Dienstag, 10. November 2009

Temperaturrückgang



Figure: United States annual average temperature, 1895-1997 (data source: National Climate Data Center).

- Nobelpreis schützt vor Narrheit nicht: 1972 sagten sie das Versiegen des Öls für das Jahr 2000 voraus, heute können sie kein Thermometer ablesen. "Klima-Appell der Nobelpreisträger.
jom. FRANKFURT, 9. November. 60 Nobelpreisträger haben ebenso wie Persönlichkeiten aus Politik, Religion und Wirtschaft ein Klimaschutz-Memorandum unterzeichnet. ... Zu den Unterzeichnern zählen Michail Gorbatschow, der Dalai Lama, Mohammed El Baradei, die Schriftsteller Doris Lessing und John Cotzee sowie auf deutscher Seite Medizinnobelpreisträger Harald zur Hausen und Physik-Laureat Gerhard Ertl. Sie alle fordern, der nächste Klimavertrag müsse "dem Ausmaß und der Dringlichkeit der sich bereits heute abzeichnenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Krisen gerecht werden". Wesentlich beteiligt an der Ausarbeitung des Memorandums war das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung." FAZ

- Temperaturrückgang: ' 2009 shaping up to be a “normal” temperature year in the USA. 9 11 2009
While we find cooling trends now in RSS and UAH global data from 2002, the US contiguous temperature record for 2009 seems to be returning to very near the normal baseline for temperature in the last century.
From World Climate Report: Another Normal Year for U.S. Temperatures?

Early last January, when the final 2008 numbers were in for the U.S. annual average temperature, we ran an article titled “U.S. Temperatures 2008: Back to the Future?” in which we noted that “The temperature in 2008 dropped back down to the range that characterized most of the 20th century.”

2009 seems to be following in 2008’s footsteps. ... ' (http://wattsupwiththat.com/)

- Gretchenfrage: Kann ich mein Leben selbst gestalten? Ohne Gesetzesflut, ohne extreme Steuern und tausend zusätzliche Zwangsabgaben? Das ist heute die Gretchenfrage. Die Diktatur der kommunistischen Kerkermeister und Mauermörder hat ihr verdientes Ende gefunden - wunderbar! Aber der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch - SED-PDS-Linke fordern eine neue Planwirtschaft, zu der immer eine wohlstandsvernichtende und den einzelnen Menschen verachtende Diktatur gehört.

- Mauer der Gegenwart: Gefesselt durch Abgaben und eingemauert durch Steuern soll der deutsche Michel wenigstens seinen Spaß haben beim Mauerfallspektakel, wo sich Schranzen wie Sarkozy und Medwedjew auf seine, des Steuerzahlers Kosten, produzieren.

- Glückliche Schweiz: Arbeitslosenquote steigt auf 4% (5% gelten als Vollbeschäftigung); US-Arbeitslosenquote jetzt 10,2% .

Montag, 9. November 2009

Freiheit, die ich meine, und Isaiah Berlin



Trüber Tag, Wald, kalt und naß (4-7°C) ; an solchem Tag wird sinnfällig, warum die Bieber Germanien früher besiedelt haben als die Germanen!

- Berlin: " Am eingängigsten hat Berlin seine These 1958 in seiner Antrittsvorlesung als Chichele Professor of Social and Political Theory in Oxford unter dem Titel "Two Concepts of Liberty" vorgetragen. Positive Freiheit, erklärte er, ist verknüpft mit Selbstbeherrschung und Selbstbestimmung des eigenen Schicksals. Negative Freiheit dagegen ist die Befreiung von allen Zwängen. Berlins Geniestreich bestand darin, kontraintuitiv zu denken. Seit der Antike halten wir Selbstbeherrschung für eine Vorbedingung der Zivilisation und darum für gut. Berlin erkannte, dass sich diese Struktur sehr leicht politisch missbrauchen ließ. Man musste nur ein Prinzip, zum Beispiel Rousseaus volonté générale, zum Prinzip einer Selbstdisziplinierung erheben, dem das Individuum mit seiner volonté particulière sich selbstbestimmend und zugleich erlösend unterwirft, um, so Berlin, auf dem Weg zu Tyrannei und Unterwerfung zu sein. Für Berlin war die positive Freiheit der Königsweg zum Totalitarismus. In der negativen Freiheit sah er die Möglichkeit zur pluralistischen Entfaltung von Werten und Individualität. " Die Logik führt einen nur im Kreis herum, Eine Tagung zum hundertsten Geburtstag des Philosophen Isaiah Berlin in Harvard, F.A.Z., 07.10.2009

