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Montag, 23. August 2021

TAG DES WISSENSCHAFTLICHEN IRRTUMS

 TAG DES WISSENSCHAFTLICHEN IRRTUMS

Wissen ist schick. Und gewährt viele Vorteile. Besonders der Blick in die Zukunft, die niemand kennt und auf die man sich gerne einstellt, ist begehrt, um Schaden zu vermeiden. Priester und Seher aller Zeiten gaben vor, in die Zukunft blicken zu können. Aus dem Orakel von Delphi wurde eine Zunft von Untergangspropheten, aus dem Apokalyptiker Johannes wurde Oswald Spengler und heute Hans Joachim Schellnhuber. Der Blick in die Zukunft gibt sich in der Moderne gerne wissenschaftlich. Dabei wird gerne übersehen, daß die Wissenschaft aus einer Kette von Irrtümern besteht, die mühsam überwunden wurden und werden. Oft leisten dabei Außenseiter die Hauptarbeit, und ihre Arbeit wird manchmal erst nach ihrem Tode anerkannt. Der Arzt Ignaz Semmelweis (1838-65) landete sogar in der Psychiatrie, der Mathematiker und Physiker Ludwig Boltzmann (1844-1906) gar brachte sich um. Der Meteorologe und Entdecker der Kontinentalverschiebung Alfred Wegener (1880-1930) mußte den Spott der Geologen ertragen und wurde erst viel später anerkannt. 

Mit der Erforschung der Gegenwart hatten die Wissenschaften stets genug Probleme. Die Zukunft ist ihnen nicht zugänglich. 

Um einer Überschätzung der Wissenschaft zu begegnen, sollte man dringend einen TAG DES WISSENSCHAFTLICHEN IRRTUMS einführen.


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Ein Maulheld








Ignaz Semmelweis (1818-1865), ein Held der medizinischen Welt

(Bild: Wiki.)





Warum kümmerte er sich nicht um den Typhus?
Immerhin starb er mit erst 24 Jahren daran, 1837 war das. Geboren wurde Georg Büchner also 1813, am 17. Oktober. Stattdessen beschäftigte er sich amateurhaft mit Schädelnerven, und darüber ging auch seine Probevorlesung in Zürich 1836 an der Philosophischen Fakultät. Schließlich war er zum Dr.phil. promoviert worden mit einer Arbeit über die Schädelnerven der Barben. 
An den Schädelnerven dieser Fische verstarb niemand in dieser Zeit, in der die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 40 Jahren lag. An Typhus, Cholera und anderen Krankheiten verstarben aber viele seiner Mitbürger. Allein das Kindbettfieber hätte doch einen jungen, intelligenten Mann wie Büchner zur Erforschung dieser Krankheiten motivieren können! Müssen! Aber der Typ war gleichgültig gegenüber seinen leidenden Mitmenschen, den vielen Müttern, die mit 20 Jahren nach der Entbindung starben. Doch die Schädelnerven der Fische interessierten ihn offenbar. Es blieb einem mutigen, mitfühlenden Arzt wie Ignaz Semmelweis überlassen, den Zusammenhang zwischen den damaligen ärztlichen Sauereien und Kindbettfieber zu klären. Die Medizin steckte 1850 noch in den Kinderschuhen. Der Zeitgenosse Büchners mußte schwer für diese Heldentat büßen (Semmelweis-Reflex).
Der dem Leid seiner Mitmenschen ebenfalls nicht stumpf gegenüberstehende polnische Pathologe Tadeusz Browicz beschrieb 1874 ein Bakterium als Erreger des Typhus, Karl Joseph Eberth und Robert Koch klärten 1880 weiter auf (Eberthella typhosa), Georg Gaffky konnte 1884 das Bakterium züchten und schließlich steuerte der amerikanische Tierarzt Daniel Elmer Salmon 1889 durch Arbeiten zur Schweinecholera seinen Namen zur Benennung der Gattung SALMONELLA bei. Salmon ebnete auch den Weg zur Impfung gegen Typhus, die heute in den zivilisierten Ländern praktisch verschwunden ist.

Auch Büchner hätte zu diesen menschenfreundlichen medizinischen Großtaten beitragen können. Vielleicht hätte ihm konstruktive Forschung sogar das Leben gerettet? Er starb als Maulheld.