Dienstag, 20. Dezember 2011

Trauerdisposition




Passionsfeiern in Kerbela
(Foto Muhammadhani / Wiki.)


Es war nicht anders bei Stalins Tod, Maos, Kim-il-Sungs. Jetzt gibt es die Inszenierung der Trauer um den brutalen Politverbrecher und nordkoreanischen Diktator Kim Jong-il. Warum werden die größten Verbrecher der Meschheit auch noch reichlich beweint? Es sind natürlich vor allem Frauen, denen die Tränen fließen, aber es sind auch Männer dabei in den Schautrauermärschen. Das Rezept ist alt, im Orient werden dafür auch heute noch professionelle Klageweiber eingesetzt. Sie setzen die Gefühlssignale, die die anderen in Trauer- und Klagestimmung versetzen, sie sind emotional hochgradig ansteckend. Auch bei säkularen okzidentalen Beerdigungen folgen die Beteiligten den in der Situation gesetzten emotionalen Impulsen. Es weinen vor allem die Enkelinnen, die den Toten oder die Verstorbene gar nicht mehr so recht kennengelernt haben.
Die Trauer braucht nicht unbedingt einen sinnlich erfahrenen Gegenstand, sie nährt sich in Gesellschaft auch selbst. Verstärkend tritt Musik dazu und eine organisierte Masseninszenierung. Je größer die Masse, desto weniger bedarf es eines konkreten Trauerobjekts. Die Trauermärsche der Schiiten viele hundert Jahre nach dem Tod des Imams Hussain ibn Ali sind ein anderer Beleg für die Trauerdisposition, die sich selbst nährt. Der Mensch ist kein Verstandeswesen.

Montag, 19. Dezember 2011

Nachts, wenn die Sonne scheint






Nachts und im Winter, wenn es schneit
Ist Solarstrom besonders gescheit




- SOLAR Millennium schließt. SOLON solar ist pleite. Landesbürgschaften werden fällig, der Steuerbürger muß zahlen. Prima. Den anderen deutschen Solarfirmen geht es schlecht. Trotz der Subventionen. Es handelt sich eben nicht um Hochtechnik, wie Röttgen u.a. weismachen wollen.
Die Solarbretter auf deutschen Dächern kommen fast alle aus China, die Verkabelung aus der Tschechei.
Noch mancher Photovoltaikbrand wird den Dachbesitzer überraschen: die Feuerwehr läßt lieber kontrolliert abbrennen, als ihre Männer gefährlichen Stromschlägen auszusetzen. Siehe www.naeb.info/ , Rubrik “Photovoltaikrisiken”.

- Einen Brand gab es auch bei einem Chevrolet Volt nach einem Seitenaufpralltest; der Batteriebrand entstand allerdings zeitversetzt erst nach Tagen auf dem Parkplatz. Es war der Parkplatz der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde. (Vgl. "Brandgefahr im Opel Ampera" u. "Ernüchternde Aussichten für Elektroautos", FAZ 16.12.11)

- Mehr Glück hatte die ADAC-Stromautotesterin Esser mit dem NISSAN Leaf. Sie schafft 360 km mit dem Elektro-Auto in 5 Stunden und 30 Minuten. Wirklich prima. Das Zwischenladen dauert so lange, wie ein Benzin-Auto gemütlich in einmal für die ganze Strecke braucht. (“Motorwelt” 12/11, S. 62)

- SAAB ist, nach langem Leiden, jetzt ebenfalls am Ende. Die schwedischen Löhne. Eine chinesische Firma wollte noch die Patente abstauben, aber GM gab sie nicht frei.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Schein, Sein und Kommunikation





Ein paar Schneeflocken gab es zum zweiten Mal in diesem Herbst




Rüdiger Achenbach unterhielt sich diese Woche im DLF mit der jüdischen Religions-
historikerin Dr. Edna Brocke über die abrahamitischen Religionen im Hinblick auf das Judentum. Am Rande erwähnte Brocke, daß die schwarze, exotische Tracht der orthodoxen Juden mit dem Judentum selbst nichts zu tun habe. Sie habe sich über die Ostjuden verbreitet, die die polnische Adelstracht kopierten, nachdem ihnen das in Anerkennung bürgerlicher (pekuniärer) Verdienste erlaubt worden sei.

