Mittwoch, 28. Juli 2010

TEILS - TEILS, gebildeter Blech-, Plüsch- und Pleureusenkomponist






In der Abendsonne - auch Libellen sind sterblich






- Mein lieber Schwan! Wer sagt denn der Elsa mal, daß sie ihre Probleme selbst lösen muß? Da hilft ihr kein Lohengrin und kein
Wagner.

- Man vergleiche doch einmal den blechern auftrumpfenden Hochzeitsmarsch im LOHENGRIN mit dem von Mendelssohn zu Shakespeares SOMMERNACHTSTRAUM.
Ganz ohne geht es natürlich noch besser.

- TEILS - TEILS oder noch ein Wörtchen zur sog. Bildung. Da war die ganze gebildete Bagage in Bayreuth und hat sich stundenlang den LOHENGRIN angehört. Zeit haben die. Na gut.
Ich denke ja bei Wagner meist an das Churchill zugeschriebene Wort, that Wagner's music is not so bad as it sounds. Mir reicht das Vorspiel zum TRISTAN mit dem interessanten, gleichnamigen Akkord. Geschmack ist eben Geschmackssache.
Das Dumme bei solchen Wahnfried-Bewohnern ist ihre Behauptung, etwa im LOHENGRIN, die Kunst heile den bösen Materialismus und überhaupt die Welt. Und die deutsche, also Wagners Musik, rette auch noch vor der "verjudeten" Musik, wie der bekennende Antisemit Wagner schrieb ("Das Judenthum in der Musik"). Nun braucht niemand die Juden zu lieben, oder das, was er dafür hält, schon der Jude Marx hat in seiner einschlägigen Schrift ZUR JUDENFRAGE seiner hetzerischen Phantasie freien Lauf gelassen, aber es bleibt ein Blödsinn, ein übler dazu, weil Unfrieden stiftend. Und da sieht man, daß die sog. BILDUNG nichts beiträgt zur Überwindung auch einfach gestrickter Dummheiten, wie die Beispiele der wahrlich gebildeten Herren Marx und Wagner zeigen.
Und diese Reihe ließe sich endlos erweitern. Bildung ist schön, aber auch schön nutzlos. Sozusagen etwas opernhaft. Skepsis, Empirie und die Bemühung um präzise Begrifflichkeit führen auch nicht automatisch weiter, aber sie können es. Es gibt ein primitives Denken, das man überwinden kann. Primitiv im Sinne von vorangehend (primitivus - der erste in seiner Art) und nachfolgend, später. Der Retter, der Prophet, der Messias, der Gott, die ewige Kraft etc. sind primitive, global verbreitete Vorstellungen, die man durch Wissen und Überlegung hinter sich lassen kann zugunsten von Wissenschaft und Technik und durch Verzicht auf Denkmodelle der Ganzheit, auf globale, holistische Vorstellungen. Es rettet uns wirklich kein höheres Wesen, kein Kommunismus und keine wissenschaftliche Weltanschauung. Mit begrenztem Denkwerk muß man sich durch Leben, Gesellschaft und Geschichte wursteln, sehr bescheiden und zufrieden mit Stückwerk, mit dem TEILS - TEILS.


- Mennoniten: "Die Vollversammlung der Lutheraner hat sich in einer bewegenden Zeremonie bei den Mennoniten entschuldigt, die im 16. Jahrhundert Opfer grausamer Verfolgungen geworden waren. Der Präsident der Mennonitischen Weltkonferenz nahm die Bitte um Vergebung an."
/// Das könnten Sunniten und Schiiten einfach nachmachen.

- Erfreulich: "Vor Schottland. Großer Ölfund in der Nordsee. Ein britisches Unternehmen hat ein großes Ölfeld in der Nordsee entdeckt. Das Feld vor der schottischen Küste sei eine der größten Entdeckungen der vergangenen Jahre in der Nordsee, sagt die Firma. Jetzt stehen weitere Untersuchungen an." FAZ

Tullow Oil entdeckt neues Ölfeld mit leichtem, einfach zu verarbeitendem Öl (Grad 33-36) vor Ghana.

