Freitag, 28. August 2009

Deutsch-deutsche Auswanderung



Anwerbebroschüre der SED-Diktatur: "Werbung für eine der wichtigsten Zielgruppen. Die speziell für Jugendliche entwickelte Broschüre: 'Wir kamen aus dem "goldenen" Westen' (1955)" (Text, Bild: Stöver / Henkel-Stiftung)

- Zeichen der Krise: Heute wird in Hagen das neue Emil-Schumacher-Museum eröffnet, zusammen mit dem sanierten Osthaus-Museum, sie bilden das neue Hagener Kunstquartier.-
Ifo- und GfK-Index gestiegen, DB korrigiert Bip-Prognose für 2010 auf +1,4%, ähnlich DIW .

- ' „Zuflucht DDR“ — Bernd Stöver über die deutsch-deutsche Auswanderung von West nach Ost
Neu in der Historischen Bibliothek der
Gerda Henkel Stiftung
Bis zum Mauerbau 1961 sind mehr als eine halbe Million Westdeutsche in die DDR emigriert, darunter Stefan Heym, Wolf Biermann, Robert Havemann, Ralph Giordano, Wolfgang Kieling, Lothar Bisky, Oskar Brüsewitz oder zuletzt Ronald M. Schernikau. Bis zum Mauerfall 1989 waren es jedes Jahr immer noch mehrere tausend. Bernd Stöver ist den Motiven und Schicksalen dieser Auswanderer nachgegangen. Meist aus bisher verschlossenen Geheimdienstakten hat der Potsdamer Historiker Geschichten zu Tage gefördert, wie sie nur die deutsche Teilung schreiben konnte. Sein Buch „Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler“ erscheint am 31. August 2009 in der Reihe „Historische Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung“.
Bernd Stöver beschreibt auf gut 380 Seiten erstmals, wovor die Übersiedler flohen, mit welchen Erwartungen sie in die DDR kamen und wie es ihnen im Arbeiter- und Bauernstaat ergangen ist. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei prominenten Auswanderern wie dem ersten westdeutschen Verfassungsschutzchef Otto John, den Spionen Günter Guillaume und Hans Wax, den Bundeswehroffizieren Bruno Winzer und Adam von Gliga, Politikern sowie den Terroristinnen Inge Viett und Susanne Albrecht, deren abenteuerlichen West-Ost-Biographien er auf der Grundlage von bisher unbekannten Akten von beiden Seiten des Eisernen Vorhangs schildert.'
(www.gerda-henkel-stiftung.de/presse_detail.php?language=de&nav_id=547)

/// Verlag und Stiftung stellten das am 30. August erscheinende Buch der Öffentlichkeit vor. Das Thema ist ganz interessant, insbesondere die Zahlen:
1950 verließen rd. 302.000 die SED-Diktatur, 40.000 zogen zu (Gesamt Wanderer = 342.000, 88% davon verließen also die Diktatur, 11,7% suchten sie auf, 1953: 520.000 zu 22.000 (542.000: 96% zu 4%), 1960: 247.000 zu 25.000 (272.000: 91% zu 9%), 1962 nach der Einmauerung: 21.500 zu 8.700 (30.200: 71% zu 29%) . In der Hauptsache stellt sich hier die Frage, die leider unbeantwortet blieb: welche Berufe flüchteten aus der sozialistischen Diktatur und welche zog sie an? Stöver gab an, daß die SED-Akten nicht die Ausbildungsberufe angaben, sondern nur 'Arbeiter' oder 'Handwerker' verzeichneten. Ich erinnere mich an "Spiegel"-Artikel, die Unternehmer und Akademiker als Hauptflüchtlingsgruppe nannten, das deckte sich mit den Verteidigungsbehauptungen von linken Gruppen, die den Mauerbau mit westlicher Abwerbungstätigkeit zu rechtfertigen suchten.
Stöver stellte den Bundeswehrmajor Bruno Winzer in den Mittelpunkt, bei seinen Kollegen als "Schuldenbruno" bekannt. Winzer flüchtete vor seinen Schulden in die Arme Ulbrichts und wurde Propaganda-Galionsfigur für die angebliche Kriegspolitik Adenauers und die Mauerbaurechtfertigung.
Drei Motivgruppen lassen sich bei den Diktatur-Zuziehern unterscheiden: Überzeugte Sozialisten und Kommunisten wie Biermann und Brecht, naive Menschen, die den Anwerbedarlehen und den Wohnungszusagen der SED Glauben schenkten und Kriminelle, die sich ihren Schulden, ihren Unterhaltsverpflichtungen, der Strafverfolgung in Westdeutschland durch den Grenzwechsel entzogen.