/// Rousseaus katastrophale Erfindung des volonté générale, des Einheitswillens, führte auf direktem Wege zur Massenmordpraxis Robespierres. Mit allen politischen Einheitsgedanken muß außerordentlich behutsam umgegangen werden. Der Einheitsgedanke wird von Staatsfunktionären gerne für ihre Machtzwecke eingespannt. Ebenso der mythische Begriff VOLK, wo es spätestens seit der Völkerwanderungszeit, ausgelöst durch klimatische Abkühlung, in Europa nur Mischbevölkerungen gibt. Der Sturz der kommunistischen Kerkermeister und Mauermörder in Ostberlin war ein sehr erfreuliches, ein großartiges Ereignis. Leider nahm nur ein kleinerer Teil der ostdeutschen Bevölkerung ihr Leben in die eigenen, aktiven Hände, der andere Teil gefiel sich, gewöhnt an die Diktatur seit 1933, im Gelenkt-und-Versorgtsein-Wollen, was ins Anspruchstellen mündete. Ich empfinde die Begrifflichkeit Berlins etwas sperrig, zumal auch eine Verwechslungsgefahr mit der privaten Lebensführung droht: hier, anders als in der politischen Sphäre, ist die Selbstbeherrschung ein großes Ziel. Und die Selbstbestimmung: Werde der, der du bist! (Nietzsche) Die Politik neigt dazu, ständig Dinge zu erfinden und für alle verpflichtend machen zu wollen, da das ihren Führungsstatus betätigt. Die Eitelkeit treibt die Staatsfunktionäre zudem, sich unsterblich zu machen durch Eingang in die Geschichte, die schlimmsten unter ihnen erobern dazu, wie Alexander oder Kyros etc., die halbe Welt. Ihren Untertanen verlangen sie Selbstbeherrschung und Unterwerfung unter die vermeintlich große Sache ab. Für Sparta, für den Glauben, für das Reich, für den göttlichen Kaiser, den großen Napoleon, die Revolution, den Sieg über den Imperialismus, die Überwindung des Systems, die Gerechtigkeit, die soziale Gerechtigkeit - der Einfälle ist kein Ende. Frage nicht, was der Staat für dich tut, sondern, was du für dein Land tun kannst, appellierte Kennedy seinerzeit an die Bürger, wobei er den Staat beschönigend LAND nannte. Beides ist nicht besonders richtig. Natürlich ist der Staat für die Bürger da, er soll für die innere und äußere Sicherheit sorgen und allgemeine Aufgaben wie die Infrastruktur wahrnehmen. Der Bürger soll sich konstruktiv verhalten und mit den anderen Landesbewohnern kooperieren im Rahmen der Gesetze, die aber keine Gesetzesflut sein dürfen zur Unterdrückung der individuellen Gestaltungsfreiheit. Ich möchte nicht zwangskrankenversichert sein bei einer staatlichen Behörde oder bei halbstaatlichen Einrichtungen wie den gesetzlichen Krankenkassen, wo viele Funktionärsstellen eingerichtet sind bei guter Bezahlung und halber Leistung und die von der Politik durch immer neue Bestimmungen gelenkt werden - Ulla Schmidt läßt grüßen, die jetzt mit sechzig und 8410 Euro Monats-Pension aus dem Gesundheitsministerium ausgeschieden ist. (Vgl. Looman, FAZ 10.10.09)
Aber war Ulla Schmidt nicht demokratisch legitimiert zu ihrer freiheitsverzehrenden Politik? Das war sie zweifellos, die Partei, die gewählt wurde, zu etwa 35% damals, hat sie auf diesen Posten geschoben. Wie stark ist eine solche Legitimität über zehn Ecken einzuschätzen? Wie überzeugend ist eine Demokratie, die alle vier oder fünf Jahre den Wähler abstimmen läßt zur Vergabe eines Blankoschecks? Recht gering, würde ich meinen, der Wähler kann nichts direkt entscheiden, er darf nur Parteien wählen, die über die festgelegten Landeslisten ihre Kandidaten bestimmen. Nach dem Prozentsatz der Zweitstimmen zieht dann eine bestimmte Zahl Parteipolitiker in das Parlament ein, wo sie, und nicht der Wähler, den Staatschef bestimmen. Diese deutsche, repräsentative Demokratie ist natürlich jeder Diktatur vorzuziehen, da kann es keinen Zweifel geben, aber sie ist auch eine einzige Mißtrauenserklärung an den Bürger. Die repräsentative Demokratie sagt dem Wähler: Du bist zu dumm, etwas direkt zu bestimmen, das machen wir, die Funktionäre, für dich. Das kann aber nicht begeistern. Das ist eine Zumutung. Das fördert die Abgehobenheit der politischen Klasse. Das stärkt nicht den individuellen Gestaltungsraum des Bürgers, Freiheit genannt. Der Sturz der Diktatur ist nur die Voraussetzung für Freiheit. Bürgerliche Freiheit. Die repräsentative Demokratie läßt nur das halbe Potential zu, die bürgerliche Freiheit gedeihen zu lassen. Sie stärkt das Funktionärstum, die hyperaktiven Hinterzimmersitzer, die die Tagesordnung für die nächste Sitzung auskungeln, die die Rangfolge der Listenplätze aushandeln. Ein neuer Kandidat muß da erst den Kniefall vor den leitenden Funktionären üben. Er muß meist die Ochsentour vom oft unsäglichen Parteistammtisch des Ortsvereins durch tausend weitere Gliederungen und Gremien absolvieren, bis er genau so grau und stromlinienförmig geworden ist wie die Münteferings und Merkels, und genau so machtbewußt.- Es ist Zeit für mehr direkte Demokratie. Man kann es von der Schweiz lernen.

