Dienstag, 19. Februar 2008

Deutscher Nebel

19.2.
-4° Nachtfrost, mi 5° s

- Horten, Beisheim, Flick, Boris Becker, Schumi - wie viele werden nach dieser KGB-Kampagne Steinbrücks Deutschland verlassen? Was wird der Saldo ausweisen? Rund 50 % statt des Zehnten - darüber wäre vor allem und zuerst zu sprechen.

- "Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2008, Nr. 42, S. 9

Einwanderungsstopp und Rückführung!

Die F.A.Z. hat in den vergangenen Tagen bezüglich der Integration und Assimilation der in Deutschland lebenden Türken viele gute Fragen gestellt. Verstehen Türken und Deutsche dasselbe unter dem Begriff Integration? Sind die Türken an Integration interessiert? Reicht Integration überhaupt aus, oder wäre eine Assimilation der Türken notwendig, um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten? Was ich aber vermisst habe, sind Antworten und Konzepte. Angenommen, die äußerst bescheidenen Integrationsansprüche des deutschen Staates reichen nicht aus, um ein friedliches Zusammenleben zu garantieren oder eine Gettoisierung zu verhindern. Angenommen, die Türken bevorzugen es, die momentan existierende türkische Parallelgesellschaft weiter auszubauen anstatt sich zu integrieren, ganz egal, welche Integrationsangebote man ihnen macht. Angenommen, ein großer Teil der Türken baut darauf, dass sich diese Frage aus demographischen Gründen in ein paar Jahrzehnten ohnehin erledigt haben wird, weil sie dann von einer deutschen Minderheit verlangen wollen, dass diese sich den Zuwanderern anpasst. Was wären die Schlussfolgerungen, die Deutschland heute ziehen müsste? Ich halte es für überfällig, die Realität in Deutschland wie in allen anderen Ländern mit großen muslimischen Minderheiten zur Kenntnis zu nehmen und zu akzeptieren, dass eine erfolgreiche Integration beziehungsweise Assimilation von Einwanderern immer nur durch zwei Faktoren bedingt ist: durch ihre Zahl und ihre Kultur. Muslime sind schlecht integrierbar. Ist die Zahl muslimischer Einwanderer zu groß, wird Integration unmöglich, ganz egal, welche Angebote man macht. Ist die Zahl klein genug, erledigen sich Integration und Assimilation ganz von selbst. Jede ernst gemeinte Integrationspolitik müsste also mit einem Einwanderungsstopp für Muslime und einer Rückführung integrationsunwilliger Ausländer beginnen. Wenn man wie Frau Merkel von vornherein behauptet, dass dies "unser gemeinsames Land" und nicht das Land der Deutschen ist, dann gibt es auch keinen Grund für die Türken, unsere Forderungen zu erfüllen. Solange es deutsche Politiker und Medien nicht wagen, auf richtige und gute Fragen auch Antworten zu geben und Konsequenzen zu ziehen, wird dieses Land weiter auseinanderdriften, bis in unseren Großstädten Zustände herrschen wie in Paris. Was danach kommt, möchte man sich lieber gar nicht vorstellen."

