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Sonntag, 28. April 2019

Die Grillen der Geschichte






“Das Reich, später römisches Reich, noch später Heiliges Römisches Reich, zuletzt Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation genannt, ist für die deutsche Geschichte nicht so sehr für seine Erfüllung bedeutungsvoll gewesen, denn so recht erfüllte Wirklichkeit war es nie. … gab es im Reich 1798 territoriale Herrschaften … Das alte Reich wurde, praktisch auf seinen (Napoleons, WD) Befehl, aufgelöst. … so mochte er sich wohl als der wahre und starke Erbe des mittelalterlichen Reiches … als der neue Karl der Große dünken. Ein Mißverständnis. Europa wollte im 19. Jahrhundert nicht auf das übernationale ‘Reich’, sondern auf Nationalstaaten hinaus; eine Entwicklung, welche das kaiserliche Abenteuer wesentlich beschleunigte.” (Golo Mann, Dt. Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, S. 26f., 65)

Ja, Napoleon, der von Großmannssucht getrieben Parvenü nutzte den französischen Hypernationalismus als Volksführer für seine ganz Europa überziehenden Kriege, mit denen er die Grenzen - an Karl anknüpfend - weiter nach Osten ausdehnen wollte. Damit befeuerte er den Nationalismus der anderen Länder.   

Heute denken die Brüsselkraten warm an Karl.










Mittwoch, 23. Oktober 2013

Beethoven hat reagiert


Übergang über die Beresina 1812 - Napoleon hatte sich schon davongemacht - geschönte Darstellung von January Suchodolsky 1866

(Bild: Nationalmuseum Posen / Wiki.)

Ernst Büchner war der Vater Georg Büchners, er selbst Sohn des Dorfchirurgen Jakob Büchner. Als Chirurgengehilfe begann Vater Ernst in der niederländischen Armee und wechselte dann zu Napoleon. Da hatte er viel zu tun quer durch Europa. Ströme von Blut, verstümmelte Soldaten und Zivilisten, Sterbende und Tote muß er tausendfach erlebt haben. Der junge Beethoven ließ sich ebenfalls vom Charisma Napoleons blenden, aber er war ein Komponierstubenbewohner, er griff nicht zur Amputiersäge, er sah nicht die Leichenberge nackter und verwesender Soldaten aufgetürmt, die Napoleon überall hinterließ. Und Beethoven strich die Napoleon-Widmung seiner 3. Sinfonie “Eroica”, als sich der korsische Militärdiktator 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen krönte:

„Ist der auch nicht anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen; er wird sich nun höher, wie alle Anderen stellen, ein Tyrann werden!“  


Dagegen soll Ernst Büchner zeitlebens stolz darauf gewesen sein, zur “alten Garde” des Großkriegsverbrechers Napoleon gehört zu haben, so der Büchner-Biograph Ernst Johann. Büchner Vater gehörte nicht zu den hessisch-darmstädtischen Grenadieren, die an der Beresina erschossen oder auf der Brücke zertrampelt wurden. Ernst Bü., den man also als unbelehrbaren politischen Spinner und mitleidlosen Soldatenchrirurgen ansehen muß, wurde hessischer Beamter und Obermedizinalrat in Darmstadt, denn Herzog Ludwig I. baute ein öffentliches Gesundheitswesen auf. 
Daran konstruktiv mitzuwirken hatte aber der Sohn Georg Büchner keine Lust. Kranke waren ihm einfach egal, so wie seinem Vater die Blutzüge Napoleons.