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Montag, 18. Mai 2020

"... sei nur die Persönlichkeit."



Wieviel Genetik ist im Spiel?
Da kann man sich heute nicht mehr dumm stellen.

“Autismus, Dyslexie, Sprachverzögerung, Sprachstörung, Lernbehinderung, Linkshändigkeit, schwere Depression, manisch-depressive Erkrankung, Zwangsneurose, sexuelle Orientierung und viele andere Merkmale weisen eine familiäre Häufung auf, treten bei eineiigen Zwillingen öfters als bei zweieiigen Zwillingen gemeinsam auf, werden zuverlässiger durch die biologische Verwandtschaft als durch die Stief- und Adoptivverwandtschaft vorhergesagt und lassen sich kaum durch meßbare Eigenschaften der Umwelt prognostizieren.” 

(Pinker, Das unbeschriebene Blatt, Die moderne Leugnung der menschlichen Natur, 2003, S. 73f.)















Mittwoch, 14. März 2018

Vom Mythos zum Logos









Stimmt!

"“Following C. P. Snow, we can call it the Second Culture, the worldview of many literary intellectuals and cultural critics, as distinguished from the First Culture of science. Snow decried the iron curtain between the two cultures and called for a greater integration of science into intellectual life. It was not just that science was, “in its intellectual depth, complexity, and articulation, the most beautiful and wonderful collective work of the mind of man.” Knowledge of science, he argued, was a moral imperative, because it could alleviate suffering on a global scale by curing disease, feeding the hungry, saving the lives of infants and mothers, and allowing women to control their fertility.”

Pinker, Steven. Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress (S.33-34). Penguin Publishing Group. Kindle-Version.

Romane lesen reicht nicht.






Montag, 12. März 2018

Gut gerufen



„Enlightenment now“ ruft Steven Pinker in seinem neuen Buch der Welt zu. Bravo. Der Mann ist rührig und hat etwas zu sagen. Aber welche Aufklärung meint er?

Die Liste ist ziemlich lang und reicht von dem Theologen Karl Friedrich Bahrdt bis zu Voltaire, von Kant bis Hume, von Adam Smith bis Friedrich II., von Diderot bis Rousseau. Und gerade so eine präfaschistische Type wie Rousseau mit seinem Volonte generale hat leider in einem Punkt recht. An diesem Punkt arbeitet Damasio seit langem, sein neuestes Buch komplettiert seine Untersuchungen: „Am Anfang war das Gefühl“. Eine Distanzierung vom Gefühlsapparat mit seinem stammesgeschichtlichen Erbe ist den wenigsten Menschen auch nur teilweise möglich.

Freitag, 29. September 2017

Die CDU hat das alles übernommen







Vor knapp einem Jahr begann die Sex-Affäre um den damaligen Landtagsabgeordneten Förster. Er hatte Frauen missbraucht und Freundinnen heimlich beim Sex gefilmt. Nun hat ihn das Augsburger Landgericht zu einer Haftstrafe von fast vier Jahren verurteilt. »”  Focus 29.9.17

Kriminalität gibt es in allen Populationen und in allen Parteiungen.
Die Frage ist, wieviel. Gibt es da Unterschiede?
Von Gerold Becker bis Cohn-Bendit, von Edathy bis Förster kann man wissen, daß Sexualdelikte Männersache sind und vermuten, daß sie bei Zölibatären, Rocksubkulturellen und Rotgrünen gehäuft vorkommen.
Steven Pinker widmet dem Anschwellen von Kriminalität nach langem Rückgang in seinem Buch “Gewalt” ein Unterkapitel: ‘Entzivilisation in den 1960er Jahren’ (Pinker, Gewalt, S. 170). Er zitiert Filme und Fälle von “Little Murder” bis Keith Moon, der Dutzende von Hotelzimmern zerstörte, seine Frau schlug, seinen Leibwächter überfuhr und schließlich 1978 an einer Überdosis krepierte. Ich füge noch den Fall des Sid Vicious von den Sex Pistols hinzu, der seine Freundin Nancy Spungen 1978 aus Spaß erstach.

Jede neue Generation junger Männer muß neu zivilisiert werden, genau das wurde in den USA vernachlässigt. Aber das ist auch in Europa und in Deutschland der Fall, die Kriminalitätsraten stiegen und steigen. Eine besondere Rolle spielt dabei die SPD, die den Schulen fast alle Strafmöglichkeiten verbot und grundsätzlich die Permissivität vertritt, wie sie auch der SPD-Bürgermeister Münchens pflegt, indem er das besoffene Pack vom Oktobersauffest im Bahnhof nicht abräumen, sondern einfach liegen läßt zur Belästigung zivilisierter Bürger.








