Donnerstag, 23. Oktober 2008

China, Literatur, Leistungserbringer, Röntgen


1-10° s 4519

- Literatur sei "ein Medium zur Erweiterung und Vertiefung unserer Wahrnehmung des Lebens", meinte Dieter Wellershoff. Leider ist nur ein sehr geringer Teil der Literatur dazu geeignet, und nur wenige Leser können produktiv lesen. In der Regel handelt es sich nur um ein gegenseitiges Unterhaltungsverhältnis. Zumal man auch noch ein paar kognitive Ansprüche stellen sollte.

- " Leistungserbringer zunehmend benachteiligt.
Die Familienpolitik der großen Koalition, wie sie Justizministerin Zypries vertritt (F.A.Z. vom 23. September), ist erschreckend. Artikel 6 ..." FAZ 21.10. // Eines der Probleme Europas: die Bevorzugung der Schwachen, Fauelen und Untüchtigen bei Schikanierung der Leistungswilligen, das besonders in Deutschland, wo es kein Oxbridge und keine Ecole Normale gibt.

- "China - Die Waisen der Nonnen.
Da in China Männer mehr gelten als Frauen, wurden vor Jahren an den Toren des Ling-Feng-Tempels immer wieder weibliche Säuglinge ausgesetzt. Mutter Ming Xiu nahm sich aus Mitleid der Babys an, umsorgte sie, versuchte, ihnen ein zu Hause zu geben und zog sie groß. Heute sind diese Mädchen im Schulalter und Mutter Ming Xiu bereitet sie auf die Schule vor. Der Schulalltag führt sie in eine Welt, die sie bis dahin nicht kannten." arte "Ich liebe mein Land, ich liebe die Große Mauer, ich liebe die Fahne, ich liebe das rote Halstuch. Am meisten liebe ich mein Vaterland (Leseübung in der rotchinesischen Grundschule). Wir sind junge Pioniere, junge P. sind gute Schüler ... Kommt man in die Hölle, wenn man Fleisch ißt? ..." "Alles ist vorbestimmt, daran glaube ich", die Äbtissin in der Ernährungsdiskussion mit den Lehrern der Staatsschule; seit der Säuglingszeit wurden die Waisenmädchen milch-, ei und fleischlos fehlernährt; mit der ersten Milch und ersten Eiern haben die Sechsjährigen Probleme. Die Strafe für das Schlagen eines anderen Mädchen: langes Zurredestellen vor der Gruppe, dann längeres Knien auf Holzhocker."- // Ich erinnere mich: In diesem Grundschulalter war ich in einem Tageshort, der von Nonnen betrieben wurde. Die Leiterinnen ähneln sich: sehr resolut. Geradezu drakonisch war das Essensregiment: der Teller mußte leergegessen sein, wer das unglaublich schlechte Essen, so schmeckte es mir (ich kam aus der SBZ), nicht essen wollte, mußte stundenlang davorsitzen, bis er es heruntergewürgt hatte; ich mußte es oft erbrechen. Bei den Nonnen galt der Sozialismus: für alle das gleiche bis zur bitteren Neige.

- Chinesisches Denken klüger als Platon? : " ... . Traditionell zielt das Denken weniger auf „Wahrheit“ als auf „Leben“ und sucht daher keine Substanzen zu fixieren, sondern Bedingungen von Bewegungen zu bestimmen. ..." (http://www.faz.net/s/Rub0778DE9E237D4CD6BB1720FB3B76E07B/Doc~EF60123AEF4FE40E3A03ADFBA1FD5F454~ATpl~Ecommon~Scontent.html)

- "Da möcht' ich mich nicht comitten", meint der Pfandbrief-Präsi.