- Roter Novembermob: Man sollte sich übrigens an einem 9. November auch daran erinnern, daß am Abend des 9.11.89 ein großer linker Mob die improvisierte Rede des Kanzlers Helmut Kohl vor der geöffneten Mauer pausenlos von Anfang bis Ende durch gellende Trillerpfeifen und viele, ekelhafte Eierwürfe störten, die durch Regenschirme abgefangen werden mußten, was aber nicht immer gelang.

Sonntag, 8. November 2009

Afrika vervierfacht Bevölkerung seit 1960



Strizz, Reiche, FAZ

- Opel: ' Auch Wennemer erklärt Rücktritt aus Opel-Treuhand
„Sachverstand spielt keine Rolle mehr“
Die vier Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten haben ihre Kritiker im Opel-Treuhandbeirat kaltgestellt. Nach dem Abgang von Dirk Pfeil zieht sich auch der ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer zerknirscht aus der Opel-Treuhand zurück ..."
/// Eine Farce: Ein Autozulieferer Magna ohne Erfahrung im Autobau und -marketing will mit der russischen Sberbank Autobauer werden und wird dann bisherige Lieferverträge mit VW und anderen verlieren. Mit Opel hat er einen Hochlohnsanierungsfall zu bewältigen, der den gestandenen Autobauer GM bisher überfordert hat, weil er sich nicht traute, die Kapazitäten zu reduzieren.

- Ford fährt wieder mit Gewinn (und kam ohne Stützung aus), Honda verdreifacht Gewinnprognose, Bayer bestätigt und sieht Wende geschafft.