Dienstag, 27. Juli 2010

Etwa doppelt so alt





Auf dem Sprung







- Lob, Preis und Ehr' oder Die Marktwirtschaft macht's
: "Die Menschen in Deutschland werden heute im Durchschnitt etwa doppelt so alt wie vor mehr als hundert Jahren. Für die meisten von uns hat sich durch die Veränderungen in den letzten hundert Jahren die Spanne des Lebens deutlich verlängert. Und da der erste Lebensabschnitt, die Ausbildung, länger geworden ist, muss auch die zweite Phase, die Berufstätigkeit, länger andauern, damit die dritten Phase, der Ruhestand, finanziert werden kann. Angesichts einer rasch alternden und schrumpfenden Bevölkerung ist das eine unausweichliche Einsicht."
Die Revolution der Lebenserwartung, Vasold, FAZ 26.7.10; Jungen 77,2 / Mädchen Mädchen 82,4 Jahre.


/// Es ist eine eigene Sache, wenn in den Todesanzeigen immer einmal wieder die eigenen Jahrgänge auftauchen; sollte man selbst auch sterblich sein?
So sicher das ist, so wenig kann man es sich vorstellen. "Das ist ein Ding, das keiner ganz aussinnt" heißt es bei Rilke in den "Duineser Elegien", "seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen"; aber ob "das Totsein" auch "mühsam ist"? Zumindest wird einem die Zeitung fehlen, wird man die Bücher vermissen ...


- Aggressiv-primitive Technomusik, vollgedröhnte Raver, besoffene junge Männer, hemmungslose Jugendliche - dafür steht die "Love Parade" seit Anbeginn und zahlreiche Filmaufnahmen belegen diese Ekelhaftigkeiten. Daß WDR-Pleitgen als Propagandist der Barbarei auftrat und der WDR sich mit einem Wagen und mit Übertragungen beteiligte, spricht jedem Kulturbegriff Hohn.
„Wir wenden uns entschieden an junge Menschen, auch mit sogenanntem Migrationshintergrund“, sagt Pleitgen heute dazu. „Die Loveparade erschien uns als hilfreiches Mittel, um jungen Menschen zu zeigen: Das Ruhrgebiet hat auch für sie etwas Interessantes zu bieten.“ Wenn er gefragt worden sei, habe er gesagt: „Jawoll, das wollen wir haben.“ ...
„Hier müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um dieses Fest der Szenekultur mit seiner internationalen Strahlkraft auf die Beine zu stellen“, sekundierte Fritz Pleitgen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Ruhr 2010, seinem Spartenleiter Gorny. ... ' FAZ 27.7.

- „Es gab keine Massenpanik", sagte Duisburgs stellvertretender Polizeipräsident Detlef von Schmeling. Die bisherigen Filmaufnahmen bestätigen seine Aussage: es war mutmaßlich Druck aus der Menge - man darf vermuten, es waren brutale, besoffene Barbaren - die gewalttätig von hinten schoben und so schwache Personen vor ihnen zu Fall und zu Tode brachten (bisher 20 Tote - alle starben an Brustquetschungen, überwiegend Frauen, 511 Verletzte).

Montag, 26. Juli 2010

"Sehnsucht nach Bildung"





Thomas Gainsborough (1727-1788), The Blue Boy (Bild Wiki.)




- " Es geht um die Sehnsucht nach Bildung .
Die Analyse von Heike Schmoll, in keinem Land sei der Bildungserfolg so sehr von der sozialen Herkunft abhängig wie in Deutschland ('Schulpolitisch ein Irrweg', 20.7.10), möchte ich zu begründen versuchen. Der Knackpunkt aus meiner Sicht ist die Bildungs- und Lernbereitschaft ..." LB FAZ 26.7. Peter Patt, MdL, Chemnitz