- "Das Röntgen erzeugt auch strahlenden Müll.
Der Autor Robert Spaeman (F.A.Z.-Feuilleton vom 6. Oktober) verwendet in der öffentlichen Diskussion gerne gebrauchte, aber völlig falsche Gleichsetzung "nuklearer Müll = Resultat von Kernkraftwerken". In Wirklichkeit entsteht der volumenmäßig größere Teil solcher Abfälle in der Industrie und in der Medizin, weniger als ein Drittel kommt aus den Reaktoren. Da nicht anzunehmen ist, dass Spaemann Knochenbrüche künftig ohne Röntgenaufnahme richten und Tumorkranken die lebensrettende Bestrahlung verweigern will, hat sich der Rest des Artikels eigentlich erledigt.
Eine weitere nicht unübliche fehlerhafte Verknüpfung ist die von hochstrahlenden Abfällen mit extrem langer Lagerzeit. Radioaktivität bedeutet den Zerfall von schweren Elementen zu leichteren unter Aussendung der freiwerdenden Elementarteilchen und der nicht mehr benötigten molekularen Bindungsenergie, die wir als Teilchen- oder Wellenstrahlung bezeichnen und die prinzipiell schädigend wirken kann. Ob sie das tut, hängt davon ab, wie stark sie ist. Gefährliche Strahlung bedeutet Ausstoß von vielen Teilchen in kurzer Zeit. Allerdings verbraucht sich dann auch das Material schnell. Der stabile Zustand wird eher erreicht, und die Strahlung erlischt. Wird wenig emittiert, dauert der Strahlungsvorgang lang, die schädigende Wirkung ist aber notwendigerweise schwächer. Der korrekte Zusammenhang ist also: schwach aktiv = lange Lagerzeit, hochaktiv = kurze Lagerzeit. Mit den schwach aktiven Abfällen werden unsere Nachfahren aus den oben genannten Gründen fertig werden müssen, Reaktoren ja oder nein. Das wird sie aber nicht vor besondere Probleme stellen.
Spaemann sei gesagt, dass man bei einer ergebnisoffenen Diskussion neben "was wäre, wenn" auch immer fragen muss "und was ist, wenn nicht?". Es ehrt ihn, dass er sich um die Menschheit in zehntausend Jahren sorgt. Was ist aber mit denen, die in fünfzig Jahren mit den Folgen der Klimaveränderung fertig werden müssen? Falls diese tatsächlich so wesentlich vom menschlichen Verhalten beeinflusst ist, wie man gegenwärtig annimmt, würden die treibhausgasfreien Reaktoren sich in dieser Hinsicht recht positiv auswirken. Auch fragt sich, ob unsere Urenkel dankbar sind, wenn wir ihnen die nach einigen Betriebsjahren beschädigten und verbrauchten Betonstiele von Windkraftanlagen in gewaltiger Zahl hinterlassen. Die haben auch nicht das ewige Leben und sind irgendwann Industrieruinen.
Bei den heute machbaren Anlagen - das wird aus physikalischen Gründen nicht wesentlich besser werden - braucht man drei Masten, um durchschnittlich ein Megawatt Dauerleistung zu erzeugen. Mithin wären allein zum Ersatz der beiden Kernkraftblöcke in Biblis ungefähr achttausend der Spargel erforderlich. Das ist ein ganz hübscher Wald.
THOMAS SPRINGSGUTH, NAUHEIM, LB FAZ 22.10.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

"Und täglich grüßt das Staatsversagen"


"Und täglich grüßt das Staatsversagen" (http://www.frank-schaeffler.de/presse/medienspiegel/442) MdB

Gastbeitrag für hbpa

15.10.2008

Wer heute nach mehr Regulierung oder nach der ordnenden Hand des Staates ruft, verkennt Ursache und Wirkung der Krise an den Finanzmärkten. Versagt hat nicht der Markt, sondern der Staat.

Sehen wir etwas genauer hin: Es gibt national wie international keinen Markt, der so stark reglementiert ist wie der Bankenmarkt.

So wurde bereits 1974 am Standort der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) der Baseler Ausschuss geschaffen. Alle wichtigen Notenbanken und Aufsichtsbehörden beteiligten sich daran.

Mit den Basel I-Empfehlungen legten sie 1988 einheitliche Eigenkapitalanforderungen für die Kreditvergabe fest. Im Laufe der Zeit wurden diese Regeln immer weiter verfeinert, um schließlich in die Basel II-Richtlinien zu münden. Diese wurden nach langem Streit zum 1. Januar des vergangenen Jahres in deutsches Recht umgesetzt.

Trotz dieses hohen Maßes an Regulierung (welches allerdings nicht in den USA gilt; dort soll Basel II nach bisherigem Stand allenfalls auf große Banken angewandt werden) konnten weder die Internet-Blase um die Jahrtausendwende, noch die aktuelle Finanzmarktkrise von der Aufsicht vorhergesagt, geschweige denn verhindert werden: Siehe SachsenLB, siehe IKB oder Hypo Real Estate. Insbesondere die Schieflage der Hypo Real Estate ereignete sich trotz "Basel II".