- Merkel in Washington.
" Am Schluss warnte Frau Merkel vor dem überflüssigen Verbrauch von Energie. „Wohin dieser Verbrauch unsere Zukunft führt, können wir schon jetzt sehen: In der Arktis schmelzen Eisberge. In Afrika werden Menschen zu Flüchtlingen, weil ihre Umwelt zerstört wird. Weltweit steigt der Meeresspiegel.“ Mit ihrem Werben, die Klimakonferenz in Kopenhagen dürfe nicht scheitern, suchte sie die innenpolitische Position des amerikanischen Präsidenten Obama zu stärken. Es wäre fatal, machte Frau Merkel deutlich, wenn die Erwartungen der Welt an die Vereinigten Staaten in Kopenhagen enttäuscht würden. ' Ein weiter Bogen hoch über den Details, FAZ 4.11.09 ///

Die Frau Merkel vergaß, die Schneefälle in Mecklenburg zu erwähnen, den sehr kalten October 2009 (3rd Coldest for US in 115 Years, s. wattsupwiththat.com) sowie die dramatische Bevölkerungsexplosion in Afrika.

- - Danach wäre Obama zu fragen gewesen: "
In Amerika kehren Risikohypotheken zurück
Mit der Häuserkrise hatte die ganze Wirtschaftsmisere angefangen. Doch jetzt scheint alles weiter zu gehen, als sei nichts gewesen: In den Vereinigten Staaten wächst nur ein Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise der dafür mitverantwortliche Markt für die „Subprime“ genannten Risikohypotheken " - mit staatlicher Garantie.

- - "Vor allem bedrohlich: Die Bevölkerungsexplosion
Zur Wirtschaftsglosse "Der beste Klimaschutz" von Holger Steltzner (F.A.Z. vom 31. Oktober): So wichtig die Klimaentwicklung ist - sie ist nur ein Nebenschauplatz. Die wesentlich größere Bedrohung für die Menschheit geht von der Weltbevölkerungsexplosion aus, über die merkwürdigerweise fast nicht geredet wird, obwohl sie im Übrigen auch gewaltige Auswirkungen auf die Klimaerwärmung hat. Vor sechzig Jahren betrug die Weltbevölkerung etwa 2,4 Milliarden Menschen, heute sind es etwa 6,8 Milliarden; die Projektionen gehen für das Jahr 2050 auf 9,2 Milliarden, innerhalb von hundert Jahren also ein Wachstum von 380 Prozent. Abgesehen von Wanderungsbewegungen spielt sich dieses Wachstum fast ausschließlich in den sogenannten Entwicklungsländern ab, deren Lebensgrundlagen bereits heute weitgehend von Hunger und Not gekennzeichnet sind - trotz über zweitausend Milliarden Entwicklungshilfe seit gut fünfzig Jahren.

Verbunden mit dieser Entwicklung ist in Tropengebieten die Abholzung großer Teile der für das Weltklima bedeutenden (Ur-)Wälder, teils aus Geldgier, meist zur Lebensmittelproduktion. Diese wichtigen Kohlendioxidspeicher und Sauerstoffproduzenten gedeihen nun in erster Linie in den Industriestaaten, den angeblich Schuldigen an der prophezeiten Klimakatastrophe. ... So kann die Forderung nur lauten: Die sogenannten Industriestaaten - eigentlich zählen China, Indien, Mexiko, Brasilien, Türkei heute schon dazu - unterstützen nur Staaten, die vehement gegen ihr Bevölkerungswachstum vorgehen und Geburtenbegrenzungsprogramme durchsetzen. Sind sie - aus welchen Gründen auch immer - hierzu nicht bereit, erhalten sie nichts, werden im Gegenteil mit Reisebeschränkungen für ihre wachsenden Massen belegt. Eines der wenigen Länder, das hier verantwortlich handelt, ist China.
Das klingt sehr hart, doch ist die bisherige Politik der geschlossenen Augen nicht zu verantworten. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen bietet die Gelegenheit, auch dieses - mit der Klimaentwicklung so eng verknüpfte, doch ungleich wichtigere - Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Die Hauptbedrohung unserer gemeinsamen Zukunft geht von der Bevölkerungsexplosion aus.
Ursula und Treufried Grau, Stuttgart, Text: F.A.Z., 07.11.2009

- - Für den schwarzen Kontinent AFRIKA gilt das natürlich besonders stark, die Bevölkerung betrug 1960 : 255 Mio. ((Brockh.), bereits 1984 hatte sie sich auf mehr als 537 Mio. Menschen verdoppelt (Brockh.). Bis 2007 schnellte die Zahl auf etwa 885 Mio. hoch (Wikipedia).