/// "Sehnsucht nach Bildung"! Welche Formulierung! Von einem Politiker! Kaum zu glauben. Das sind in der Regel mehr und mehr geltungssüchtige Polit-Laffen wie die NRW-Ministerpräsidentin Kraft und ihre Stellvertreterin Löhrmann, die teures Geld für noch mehr schlechte Gesamtschulen ausgeben wollen, um sich weiter in die "Bildungs-" Tasche zu lügen. "Sehnsucht nach Bildung". Seltsames Wort aus fernen Zeiten. Sehnsucht nach Bildung. Wo gedeiht sie? Links grölt das Fußballpublikum, rechts hämmert der Techno-Musik-Mob. Vorn lockt die Sex-Propaganda. Hinten rast die Formel 1. Sehnsucht nach Bildung. Man müßte ein Naturschutzgebiet für dieses von allen Seiten bedrohte Phänomen einrichten, diese zarte Blume, die Klamauk und Firlefanz schlecht verträgt.

- "Bildungserfolg so sehr von der sozialen Herkunft abhängig wie in Deutschland" - das ist wahrscheinlich ein statistisch getürktes Kunstprodukt. Der Kern ist natürlich gegeben, oder vielmehr sind es zwei Kerne: einmal das Genom. Dann die Bildungsanregung im Elternhaus. In meinem Elternhaus hingen auch keine Gainsboroughs, kann ich mit Gottfried Benn feststellen :

Teils - teils

In meinem Elternhaus hingen keine Gainsboroughs
wurde auch kein Chopin gespielt
ganz amusisches Gedankenleben
mein Vater war einmal im Theater gewesen
Anfang des Jahrhunderts
Wildenbruchs »Haubenlerche«
davon zehrten wir
das war alles.
...

Das war schon einiges.
In meiner Familie gab es nicht nur keine Gainsboroughs, es gab auch kein Gedankenleben, trotzdem verspürte ich, offenbar genetisch programmiert, diese merkwürdige, aus der Familienart geschlagene "Sehnsucht nach Bildung".
Und da in diesem Land viele Bildungsgänge offenstehen, lassen sich viele zweite Bildungswege beschreiten.
Im Zeitalter des Internets ist das auch noch bequem und fast kostenlos.
Sylvia Löhrmann, die neue Schulministerin, studierte Englisch und Deutsch. Ich habe nicht den Eindruck, daß es sich bei ihr um eine gebildete Person handelt. Diese Fächer, ich habe es selbst erfahren, kann man auf unglaublich niedrigem Niveau studieren. Und dann auch lehren.

Ich habe da mehr Respekt vor Metallbauern, die intelligent sind und ihr Handwerk verstehen. Gerne nehme ich beispielsweise die Dienste einer Firma in Anspruch, die in dritter Generation ordentliche Arbeit leistet. Vielleicht würde eine Schwatzfächertante wie Löhrmann das als einen Beleg dafür nehmen, daß hier der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft bestimmt wurde, wobei ein Schwätzbegriff von Bildung zur Anwendung käme, der germanistische Schwafelei höher bewertet als die Kenntnis von Metallen und ihrer Bearbeitung. Das ist natürlich Unsinn. Wenn die Söhne einer Familie den Beruf des Vaters übernehmen, diese Bildungsanregung also aufnehmen, ihren Meister machen und die Firma erfolgreich weiterführen, dann ist das aller Ehren wert. So ein Unternehmen leistet nicht nur für die Kunden Wertvolles, sondern stabilisiert und bereichert auch das soziale Umfeld.
Von der Schulministerin Löhrmann dagegen muß man eine weitere Verschlechterung des Schulsystems in NRW erwarten und die daraus resultierende soziale Destabilisierung.

- Kommt ein Achtjähriger am Gartenzaun vorbei und fragt, ob mein Langarmschneider ein Flammenwerfer sei, der sehe genau so aus.