Donnerstag, 27. August 2009

Das Ende der letzten Eiszeit




Der Feuerdorn fruchtet

Alles, nur keine Eiszeit

- Klimawandel:
Das Ende der letzten Eiszeit
Von Horst Rademacher
Die letzte Eiszeit wurde von Schwankungen in der Erdumlaufbahn beendet
FAZ 26. August 2009
Wenn heute vom Klimawandel die Rede ist, dann geschieht das fast immer nur im Zusammenhang mit dem Anstieg der Konzentration anthropogener Treibhausgase in der Atmosphäre. Bei vielen Diskussionen darüber wird aber oft unterschlagen, dass das Klima auch ohne das Zutun des Menschen höchst instabil und äußerst variabel ist. So waren die Gegenden um Hamburg und Berlin noch vor 20.000 Jahren - also vor geologisch äußerst kurzer Zeit - unter einer dicken Eisdecke begraben, und die Alpen sahen damals etwa so aus wie Grönland und die Antarktis heute. Vielfach sind die Ursachen dieser extremen Klimaveränderungen noch nicht verstanden. Eine internationale Forschergruppe hat nun erstmals nachweisen können, dass regelmäßige Schwankungen in der Erdumlaufbahn das Ende der letzten Eiszeit ausgelöst haben.
Der serbische Astrophysiker Milutin Milankovic stellte schon vor beinahe achtzig Jahren die Theorie der „mathematischen Klimalehre“ auf. Danach führen periodische Schwankungen der Parameter der Erdbahn zu Veränderungen der Intensität, mit der die Sonnenstrahlung auf die Erde trifft. Zu den Schwankungen gehört unter anderem, dass sich die elliptische Form der Bahn der Erde um die Sonne periodisch verändert. Im Rhythmus von etwa 400.000 Jahren nähert und entfernt sich unser Planet dadurch von der Sonne. Auch die periodischen Veränderungen der Neigung der Erdachse gegenüber der Bahnebene haben einen Einfluss auf die Stärke des einfallenden Sonnenlichts. Schließlich führt die Präzessionsdrehung der Erdachse dazu, dass der sonnennächste Punkt der Erdbahn im Rhythmus von 26.000 Jahren zwischen Sommer und Winter schwankt.
Veränderungen der Erdbahn

Obwohl diese Variationen im Einzelnen recht klein sind, führen sie zusammen zu deutlichen Schwankungen jener Strahlungsenergie, welche die Erdatmosphäre von der Sonne aufnimmt. Das, so folgerte Milankovic, könne nicht ohne Einfluss auf das Klima bleiben. Die Folge seien periodische Klimaänderungen, beispielsweise der dauernde Wechsel zwischen Eis- und Warmzeiten im Quartär. Obwohl der Theoretiker den Nachweis schuldig blieb, dass der stete Klimawandel tatsächlich auf den Veränderungen der Erdbahn beruhte, werden diese Schwankungen ihm zu Ehren inzwischen als „Milankovic-Zyklen“ bezeichnet. Im Laufe der Jahrzehnte wurden aber noch zahlreiche andere Phänomene entdeckt, die das Klima bestimmen, darunter der Einfluss der Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre oder Variationen in den weitreichenden Meeresströmungen und den damit zusammenhängenden Veränderungen der Meerestemperatur.