Samstag, 7. November 2009

Eibl-Eibesfeldt: Strukturalismus, Mensch, Charter Schools u. Sekundärtugenden, Kandel




Nürnberger Trichter, Postkarte (um 1940)(Wiki.)

Ulf Puders Kirchturmspitze
7°C Regen; auch bei 4°C nachts sind noch Mücken unterwegs

- Strukturalismus: " ... Nach Claude Lévi-Strauss sind binärer Kontrast und Reziprozität die fundamentalen strukturierenden Prinzipien kulturellen Gestaltens. ... daß logisches Kategorien immer nach dem Prinzip des binären Kontrasts gebildet werden. ... Claude Lévi-Strauss meint, eine derartige Dualität würde den meisten soziokulturellen Phänomenen zugrunde liegen. Das ist im Grunde die Essenz des Strukturalismus. ..." Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Die Biologie des menschlichen Verhaltens, Piper 1984, S. 638; E.-E. verweist auf weitere Konstruktionsprinzipien. Er ist sehr viel genauer und bietet umfangreicheres und weiterführenderes Material als Lévi-Strauss.
Wie weit reicht eine Anthropologie überhaupt? Zwei Beine, Nahrungstrieb, Liebe und Haß, Neigung zu binärer Kodierung, Verkopfung - damit sind die bei allen Menschen anzutreffenden Merkmale zwar noch nicht erschöpft, aber prinzipiell umrissen. Und diese Universalien sind ganz sicher der Erkundung wert und natürlich der Kenntnisnahme. Aber dort, wo es spannend wird, im Bereich der Vielfalt der Kulturen und der kulturellen Vielfältigkeit innerhalb einer modernen Kultur, der Aufffassung von Kultur, der strittigen Merkmale der Moderne usw. usf. - dahin reicht die Anthropologie nicht.

- Menschlicher und schulischer Gewinn: " Was unterscheidet Charter Schools von regulären staatlichen Schulen außer der Tatsache, dass sie Lehrer nach eigenem Gutdünken rekrutieren und bezahlen können? Auf den Websites der Dachorganisation heißt es, sie seien eine "radikale erzieherische Innovation", stellten "traditionelle Vorstellungen von öffentlicher Bildung" in Frage, erlaubten Wahlfreiheit und dienten unterschiedlichen "community needs". Tatsächlich bestimmen lokale Initiativen und die Elternnachfrage über die Gestalt, das Profil und die konkrete Arbeit dieser Schulen. Ihre Gründer sind unternehmerisch orientierte Lehrer und Elterngruppen, die sich über die Angebote und Leistungen der öffentlichen Schulen in ihrem Bezirk ärgern, soziale Aktivisten, die demonstrieren wollen, dass alle Menschen bildungsfähig sind und eine gute schulische Erziehung verdienen, und einige christliche Fundamentalisten, die sie als probates Missionsinstrument begreifen. Den meisten geht es indes weder um materiellen Gewinn noch um die rechte Lehre, sondern um praktische Abhilfe für eine desolate schulische Versorgungslage. Nicht wenige Charter Schools setzen dafür auf strikte Disziplin und Arbeitstugenden, die in normalen Schulen als nicht durchsetzbar erscheinen. So gehört zum Beispiel die Vermittlung von Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Rücksichtnahme und persönliche Anstrengung für die 82 Charter Schools im hochgelobten "Knowledge is Power Program" (KIPP) zu den wichtigsten Lernzielen. ..." Autonome, aber haftbare Schulen, FAZ 4.11.09

