle leiten, in der Gewißheit, selbst wenn man sie dereinst des Diebstahls überführt, doch eine Zeitlang sich der Nutznießung zu erfreuen.”

Erasmus von Rotterdam,. Das Lob der Torheit (German Edition) . Projekt Gutenberg-DE. Kindle-Version.