Wem fiele da nicht Gottfried Keller und sein Wenzel Strapinski ein in der Novelle
„Kleider machen Leute“ :

An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihm ordentlich von diesem Drehen und Reiben. Denn er hatte wegen des Fallimentes (Pleite, WD) irgendeines Seldwyler Schneidermeisters seinen Arbeitslohn mit der Arbeit zugleich verlieren und auswandern müssen. Er hatte noch nichts gefrühstückt als einige Schneeflocken, die ihm in den Mund geflogen, und er sah noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte. Das Fechten fiel ihm äußerst schwer, ja schien ihm gänzlich unmöglich, weil er über seinem schwarzen Sonntagskleide, welches sein einziges war, einen weiten dunkelgrauen Radmantel trug, mit schwarzem Sammet ausgeschlagen, der seinem Träger ein edles und romantisches Aussehen verlieh, zumal dessen lange schwarze Haare und Schnurrbärtchen sorgfältig gepflegt waren und er sich blasser, aber regelmäßiger Gesichtszüge erfreute.
Solcher Habitus war ihm zum Bedürfnis geworden, ohne daß er etwas Schlimmes oder Betrügerisches dabei im Schilde führte; vielmehr war er zufrieden, wenn man ihn nur gewähren und im stillen seine Arbeit verrichten ließ; aber lieber wäre er verhungert, als daß er sich von seinem Radmantel und von seiner polnischen Pelzmütze getrennt hätte, die er ebenfalls mit großem Anstand zu tragen wußte. ...

Quelle: http://www.textquellen.de

Samstag, 17. Dezember 2011

Ex oriente lux





- Großartig, diese Demokratie in Tunesien. Die emanzipierte Politikerin Souad Abderrahim, die der stärksten Partei angehört, der islamistischen En-Nahda, bezeichnete kürzlich ledige Mütter als “Schande für Tunesien” (Jak. Biazza, FAZ 16.12.11). Tunesien ist eben das fortschrittlichste arabische Land.

- Marokko ist gleich nebenan, und auch dort ist man fortschrittlicher geworden: “Diskriminierung von Frauen im Namen der Religion bleibt möglich
Die Islamisten sind in Marokko stärkste Kraft im Parlament

Nach einem Gesetz von 1983 sind ledige Mütter in Marokko Prostituierte und unehelich Geborene sind offiziell "Kinder der Sünde". Marokkanische Frauenrechtlerinnen befürchteten, dass die Islamisten jetzt an solchen Gesetzen festhalten werden, berichtet der Deutschlandfunk in seiner Reihe TAG FÜR TAG / AUS RELIGION UND GESELLSCHAFT am 16.12.11 ( dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/1629542/ ) Und: "Unsere Sozialarbeiterinnen berichten, dass die marokkanischen Gerichte immer wieder Anträge auf Anerkennung der Vaterschaft ablehnen - selbst dann, wenn der DNA-Test positiv ist und wenn der Vater zur Anerkennung bereit ist. Wir hatten jüngst den Fall einer jungen Frau, die das Abi gemacht und Jura studiert hatte. Sie wollte in den Polizeidienst und bestand die Einstellungstests ohne Probleme. Doch als sie ihren Personalbogen ausfüllen musste, wurde sie nach dem Namen ihres Großvaters gefragt. Sie sagte: Ich kenne den Namen meines Großvaters nicht, weil meine Mutter nicht verheiratet war, als ich geboren wurde. Damit war die Sache gelaufen. Sie wurde nicht eingestellt." …

- Im neuen Ägypten berichtet Koptenbischof Damian die alten Sachen: Christliche Wähler würden bei den Parlamentswahlen betrogen. Beispielsweise würden Christen abgewiesen, weil sie schon abgestimmt hätten, und man zeige ihnen eine gefälschte Unterschrift auf der Wählerliste, etc. (DLF, AUS RELIGION UND GESELLSCHAFT am 16.12.11)

Freitag, 16. Dezember 2011

Kurz vor 1984





Noch ein schönes Weihnachtsbuch? Eine hinreißende Tiergeschichte?

