Montag, 8. August 2016

Natürlich






Was Max Stirner und Ayn Rand philosophisch ertasten, wird bei dem Biologen Maturana in den biologischen Blick genommen. Zahlreiche Psychologen haben die individuellen genetischen Vorgaben weiter untersucht und erforscht, besonders bekannt wurden Seligman und Pinker. Der Name gibt schon den Hinweis, daß sich Seligman von der therapeutischen Seite dem Thema nähert:

„Dealing with your symptoms is beginning to look more important again in light of the most important research finding in the field of personality of the last quarter of the 20th century: that most personality traits are highly heritable. Symtoms often, but not always, stem from personality traits. As such, I believe that they modifiable, but only within limits. … the negative emotions and the negative personality traits have very strong biological limits, and perhaps the best science and practice will ever do with the approaches I review in this book is to encourage people to live in the best part of their set range of psychological symptoms. Think about Lincoln and Churchill., both likely unipolar depressives. They were both enormously productive human beings who dealt with their ‚black dogs‘ and functioned beautifully even when very depressed.“

(Martin Seligman, What you can change, and what you can’t, Vorwort, 2006)

Bei der Erblichkeit von Persönlichkeitseigenschaften verweist Seligman auf den Kollegen Steven Pinker am MIT:
“Autismus, Dyslexie, Sprachverzögerung, Sprachstörung, Lernbehinderung, Linkshändigkeit, schwere Depression, manisch-depressive Erkrankung, Zwangsneurose, sexuelle Orientierung und viele andere Merkmale weisen eine familiäre Häufung auf, treten bei eineiigen Zwillingen öfters als bei zweieiigen Zwillingen gemeinsam auf, werden zuverlässiger durch die biologische Verwandtschaft als durch die Stief- und Adoptivverwandtschaft vorhergesagt und lassen sich kaum durch meßbare Eigenschaften der Umwelt prognostizieren.”

(Pinker, Das unbeschriebene Blatt, Die moderne Leugnung der menschlichen Natur, 2003, S. 73f.)













Sonntag, 7. August 2016

Wilhelm Friedemann BACH. Duet for flute number 2 col Major F59. Olga IVU...

Teleonomie? Nein, danke.











“Was, bin ich dazu in der Welt, um Ideen zu realisieren? … Was ficht mich ein solcher Beruf an? … kein Begriff drückt mich aus, nichts, was man als mein Wesen angibt … Ich hab mein Sach auf Nichts gestellt.” (Stirner, Der Einzige, Schluß)
Mit diesem Vers aus dem Goethe-Gedicht “Vanitas” sagt Stirner nicht nur jedem religiösen Bezug ab, sondern auch jeder Einvernahme in soziale Bindungen und geschichtsautomatische Entwicklungen aller Art. Daher ist der gedankliche Weg bis zu dem Biologen Humberto Maturana nicht sehr weit:
“Lebende Systeme sind als physikalische autopoietische Maschinen zweckfreie Systeme.” (Maturana, Erkennen, Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, 1982, S. 191)

Lebewesen sind in dieser Perspektive selbstorganisierende Systeme außerhalb jeder gerichteten Ordnung, sie sind zweckfrei. Die Maus fragt nicht nach ihrer Bestimmung in der Welt. Solche Fragen entspringen erst als Nebenprodukt einem großen, elaborierten Gehirn. Das sich dann Ordnungen mit Zweckrichtung ersinnt (Religionen und Ideologien), denen es sich dann oftmals bis zur Selbstaufgabe unterwirft.





Samstag, 6. August 2016

"Mir geht nichts über mich"










Johann Caspar Schmidt aus Bayreuth (1806-56) wurde in Berlin Max Stirner - mutmaßlich wegen seiner hohen Stirn, die Friedrich Engels im einzigen vorhandenen Bild festhielt; die Linkshegelianer trafen sich damals im Bund der "Freien".


Ob Ayn Rand den Linkshegelianer Max Stirner kannte? Kaum. Dabei hätte sie  sprachlich und intellektuell viel von Stirner und seinem Buch “Der Einzige und sein Eigentum” von 1844 profitieren können. Fast könnte man meinen, Rands “Tugend des Egoismus” sei nur ein müder Abklatsch des Stirner’schen Werkes. Dieses hat einen mitreißenden Schwung, der manchmal ein wenig aus der Kurve trägt. Aber allein die Einleitung ist grandios:
„Was soll nicht alles Meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit, der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache Meines Volkes, Meines Fürsten, Meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes und tausend andere Sachen. Nur Meine Sache soll niemals Meine Sache sein. »Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt!« “
Und richtig bemerkt er, daß die Selbstfindung des Menschen ein großes Problem darstellt, denn schon dem Kleinkind wird alles Mögliche - positiv oder negativ - übergestülpt:
“Von dem Augenblick an, wo er das Licht der Welt erblickt, sucht ein Mensch aus ihrem Wirrwarr, in welchem auch er mit allem anderen bunt durcheinander herumgewürfelt wird,  s i c h  herauszufinden und   s i c h   zu gewinnen.
Doch wehrt sich wiederum alles, was mit dem Kind in Berührung kommt, gegen dessen Eingriffe und behauptet sein eigenes Bestehen.
Mithin ist, weil Jegliches   a u f s i c h   h ä l t ,  und zugleich mit anderm in stete Kollision gerät, der   K a m p f   der Selbstbehauptung unvermeidlich.” (Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Beginn)
Gut, daß sein genetisches Erbe ihm überwiegend ein Wachstum zu einem stabilen ICH erlaubt. Oft aber gibt es schlimme Konflikte bei der Reifung. Und ständig versuchen Kollektivisten aller Art den jungen Menschen einzufangen und für ihre Zwecke zu mißbrauchen: Religionskollektivisten, Kommunisten und Faschisten.
Deswegen hat schon der desaströse Erzkollektivistenprophet Karl Marx den Stirner übel persönlich beschimpft, typisch für diesen Fanatiker:
“Der hohlste und dürftigste Schädel unter den Philosophen mußte die Philosophie damit ‘verenden’ lassen, daß er seine Gedankenlosigkeit als das Ende der Philosophie und damit als den triumphierenden Eingang in das ‘leibhaftige’ Leben proklamierte.”
(Marx, Deutsche Ideologie, Leipziger Konzil, III. Sankt Max, MEGA 3, 435)

Man sieht hier die ganze Bösartigkeit Marxens, KPdSU und SED knüpften hier in besonderer Weise an. Und vor der KPdSU floh Ayn Rand nach Amerika.







Claudio Arrau - Brahms Piano Sonata No.3 in F minor, Op. 5 (1 - 3)