CARL LANG, WIESBADEN

Montag, 18. Februar 2008

Knappheitspreise, Zimbabwe, Russland

18.2. Mo
-4° Nachtfrost, mi 5° s

- - Knappheitspreise: "... Nach einer Auswertung der Managementberatungsgesellschaft Hay Group liegt Deutschland im internationalen Vergleich im unteren Mittelfeld, was die Vergütung der Vorstandsvorsitzenden angeht. Hay hat die Gehälter der Chefs der jeweils 50 - gemessen an ihrem Börsenwert - größten Unternehmen in Europa und den Vereinigten Staaten analysiert. Vorstandsvorsitzende in europäischen Großunternehmen erhalten weniger als die Hälfte von dem, was ihre amerikanischen Kollegen bekommen. Das Gehaltsniveau deutscher Unternehmenslenker liegt nur bei 30 Prozent von den in Amerika üblichen Beträgen.
3,9 Millionen Euro - das ist die Summe, die gemäß der Studie ein Vorstandsvorsitzender in den größten deutschen Unternehmen im Mittel erhält. Dieser Betrag liegt deutlich unterhalb des europäischen Durchschnitts, der 5 Millionen Euro beträgt. Innerhalb Europas werden die Vorstandsvorsitzenden in Frankreich und Großbritannien am besten bezahlt - sie erhalten für ihre Arbeit durchschnittlich rund 5,9 Millionen Euro.
Wesentlich höher fallen die Verdienste in den Vereinigten Staaten aus. Dort erhalten Manager eine Vergütung von umgerechnet 13 Millionen Euro jährlich. Es sind vor allem die variablen Gehaltsbestandteile wie leistungsbezogene Boni und Aktienoptionen, die die Vergütungen in die Höhe treiben. Das Festgehalt amerikanischer Vorstandschefs bewegt sich 15 Prozent unter dem europäischem Niveau - es beträgt umgerechnet 1,1 Millionen Euro, während es im europäischen Mittel 1,3 Millionen Euro gibt. Europäischer Spitzenreiter, was das Fixum angeht, ist Großbritannien, wo die Unternehmensführer 1,4 Millionen Euro sicher haben, Schlusslichter sind Deutschland und die Niederlande mit 1,1 Millionen Euro. ..." 18.2. FAZ
- Ein Land, das die Leistungsträger ermordet oder vertrieben hat: "66 000 Prozent Inflation.
Lebenserwartung in Zimbabwe sinkt auf weniger als 40 Jahre.
tos. JOHANNESBURG, 17. 2.08. Die Inflation in Zimbabwe hat im vergangenen Dezember mit offiziell 66 000 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekordwert erreicht. Im Vergleich zum Dezember 2006 sei die Inflation im vergangenen Dezember um genau 66 213 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt in Harare am Donnerstag in einem Brief an die Banken mit. In November 2007 habe die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat noch bei 26 000 Prozent gelegen. Demnach habe die Preissteigerung allein zwischen November und Dezember 2007 mehr als 240 Prozent betragen, teilte das Amt mit. Die zimbabwische Zentralbank wollte diese Zahlen nicht bestätigen. Unabhängige Finanzfachleute halten indes selbst die Angaben des Statistikamtes für geschönt und gehen mittlerweile von einer realen Inflationsrate von 150 000 Prozent aus." FAZ

-"Wie werden aus Diktaturen Demokratien? Das war die Frage, die sich sogleich stellte, als die Sowjetunion vor nunmehr zwanzig Jahren unterging. Die Politikwissenschaftler sprachen damals von der Transformation des politischen, sozialen und ökonomischen Systems. Demokratien werden also nicht gestiftet durch den Willen derer, die in der Diktatur nicht länger leben wollen, sie entwickeln sich vielmehr in einem Prozess der Transformation. Man müsse nur geduldig abwarten, bis die Schwierigkeiten des Übergangs überwunden seien, bis auch in Russland Wirklichkeit werde, was es in Europa immer schon gegeben habe. So lautete das Credo der Transformationsforscher unter den Politikwissenschaftlern.
Inzwischen ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen, und nichts von dem, was diese Forschung in Aussicht gestellt hat, ist eingetreten. ... Das Versagen des demokratischen Verfassungsstaates ist für Margarete Mommsen vor allem ein Ergebnis russischer Traditionen: des personalisierten Herrschaftssystems und der tief verwurzelten autoritären politischen Kultur. In einem Gemeinwesen, in dem die Vorherrschaft der Exekutive über die Legislative ein Glaubenssatz ist, könne es keinen Rechtsstaat geben. Diese Kultur, die Streit verachtet, die Harmonie und Unterwerfung belohnt, habe es Putin leichtgemacht, ein autoritäres politisches System zu errichten, in dem sich die Unterworfenen nicht als Entrechtete, sondern als Profiteure der Macht einrichten. Richter, Beamte und Abgeordnete wollen nicht unabhängig, sie wollen in der Nähe der Macht sein. ..." Russland aber, wie häutet es sich?
Historikerin des Wandels: Margarete Mommsen zum siebzigsten Geburtstag, FAZ 16.2.
// Man muß noch tiefer ansetzen, bei der kleinsten sozialen Einheit: dem Individuum und seiner freien, bürgerlichen Gesinnung, oder eben seiner Knechtsgesinnung, beides wurzelt in Traditionen. In D wird seit Willi Brandt verstärkt am Abbau der leistungsbereiten bürgerlichen Kultur gearbeitet zugunsten eines staatsbürokratischen Fürsorgesystems, das die bürgerlichen Leistungsträger einem Generalverdacht aussetzt und das zunehmend KGB-Methoden einsetzt.