/// Alle sollen das gleiche lernen, meinen moderne Menschen in modernen Gesellschaften und verstehen das als Chancengleichheit, weswegen die öffentlichen US-Schulen allesamt Gesamtschulen sind. Dahinter steht die pädagogische Vorstellung des NÜRNBERGER TRICHTERS: man klappt den Schülerschädel auf und füllt eine Schullektion ein, anschließend Klappe wieder zu. In modernen Gesellschaften gibt es viele steinzeitliche Vorstellungen. Daß jeder Mensch anders ist, sogar jeder Schüler, jedes Gehirn und jeder Bewußtseinsstrom und daß Lernen die spezifische Aufnahme in einen spezifischen Bewußtseinsstrom ist, das haben intuitiv begabte Pädagogen schon immer geahnt, aber das ist bei vielen modernen Schulideologen immer noch nicht angekommen, obwohl sie das in ihrem eigenen Schulleben vielfach erlebt haben. Und was haben viele Schüler von den vielen Schuljahren? Oftmals nur abgesessene, verschwendete Lebenszeit. Man denke an die italienischen Einwanderer, die den höchsten Anteil in den deutschen Hilfsschulen (sie dürfen heute nicht mehr so heißen) stellen. Sie werden in Vaters Restaurant gehen, dort gut kochen und so allen dienen, dazu haben sie Lust, aber sie interessieren sich weder für die Winkelsumme im Dreieck noch für deutsche Geschichte. Allerhand ist das, rufen da die Gleichheitsapostel, aber es klingt blechern. Von der Vermittlung der sogenannten Sekundärtugenden aber, die freudianisch beeinfluße Neupädagogik weitgehend abgeschafft hat, profitieren alle Schüler.

- Gedächtnisforscher Eric Kandel meinte im Gespräch, daß die tradierte Talmud-Hermeneutik ihm wissenschaftlich zur Dialogfähigkeit verholfen habe, ihm zumindest hilfreich gewesen sei, obwohl er gar nicht religiös sei. Das mag schon sein, der Babylonische Talmud und seine Kommentierungen können als dialogisch erscheinen. Aber wer das so wahrnimmt, kann als bereits dialogisch disponiert gelten und entfaltete diese wissenschaftlich fruchtbare Grundeinstellung auch in ganz anderen Textzusammenhängen. Immerhin fallen die vielen jüdischstämmigen Namen in der Wissenschaft auf. Ich würde das allerdings eher auf den Wettbewerb zurückführen, den Einwanderer verstärkt spüren, wenn nicht gar Verfolgungen diesen Wettbewerb noch verstärken.
Die Hermeneutik kann zu einem feineren Textverständnis führen, aber es bleibt bei einer Lesart; die weitere Untersuchung braucht eine empirisch belastbare Konstruktion.
Diese vielfältige Auslegungspraxis wird auch im Christentum produktiv.

Freitag, 6. November 2009

Weisheit braucht Weile: Lévi-Strauss



Blühen, bis die Gänse kommen, aber die fallen derzeit den Martinsmassakern zum Opfer

- Claude Lévi-Strauss: "Die Arbeit des Augenblicks
Als er seine Forschung aufnahm, zog es ihn auf die andere Seite der Erdkugel. Am Ende war er zum Verteidiger seiner Kultur geworden. Zum Tode von Claude Lévi-Strauss ... mit dem wir das Antlitz der Menschheit besudelt haben ... Ich habe zu einer Zeit nachzudenken begonnen, als unsere Kultur andere Kulturen angriff, zu deren Verteidiger und Zeugen ich mich dann aufgeworfen habe. Heute habe ich den Eindruck (1986, WD), daß die Bewegung sich umgekehrt hat, und daß unsere Kultur angesichts äußerer Bedrohungen in die Defensive geraten ist. Und auf einmal empfinde ich mich als fest entschlossenen, ethnologischen Verteidiger meiner Kultur. ... " FAZ Ritter 5.11.09