Ruf nach Regulierung ist populär
Angesichts dieser und weiterer Katastrophen ist der Ruf nach stärkerer Regulierung höchst populär. Er führt aber zu nichts, solange die eigentliche Ursache von Krisen nicht hinterfragt wird: Wie konnte es zu den Erschütterungen der letzten Wochen mit immer stärkeren Einschlägen eigentlich kommen? Liegen die Gründe vielleicht doch woanders als bei einer vermeintlich zu laxen Regulierung? Ich meine: Die Verursacher der jüngsten Entwicklungen sitzen nicht in den Konzernzentralen der Banken, sondern in den Regierungen und Notenbanken dieser Welt. Der eigentliche Grund für die gegenwärtige Finanzkrise ist die ungezügelte Geldvermehrung.

Allein seit dem Jahr 2000 wurde die Geldmenge M3 in den USA um über 9 Prozent pro Jahr (seit März 2006 wird sie nicht mehr veröffentlicht) erhöht. Die Europäische Zentralbank hat im gleichen Zeitraum diese Geldmenge um über 10 Prozent pro Jahr ansteigen lassen. Die EZB konnte sich trotz ihrer Unabhängigkeit und ihres Ziels der Geldwertstabilität der Entwicklung in Amerika nicht entziehen. Zwar brüsten sich beide Notenbanken, sie hätten ihr Inflationsziel stets eingehalten. Die Frage ist nur: Hat die relativ geringe Inflationsentwicklung in den USA und in Europa etwas mit der vermeintlich klugen Geldmengensteuerung der Notenbanken zu tun, oder war sie reiner Zufall? Fakt ist, die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten lagen in den Jahren 2000 bis 2007 in den USA bei 2,5 Prozent pro Jahr, im Euro-Währungsgebiet bei 2,1 Prozent pro Jahr.

Greenspan ist an allem Schuld
Die das gesamtwirtschaftliche Wachstum überschießende Geldmenge führte zum Immobilienboom in Amerika und zu einer Liquiditätsblase in Europa. Es wird derzeit viel über verantwortungslose Bankmanager geklagt – teilweise auch mit Recht. Dennoch: Wenn man die Krise an Personen festmachen will, dann steht an erster Stelle der ehemalige Chef der US-Zentralbank, Alan Greenspan. Er hat nach dem Zusammenbrechen der Internet-Blase im Jahr 2000 durch eine drastische Zinssenkung von über 6 auf 1 Prozent die Grundlage für ein Wirtschaftswachstum in Amerika und in der Welt gelegt, das lediglich auf Kredit finanziert war.

Jetzt konnte sich jeder eine Immobilie leisten. Jetzt lohnten sich Fremdfinanzierungshebel bei Investitionen erst richtig. Diese Fehlallokation war und ist die Ursache für die Finanzkrise. Deshalb ist es fatal, wenn die Federal Reserve heute die Fehler aus dem Jahr 2001 wiederholt und die Zinsen radikal senkt. Fatal ist auch, wenn die EZB – wie 2001 – im Gleichschritt dieser Politik folgt. Der nächste Einbruch wäre dann nur eine Frage der Zeit.

Geldpolitik fundamental ändern
Die USA und im Gefolge die Europäische Währungsunion müssen ihre Geldpolitik fundamental verändern. Die Stabilität der Währung ist die notwendige Voraussetzung für ein organisches Wachstum von Volkswirtschaften. Die internationale Staatengemeinschaft muss Druck auf die US-Regierung ausüben, damit die Federal Reserve auf das alleinige Ziel der Preisniveaustabilität ausgerichtet wird. Dies wird schwere Einschnitte für Wachstum und Beschäftigung in den USA, aber auch in Deutschland bedeuten. Das Motto muss jedoch lauten: besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Der Ökonom Ludwig von Mises hat die Geldpolitik der Nationalbanken richtig analysiert: "Der Aufschwung entbehrt mithin der festen Grundlage; er ist nicht Blüte, sondern Scheinblüte; er ist nicht durch Anwachsen des gesellschaftlichen Wohlstands entstanden, sondern dadurch, dass die Krediterweiterung dieses Anwachsen vortäuscht. Früher oder später muss es zutage treten, dass die Konjunktur auf Sand gebaut war."

