Freitag, 5. Februar 2010

Die Religion und ihr Frieden; Klimaglaube, Ersatzreligion und Klimapropheten



Reichstag in Augsburg 1555

- Die Religion und ihr Frieden: Eröffnung des Reichstages in Augsburg
5. Februar 1555. Auf Einheit sind sie getrimmt, die Religionen, und der aggressive Monotheismus will gleich die ganze Welt darauf verpflichten, und dennoch ist die Differenzierung eingebaut. Alle Religionen spalten sich immer wieder in verschiedene Richtungen, und nicht selten gleich zu Beginn mit einer Abschlachterei wie im Falle des Schiiten-Imams Hussein, dessen Ermordung bei Kerbela am Aschura-Tag bis heute die Todfeindschaft der beiden größten islamischen Gruppen Schiiten und Sunniten bestimmt. Dem "Augsburger Religionsfrieden" folgte der 30jährige Krieg, der Deutschland zu zwei Dritteln entvölkerte und für Jahrhunderte schwächte. Religionsspaltungen sind nicht aufzuhalten, stets treten begabte Eiferer auf, die neue Glaubenformen stiften. Vor dem blutigen Hintergrund des Katholizismus und des Islams fällt auf, daß die vielen protestantischen Kirchen und Sekten in Amerika ohne Massaker auskamen. Die katholische Papstsekte konnte sich da nur anpassen. Offenbar, und das erinnert an den antiken Polytheismus, wirkt allein die große Zahl befriedend. Und die Trennung von Kirche und Staat, den Religionsunterricht eingeschlossen, den es in in Amerika in staatlichen Schulen nicht gibt.

- Religion hat natürlich viel mit Wirtschaftsgesinnung und Wohlstand zu tun: "Die, welche Zins verzehren, sollen nicht anders dastehen als einer, den der Satan erfaßt und niedergeschlagen hat." Koran, Sure 2, 275

- Die christlichen Armutsorden der Dominikaner und Franziskaner als intellektuell führend arrangierte sich mit der Zinsname und bewirkte eine kirchliche Wende, die die Entwicklung des städtischen Bürgertums förderte, was wiederum den Wohlstand wachsen ließ und Universitätsgründungen und -ausweitungen finanzierte. Der Franziskaner
Bernhardin von Siena soll die Zinseszinsrechnung entwickelt haben.

- 3SAT-"Kulturzeit" über Klimaglaube, Ersatzreligion und Klimapropheten (19.01.2010) :
www.youtube.com/watch?v=jkOD6-_cRmU

- "Nicht islamisch genug?
Die afghanische Regierung schließt ein deutsches Waisenhaus / Von Friederike Böge
KABUL, 2. Februar. Mangelnde Hygiene, kein Erste-Hilfe-Kasten, kein Wachmann: Das führt die afghanische Regierung zur Begründung dafür an, dass ..." 3.2.10 FAZ

Donnerstag, 4. Februar 2010

"Der gegenwärtige Klimawandel in Mitteleuropa und seine Auswirkungen auf die Natur"






Unverkennbar ein bayerisches Gesicht: Josef H. Reichholf (Bild Christoph Haase)




- Ganz unten im Gras ist es noch kühler geworden, im mikro- und mesoklimatischen Bereich.
VORTRAG von Prof. Reichholf, LMU München, vor der Akademie der Wissenschaften NRW, Düsseldorf, 4.2.2010:
"Der gegenwärtige Klimawandel in Mitteleuropa und seine Auswirkungen auf die Natur".

Inhaltsangabe Reichholf:
" Die Erwärmung des Klimas in unserer Zeit wirft auch die Frage auf, wie sie sich auf unsere Natur auswirken wird. Nicht selten vorschnell und ohne hinreichende Überprüfung werden jedoch auftretende Änderungen dem „Klimawandel“ zugeschrieben. Genauere Betrachtungen zeigen, dass sich in Mitteleuropa bisher kaum eindeutige Auswirkungen der Erwärmung auf Vorkommen und Häufigkeit von Tieren und Pflanzen oder Naturereignissen, wie Hochwässer, nachweisen lassen. Die meisten Wärme liebende Arten stehen in den „Roten Listen der gefährdeten Arten“ und es ziehen sich gegenwärtig mehr von ihnen aus Mitteleuropa zurück als sich solche ausbreiten. Die Gründe liegen in der Art der Landnutzung: Die starke Überdüngung der Böden seit den 1970er Jahren lässt die Vegetation schneller und dichter aufwachsen als in früheren Zeiten. Im mikro- und mesoklimatischen Bereich herrschen daher zunehmend kühlere und feuchtere Verhältnisse als das die meteorologischen Standardmessungen anzeigen. Auch die Naturkatastrophen früherer Jahrhunderte waren größer als in der jüngeren Vergangenheit. Die landschaftsökologischen Gegebenheiten sind in den Projektionen der Klimamodelle bisher nicht ausreichend berücksichtigt. "