Mit dem Ziel, die Beiträge der einzelnen Faktoren beurteilen zu können, hat die Forschergruppe um Peter Clark von der Oregon State University in Corvallis nun mehr als 5700 Messungen analysiert. Dabei handelt es sich um radiometrische Altersbestimmungen, mit denen verschiedene Forschergruppen den zeitlichen Verlauf der Ausdehnungen des Eises auf mehreren Kontinenten während der letzten Eiszeit kartiert hatten. Bei der Zusammenstellung dieser Messungen wurde deutlich, dass die Eismassen sowohl auf der Nordhalbkugel als auch in der Antarktis vor etwa 26.500 Jahren ihre größte Ausdehnungen erreichten. Diese Phase der intensivsten Vereisung hielt mit nur geringen regionalen Unterschieden mehr als 7000 Jahre lang an.

Veränderte Sonneneinstrahlung als Ursache
Clark und seine Mitarbeiter untersuchten aber auch die Frage, wieso sich das Eis vor etwa 19.000 Jahren weltweit zurückzuziehen begann. Dazu verglichen sie die Messungen der größten Eisausdehnungen mit den zeitlichen Verläufen mehrerer klimarelevanter Parameter. Dazu gehörten neben dem Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre und der Schwankung der Temperatur des Meerwassers im Westpazifik eben auch die Milankovic-Zyklen. Dabei stellte sich heraus, dass die Intensität der Sonneneinstrahlung vor etwa 23.000 Jahren ein Minimum durchlief und danach schnell zu steigen begann. Dagegen nahmen sowohl die Kohlendioxid-Konzentration als auch die Meerestemperatur erst vor 18.000 Jahren wieder zu, also nachdem das Eis schon zu schmelzen begonnen hatte. Wie die Forscher um Clark in der Zeitschrift „Science“ (Bd. 325, S. 712) schreiben, sei das ein eindeutiger Beweis dafür, dass eine Zunahme in der Sonneneinstrahlung die eigentliche Ursache des Rückzugs der Eisschilde in der letzten Eiszeit war." FAZ 26.8.09

- Edward Kennedy, kurz charakterisiert: "... 18. Juli 1969 auf furchtbare Weise: Eine junge Frau, ehemalige Mitarbeiterin seines Bruders Robert, kam bei einem Autounfall ums Leben. Am Steuer des Fahrzeugs saß Edward, sie war Beifahrerin; man kam von einer Party, der Wagen stürzte in ein Gewässer. Während Edward sich rettete – und sich vom Unfallort auf der Insel Chappaquiddick entfernte –, ertrank sie.
Die Umstände des Geschehens wurden nicht restlos geklärt; vielleicht hätte auch die Frau gerettet werden können, hätte Edward sofort Hilfe geholt. Diese Vermutung legte sich wie ein langer Schatten auf seinen Ehrgeiz." FAZ 26.8. /// Der Siebenunddreißigjährige hatte getrunken, das verschweigt die FAZ hier, deswegen seine kriminelle Fahrerflucht. Das Leben seiner Beifahrerin war dem machtgeilen Mistkerl nicht so wichtig wie seine Karriere.

Mittwoch, 26. August 2009

SOLARENERGIE, Intersexualität




Der Herbst webt, die Tautropfen machen es sichtbar

800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya (Bild: Focus)