Sonntag, 17. Februar 2008

DES MENSCHEN TÄTIGKEIT KANN ALLZULEICHT ERSCHLAFFEN

-4° Nachtfrost, in Athen -3°; mi 5° Hz.öl 75,05
Noch sehr vereinzelter abendlicher Reviergesang der Amselhähnchen im Frost.

-"... was Aristoteles in seiner "Nikomachischen Ethik" und in seiner "Politik" ausbreitet, mit Hilfe der Axiome aufzubereiten, die ihm zum Verständnis der Welt dienen und die zugleich die Grundsteine für sein ethisches System sind: erstens das gelungene (vollendete) Leben in der Polis, zweitens der Mensch als ein von Natur aus auf politische Gemeinschaft angelegtes Lebewesen (zóon politikón) und drittens Handeln "gemäß der Natur" und Handeln "wider die Natur".

Erstens: Ein gelungenes Leben, sagt Aristoteles, bemühe sich um Glückseligkeit, die auf das Wohlergehen der Polis gerichtet sei. Glückseligkeit sei ohne Tugend unmöglich. Daher dürften sich nur diejenigen aktiv um das Wohl des Gemeinwesens bemühen, die nicht das Leben eines Handwerkers oder eines Kaufmanns führten, weil das eine unedel und das andere unehrenhaft sei. Auch Ackerbauern seien von der Staatstätigkeit auszuschließen, weil ihnen die Muße zur Ausbildung der Tugend und zur Besorgung der Staatsgeschäfte fehle. Aristoteles schließt also die Bürger von der Politik aus, die sich durch eigene Tätigkeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Allenthalben spürt man seine Geringschätzung derjenigen, die ein Handwerk ausüben und sich dabei schmutzig machen. Den Kaufleuten gilt seine Verachtung, da sie, anstatt sich als Bürger um das Wohl der Polis zu bemühen, auf Reichtumserwerb aus sind.

Zweitens: Dieses Axiom lässt sich positiv, also beschreibend und erklärend, und normativ verstehen: Der Mensch fühlt sich in Gemeinschaft wohler als allein. In der Gemeinschaft kann der Einzelne leichter sein Überleben sichern. Wenn sich für den Einzelnen die Überlebenschancen in der Gemeinschaft verbessern, dann hat er auch die Pflicht, sich für diese verantwortlich zu fühlen. Die daraus resultierende Verpflichtung ist jedoch nicht sozial - als Solidarität gegenüber den Nächsten - zu verstehen, sondern politisch: Erste Bürgerpflicht ist der aktive politische Einsatz. " ( Joachim Starbatty
Wenn Ethik inhuman wird, FAZ 16.2.) // Dieser philosophische Herumdenker A. ist außerstande, die Quelle materiellen Wohlstands zu erkennen: das sind vor allem Handwerk und Handel für diese Zeit. Was für ein Idiot. Das gleiche gilt für Platon: hätte man doch nie etwas von diesen Unsinnsschriften erfahren. Und zugleich: wieviel mehr haben Epikur und die Sophisten zu bieten. Aber natürlich ist die Zeit immer ein beschränkender Erkenntnisrahmen. Alle Erkenntnis ist vorläufig. Ausgangspunkt jeder Erkenntnis muß stets sein: wie funktioniert etwas. Abwegig immer die Frage, was etwas sei. Gipfel des Unsinns markieren die Einfachetiketten GUT und BÖSE. Schon für Kinder versperren sie die Einsicht in Wirkungszusammenhänge. Kausalität, der Satz vom Grund also, braucht aber mindestens noch die Dialektik:
DES MENSCHEN TÄTIGKEIT KANN ALLZULEICHT ERSCHLAFFEN,
ER LIEBT SICH BALD DIE UNBEDINGTE RUH;
DRUM GEB ICH GERN IHM DEN GESELLEN ZU,
DER REIZT UND MUß ALS TEUFEL SCHAFFEN.
Goethe, Faust I, Prolog im Himmel, V. 340 ff.
Hier gehts auch gleich weiter zu Zumwinkel und Co.; Betschwestern, Gewerkschaftsfunktionäre und Bundeskanzler schaffen keine materiellen Werte.
Kausalität, Dialektik und, notorisch übersehen und verdrängt: der Zufall. Diese Drei . DIE GROßEN DREI.

