Freitag, 29. Januar 2021

Der Enkel

1787 erschien Schillers “Don Carlos”. Der war der Enkel Karls V. und lebte historisch nur kurz von 1545 bis 1568 und starb mit 23 Jahren. Warum nahm sich Schiller gerade dieses Stoffes an? Weil da was los war, wie es Schiller liebte: Liebe, Lug und Trug, Tod und Freiheitskampf. Die protestantischen Flamen kämpften gegen die katholischen Unterdrücker. “Geben Sie Gedankenfreiheit” lautet die zentrale Stelle dafür; der Marquis de Posa fordert sie vom spanischen König Philipp II., dem Vater des Don Carlos, der für die Liebesverwicklungen zuständig ist. Ihn treiben und verwirren die Gefühle bis zum frühen Tod. 

Ja, die Gefühle. Kant fand sie viel zu irrational und sah in ihnen eine große Gefahr für den Verstand, für die Rationalität.






 

Donnerstag, 28. Januar 2021

DON CARLOS

 Abb.: Unterschrift geleistet als Carlos I de Castilla, León y Aragón (Wiki./Costales)

Karl V. war eine rechte Promenadenmischung, nicht aus dem Tierheim, sondern aus Gent, wo er im Jahr 1500 in den sog. spanischen Niederlanden geboren wurde. Die Mutter war die wahnsinnige Johanna I. von Kastilien und Leon aus dem Hause Trastamara. Urgroßvater Karls war ein Valois, Großvater ein Innsbrucker und der Vater, Maxi I., kam aus der Wiener Neustadt.
Was also war Karl V.? Das ist so schwer zu sagen wie es kompliziert ist zu erklären, was das HRR, das Heilige Römische Reich, war. Nationen befanden sich erst in der Bildung, aber der Hochadel war eine übernationale Inzestvereinigung und spielte nach eigenen Machterhaltungs- und Machtausdehnungsregeln.

Abb.: Unterschrift geleistet als Carlos I de Castilla, León y Aragón (Wiki./Costales)








Freitag, 22. Januar 2021

Entmachtung des Parlaments

 

Eine neue, außerparlamentarische Druck- und Agitationsgruppe “Kein Covid” hat sich gebildet. Das erinnert an die Anti-Atom-Gruppe, die außerhalb des Parlaments begann und die dann durch eine radikale 180°-Wendung der Kanzlerin Merkel zur regierungsamtlichen “Energiewende” führte. Außerparlamentarisch ist auch der “Deutschen Ethikrat”, den Merkel eingerichtet hat, weil sie offenbar das Parlament für zu dumm hält. Das Gleiche gilt für die Leopoldina als Ratgeber, wobei die Regierung nach Lust und Laune andere Berater hinzuzieht. Der Bundestag spielt diese Entmachtungspolitik mit. Das ist in hohem Maße antidemokratisch. Die neue Druckgruppe ist ein Menetekel.











Montag, 18. Januar 2021

Reichsgründung 18.1.1871


 



Christopher Clark blickt von verschiedenen Seiten auf die Reichsgründung vom 18.1.1871. Er stellt den föderalen Charakter heraus, wie er sich in der Verfassung vom 16.4.71 widerspiegelt, die ihm eher als ein Vertrag denn als Verfassung erscheint.

“Seine Majestät der König von Preußen im Namen des Norddeutschen Bundes, Seine Majestät der König von Bayern, Seine Majestät der König von Württemberg, Seine königliche Hoheit der Großherzog von Baden und Seine königliche Hoheit der Großherzog von Hessen und bei Rhein für die südlich vom Main belegenen Theile des Großherzogtums Hessen schließen einen ewigen Bund zum Schutze des Bundesgebietes und des innerhalb dessen gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes.”

(Clark, Preußen, S. 636)

Man sieht, daß die nationale Einigung hier noch ein Versprechen ist, bei dem den beteiligten Monarchen nicht ganz wohl ist; insbesondere dem bayrischen Märchenfreund Ludwig II., der nur durch Bestechung Bismarcks gewonnen werden konnte. Bismarck war denn auch der Regisseur der Reichsgründung. Der neue Kaiser Wilhelm I. notierte später, wie schwer es sei, unter Bismarck Kaiser zu sein. 






Samstag, 16. Januar 2021

Gut getanzt

“Wie bei den Hopi-Indianern der Regentanz scheint das Reden von Ankurbelung der Wirtschaft, Sicherung des Standorts Deutschland, Beschaffung von Arbeitsplätzen eine wichtige Funktion zu erfüllen; jedenfalls die, den Eindruck zu verbreiten, daß etwas getan wird und nicht einfach abgewartet wird, bis die Dinge sich von selbst wenden.” (Luhmann, Die Politik der Gesellschaft, S. 113)


Die Kurfürsten wählten seinerzeit den Kaiser nach Maßgabe der Vorteile, die sie sich von seiner Wahl versprachen. Nicht anders verfahren die Kur-Funktionäre der Parteien. Welcher neue Häuptling verhilft mir zur Sicherung meines Mandats als Bürgermeister, Landtags- und Bundestagsabgeordneter - das ist hier die Frage. Denn der Parteikaiser entscheidet über die Aufstellung der Kandidaten in der Hierarchie der Funktionen von Bund bis Bürgermeister, und seine Präsenz in den Medien verhilft im besten Fall zu eigenen attraktiven Wahlresultaten. Beim Symboltanz der Kaiserkandidaten schnitt heute der Kandidat Laschet am besten ab. Seine konsensuale Ausstrahlung des netten Onkels von nebenan läßt auf Machterhaltung hoffen.