- SOLARBRIEF: Sehr geehrter Herr X,
vielen Dank für Ihre ausführliche Solar-Antwort! Es ist erfreulich, wenn Kandidaten in ihrem Stimmbezirk klare Auskunft geben.
Natürlich entwickeln sich die Dinge. Wer hätte 2005 vorhergesagt, daß alle deutschen Solarfirmen (außer Solarworld) 2009 rote Zahlen schreiben würden? Eine Vermutung konnte man haben, weil die Modul-Preise völlig überhöht waren und das den Wettbewerb in Gang gesetzt hat, der die Preise nach unten schickte. Ein Wettbewerb, der wahrscheinlich von den dt. Solarfirmen nur Ersol und Solarworld übrig läßt, aber nur, wenn sie zur Montage nach China gehen, wo diese relativ einfache Technik - eben kein High-Tech !!! - inzwischen zur Hälfte des dt. Modulpreises angeboten wird. Arbeitsplätze adieu, Kapital fehlgeleitet.-
Jobs und Wozniak, Gates und Allen brauchten für ihre Computer keine himmelschreiend hohen Subventionen - sie bekamen keinen Dollar!! - trotzdem leisteten sie damals ehrliche Hochtechnikarbeit - bis heute, was Jobs betrifft!
Solange Photonen emittiert werden, wird auch Strom erzeugt - bei diffusem Licht aber nur die Hälfte - bei dichter Wolkenbedeckung noch weniger: ich habe drei Solarleuchten im Garten, der Nachbar zehn, sie taugen im Sommer schon wenig, im Winter, beim höchsten Strombedarf, brennen sie eine (!) von 24 Stunden!
In Leipzig an der Strombörse wird in der Hauptsache der Überschußstrom gehandelt - ohne die Grundlastkraftwerke der ehrlichen Stromerzeuger: Kohle und Kernkraft, für die Spitzenbelastungen auch das Erdgas - ginge der Preis durch die Decke. Würde die Zwangseinspeisung mit Zwangspreis gestrichen, so gäbe es morgen keine Solarenergie mehr auf der Nordhalbkugel der Erde (Ausnahmen Spezialanwendungen auf dem Segelboot und im Orbit, überall dort, wo es keine Stromnetze gibt). -
Leider gehen Sie auf das Hauptargument: die Energiedichte der verschiedenen Rohstoffe gar nicht ein. Deutsche Braunkohle und deutsche Kernkraft führen da mit tausendfachem und bei Uran mit millionenfachem Abstand ! ! ! ! Diese Rohstoffe sind langfristig verfügbar! Wir haben sehr viel Braunkohle im Land, die ohne Subventionen und ohne Importe preiswerte Energie liefert! Da die Japaner ein Verfahren zur Urangewinnung aus Meerwasser entwickelt haben, steht Uran auf ewige Zeiten zur Verfügung!
Wer unwissende Schüler in der Gemeinde auf die völlig überteuerte Sommertagszufallsenergie orientiert, ist für mich auf Anhieb leider nicht wählbar. Schade.

- Intersexualität:
" In der Grauzone der Geschlechter.
Ist 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya ein Mann? Wer glaubt, es genügt, nach dem Y-Chromosom zu fahnden, täuscht sich. Eine eindeutige Bestimmung ist oft nicht möglich. Von FOCUS-Online-Autorin C. Fux. "

- Archaisches Erbe: Drei Camper in Coesfeld getötet: Da kann man ziemlich sicher sein, daß das ein Mann war. Siehe auch: In der Nacht auf den 15. November 1959 wurden der Farmer Herb Clutter (48), seine Frau Bonnie (45), die Tochter Nancy (16) und der Sohn Kenyon (15) in ihrem Haus bei Holcomb, Kansas, auf grauenvolle Weise umgebracht. Ein Motiv war zunächst nicht erkennbar, denn mehr als 40 oder 50 Dollar gab es nicht zu erbeuten. Die beiden jungen Mörder Richard Eugene Hickock und Perry Edward Smith gingen der Polizei am 30. Dezember 1959 in Las Vegas ins Netz. Sie wurden am 1965 gehenkt." www.dieterwunderlich.de/Capote_kaltbluetig.htm#cont