Greenland, Methan

BEACH RIDGE: The scientists believe that this beach ridge in North Greenland formed by wave activity about 6000-7000 years ago. This implies that there was more open sea in this region than there is today. (Click the picture for a larger image) Photo: Astrid Lyså, NGU (http://wattsupwiththat.com/)

6-12° b/s Orion ist wieder da, Fledermäuse fliegen noch. 4571 8519 67,21 WTI Apple gute Zahlen

- " Methane concentration. ... the rapid increase of the arctic sea ice.
The 'artic domino theory' states in short: first goes the artic sea ice, which leads to warming of the permafrost areas in Sibiria and North America, which in a second step then release methane in unprecedented
amounts, which is a strong and positive feedback to further warming and
will thirdly eventually melt the Greenland glacier. This will start during our times (tipping point is already transgressed) and will inevitably lead to global warming of a few degrees Celsius at the end of the century, including the raise of the sea level of 1 m or more. (official statement of e.g., the German goverment of summer 2008). The global warming of the last 30 years has indeed also left its mark
on the permafrost areas in Sibiria and elsewhere. It is claimed that
methane is released more than ever before
http://groups.google.com/group/globalchange/browse_thread/thread/5f220743161efa46
and work by Dr. Walter:
http://www.abc.net.au/science/news/stories/2006/1735049.htm
Now I have also looked up the time dependence of the methane
concentration in the atmosphere:
http://www.worldclimatereport.com/index.php/2007/04/13/methane-matters/
and http://www.co2science.org/articles/V11/N42/C1.php
You see the methane increase is saturating!!!
Inspite of all permafrost thawing in recent years.
The pre-industrial concentration of methane is given as 0.7 ppm (in 1750
- I wonder how they got this number - to 1.8 ppm in 2007.
This corresponds to roughly 10**15 grams of methane in the atmosphere.
A methane molecule has a lifespan in the atmosphere of 7 - 10 years, further, one ton of water can absorb 35 grams of methane (at 17 Celsius),otr, in total roughly 10**20 grams. Indeed methane absorption
takes place, and leads to the formation of clathrate ice, the 'burning' ice found at continental shelfs (see wikipedia).
How the doubling of the methane concentration is explained, there is debate:
enhanced land use, enhanced number of ruminants, cattle, sheeps for food
and wool production, oil and coal production, the use of natural gas: The present day production of natural gas is roughly 1 billion metric tons,or 10**15 grams per year. It is transported by liquid gas tankers and by pipelines. Pipeline losses of order 1 % are admitted by any pipeline operating company, losses of 10 % or more are suspected in the pipeline system of the old Sowiet union. For a compilation of sources, see: http://www.epa.gov/methane/sources.html .
Sincerely, Werner Weber

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kundera, East of Paradise, Andersch, Himmler

8-10°; regnerischer, trüber Tag, aber doch auch blätterfarbig

- Fall Kundera: " Der Polizeivermerk. 'Der Gesuchte traf um 20 Uhr ein. Bezirkspolizeiwache 6 Abteilung II Prag 6. Prag, am 14. 3. 1950. Vermerk:
Am heutigen Tag um 16 Uhr kam zur hiesigen Abteilung der Studierende Milan Kundera, geboren am 1. 4. 1929 in Brünn, wohnhaft in Prag 7, Studentenkolleg, König-Georg-Straße 6, und zeigte an, dass in diesem Kolleg die Studentin Iva Militká wohnt und dass sie dem Studenten Dlask aus demselben Wohnheim erzählt habe, dass sie an diesem Tag in Prag-Klarov einen Bekannten getroffen habe, einen gewissen Miroslav Dvoracek. Dieser soll ihr einen Koffer zur Aufbewahrung gegeben haben, den er am Nachmittag des 14. 3. 1950 abholen werde. Aufgrund dieser Meldung begab sich Oberwachtmeister Rosicky gemeinsam mit Wachtmeister Hanton an den Ort, wo sie den Koffer untersuchten, in dem sich 2 Hüte, 2 Paar Handschuhe, 2 Sonnenbrillen und eine Cremedose befanden. Nach der Angabe der Militká sei Dvoracek von der Armee desertiert und habe sich vielleicht seit Frühjahr vorigen Jahres in Deutschland aufgehalten, wohin er illegal gegangen sei. Die Suche im Fahndungsbuch ergab, dass er schon vom Nationalen Sicherheitskomitee Pilsen unter der Aktenzahl 2434/49-IV zur Festnahme gesucht wird. Aufgrund dessen blieben die oben genannten Polizeibeamten im Studentenheim und bewachten das Zimmer der genannten Militká. Um 20 Uhr traf der genannte Dvoracek tatsächlich in diesem Zimmer ein und wurde festgenommen. Bei seiner persönlichen Durchsuchung wurde ein Personalausweis auf den Namen Miroslav Petr gefunden, von dem Dvoracek angab, dass er ihn in Deutschland von einer gewissen Firma erhalten habe, die ihn in die Tschechoslowakei mit dem Auftrag entsandte, Geschäftsbeziehungen zwischen dieser Firma und dem Ministerium für Technik aufzunehmen. Derselbe Mann sollte Kontakt herstellen zu einem gewissen Ing. Solman aus Vrsovic, Tolstoi-Gasse Nr. 4, der in diesem Ministerium beschäftigt ist.(gez.) Jaroslav Kosicky'" FAZ 15.10.