Samstag, 16. Februar 2008

Afrikanische Verhältnisse: Kenia und der kaputte Kontinent.

-5° Nachtfrost, mi 1° s . Erster Hummelflug in der Sonne.

-"Afrikanische Verhältnisse: Kenia und der kaputte Kontinent.
Von Hans Christoph Buch
Mehr als ein atavistischer Gewaltausbruch: die Unruhen in Kenia und anderswo
15. Februar 2008, FAZ. Eigentlich müssten sie sich an die Brust schlagen und „mea culpa“ rufen: all die Diplomaten, Entwicklungshelfer und Dritte-Welt-Experten, von den Kirchen bis zu den Parteistiftungen, die Afrika jahrelang gesundgebetet, die Probleme des Kontinents schöngeredet und ethnische Konflikte heruntergespielt haben bis zum Geht-nicht-Mehr. Wer den Finger auf die Wunde legte und die Dinge beim Namen nannte, wurde von der großen Koalition politisch korrekter Gutmenschen an den Pranger gestellt und als Schwarzseher, Rassist oder Kolonialist gebrandmarkt, obwohl oder weil die Krisensymptome unübersehbar waren.

Nein, Afrika ist kein „normaler“ Kontinent: Nirgendwo sonst auf der Welt sind so viele Blauhelmsoldaten und internationale Friedenstruppen im Einsatz, um brüchige Waffenstillstandsabkommen zu überwachen und verfeindete Volksgruppen daran zu hindern, mit Knüppeln oder Macheten, Granatwerfern und Kalaschnikows aufeinander loszugehen, um sich wechselseitig zu massakrieren. Die Liste der Bürger- und Stammeskriege - das Wort ist tabu, aber die Sache existiert trotzdem - ist kaum noch überschaubar, und ist ein Buschbrand mühsam gelöscht, flammt anderswo ein neuer auf: Burundi, Kongo, Elfenbeinküste, Darfur, Liberia, Somalia, Sierra Leone, Westsahara und Südsudan, Zimbabwe und Zentralafrikanische Republik heißen die Sorgenkinder Afrikas, und nun treten als Neuankömmlinge noch Kenia und der Tschad hinzu, zwei Staaten, die als logistische Basis für Hilfsorganisationen und Journalisten von größter Bedeutung sind, mit Blick auf den Genozid in Darfur ebenso wie auf die prekäre Lage im Südsudan.

Und es gehört keine Sehergabe dazu, um vorauszusagen, dass Südafrika nach dem Wechsel an der Spitze des ANC der nächste Kandidat auf der Liste der Krisengebiete ist: Die Kriminalität hat bürgerkriegsähnliche Ausmaße erreicht, der Exodus weißer Farmer ist voll im Gang, und Nelson Mandelas Symbolkraft als einsame Lichtgestalt reicht nicht aus, um die zerstörerischen Mächte im Zaum zu halten.
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Ein Wunschdenken, das zu partieller Blindheit führt

Dass Vizepräsident Zuma, der sich für die Vergewaltigung einer aidskranken Frau mit den Worten entschuldigte, er habe hinterher geduscht, zum Nachfolger Thabo Mbekis gewählt wurde, ist ebenso skandalös wie die Weigerung der Afrikanischen Union, sich von Robert Mugabe zu distanzieren, der sein Volk verhungern lässt. Die Kritik an Menschenrechtsverletzungen hat Zimbabwes Diktator außerhalb seines Landes noch populärer gemacht, und alles Gerede von Transparenz und good governance ist blanker Hohn angesichts der Brutalität selbsternannter Eliten und Afrikas himmelschreiender Korruption, die von den Betroffenen damit gerechtfertigt wird, ein Staatschef, der in die eigene Tasche wirtschaftet, sei einem Machtwechsel vorzuziehen, denn danach fange das Stehlen und Plündern wieder von vorne an.

