Mittwoch, 19. März 2014

Mal Popper, Logik der Forschung, lesen


"Klimawissenschaften aufgepasst: Vorgefasste Meinungen sind eine der Hauptfehlerquellen in der Forschung

Das aktuelle März-Heft Nr. 100 von HORIZONTE des Schweizerischen Nationalfonds für die Wissenschaftsfinanzierung (pdf hier) bietet neben der üblichen Klimaalarm-Tristesse auch einige kluge Bemerkungen über wichtige Fehlerquellen in der Wissenschaft, die man jetzt nur noch auf die Main-Stream Klimaforschung anwenden müsste…
Wenden wir uns zunächst der Abteilung Klimaalarm zu: Auf Seite 22 kommt die Biologin Anita Risch nach intensiven Studien von abgezäunten Bergwiesen zur Erkenntnis “Auch Heuschrecken beeinflussen das Klima” und “Die Zusammenhänge sind komplizierter als wir dachten”. Aha – so, so.  Aber gut, dass wir dies nun genauer wissen und mit dem Klima hat sowieso alles zu tun… ;-)
Auf Seite 28 werden Arbeiten von Oliver Martin vorgestellt, die dem billigen Rezept der zahllosen Klimaerwärmungs-Trittbrettfahrer-Papers folgen:
1. Man setzt die Klimaprognosen des IPCC als schlicht unbezweifelbare Tatsache voraus.
2. Dann wird modelliert oder getestet, was diese gegebene Erwärmung für jede x-beliebige Fragestellung bedeuten würde.
3. Die Ergebnisse werden anschliessend bedeutungsschwanger als Bewältigungsstrategie für und/oder als Moralkeule gegen die sicher zu erwartende Klima-Katastrophe verkauft.
Dieses Paper-Produktionsrezept hat unbestreitbare Vorzüge: Man geht absolut kein Risiko ein, es garantiert mediale Aufmerksamkeit und das finanzielle Wohlwollen der meisten Förderinstitutionen, und man findet leichter zeitgeist-hörige Journals, die alles – aber auch wirklich alles – was die vorherrschende IPCC-Meinung zu bestätigen scheint, noch so gerne publizieren.
Andererseits darf der effektive Nutzen von vielen dieser Arbeiten durchaus bezweifelt werden, obgleich manche sich vielleicht schon durch ihren unfreiwilligen Humor und die dadurch produzierte Heiterkeit bei der Leserschaft rechtfertigen lassen. Zu letzterer Kategorie gehören auch die Forschungen von Oliver Martin, die auf den Seiten 28-29 mit dem Aufreisser “Wenn sich mit dem Klima die Paarungslust wandelt” vorgestellt werden: Seine Forschungsgruppe beschäftigt sich mit dem mono- oder polygamen Liebesleben von Mehlkäfern in Abhängigkeit von der Temperatur und gelangt zur evolutionsbiologischen Binsen-Weisheit: “Der Temperaturanstieg könnte nicht nur zu Artverlusten, sondern auch zu Neubildung von Arten führen”. Und weiter als Déjà-vu: “Die Situation ist komplexer als bisher gedacht”…
Nach diesen Kuriositäten nun zu den bedenkenswerten Beiträgen von HORIZONTE Nummer 100. Auf den Seiten 30 – 31 werden häufige Fehlerquellen in der Wissenschaft analysiert. Zu den grössten Problemen zählt offenbar die Voreingenommenheit von vielen Forschenden. So lesen wir hierüber:
“Natürlich gibt es offensichtliche Erklärungen für so manches falscher Resultat: fehlerhafte Versuche, fehlerhafte Auswertungen oder Interpretationen der Daten, selektive Auswahl der Daten aufgrund von vorgefassten Meinungen der Forscher.”
Hier könnte man anfügen, dass es in den Wissenschaften momentan wohl kaum vorgefasstere Meinungen gibt, als bei den IPCC-Anhängern. Auf den Seiten 46 bis 48 geht’s ähnlich weiter mit einem Interview mit John Ioannidis zur Frage, wie die Wissenschaft weniger fehleranfällig werden könnte. Sein Schluß-Statement verweist darauf, dass viele Wissenschaftler ihre “fixen Ideen” verfolgen, anstatt unvoreingenommen die Realität zu befragen:
“Aber vielleicht sollte dieser Kampf weniger oft der Verteidigung unserer Ideen dienen, sondern öfter dazu, dass unsere Ideen so nah, exakt und fehlerfrei wie möglich an die Wahrheit und die Realität kommen. Was immer diese Realität ist, wir sollten versuchen, sie besser zu verstehen.”
Ein Schelm wer bei diesen Aussagen an die realitätsblinden “Science-is-settled”-Klimaforscher denkt …"

