Donnerstag, 11. April 2013
Mittwoch, 10. April 2013
Bannend
Gubaidulina ist sehr religiös, aber sonst kann man sie nur loben. Töne haben nur eine Gefühlssemantik. Gubaidulinas musikalische Diktion hält sich gern im Halbdunklen auf. Auch die instrumentalen Farben sind eher dunkel, hier sind es Geige, Cello und Akkordeon. Letzteres setzt sie sehr expressiv ein, wie auch die Dramatik sich im Verlauf des Stücks mit Cello-Tönen bis an die Schmerzgrenze steigert. Keine gemütliche Komposition, aber bannend.
Dienstag, 9. April 2013
So hätten wir es gern
Was trug Maggie immer in ihrer Handtasche?
Jawohl, Friedrich August v. Hayeks
DIE VERFASSUNG DER FREIHEIT
von 1971, 1974 bekam er den Nobelpreis
(Bild: DickClarkMises / Wiki.)
Denn jeder, der sein inn‘res Selbst
Nicht zu regieren weiß, regierte gar zu gern
Des Nachbars Willen
Goethe, Faust II, 7015ff.
Da haben wir wohlformuliert das Prinzip der Kandidatenauswahl für politische Ämter, die für viele Kandidaten zutrifft. Es ist eine Negativauswahl, und wenn man dazunimmt, daß ein Drittel der Menschen überhaupt zu den kleinen oder großen Betrügern zählt, dann kann man Geschichte gleich viel besser verstehen. Und die Politiker ebenfalls. Das ist eine Spezies, der man grundsätzlich nicht vertrauen darf und der man nur so wenig Macht wir irgend möglich verleihen darf. Die Gefahr des Mißbrauchs zu groß, wie die Geschichte der letzten 3000 Jahre lehrt. Dreitausend Jahre deshalb, weil es dazu auch ein treffendes Zitat gibt:
Wer nicht von dreitausend Jahren
Sich weiß Rechenschaft zu geben,
Bleib im Dunkeln unerfahren,
Mag von Tag zu Tage leben.
Goethe, West-östlicher Divan, Buch des Unmuts
Also Vorsicht! bei Politikern.
Und noch eins ist zu bedenken, denn es gibt gelegentlich, ausnahmsweise, vertrauenswürdige Politiker, die nicht zuerst an ihre Macht denken, und wie sie sie ausweiten können:
"Es ist durchaus wahr und eine ... Grundtatsache aller Geschichte, daß das schließliche Resultat politischen Handelns oft: nein, geradezu regelmäßig, in völlig unadäquatem, oft in geradezu paradoxem Verhältnis zu seinem ursprünglichen Sinn steht."
(Max Weber, 'Politik als Beruf', Reclamausg. S. 64f. )
Daß sich alle Arten von Politikern oftmals irren, auch dafür liefert die Geschichte der letzten 3000 Jahre reichhaltiges Anschauungsmaterial.
Daher sind Politiker, die die persönliche Freiheit der Bürger achten und sie nicht in allen Bereichen bevormunden wollen, allen anderen vorzuziehen. Die fürsorglichen und bevormundenden Politiker höhlen nämlich den freiheitlichen Kern der Demokratie von innen Stück für Stück aus, bis nur noch eine Fassade steht.
Ließe sich eine Artung von Politikern umreißen, die als einigermaßen freiheitsverträglich gelten kann? Ja, doch, meint Goethe:
Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren. (Maximen u. Refl. 352)
Montag, 8. April 2013
Das kommt einem spanisch vor
Wer hätte sich die Reihenfolge nicht eher umgekehrt vorgestellt? Die Schweizer, hätte man angenommen, deren Großstädte nie systematisch flächendeckend bombardiert wurden, besitzen viel Wohneigentum, die Manana-Spanier dagegen wenig. Aber Spanien steht mit 85 % Wohneigentum weit an der Spitze, gefolgt von Italien, Norwegen und Polen mit je 77 %, fast gleichauf Portugal mit 76 %. Und nur 46 % Wohneigentumsquote bei den wieder wohlhabenden Deutschen? Merkwürdig! Die Mentalitäten sind also recht unterschiedlich und hängen nicht vom Wohlstand ab.
“My home is my castle” denken sich mehr Spanier und Italiener als Engländer. Ihre Denkweise bestimmt ihren Wohnstatus, auch da liegt Marx daneben. Bei Krisen wirkt die hohe Eigentumsquote einerseits entspannend, andererseits verlängernd. Wer eine Immobilie besitzt, neigt zur Immobilität. Während in den USA die Leute ihr billiges Leichtbauhaus bei Arbeitslosigkeit verlassen und zu einem neuen Arbeitsplatz ziehen, tun dies Besitzer eines teuren Betonbunkers in Spanien und Italien weniger oft. Sie harren lieber aus und warten auf bessere Zeiten, Mietkosten drücken sie während des Wartens nicht. Ist aber das Wohneigentum noch nicht abbezahlt, fesselt sie die Immobilie noch mehr an den Ort. Welche Mentalität vorzuziehen sei, ist nicht zu entscheiden. Zwar dauert die Krise bei hoher Wohneigentumsquote länger, aber sie drückt weniger. Gesamtwirtschaftlich machen es wahrscheinlich die agilen Amerikaner am besten, indem sie Mobilität mit billigem Wohnbesitz verbinden. Bei starken Stürmen ist das von Nachteil. Man kann eben nicht alles haben.
Sonntag, 7. April 2013
Manchmal lag er völlig schief
“ Das Rauchen macht dumm; es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben, die ein Dritteil des Lebens verschlafen, ein Dritteil mit Essen, Trinken und andern notwendigen oder überflüssigen Dingen hindudeln und alsdann nicht wissen, obgleich sie immer vita brevis sagen, was sie mit dem letzten Drittel anfangen sollen. ..."
(Goe., Schmauchlümmel)
Der Herr Goethe hatte öfters einmal unrecht, wie alle, und manchmal lag er völlig schief, er war kein Universalist.
Er konnte nicht physikalisch denken, weswegen er sich mit seiner Farbenlehre, an der er so verbohrt festhielt, gegenüber Newton so unsterblich blamierte. In der Beschränkung zeiget sich der Meister, da hat er recht, aber seine falsche Farbenlehre hielt er für seine größte Leistung. Das zeigt leider nicht nur seine Unbelehrbarkeit, sondern auch seine Unfähigkeit, sich selbst und seine Leistungen angemessen einzuschätzen.
Von Eckermann wissen wir auch, daß er die Vogelwelt Weimars auch noch als alter Mann schlecht kannte: “ in der Ornithologie scheinst du ein Kind zu sein. “ (Eckermann, Gespräche mit Goethe, 26.9.1827)
Die hirnlichen Fähigkeiten des Menschen sind eben begrenzt. Das gilt auch für Goethe. Lobhudelei dient nicht der Erkenntnis, auch nicht die des Germanisten Görner.
Zu: Goethe, der Universalist und die Kunst der Beschränkung, Von Rüdiger Goerner, DLF, Essay u Diskurs 7.4.13
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