Dienstag, 25. August 2009

Hans von Herwarth, Hermann Lübbe, 1968



Hermann Lübbe

- "Johnnies Moskauer Geheimnis.
Wie Hans von Herwarth im Sommer 1939 Hitlers kriegerische Absichten durchkreuzen wollte - und sich später nicht damit brüstete. / / Von Rainer ..." FAZ 24.8.09 /// Herwarth informierte den amerikanischen Diplomaten Bohlen über den Hitler-Stalin-Pakt. Dieser Verrat (Landes- oder Hochverrat?) blieb unentdeckt, Herwarth verließ den diplomatischen Dienst und meldete sich am 26.8.39 zur Wehrmacht und fand später zum Kreis Stauffenbergs, was ebenfalls unbemerkt blieb. Nach 1945 machte er eine große diplomatische Karriere, schwieg aber über seinen "Verrat". Das führt zu der Frage, wie weit eine Staatsmaschine Loyalität von seinen Beamten beanspruchen darf bzw. muß. Gegenüber einem Diktator mag man diesen Anspruch heute schlechterdings verneinen, doch hat die Politik Folgen für eine ganze Bevölkerung, zumal die Westmächte in diesem speziellen Fall eines Abkommens zwischen zwei hochgefährlichen Staatsverbrechern sich zu nicht voraussehbaren Aktivitäten gegen Hitler, aber eben auch gegen Deutschland hätten veranlaßt sehen können. Einfache Antworten sind im Drang solchen Geschehens schwer möglich, auch wenn man die Entscheidung gegen zwei Diktatoren und zugunsten der westlichen Demokratien grundsätzlich nur begrüßen kann.

- Hermann Lübbe, politischer Philosoph und ehemals SPD-Staatssekretär in Düsseldorf hat dem Journal 2/09 der Th.-Morus-Akademie ein beeindruckendes Interview gegeben ("Mehr Direktdemokratie täte uns gut", Ein Gespräch mi Hermann Lübbe zu 60 Jahren Bundesrepublik Deutschland. Er schildert darin sein Engagement in der SPD für das Godesberger Programm und sieht in den Ereignissen von 1989/90 "eine unglaubliche Bestätigung für die Richtigkeit der Adenauerschen Politik". Das Grundgesetz habe sich "als ein außerordentlicher Glücksfall der deutschen Rechtsgeschichte erwiesen", er wünsche sich aber heute zur Lockerung der Parteienmacht eine Ergänzung des repräsentativen Systems durch "mehr Direktdemokratie", hatte er doch seinen Lehrstuhl zuletzt in Zürich. 1968 spart er nicht aus: "Man sah Trupps durch die Straßen der Universitätsstädte ziehen unter roten Fahnen und unter Führerbildern: Marx, Engels und auch die großen Massenmörder Lenin, Stalin und Ho-Chi-Minh - sie alle wurden gefeiert. Das war verblüffend: Woher dieser Rückfall in den intellektuellen Radikalismus?" -
Ja, das konnte man sich in der Tat fragen, das muß man bis heute. Lübbe ist dazu immer lesenswert.

- 1968 : " Es waren die frühen siebziger Jahre, Kröber studierte in Münster. Er engagierte sich in einer linken Sozialarbeitergruppe, erst nebenher, dann mit wachsendem Interesse. „Irgendwann war die Politik wichtiger geworden als das Studium. Wir wollten besser sein als unsere Elterngeneration. Eine kommunistische Gesellschaft schaffen“, sagt er. „Im Nachhinein geniere ich mich für diese politische Verblendung.“ 1974 trat Kröber in den Kommunistischen Bund Westdeutschlands (KBW) ein, eine maoistisch orientierte sogenannte „K-Gruppe“. 1976 kandidierte er für die Bundestagswahl.
„Das war ein richtig heißer Sommer“, erinnert er sich: Schlägereien mit der Polizei, Ärger wegen unangemeldeter Demos. „Am Ende hatte ich zehn Strafverfahren“, sagt Kröber. „Neun davon habe ich gewonnen, das zehnte hat dafür gesorgt, dass ich den Traum, an einer Uniklinik zu arbeiten, für lange Zeit aufgeben musste.“ ...' Hans-Ludwig Kröber, Im Seelenleben der Verbrecher, FAZ 22.8.09

- Carl Schurz über Karl Marx: "Niemals habe ich einen Menschen gesehen von so verletzender, unerträglicher Arroganz des Auftretens. Keiner Meinung, die von der seinen abwich, gewährte er die Ehre einer einigermaßen respektvollen Erwähnung. Jeden, der ihm widersprach, behandelte er mit kaum verhüllter Verachtung. Jedes ihm mißliebige Argument beantwortete er entweder mit beißendem Spott über die bemitleidenswerte Unwissenheit oder mit ehrenrühriger Verdächtigung der Motive dessen, der es vorgebracht. Ich erinnere mich noch wohl des schneidend höhnischen, ich möchte sagen, des ausspuckenden Tones, mit welchem er das Wort 'Bourgeois' aussprach; und als 'Bourgeois' , das heißt, als ein unverkennbares Beispiel einer tiefen geistigen und sittlichen Versumpfung, denunzierte er jeden, der seinen Meinungen zu widersprechen wagte." - Das Zitat findet sich bei Golo Mann, Dt. Geschichte, S. 177, in dessen hervorragenden Porträt Karl Marxens. (Auch als Hörbuch erhältlich.)