"Was geschah an jenem 14. März 1950? Von Karl-Peter Schwarz, Prag. 15. Oktober 2008 FAZ . Wie zuverlässig ist das Dokument, aus dem hervorgeht, dass Milan Kundera in seiner Prager Studentenzeit im Jahre 1950 einen Kurier der antikommunistischen Widerstandsbewegung bei der Polizei angezeigt hat? ... Das Archiv der Sicherheitskräfte, in dem die Dokumente des Innen-, Justiz- und Verteidigungsministeriums sowie des Staatssicherheitsdienstes StB aufbewahrt werden, schloss nach einer genauen Untersuchung aus, dass das Dokument gefälscht sein könnte. ...
Dvoráceks Frau Marketa - er selbst hat vor wenigen Monaten einen Schlaganfall erlitten und ist nicht in der Lage, Fragen zu beantworten - sagte der tschechischen Nachrichtenagentur CTK, es wäre doch merkwürdig, hätte die Polizei lediglich Kunderas Namen gefälscht, da alle anderen Angaben in dem Faszikel den Tatsachen entsprächen." - Das Opfer, der damals 22 Jahre alte Miroslav Dvorácek, wurde zu 22 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe gefordert.- Kundera schwieg zunächst und spricht jetzt von einer Intrige.

- "East of Paradise, (Frankreich, 2003, 103mn), ARTE F
Regie: Lech Kowalski. Zu Beginn des Films erzählt die Mutter des Filmemachers Lech Kowalski von ihrer Deportation in ein sowjetisches Arbeitslager in Nordrussland zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Nach ihrer Entlassung musste sie sich ohne feste Bleibe durchschlagen. Sie erlebte Hunger, Kälte und Typhus, aber auch unerwartet Solidarität. ..." // Die großen Katastrophen, Herr Wehler, sind ohne die großen Verbrecher nicht recht vorstellbar. Wäre die polnische Geschichte anders verlaufen, wäre Jan Sobiesky ein großer Innenpolitiker gewesen, mit einem großen Kanzler wie Francis Bacon?

