Dienstag, 29. März 2022

Klarer Sieg nach Punkten!

Friedrich Schlegel und Hegel


Schlegel predigt gegen Hegel,

für den Teufel schieb’ er Kegel


Hegel spottet über Schlegel

Sagt, er schwatzt’ ohn’ alle Regel


Schlegel spannt der Mystik Segel;

Hegel faßt der Logik Flegel.


Kommt, ihr Deutschen, Kind und Kegel,

Von der Saar bis an den Pregel!


Schaut, wie Schlegel kämpft mit Hegel!

Schaut, wie Hegel kämpft mit Schlegel!


1827 August Wilhelm Schlegel 


Es werden zwischen Saar und Pregel in Ostpreußen nicht ganz so viele zugesehen haben, aber die konfessionellen Gegensätze und der Kampf um ein geeintes Deutschland - groß mit Österreich, klein ohne - trieb nicht nur Metternich und Schlegel um. Politisch relevant wurde diese Frage aber erst 1848/9, und Bismarck entschied sie 1870/1. Das katholische Österreich wurde eine eigene Nation. 


Montag, 28. März 2022

Wie kommt ein Hannoveraner Pastorensohn in katholische Wienerische Dienste?

Gute Frage! Es ist ein verworrener Weg, bei dem Napoleon und sein Gegenspieler Metternich aus dem Rheinland eine Rolle spielen und auch die Frau de Stael. Sie reiste 1809 mit August Wilhelm Schlegel nach Wien, woraus sich eine Hofsekretärsstelle für den stellungslosen Bruder Friedrich ergab, die dann auch - für Österreich - zum Wiener Kongreß führte. Arbeitgeber Metternich war zufrieden mit Friedrichs dokumentarischer und publizistischer Arbeit und schickte ihn - für Österreich - zum Deutschen Bundestag nach Frankfurt. Denn Friedrich Schlegel vertrat die großdeutsche Lösung, Wiens Kaiser Franz I. sollte in die Fußstapfen seines Vorfahren Karls V. treten und das alte Reich, das es nur in der Phantasie gab, wiederbeleben. Das erboste den preußischen Hegel aus Tübingen:

“wogegen die gegenteilige, nämlich die Friedrich Schlegelsche Befreiung und Katholisierung unser aller, geradezu vor die Schweine gegangen ist und derselbe es für Glück wird anzusehen haben, wenn nur der Galgen von ihm befreit bleibt.”

(Ernst Behler, Friedrich Schlegel, 1966, S. 165)(Auf FB hätte Hegel das nicht schreiben dürfen!)


Sonntag, 27. März 2022

Die Schlegels in Genf

Napoleon der Gräßliche verwies 1802 die reiche Erbin Necker alias Madame de Stael des Landes. Sie ging nach Genf und betätigte sich als Saloniere. Sie lud 1804 auch August Wilhelm Schlegel an den Genfer See, wo er vier Jahre blieb und den Shakespeare übersetzte. Bruder Friedrich folgte ebenfalls einer Einladung und fand im Stael-Schloß Coppet viel Beachtung, insbesondere sein Werk “Über Sprache und Weisheit der Indier”. Er begründete damit die deutsche Indologie, was man einem Romantiker nicht unbedingt erwartet hätte.  


Samstag, 26. März 2022

Protestantisches Pfarrhaus

Ja, auch Friedrich Schlegel ging daraus hervor, wie sein Bruder August Wilhelm. An ihrer intellektuellen Begabung besteht kein Zweifel, sie begründeten die Literaturkritik in Deutschland. Und Friedrich konvertierte - der einzige Fall dieser Art - zum Katholizismus, dergestalt dokumentierend, daß das Denken im Verlauf der Lebensjahre recht merkwürdige Kapriolen schlagen kann und es oft tatsächlich tut. Friedrich Schlegel bekam vom Papst sogar den Christusorden verliehen, eine der höchsten Auszeichnungen des Vatikans. 


Freitag, 25. März 2022

Goethe und die Romantik


„Mir ist ein neuer Ausdruck eingefallen“, sagte Goethe, der das Verhältnis (zwischen Klassik und Romantik, WD) nicht übel bezeichnet. Das Klassische nenne ich das Gesunde und das Romantische nenne ich das Kranke. Und da sind die Nibelungen klassisch wie der Homer, denn beide sind gesund und tüchtig. Das meiste Neuere ist nicht romantisch, weil es neu, sondern weil es schwach, kränklich und krank ist, und das Alte ist nicht klassisch, weil es alt, sondern weil es stark, frisch, froh und gesund ist. Wenn wir nach solchen Qualitäten Klassisches und Romantisches unterscheiden, so werden wir halb im reinen sein.“ (Eckermann - Gespräche mit Goethe, 2. April 1829)

Was hätte er zu Foucault und Derrida, Lacan und Judith Butler gesagt?