Dienstag, 18. März 2014

Herzlich







Man kennt weder den tag noch die stunde. der akute herzinfarkt tritt ohne vorankündigung auf. ein stück von der ablagerung innen in den adern, den blutgefäßen, kann sich lösen und herzkranzgefäße verstopfen. erfolgt keine schnelle hilfe durch beseitigung des pfropfes, so sterben die zellen ab, die nicht mehr mit blut versorgt werden. je nach zahl der betroffenen zellen und nebenwirkungen kann auch das herz in gänze versagen und tod durch infarkt tritt ein.
Interessant ist, daß herzzellen offenbar riechen können, so jedenfalls riechforscher Hans HATT eingangs der tagung DER AKUTE HERZINFARKT - PRÄVENTION, PROTEKTION, REPARATUR (awk nrw 12.3.14). Bei Aktivierung eines Riechrezeptors wird die Schlagfrequenz verändert (s. die Kurve des Diagramms im Foto). Diese Herzzellen wurden zudem aus der Umprogrammierung von Hautzellen gewonnen. Damit ergibt sich auch die mögliche Perspektive, abgestorbene Herzmuskelzellen eines Tages verläßlich durch nachgezüchtete Zellen ersetzen zu können.



Anmerkung zur Groß-/Kleinschreibung: Gelegentlich, etwa bei Notizen, sympathisiere ich mit der Grimm’schen Kleinschreibung, doch verfalle ich immer wieder in die gewohnte Schreibung, die für mehr Lesefreundlichkeit sorgt.

Montag, 17. März 2014

Nicht alle Blütenträume reifen



Putzige Nachrichtensender wie n-tv u.a. betonen immer wieder, wie wichtig die ganzjährig eisfreie Krim für Putins Schifflein sei - ob die Redakteure in der reformierten Mittelstufe nie einen Atlas in der Hand hatten? Wikipedia bietet ihnen sogar eine Karte des Schwarzen Meeres an! Oder glauben die n-tvler vielleicht, Sotschi friere im Oktober zu, weil dort heuer die Winterspiele stattfanden? Oder bekommen sie von der russischen Botschaft Geld für ihre seltsamen Anmerkungen?


Rußland ist ein Rest-Imperium mit vielen ethnischen Minderheiten. Die Landnahme auf der Krim mit Kalaschnikow-Methoden, also mit sowjetisch-manipulierten Abstimmungen, Abschaltung der krim-ukrainischen Sender Kanal 5 und 1+1 -  diese Art von Abstimmungen unterschlägt die Krim-Tataren und die Ukrainer, die zusammen etwa 30% ausmachen und die zum Abstimmungsboykott aufgerufen haben. Das Abstimmungsergebnis von 95,5% bei 80% Wahlbeteiligung ist frei erfunden.

Im gesamten zusammengeraubten russischen Imperium gibt es nach der Russifizierung in den letzten 200 Jahren Russen, die Putin militärisch “beschützen” kann, weswegen die rund 100 autochthonen Ethnien den Einmarsch auf der Krim sehr mißtrauisch sehen. Ob die Erwartungen der moskaufreundlichen “Heim-ins-Reich-Krimrussen”, denen u.a. eine Verdoppelung der Rentenbezüge versprochen worden sein soll, sich erfüllen werden, bleibt abzuwarten. Wenn ja, dann werden das die armen Russen in den Provinzen bezahlen. Touristisch wird sich wohl nicht viel tun, denn in Sotschi in der Nähe wurden riesige Hotelkapazitäten geschaffen, die bedient sein wollen, und der ukrainische Schwarzmeertourismus wird nach Odessa gehen. Sanktionen könnten sein die bereits angedachten Maßnahmen gegen die Regime-Stützen wie Einreiseverbote und Kontensperrungen, die Rückkehr zu G-7, Einstellung der militärischen Zusammenarbeit und der Lieferung militärischer Güter, eine Revision der Informationsverbreitung etc. Vermutlich muß Kiew dem Verlust der Krim-Russen nicht lange hinterherweinen. Eine andere Frage ist, wie der Kremlfürst mit den Minderheiten der Krim-Ukrainer und Tataren umgehen wird. Und was islamistische Tschetschenen unternehmen werden.


Wenn Putin die Unternehmer weglaufen werden, wird er möglicherweise reagieren. Denn er sitzt auf einem sinkenden Rohstoff-Schiff mit maroden Anlagen. Auf einer abnehmenden Bevölkerungszahl. Auf einer Insel der Einfallslosigkeit, Korruption und Unterentwicklung. Wer allerdings beachtet, wie Putin sich im goldenen Kreml-Prunk präsentiert und in der Provinz als halbnackter Tarzan inszeniert, muß auch veranschlagen, daß er es mit einem Psychopathen zu tun hat. Wie lange der entstandene russische Mittelstand diesen neuen bizarren Zaren ertragen wird, bleibt abzuwarten.