Montag, 8. August 2016

Natürlich






Was Max Stirner und Ayn Rand philosophisch ertasten, wird bei dem Biologen Maturana in den biologischen Blick genommen. Zahlreiche Psychologen haben die individuellen genetischen Vorgaben weiter untersucht und erforscht, besonders bekannt wurden Seligman und Pinker. Der Name gibt schon den Hinweis, daß sich Seligman von der therapeutischen Seite dem Thema nähert:

„Dealing with your symptoms is beginning to look more important again in light of the most important research finding in the field of personality of the last quarter of the 20th century: that most personality traits are highly heritable. Symtoms often, but not always, stem from personality traits. As such, I believe that they modifiable, but only within limits. … the negative emotions and the negative personality traits have very strong biological limits, and perhaps the best science and practice will ever do with the approaches I review in this book is to encourage people to live in the best part of their set range of psychological symptoms. Think about Lincoln and Churchill., both likely unipolar depressives. They were both enormously productive human beings who dealt with their ‚black dogs‘ and functioned beautifully even when very depressed.“

(Martin Seligman, What you can change, and what you can’t, Vorwort, 2006)

Bei der Erblichkeit von Persönlichkeitseigenschaften verweist Seligman auf den Kollegen Steven Pinker am MIT:
“Autismus, Dyslexie, Sprachverzögerung, Sprachstörung, Lernbehinderung, Linkshändigkeit, schwere Depression, manisch-depressive Erkrankung, Zwangsneurose, sexuelle Orientierung und viele andere Merkmale weisen eine familiäre Häufung auf, treten bei eineiigen Zwillingen öfters als bei zweieiigen Zwillingen gemeinsam auf, werden zuverlässiger durch die biologische Verwandtschaft als durch die Stief- und Adoptivverwandtschaft vorhergesagt und lassen sich kaum durch meßbare Eigenschaften der Umwelt prognostizieren.”

(Pinker, Das unbeschriebene Blatt, Die moderne Leugnung der menschlichen Natur, 2003, S. 73f.)













Sonntag, 19. Mai 2013

Man nehme








»Man gebe mir ein Dutzend gesunder Säuglinge und eine von mir gestaltete Umwelt, um sie aufzuziehen, und ich würde garantieren, dass ich jeden trainieren könnte zu jeder  beliebigen Spezialität  - Arzt, Anwalt, Künstler, Händler und, ja sogar Bettler und Dieb, unabhängig von seinen Talenten, Tendenzen, Fähigkeiten, Berufungen und der Rasse seiner Vorfahren. Ich gebe zu, dass ich hiermit mein faktisches Wissen überschreite, aber genau das tun auch die Vertreter der gegenteiligen Meinung seit vielen tausend Jahren.« (John B. Watson, 1930, S. 104; Übersetzung Asendorpf, Persönlichkeit S. 30)  
Beachtlich, was hochintelligente Leute seit Platon an Blödheiten abgesondert haben. Ohne wissenschaftliche Verbildung wären sie vielleicht so klug gewesen, aus der Beobachtung anderer Tiere auf das Verhalten des Menschen zu schließen. Watson teilt hier, grob betrachtet, die Vorstellung des Empiristen John Locke (1632-1704), der in seinem “Versuch über den menschlichen Verstand” die Erfahrung als Quelle der Geistesinhalte angab. Den Geist nannte er ein unbeschriebenes Blatt, was den kognitiven Psychologen Stephen Pinker zu seinem bekannten Buchtitel verhalf. Locke betrachtete die frühen Erfahrungen als besonders wichtig, und das tat auch der ebenfalls hochintelligente Psychosektierer Freud. Seine Jünger und Schüler verdrängten in den 1960er Jahren die Behavioristen. Pinker faßt zusammen:
“ Die Freudianer theoretisierten, wir würden von unserem Erfolg beim Entwöhnen, von der Sauberkeitserziehung und der Identifikation mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil geprägt, und rieten Eltern, Säuglinge nicht in ihr Bett zu holen, weil das schädliche sexuelle Wünsche wecken würde. Alle spekulierten, daß psychische Störungen den Müttern angelastet werden könnten: Autismus ihrer Gefühlskälte, Schizophrenie der ‘Doppelbindung’ oder Beziehungsfalle, Magersucht dem Perfektionszwang, dem sie Mädchen unterwarfen. Geringe Selbstachtung wurde ‘toxischen Eltern’ zugeschrieben und jedes andere Problem ‘dysfunktionalen Familien’. “
Man darf hinzufügen, daß die Freudianer kaum eine Idiotie ausließen. Aus der Herde brachen wenige Autoren aus, die sich mit der Frage beschäftigten, warum Kinder in der gleichen Familie so unterschiedlich seien (Robert Plomin, Denise Daniels, Thomas Bouchard, Sandra Scarr, David Lykken, David Rowe, Judith Rich Harris etc.) An sie schließt auch Pinker in seiner breit angelegten Untersuchung an. Man kann dem Buch nur viele Leser wünschen.
Aber in der Wissenschaft wie überall sonst auch regieren Moden. Pinkers Wirkung im großen Publikum ist beachtlich, aber seine Beachtung in den Medien dürfte vor allem mit seinem attraktiven Aussehen und seinem gewandten Auftreten zu tun haben. Daher muß man nicht nur den Hochintelligenten in der Wissenschaft mißtrauen, sondern auch denjenigen, die von den Medien ausgesucht und als Wissenschaftler präsentiert werden. Alle Wissenschaft, nicht nur die Müllwissenschaft der Behavioristen und Freudianer, bedarf der peniblen Plausibilitätsprüfung und der anhaltender Skepsis. Politikern und Wissenschaftlern darf man nichts ohne Doppelprüfung abnehmen. Im Zweifelsfall, also im Normalfall, die nächsten zwanzig Studien zum Thema abwarten.