Sonntag, 25. Juli 2010

Universität Marburg, "Love Parade"



bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder_dokumente/00983/index-3.html.de



- "In Marburg waren wir weltberühmt.
Wie war es, unmittelbar nach 1968 an einer Universität zu studieren, die als tiefrot galt?" Raulff, FAZ 24.7.10


/// Raulff plaudert so locker über Marburg und den Ideologen Abendroth, als habe er nicht damals diesen verhängnisvollen marxistischen Einfluß auf junge Studenten gehabt (ich war damals noch Metallarbeiter).
Z. B. Kühnl. Kurz nach seiner Habilitation 1971 wurde Reinhard Kühnl im selben Jahr als Professor der Politikwissenschaft an die Universität Marburg berufen. 1969 erschien bei Hanser sein “Deutschland zwischen Demokratie und Faschismus” . Dort heißt es auf S. 161 : “Es ist also offensichtlich, daß in der Gesellschaft der Bundesrepublik faschistische Tendenzen vorhanden sind ... daß die Exekutive sich in wachsendem Maße verselbständigt, also dem Typus einer autoritären Diktatur nähert. ...”
Das meinte Kühnl so ernst wie sein Chef Abendroth, der der SED zum Tode des Diktators Ulbricht 1973 sein großes Beileid aussprach, s.o. Deppe und Fülberth promovierten bei Abendroth, Habermas habilitierte sich bei ihm.

Abendroth lernte ich durch die “Blätter” kennen:
Herausgeberkreis der "Blätter für deutsche und internationale Politik"
Norman Birnbaum | Micha Brumlik | Dan Diner | Jürgen Habermas | Detlef Hensche | Rudolf Hickel | Walter Jens | Reinhard Kühnl | Claus Leggewie | Ingeborg Maus | Klaus Naumann | Jens Reich | Rainer Rilling | Irene Runge | Karen Schönwälder | Friedrich Schorlemmer | Gerhard Stuby | Rosemarie Will



- "Love Parade" in Duisburg: 19 Tote und 340 Verletzte, FAZ.net: ' „Es gab keine Massenpanik", Duisburgs stellvertretender Polizeipräsident Detlef von Schmeling sagte, es seien „keine Menschen im Tunnel zu Tode gekommen“, sondern an der Zugangsrampe davor.' (Um den Weg abzukürzen, WD) "Die Loveparade galt im Vorfeld als eine der wichtigsten und größten Veranstaltungen zur „Ruhr.2010“ im Kulturhauptstadtjahr."
/// Wem fiele da nicht Neil Postmans "Wir amüsieren uns zu Tode" ein. Es sollen, so eine Sanitäterin auf n-tv, die Sanitäter und Ärzte von den "Ravern" angegriffen worden sein, so daß sie nur mit Polizeischutz zum Einsatzort kommen konnten. Hinter berichtenden Reportern drängten feixende Jugendliche ins Bild und zeigten ein Victory-Zeichen.


- Es sind noch Lehrstellen da, das ist die gute Nachricht. Viele Betriebe müßten aber Nachhilfe für eingestellte Lehrlinge organisieren.

Samstag, 24. Juli 2010

Neues aus China, Luftreinhaltung





Angenehme Temperatur! 5. Zecke.





- Neues aus China: " Das 1982 aus der chinesischen Verfassung gestrichene Streikrecht soll auf Provinzebene wieder eingeführt werden. Nach den Arbeitsniederlegungen und den Selbstmorden von Wanderarbeitern in Kanton (Guangdong) will die gleichnamige Provinz das erste Gesetz des Landes zur Regelung von Arbeitskämpfen und Lohnvereinbarungen erlassen. Der Gesetzentwurf sehe direkte Tarifgespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor, die es bisher so nicht gegeben habe, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. " FAZ 23.7.10

/// Es ist bemerkenswert, daß die positive wirtschaftliche Entwicklung selbst auf die KP China ihre Wirkung nicht verfehlt. Im Hintergrund stehen natürlich Personalprobleme: viele Wanderarbeiter kehren nicht aus ihrer Heimatregion zurück, weil sie dort langsam ebenfalls Arbeit finden. Höhere Löhne bewirken außerdem, daß mehr Kaufkraft im Inland entsteht, Investitionen dort lohnender werden, was wiederum den riesigen chinesischen Kapitalexport nach Amerika reduziert, der dort die Anleiherenditen seit Jahren drückt, was halbstaatliche Hypothekenfinanzierer und Immobilienkreditnehmer auf leichtfertige Gedanken brachte. Auch der US-Geldmarkt und die Leitzinsen hätten es leichter, sie dürften mit den chinesischen Löhnen steigen, denn die niedrigen Löhne halten auch über den Preisdruck die Zinsen niedrig und blähen die Geldmenge auf. Schließlich würden auch die Arbeitsmärkte der Hochlohnländer berührt, wo die Langfristarbeitslosigkeit seit Jahren steigt, auch in Amerika.
Also laßt knacken, chinesische Kumpels!