- GM scheint Opel halten zu wollen - zweifellos die beste Lösung.
Man muß schon eine grenzenlose Opportunistin wie Merkel sein, um eine Magna-Übernahme mit russischer Beteiligung zu begünstigen, die Opeltechniktransfer ins Land des Autokratenduos Putin-Medwedjew bedeuten würde.

Montag, 24. August 2009

NATO, Karl Schlögel, „Terror und Traum. Moskau 1937“




11-26°C, Sonne! So kann's bleiben.

- 22.8.38 : Hitler-Stalin-Pakt .
Geschichtsbild ohne lästige Fragezeichen
Siebzig Jahre nach dem sowjetischen Pakt mit Hitler hat in Russland der staatlich geförderte Kult um den Sieg ohne Fragezeichen und die Rechtfertigung von Stalins Politik wieder Konjunktur. Die kritische Beschäftigung mit den Kriegsursachen wird indessen immer weniger gern gesehen. ... Mit Putin Rückkehr zur alten sowjetischen Bewertung.
Der staatlich geförderte Kult um den Sieg ohne Fragezeichen hat wieder Konjunktur. Die kritische Beschäftigung mit den Kriegsursachen wird indessen immer weniger gern gesehen, und hinter dem retuschierten offiziellen Bild vom Sieg lugt Stalin wieder deutlicher als dessen Konstrukteur hervor. Die Debatte über die geheimen Abmachungen zwischen Hitler und Stalin sei abgeschlossen, sagte Putin vor vier Jahren kurz und bündig und kehrte im gleichen Atemzug zur alten sowjetischen Bewertung des Nichtangriffspaktes mit Hitler zurück. Die Sowjetunion habe schließlich die Sicherheit an den Westgrenzen garantieren müssen.
Präsident Medwedjew ging noch weiter. Er berief eine Kommission ein mit dem Ziel, Geschichtsfälscher zu entlarven, die Geschichte (des Zweiten Weltkriegs) zum Nachteil der russischen Interessen umschreiben. In der Duma wurde über Strafmaßnahmen gegen Sünder nachgedacht. Nach dem Urteil im Nürnberger Prozess stehe fest, hieß es, dass Nazi-Deutschland den Krieg entfesselt habe. Wer daran rüttele, etwas anderes behaupte und dadurch Russland in den Dreck ziehe, mache sich strafbar und müsse die Folgen tragen. Die russische Akademie der Wissenschaften übernahm die Rolle eines Transmissionsriemens und forderte in einem Schreiben die zeitgeschichtlichen Institute auf, nach Geschichtsfälschern zu fahnden. Die Institute lieferten Material. Die Initiatoren des Schreibens bestreiten zwar, dass dem Denunziantentum in „vaterländischer Absicht“ - wieder - Tür und Tor geöffnet werden solle. Aber eines der Mitglieder der Präsidentenkommission beklagte öffentlich, dass der russische Staat darauf dringe, die Geschichte zum Instrument der großen Politik zu degradieren. Das gab es schon einmal - in der langen sowjetischen Nacht einer gefesselten Geschichtswissenschaft." FAZ 22.8.09