Die Folgen des Tribalismus und Klientelismus sind derzeit in Kenia zu besichtigen, das bis vor kurzem als Hort der Stabilität und Bollwerk der Demokratie in Ostafrika galt - dasselbe hatten Experten über die vom Bürgerkrieg zerrissene Elfenbeinküste gesagt: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wurden ethnische Konflikte für nichtexistent erklärt. Dieses Wunschdenken, das alle Übel Afrikas auf eine einzige Ursache namens Kolonialismus reduziert, führt zu partieller Blindheit und Verkennung der Realität. Das heißt nicht, dass ethnischer oder religiöser Hass naturgegeben oder den Afrikanern angeboren sei. Es handelt sich um ein ideologisches Konstrukt, Wasser auf die Mühlen skrupelloser Demagogen und Warlords, das bei Bedarf mobilisiert und machtpolitisch manipuliert werden kann.

Die Sehnsucht nach Kolonialverhältnissen ist ein bedenkliches Indiz

Kenia ist das beste Beispiel dafür: Die Fernsehbilder keulen- und speereschwingender Krieger vom Volk der Luo oder Kikuju bezeugen weder einen atavistischen Gewaltausbruch noch einen Rückfall in vorkoloniale Vergangenheit. Sie sind Folge einer manipulierten Wahl und Ausdruck von Klassengegensätzen, die weiße Besucher nicht wahrnehmen, weil ihre Gesprächspartner überwiegend der Mittel- und Oberschicht entstammen, deren sozialer Status auf Geld beruht, mit dem sich Konflikte gewaltlos regeln lassen. Die Slums von Nairobi hingegen waren und sind Brutstätten ethnischer Gewalt, wo die Mungiki-Sekte, ein von der Mau-Mau-Revolte inspirierter Kikuju-Geheimbund, jeden ermordet, der sich weigert, das geforderte Schutzgeld zu zahlen.

Die Tatsache, dass viele Afrikaner sich in die Vergangenheit zurücksehnen, als angeblich alles besser war, ist ein bedenkliches Indiz. An die Stelle der erhofften Entwicklung sind Stagnation und Rückschritt getreten, der die Kolonialzeit in verklärtem Licht erscheinen lässt. Afrikas märchenhafter Reichtum wurde und wird rücksichtslos ausgebeutet von multinationalen Konzernen in Komplizenschaft mit korrupten Regimes, und die Unabhängigkeit blieb ebenso ein frommer Wunsch wie die Einheit des Schwarzen Kontinents - ganz zu schweigen von Rechtsstaat und Demokratie. Unter diesen Umständen war der Besuch des Bundespräsidenten in Uganda und Ruanda zwar gut gemeint, aber kontraproduktiv, denn es handelt sich um Militärdiktaturen, die sich an der Destabilisierung der benachbarten Kongorepublik und der Ausplünderung ihrer natürlichen Ressourcen beteiligen. Das Regime in Kigali ist mitverantwortlich für das Massensterben im Osten des Kongo, dem dreimal so viel Menschen zum Opfer fielen wie dem ruandischen Genozid. Und es ist zu befürchten, dass der Völkermord weitergeht - in Kenia oder im Tschad."
Text: F.A.Z., 15.02.2008, Nr. 39 / Seite 37

Freitag, 15. Februar 2008

Ackermann jährl. mehr als 7 Mio. Steuern, Klimabarometer

Nachtfrost, mi 5° s . Da kam ein Bergischer Bachkrebs ins Bad: 1,5 mm Rumpflänge, die Scherenarme ebenso lang. Ob er noch wächst?