- Trau keinem Schriftsteller: "Alfred Andersch und Gebhard Himmler. Zu "Wehrunwürdig - Andersch schummelte schon früher" und "Entlassen Sie mich, und zwar sofort! Alfred Andersch und ein Ende: Ein Radiogespräch belegt biographische Retuschen" (F.A.Z. vom 2. Oktober): Mehrfach berichteten Sie über unzutreffende Darstellungen des Schriftstellers Andersch im Hinblick auf seine Wehrmachtszugehörigkeit. Während hier persönliche Interessen im Sinne einer Selbststilisierung als Motiv gelten können, entfällt ein solcher Bezug bei einer anderen Aussage, die als objektiver Beitrag zur Zeitgeschichte gelten könnte, wenn sie denn wahr wäre. In Konrad Löws Buch "Die Münchner und ihre jüdischen Mitbürger 1900 bis 1950 im Urteil der NS-Opfer und -Gegner" erfährt man, dass Andersch in seiner Arbeit "Der Vater eines Mörders - eine Schulgeschichte" ein Charakterbild des Schulleiters am Wittelsbachergymnasium, nämlich Gebhard Himmlers, des Vaters von Heinrich Himmler, gezeichnet hat, das von seinem Mitschüler Otto Gritschneder und weiteren 16 Klassenkameraden als unzutreffend bezeichnet wurde. Otto Gritschneder, Jurist und Historiker, Gegner des NS-Regimes, urteilt über die einschlägige Schrift von Andersch: "Darin versucht Andersch, den Leser glauben zu machen, dass der Pädago-Sadismus des Vaters, der Schüler und Lehrer gleichermaßen gekonnt zur Sau macht, wahrscheinlich doch mit schuld daran ist, dass der Sohn zum uniformierten Massenmörder jener tausend Jahre wurde."
Gerhard Haas, so erfährt man bei Löw, aus einer hoch angesehenen jüdischen Münchner Arztfamilie stammend, erinnert sich im amerikanischen Exil: "Unser Schulleiter war Himmler, der Vater des berüchtigten SS-Führers: aber Himmler sen. war eine freundliche, intelligente Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, Kinder zu erziehen. Auch war er kein Antisemit und kein Mitglied der Partei Hitlers." Zweifellos besteht beim heutigen Leserpublikum eine mentale Rezeptionsbereitschaft für das von Andersch gelieferte Charakterbild Gebhard Himmlers, aber offenbar entspricht es nicht der Wahrheit. HORST HAUN, NÜRNBERG, LB FAZ 21.10.08
// Mit der Honecker-Diktatur, der Heimat der Linksextremisten Gysi und Sodann, brach nicht nur die Staatswirtschaft zusammen, sondern auch die Milieutheorie, die behauptet, daß äußere Einflüsse den Menschen formen. Das ist völliger Unsinn. Viel eher finden sich Oppositionen: Ist die Mutter fromm, kann der Sohn ein Gewaltverbrecher werden (Stalin, Hitler). Ist der Vater frommer Protestant, konvertiert der Sohn zum Islam (Ho.), ist der Vater Nazi, wird der Sohn Linksfaschist (Vespers) etc. Eine noch viel größere Rolle spielt aber wohl der Zufall (sowohl bei der Genetik als auch bei den äußeren, kulturellen Lernprozessen). In traditionalen Gesellschaften ist die kulturelle Weitergabe stabiler.

Montag, 20. Oktober 2008

Süßer Südwind, Für den größten Teil des Rettungspakets fließt kein Euro. Issing, Wilhelm II.


Strizz, Reiche, FAZ
Früchtchen, ihr letzten, nun seid mal schön voll, süßer Südwind weht, wärmer wird's nimmer dieses Jahr!

4835 (+1%) 9265 (+4,5%) WTI 75,70 1,3410
- "500.000.000.000. Von Holger Steltzner. 500 Milliarden Euro ist einfach zu viel Geld. Umgelegt auf die Bevölkerung, wäre jeder Deutsche mit 6000 Euro dabei. Zum Glück muss das keiner bezahlen. Für den größten Teil des Rettungspakets fließt kein Euro. ..." // Dämlichen Künstlern und so geflüstert ...
Was muß, das muß, aber von Merkel und Steinbrück einen € anzunehmen ...

- "ING Diba sieht keine Risiken für Kunden. Die Kunden der deutschen Direktbank ING Diba müssen sich trotz der notwendig gewordenen milliardenschweren Kapitalspritze für die niederländische Muttergesellschaft ING nach Unternehmensangaben keine Sorgen um ihr Geld machen. Die ING sei „nur in geringem Umfang“ von der Finanzkrise betroffen. ..." FAZ

- Gute Nachricht: Otmar Issing soll die Expertenkommission der Regierung für eine Reform der Finanzmärkte leiten.

- Noch eine gute Nachricht: Die Zahl der arbeitsscheuen Herumstudierer in der Phil.Fak. ist durch die Studiengebühren zurückgegangen.

- Übrigens: Wilhelm II., so sein Biograph Eberhard Straub, setzte sich dafür ein, daß die Oberrealschulen das Abitur anbieten konnten und die technischen Fächer an den Universitäten aufgewertet wurden.- Hat lange gedauert, daß das altgriechische Ideal des theoretischen Menschen (die praktische Arbeit erledigten die Sklaven und die Unterschicht der Fremdarbeiter) endlich überwunden wurde. Bemerkenswert.