/// Wenn sich zwei Schurken treffen und einen Pakt schließen, dann bedeutet das Krieg. Hitler sah sich gegen England und Frankreich im Vorteil, Stalin sah diese drei Länder erst im Krieg und dann erschöpft und sich selbst als Sieger am Atlantik.- Es kam ganz anders. Und es wäre auch ganz anders gekommen, wenn sich US-Präsident Wilson mit seinen Friedensvorstellungen 1918 in Versailles durchgesetzt und Frankreichs Schikanediktat verhindert hätte. Die Appeasementpolitik hat Hitler Zeit und innenpolitischen Erfolg gebracht und Hitlers Aggressivität unterstützt. Außer Wilson haben praktische alle europäischen Politiker versagt. Sie haben der Weimarer Demokratie vorenthalten, was sie dem Diktator dann zugestanden haben. Sie haben durch die Schikanen gegenüber den deutschen Demokraten den Aufstieg des Erzverbrechers gefördert, der sich schon in den zwanziger Jahren in "Mein Kampf" klar als solcher in seinen Absichten ausgewiesen hat.

- Karl Schlögel, „Russland-Deuter“
Der in Frankfurt/Oder lehrende Osteuropahistoriker Karl Schlögel gilt als einer der besten Kenner der russischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Seinen Studien über Moskau und St. Petersburg als Laboratorien der Moderne hat er nun ein Werk über die kulturellen Auswirkungen des Stalinismus folgen lassen („Terror und Traum. Moskau 1937“, München 2008). Darin beschreibt er, wie in den 1930er Jahren die politische Herrschaft der Bolschewiki an einer Überzahl innenpolitischer Konflikte zu zerbrechen drohte: vor allem durch die völlige Zerstörung der agrarischen Grundlage der russischen Gesellschaft und die Überforderung ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durch die forcierte Industrialisierung. Stalins Ausweg: die Konstruktion ständiger Verschwörungen und deren Bekämpfung in den „Säuberungen“ einerseits, die Beschwörung eines Kults der Modernisierung andererseits. Beides kulminiert im Jahr 1937: Terror und Technikrausch. Reinhard Lauterbach spricht mit Karl Schlögel über das, was die 1930er Jahre langfristig in der sowjetischen und der russischen Gesellschaft hinterlassen haben."
/// U-Bahn-Marmor in Moskau, Hungersnot auf dem Land, Elend auch in der Stadt, wo ganze Familien in einem Zimmer hausen und für die geringen Lebensmittel stundenlang in langen Schlangen warten mußten.

- NATO. Hat 1938 gefehlt: Am 24. August 1949 trat der Nordatlantikvertrag in Kraft und sollte – unter anderem unter dem Eindruck der Berlin-Blockade - den „freien Westen“ vor einem jederzeit möglichen Angriff durch die Sowjetunion schützen. Nachdem Roosevelt, der bereits mit seiner törichten New-Deal-Politik die amerikanische Rezession verlängert hatte, Stalin bis Berlin vorrücken und die Länder Osteuropas versklaven ließ, fanden Truman und Churchill eine realistischere Sicht auf den Expansionwillen Stalins. Daraus wurde ein Pakt, der Demokratie und Freiheit in Westeuropa gerettet hat und sie bis heute sichert.

- Aristoteles und die Zeit: "Es reiht sich an das bisher Versprochene, über die Zeit zu handeln. Zuerst nun ist es wohlgethan, Zweifel über sie vorzulegen, nach äußerlicher Begriffbestimmung, ob sie zu dem Seienden gehört oder zu dem Nichtseienden; sodann welches ihre Natur ist. Daß sie nun überhaupt nicht ist, oder Einschränkungen und Dunkelheiten, könnte man aus Folgendem argwöhnen. Ein Theil nämlich von ihr ist gewesen, und ist nicht, der andere aber wird sein, und ist noch nicht." A., Physik, Buch IV, Kap. 10
"Notwendig gilt also: Es bewegt sich das Bewegte in einer Zeit, und es ruht in einer solchen das Ruhende." A., Physik, Buch VI, Kap. 3 /// 
 Vielleicht hätte er doch besser arbeiten gehen sollen?

- - ' Otto Gerhard Oexle. Setzen, Aristoteles, sechs!
"Die aristotelische Wissenschaft und die scholastische Wissenschaft des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts waren nicht Forschung", beschied Oexle ... Die Geschichtswissenschaft als empirische Hypothesenwissenschaft, das, lieber Aristoteles, ist Forschung. ' Oexle zum 70., FAZ 24.8.