- - Boris Becker sitzt in der Schweiz, Schumi auch, Gottschalk in Amerika, aber Ackermann zahlt jedes Jahr mehr als 7 (sieben!) Millionen deutsche Steuern, als Schweizer; und die Reitzle, Obermann, Müller, Wenning, Zetsche, Zumwinkel etc. zahlen ebenfalls jedes Jahr Millionen deutsche Steuern: " - Eine Minderheit zahlt den größten Batzen. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft bereichert die Umverteilungsdebatte mit neuen Zahlen. Danach ... zahlen die obersten 30 % der Einkommen 62 % aller Steuern und Abgaben ..." FAZ 15.11.07 - Nach der jetzt angeblasenen Hatz auf die Megamacher werden eine ganze Reihe Supermänner ihre Wohnsitze verlegen. Merke: ein Bill Gates, der abwandert, kann durch zwanzig Millionen Softwareentwickler nicht ersetzt werden. Und einen Zumwinkel kann man nicht durch 20.000 Steinbrücks austauschen. (Äußerst unfair sozialistisch allerdings sein Mindestlohntiefschlag 2007 gegen die PIN-Gruppe!)
- Dresdner Bank-Supermann 1997: "Der Fall Wolfgang Röller
Der Vorwurf, ein hochkarätiger deutscher Manager habe mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung Steuern am Fiskus vorbeigeschleust, ruft Erinnerungen ... ergebnislos." FAZ 15.2.
- "Der Fall Dietmar Hopp
Einen unerwarteten Verlauf nahmen die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen Dietmar Hopp im März 2003: Sie mündeten in einem medial ... eingestellt." SAP-Mega-Mann Hopp gründete danach die Stiftung PRO JUSTITIA gegen Justizwillkür. 15.2.
- "Zürich (Reuters) - Die Liechtensteiner Vermögensverwaltungsbank LGT Group hat Hinweise, dass vor rund sechs Jahren gestohlene Kundendaten der Tochterfirma LGT Treuhand AG entgegen dem bisherigen Wissensstand immer noch im Umlauf sind. ..."

- "Klimabarometer
Bei der geopolitischen Größe, die die Klimaforschung in den zurückliegenden Monaten an den Tag gelegt hat, ist etwas Menschliches zu kurz gekommen, das uns erst jetzt wieder, mit der Lektüre eines neuen klimapolitischen Fanals, in den Sinn kommt: Dass die Klimatologen nämlich eines der kommunikativsten Völkchen unter den Naturforschern sind. Wenn es um die Organisation ihrer Interessen und Botschaften geht, sind sie unschlagbar kreativ und regelrecht gesellig. Nach innen wie nach außen. Ihre politische Sensibilität etwa ist nahezu konkurrenzlos. In dem nun zur Rede stehenden Fanal geht es um eine Arbeit in den "Proceedings" der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, der das Kippen des Klimas zum Gegenstand hat. Nicht, dass es diese Schlagzeilen nicht längst gegeben hätte: das Klima kippt, droht zu kippen oder steht auf der Kippe. Der Variationen gab es viele. In der klimatologischen Rigorosität freilich, mit der das Thema hier behandelt wird, und - was psychologisch nicht gering zu schätzen ist - mit dem Segen der Akademie hat noch niemand vorher das Thema aufgegriffen. Ein gutes Dutzend Klimaelemente, vom grönländischen Eisschild bis zum westafrikanischen Monsun und den borealen Wäldern, hat man daraufhin geprüft, ob sie innerhalb eines "politischen Zeithorizonts" und eines "ethischen Zeithorizonts" so massiv gestört werden könnten, dass sprunghafte und womöglich unumkehrbare Entwicklungen angestoßen werden. Man wolle verhindern, heißt es, dass sich "die Gesellschaft in einem falschen Gefühl von Sicherheit wiegen könnte". Das Ergebnis dieser Klimakatastrophenbilanz ist schnell zusammengefasst: Abgesehen vom Meereis in der Arktis und dem Grönlandeis, die man als nahezu sicher gefährdet und möglicherweise sogar schon am Kippen sieht, herrscht große Unsicherheit. Der trügerischen Sicherheit im Volk wird die mangelnde Sicherheit der Wissenschaft entgegengesetzt. Beunruhigend ist weniger dieser nicht gerade überraschende Befund als die Art und Weise, wie man die "Kippelemente" dingfest zu machen hoffte: mit einer Umfrage. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der University of East Anglia in Norwich haben nach einem Berliner Workshop 193 Wissenschaftler weltweit zu ihrer Einschätzung der Kippgefahren befragt. Das sollte dem Ganzen Gewicht geben. Und vielleicht muss man ja wirklich befürchten, dass der klimatologische Politbarometer als wissenschaftliche Methode nun mit der Veröffentlichung in den "Proceedings" einen Durchbruch erzielt hat. Vielleicht aber auch nicht. Denn letztlich haben doch nur 52 der 193 Forscher den Fragebogen auch tatsächlich ausgefüllt. Bei dem üblichen Kommunikationsbedarf in der Branche eine durchaus bemerkenswerte Quote. jom"
Text: F.A.Z., 13.02.2008, Nr. 37 / Seite N1