/// "das Antlitz der Menschheit besudelt": was ist das für eine verquaste religiöse Sprache? Die "Menschheit" gibt es nicht, das ist eine blutleere Abstraktion, es gibt Milliarden unterschiedliche Menschen in vielen unterschiedlichen Kulturen; "besudeln" ist ein stark bewertender Ausdruck, hinter dem eine Reinheitsphantasie steht, im Bereich des Lebens ein völlig unverwendbarer Ausdruck, denn belebte und unbelebte Natur unterscheiden sich dadurch, daß Lebewesen 'stoffwechseln', was ein Geisteswissenschaftler wie CLS dann als "besudeln" bezeichnen kann. Er kommt dann als gereifter Mann zu einer Revision, er wird zum leidenschaftlichen Europäer. Gut so. Aber hat das nicht ein bißchen lang gedauert? Warum hat er im brasilianischen Regenwald nicht bemerkt, daß seine Indianerschätzchen stets Krieg gegen andere Gruppen führten und sich selbst als Zentrum der Welt betrachteten? Eine menschliche Invarianz, die er aber schon bei gesellig lebenden Tieren hätte entdecken können. Man kann die Analogie noch weiter treiben bis zur stehenden Armee des Immunsystems, das fremde Zellen angreift und vernichtet. Leben ist immer auch Differenz, die sich verteidigt, und Stoffwechsel ist immer ein aggressiver, destruktiver Akt. Es braucht eine friedliche Kultur, eine zivilisierte Wissenschaftskultur, um die Ernährung intelligenzbasiert zu gewährleisten durch Entwicklung einer produktiven Landwirtschaft statt durch Raub und Totschlag, aber auch eine grundsätzlich friedliche Kultur braucht eine Tradierung ihrer Grundlagen und eine Verteidigung der Eckpfeiler gegen meist religiöse und quasireligiöse Angriffe (Ideologien). Solche Eckpfeiler sind zu sehen in den Sicherungen des Individuums gegen Angriffe auf die körperliche Integrität, die individuelle Denkfreiheit (Wissenschaftsfreiheit) und die individuelle Eigentumsfreiheit durch Mehrheitskollektive aller Art, wozu stets ein stabiles, für den Einzelnen zugängliches Rechtssystem gehört.
Gesellschaften, die solches gewähren oder annähernd gewähren, erzeugen Wohlstand, der für andere attraktiv ist und Barbaren einzeln und im Verband anlockt. Diese besitzen meist eine hohe Vitalität, die auch kampfkräftig sein kann. Das frühkommunistische, totalitär kollektivistische Sparta besiegte zuletzt das kultivierte Athen, Rom räuberte zusammen und besetzte, was ihren Armeen logistisch möglich war, um später von den Vandalen geplündert zu werden. Putins Rußland, autokratisch regiert und ohne Eigentumsgarantien sowie ohne Rechtsschutz für den Einzelnen wie für Unternehmen, besitzt auch keine Skrupel, einen Plan für den taktischen Einsatz von Atomwaffen aufzustellen. Von Teheran nicht zu reden.

- Persische Waffenlieferung: "Waffenschmuggel
Stolz und Sorge in Israel
Abgefangen: Waffen für die Hizbullah an Bord der "Francop"
FAZ 06. November 2009 Die Fracht an Bord der „Francop“ hätte für gut einen Monat Krieg gereicht. Alleine 3000 Raketen gehörten nach israelischen Angaben zu den mehr als 300 Tonnen Waffen und Munition aus Iran, die israelische Soldaten in den Containern des deutschen Frachtschiffs mit Kurs auf den syrischen Hafen Lattakia gefunden hatten. Um die letzten Zweifel zu beseitigen, bat am Donnerstag die Regierung alle in Israel akkreditierten Botschafter in den Hafen von Aschdod, um das Waffenarsenal mit eigenen Augen zu sehen ..."

- Frühe Chauvinisten: "Sprachentwicklung
Babys schreien in ihrer Muttersprache
Schon drei Tage alte Kinder benutzen beim Schreien offenbar verschiedene Sprachmelodien
FAZ 5. November 2009 Wie die ersten Schreie Neugeborener klingen, hängt auch von der Sprache ihrer Eltern ab. Das Erlernen der Sprache beginnt schon im Mutterleib, wie Forscher um Kathleen Wermke von der Universität Würzburg herausgefunden haben. Dass Ungeborene bereits im letzten Drittel der Schwangerschaft Geräusche aus der Umwelt wahrnehmen, ist schon länger bekannt.
Bislang nahm man aber an, dass die Sprachentwicklung erst später einsetzt. Doch schon drei Tage alte Kinder benutzen beim Schreien offenbar verschiedene Sprachmelodien. Zu diesem Ergebnis kamen die Wissenschaftler, nachdem sie das Schreien von 60 Neugeborenen untersucht hatten. Jeweils die Hälfte der Kinder stammt aus deutsch- und aus französischsprachigen Familien. ..." /// Will heißen, die "Satz"melodie steigt oder fällt.