Orwell hat nicht nur 1984, eine Vorausschau auf die Brüsselkratie geschrieben - der Verleger hat allerdings die Handschrift falsch gelesen und zwei Zahlen vertauscht - es muß 2084 heißen, nein, Orwell hat auch die legendäre ANIMAL FARM, die FARM DER TIERE verfaßt.



- > ‚ Deutsche Hilfspakete für Polen

Die Doku "Pakete der Solidarität" erinnert an Hilfsaktionen der Deutschen. Von Henryk Jarczyk.
Im Dezember 1981 wurde über Polen das Kriegsrecht verhängt, um den Arbeiteraufstand der Gewerkschaft Solidarnosc zu bändigen. ... Der Dokumentarfilm "Pakete der Solidarität" erinnert daran. ... "Pakete der Solidarität" ist einer davon. Erzählt wird hier die Geschichte einer Hilfsaktion vor mittlerweile 30 Jahren. ... den Anfang machten Privatpersonen in ihrem kleinen Umfeld. Menschen, die es einfach nicht hinnehmen wollten, dass mitten in Europa rein aus politischen Gründen Hunger und Verzweiflung herrschen.

"Die Bedürftigsten waren kinderreiche Familien, Familien mit kleinen Kindern und alte Leute, die nicht in Schlangen stehen konnten, um etwas zu kriegen."

Andrzej Lesinski, Seelsorger im nordpolnischen Allenstein, versuchte wie so viele andere katholische Pfarrer, seinen Landsleuten zu helfen. Viel ausrichten konnte er jedoch auch nicht. Und wäre da nicht Hilfe von Außen gekommen, davon ist er fest überzeugt, dann hätten es viele Menschen vermutlich nicht geschafft, die immer weiter um sich greifende Krise zu überstehen. Besonders dramatisch, erzählt die aus Polen stammende deutsche Kinderärztin Christina Gräf, war die Lage in den Krankenhäusern. Als sie eines Tages einen verzweifelten Hilferuf einer ihrer Kolleginnen aus Lodz erhielt, da zögerte sie nicht lange und ergriff die Initiative. Ohne zu ahnen, dass sie damit eine gigantische Welle der Hilfsbereitschaft auslösen würde. ...
Hilfsgüter, ohne die, meint der damalige Direktor des Kinderkrankenhauses von Lodz, es schlicht unmöglich gewesen wäre, viele der kleinen Patienten am Leben zu erhalten.

"Der erste Transport hat uns schier umgehauen. Es waren riesige Autos. Große LKW mit Verbandsmaterial, Lebensmitteln, vor allem mit Milchpulver, was für die Säuglinge sehr wichtig war." < DLF, Europa heute, 16.12.11 / Filmpremiere in Warschau, www.warschau.diplo.de/Vertretung/warschau/de/AKTUELLES/Pakete/Pakete__bg.html

Wenn Linksextremisten im Bundestag sitzen und wie Gysi, Lafontaine, Wagenknecht u.a. insgeheim den Zusammenbruch der stalinistischen Diktaturen bedauern und den freiheitsverzehrenden und wirtschaftliche Not hervorbringenden Sozialismus neu starten wollen, dann ist eine solche Erinnerung an die entsetzliche Armut der sozialistischen Verwaltungswirtschaft sehr wertvoll. Sie wurde nämlich von den sozialdemokratisierten Massenmedien praktisch verschwiegen.
Mir selbst war das Ausmaß des wirtschaftlichen Elends 1981 in den sozialistischen Diktaturen völlig unbekannt, ebenso diese Hilfsaktion. Ich las damals DIE ZEIT, die RHEINISCHE POST, den SPIEGEL, hörte WDR und sah ARD.