Die globalen Effekte werden allerdings erst sehr langsam spürbar sein, denn die Diktatur paßt über die Zentralgewerkschaft scharf auf, daß nichts zu schnell geht.
Zudem könnten Lohnzuwächse in die Sparquote gehen, denn ähnlich wie Japan, Serbien, Rußland und Deutschland erwartet die Chinesen ein demographisches Problem. Wohin dann mit dem Gesparten? Kann ein Chinese der KP China trauen? Oder doch mehr den US-Anleihen? Es könnte sich wenig ändern ...

- 24. Juli 1985: Die Bundesregierung unter Kanzler Kohl beschließt die neue ‚Technische Anleitung Luft’ zur Verbesserung der Luftqualität . Der Herr Kay Bandermann hat heute im WDR-Zeitzeichen daran erinnert, hat daraus aber eine Propagandasendung mit einem Grünen gemacht. Außerdem wurde eine Langzeitstudie mit Frauen zitiert, die eine Verbesserung der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Lunge von Landbewohnerinnen (Borken) und Ruhrgebietsbewohnerinnen feststellt.

Keine Erwähnung fand dabei der Hausbrand, denn der Autor scheint ein klares Feindbild zu besitzen: die Schweine sind immer die Unternehmer. (Vielleicht würden die sich auch lieber von GEZ-Zwangsgebühren ernähren?) Auch heute noch ist der Hausbrand im Winter der größte Luftverschmutzungsfaktor in einer Großstadt wie Köln. Der Einfluß sank jedoch stark, weil die Kohle, mit der 1955 noch überall geheizt wurde, immer schwefelärmer und daher das für die Lungen gefährliche Schwefeldioxid SO2 geringer wurde (Schwefeldioxid wird bei der Kohleverbrennung frei). Es genügt ein Milligramm Schwefeldioxid in einem Kubikmeter Luft, um einen Menschen zu töten. 1952, als alle Haushalte noch mit schwefelreicher Kohle heizten, starben in London bei einem starken Dauersmog 4000 (!) Menschen. Mit der weitgehenden Umstellung auf Heizöl entschärfte sich das Problem weiter, und auch das Heizöl ist inzwischen noch schwefelärmer geworden.

Auch ohne die begrüßenswerte TA Luft hätte die Lungenlangzeitstudie also eine Verbesserung in den weiblichen Lungen festgestellt, zumal auch das Heizverhalten sich zwischen Borken und Ruhrgebiet annäherte: viele Ruhrgebietshaushalte heizten mit der kostenlosen Deputatkohle der Zechen außerordentlich verschwenderisch, die Kumpel saßen im Unterhemd auf dem Sofa, sie emittierten also reichlich SO2, während die Landbewohner ihre Heizkohle selbst bezahlen mußten und sich einen Pullover anzogen, um Kohle zu sparen; womit sie auch ihren Lungen einen Gefallen taten. Mit dem Rückgang des Steinkohlebergbaus entfiel auch die Deputatkohle. Aber im Weltbild des Herrn Bandermann sind wahrscheinlich Kohlekumpel immer edel, hilfreich und gut, auch wenn sie viel SO2 in die Luft eintragen, weswegen wohl diese Luftbelastung ganz weggelassen wurde bei der Zitierung der Lungenlangzeitstudie.


Aktuell ist das SO2-Problem in seiner ganzen Gefährlichkeit bis auf den heutigen Tag noch in China; es hat große Luftprobleme durch SMOG (eine Wortkreuzung aus dem engl.: smoke + fog): Giftig ist Schwefeldioxid insbesondere bei schlechter, schwefelreicher Kohle, die in China dominiert. Hinzu kommen die jahrelang brennenden Tagebauflöze und die Brandrodung des indonesischen Regenwalds.