Sonntag, 16. März 2014

Wo bleibt der Rücktritt Gerhard Schröders von Gaskorrup?

putin büchse tarnanzug.jpgDie Macht kommt aus den 
Gewehrläufen, davon ist Putin von Herzen überzeugt.

(Foto: AP/taz)

Mit der Gewalttat der Besetzung der Krim setzt Putin, nach vielen Beispielen zuvor, etwa der Schikanierung der Opposition, ein neues, besonders erschreckendes Zeichen seines reaktionären Machtwillens. Sein Kampf hat einen neuen Höhepunkt der Skrupellosigkeit erreicht.
Mit der Kalaschnikow-Abstimmung heute auf der Krim platzt auch eine sozialdemokratische Seifenblase: man könne darauf setzen, so die Vorstellung, daß der Dialog Annäherung bewirke und die Annäherung Wandel. Wandel zu einem Rechtsstaat und zu garantierten individuellen Freiheiten, allen voran die von Verhaftung unbedrohte freie Meinungsäußerung. 

Diese Strategie ist leider gescheitert. Der Versuch war richtig, doch die Gas-Verträge und die Leisetreterei bei vielen Gelegenheiten waren es nicht. Die Landnahme auf der Krim muß man hinnehmen, aber nicht ohne Protest lassen. Die Ukraine gilt es zu stabilisieren.

Samstag, 15. März 2014

Von Karl Barth zu Matthias Dembinski



Karl Barth, der einflußreiche protestantische Theologe und Taktgeber der EKD fand Stalin gar nicht so übel:
http://www.politics.ie/forum/history/141293-rev-karl-barth-comrade-stalin.html
"It is pertinent not to omit to discriminate in our view of contemporary Communism between its totalitarian atrocities as such and the positive intention behind them. And if one tries to do that, one cannot say of Communism what one was forced to say of Nazism ten years ago - that what it means and intends is pure unreason, the product of madness and crime. It would be quite absurd to mention in the same breath the philosophy of Marxism and the “ideology” of the Third Reich, to mention a man of the stature of Joseph Stalin in the same breath as such charlatans as Hitler, Goering, Hess, Goebbels, Himmler, Ribbentrop, Rosenberg, Streicher, etc. What has been tackled in Soviet Russia - albeit with very dirty and bloody hands and in a way that rightly shocks us - is, after all, a constructive idea, the solution of a problem which is a serious and burning problem for us as well, and which we with our clean hands have not yet tackled anything like energetically enough: the social problem."

And while Popes were being hysterical he said this...

"In its relationship to Christianity, Communism, as distinguished from Nazism, has not done, and by its very nature cannot do, one thing: it has never made the slightest attempt to reinterpret or to falsify Christianity, or to shroud itself in a Christian garment.... There is nothing of the false prophet about it. It is not anti-Christian."

"Class contradiction, says socialism, is the daily crime of capitalism. This system of production must therefore fall, especially its underlying principle: private property - not private property in general, but private ownership of the means of production.... the boundless competition between individual producers must fall; and the state, the whole, must itself become the producer and therefore the owner of the means of production. Jesus is more socialist than the socialists.... Jesus’ view of property is this: Property is sin, because property is self-seeking."

tameri.com

(Non) Response to Soviet Communism

Barth, like many European academics did not condemn the rise of Joseph Stalin or the communism of the Soviet Union. He did not defend the tactics of Stalin, but he found rabid anti-communism even more disturbing. Barth developed a cynicism towards all forms of government, finding none ideal.”

Und was sagte er, Karl Barth, zu den “Blättern für deutsche und internationale Politik”?
“Eine Insel der Vernunft”. (Wiki.) Schließlich stand die SED dahinter, auch finanziell, und die SED fand den Comrade Stalin auch ganz prima. Der stand hinter ihr, der SED, mit Panzern und finanziell.

Und auch heute noch schreiben die intellektuellen Linken in den “Blättern für deutsche und internationale Politik”. Habermas, Leggewie und auch Matthias Dembinski, der Comrade “Friedensforscher” aus Hessen, der gerade viel Mitgefühl für den Stalinfreund Putin aufbrachte und die fühllose Politik der EU kritisierte. (“Friedensforscher: EU hat russische Interessen vernachlässigt”, FAZ 14.3.14)

Sein Genosse Gerhard Schröder, in Diensten von Gaskorrup, sieht das auch so. Sie können die russischen Interessen nicht von Putins Interessen unterscheiden. Schade.