Dienstag, 22. Juni 2021

Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelalter. Bäuerliches Mißtrauen. Eine Frage der Sicherheit.

Das Außenverhalten der Bauern ist so stereotyp, weil sie nur in ihrem Kreis halbwegs sicher sein können. Der Bologneser Jurist Odofredus hat das im frühen 13. Jahrhundert genau gesehen: ‘Das ist die Art der Bauern: Wenn sie beisammen sind, tun sie alles Böse und würden sogar Karl (den Großen) in Verwirrung bringen. Aber wenn sie einzeln auftreten, sind sie keine Henne wert und verbeugen sich vor jedem Ritter.’”

Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 381











Samstag, 19. Juni 2021

Schutzbedürftigkeit der Gewerbe im Mittelalter



Abb.: Bolognas mittelalterliche Wehrwohnstätten im 11. Jahrhundert, genannt 'Gechlechtertürme' - eine Rekonstruktion von Toni Pecoraro bei Wikip.

Wer im Mittelalter ortsgebunden einer Berufsarbeit nachgehen mußte, brauchte den Schutz eines fürstlichen Haudraufs, um die Früchte seiner Arbeit genießen zu können. Gewalt war stets gegenwärtig. Dies betraf vor allem Handwerker, deren Produkte leicht geraubt werden konnten im Vergleich zu bäuerlichen Immobilien. Der König oder sonstige Fürst gewährte diesen Schutz gern und kassierte dafür Abgaben und Pacht. Die Behörde ‘Königskammer’ verwaltete und überwachte die Dienstgewerbe, denen sie auch Vorschriften aller Art machte, wie dies auch heute noch der Fall ist, ‘Regulierungen’ genannt. Dazu gehörten auch Monopole, die streng gehütet wurden und für eine gewisse Erstarrung sorgten, weil der Wettbewerb unterdrückt wurde. Wo sich aber etwas regte und die mittelalterliche Starre durchbrochen wurde, erregte das schnell überregionale Aufmerksamkeit und Landesherren luden agile Ausländer gern an ihren Hof oder Bauern zu speziellen Aufgaben ins Land. So kamen die Siebenbürger Sachsen nach Rumänien. Im Reformationszeitalter erfolgte das in großem Stil mit calvinistischen Handwerkern, etwa in Brandenburg. 

 







Freitag, 18. Juni 2021

Klimaschau #44: EU verbietet Windkraft-Dauersubventionen

Geld schneiden mit Zappelstrom zu Lasten der Stromkunden!

Frühe Marktwirtschaft

Nachdem es im Mittelalter möglich wurde, die Stadtbevölkerung zu ernähren, erfolgten viele Stadtgründungen, einerseits Hofstädte, die eher parasitischen Charakter trugen, weil der Hofstaat auf Kosten der Bauern lebte, andererseits Marktstädte, in denen der Handel eine zentrale Rolle spielte. Der Handel sprengte die regionalen Grenzen und betrieb seine Geschäfte auch als Fernhandel. Führend waren dabei norditalienische Städte wie Siena. Von dem Sieneser Kaufmann Andrea de Tolomei ist ein Brief von 1265 erhalten, den er aus der französischen Messestadt Troyes an seine Teilhaber in Siena schrieb. Aus ihm geht hervor, daß er sowohl Geld- als auch Warengeschäfte kombiniert betrieb, die bis nach London und Coventry reichten. Das sind Entfernungen, die erstaunen, die aber in der gleichen Zeit ebenso von der Hanse über die sanfte Ostsee bewältigt wurden. 

Die Marktwirtschaft spielte also früh nicht nur eine große, sondern auch eine internationale Rolle und entwickelte sich kontinuierlich weiter. Der Palazzo Tolomei in Siena steht heute noch. 

Vgl. Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 387ff.


Donnerstag, 17. Juni 2021

Wir machen eine Stadt: FREIBURG i. Bg.


“Das älteste deutsche Stadtrecht, das von Freiburg im Breisgau, besteht aus einer lateinischen Handfeste des Zähringers Konrad von 1120/22”, von Borst übersetzt:

‘Aller Nachwelt und Mitwelt sei kundgemacht, daß ich, Konrad, an dem Platz, der mir als Eigengut gehört, nämlich Friburg, einen Marktort gegründet habe … Nachdem angesehene Geschäftsleute von überallher zusammengerufen worden waren, habe ich angeordnet, diesen Marktort durch eine Art Schwurverband anzufangen und auszubauen. Daher habe ich jedem Geschäftsmann für den Hausbau zu Eigengut in dem angelegten Marktort eine Hofstätte zugeteilt und angeordnet, daß mir und meinen Nachkommen von jeder Hofstätte ein Schilling gängiger Währung als Zins jährlich … zu zahlen ist. … Ich verspreche also allen, die meinen Marktort aufsuchen, im Bereich meiner Macht und Herrschaft Frieden und sichere Reise. … Allen Geschäftsleuten erlasse ich den Marktzoll.’”

Arno Borst, Lebensformen im Mittelalter, S. 396