Stichworte aus dem Vortrag:
Seit 1781 liefert der Hohenpeißenberg in Bayern Wetterdaten, die vor allem den Vorzug haben, daß diese Wetterstation in etwa 1000m Höhe von der Urbanisierung nicht berührt wurde (wie alle anderen, Asphalt und Beton nehmen mehr Wärme auf, WD). Für die Sommer seit 1781 lieferten die Hohenpeißenberg-Messungen keine Veränderung, die Winter zeigten größere Ausschläge, teile man den Beobachtungszeitraum in zwei Hälften, seien in der ersten Hälfte 21 milde Winter zu verzeichnen gegenüber 19 in der zweiten Hälfte. Bei den Wetterextremen zeige sich eine Glättung.
Sehr beeindruckend die Hochwasserstände von Schärding am wasserreichen Inn bei noch nicht reguliertem Flußlauf in früheren Jahrhunderten (Bedeutende Hochwasserkatastrophen waren 1156, 1179, 1439, 1453, 1490, 1501, 1598, 1606, 1648, 1705, 1786 (12 m), 1848 (8 m), 1897, 1899 (12 m), 1954 (11,34m), 1959 und 1985 (8,52m), ff-schaerding.at/hochwasser.). Im allgemeinen spiele das Gletscherwasser bei der Wasserführung der Flüsse eine unbedeutende Rolle von nur ca. 4% . Insgesamt sei eine höhere Artenvielfalt zu verzeichnen, Vögel: Schleswig-Holstein +11%, Bayern +19%. Allerdings zögen sich wärmeliebende Vögel eher zurück, die Blauralle gebe es zB in Bayern nicht mehr. Das liege vor allem an der stärkeren Vegetation durch Düngung in der Landwirtschaft, was im mikro- und mesoklimatischen Bereich für mehr Feuchte und Abkühlung sorge. Ameisen, Eidechsen und Schlangen hätten daher abgenommen, entsprechend auch der Schlangenadler. Die Anophelesmücke habe es immer schon bis Südskandinavien gegeben. Interessant auch die regionalen Temperaturtrends 1901-2000 (Jahreswerte) nach Jones/Schönwiese,
die u.a. Abkühlungen für Zentralafrika zeigen.
(Immer gilt aber, daß die Zahl der Meßstationen, ihre Lage und Datenerhebungsmethodik eine genaue Vergleichbarkeit nirgendwo erlaubt. Wer hätte denn im Kongo 1901 gemessen, oder auf dem Pazifik, in der Antarktis etc.? Gleiches gilt für die sog. Ersatzdaten (Proxies). Sogar auf dem Hohenpeißenberg gibt es Änderungen der Methodik, wie Reichholf auf Nachfrage angab; die alten Messungen wurden morgens, mittags und abends durchgeführt, während heute mit Minima-/Maxima-Thermometern gemessen wird. Das beeinflußt natürlich die Mittelwerte. WD)


- " Nennen wir es das Geheimnis der fehlenden Thermometer. Zwei Monate nachdem die entlarvenden Emails Schatten auf die Glaubwürdigkeit einiger Wissenschaftler geworfen haben, stellen sich neue Fragen nach der Zuverlässigkeit der von den UN benutzten Temperaturdatenbasis : Two American researchers allege that U.S. government scientists have skewed global temperature trends by ignoring readings from thousands of local weather stations around the world, particularly those in colder altitudes and more northerly latitudes, such as Canada.
In the 1970s, nearly 600 Canadian weather stations fed surface temperature readings into a global database assembled by the U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Today, NOAA only collects data from 35 stations across Canada.
Worse, only one station -- at Eureka on Ellesmere Island -- is now used by NOAA as a temperature gauge for all Canadian territory above the Arctic Circle. ..." By Richard Foot, Canwest News Service, minnesotansforglobalwarming.com/m4gw/ January 25, 2010

- "Die EU-Klimapolitik steht vor einem Scherbenhaufen. Von Holger Krahmer
Nach dem Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen reagiert das politische Europa trotzig, anstatt sachlich die Gründe für das Scheitern zu analysieren. Kopenhagen hat eine veränderte politische Weltbühne hinterlassen: Europa muss einen dramatischen Verlust seiner politischen und ökonomischen Bedeutung zur Kenntnis nehmen. Es wurde bei dem zwischen den USA, China und Indien ausgehandelten Kompromiss noch nicht einmal an den Tisch gebeten. Letztlich blieb der EU gar nichts anderes übrig, als der unverbindlichen Klima-Erklärung zähneknirschend zuzustimmen, um sich nicht in der politischen Sektiererecke mit Robert Mugabe und Hugo Chavez wiederzufinden. Von einer Vorreiterrolle Europas in der Klimapolitik kann nicht mehr gesprochen werden. Der Rest der Welt ist an Europas Regulierungsideen schlicht nicht interessiert. Die seit langer Zeit absehbaren Interessensunterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern sind unüberwindbar. Das "Nein" zu verbindlichen Minderungszielen ist eindeutig, denn die ärmeren Länder wollen sich ihre Entwicklungsmöglichkeiten nicht beschneiden lassen. Außerdem sind sie auf die immer noch verhältnismäßig preiswerte Nutzung fossiler Rohstoffe angewiesen.
Brüssel und Europas Hauptstädte tun sich nun schwer, diese Realität zu akzeptieren. Stattdessen werden erneut Hoffnungen auf Ergebnisse künftiger Klimagipfel geschürt. Die Chancen auf ein internationales Abkommen sind angesichts dieser Situation allerdings gleich null. Was Europa jetzt nicht braucht, ist ein "Weiter so" oder gar eine einseitige Verschärfung der Klimapolitik. Die hohen Folgekosten der CO2-Minderungspolitik sind bereits jetzt ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Volkswirtschaften.
Kopenhagen markiert das komplette Versagen europäischer Klimapolitik. Ein Ausstieg mit Gesichtswahrung aus dieser gescheiterten Strategie ist der Versuch, den UN-Prozess zur Erreichung eines Klimaabkommens in Frage zu stellen und stattdessen bilaterale Abkommen anzustreben. Beispielsweise die Schaffung eines gemeinsamen CO2-Handelsmarktes mit den USA. Auch das wird Wunschdenken bleiben, denn Emissionshandelsideen werden im US Kongress seit Jahren erfolglos diskutiert. Amerikanische Airlines haben im Dezember vor englischen Gerichten gegen ihre zwangsweise Einbeziehung in den EU-Emissionshandel Klage eingereicht. Und nachdem auch der US Präsident die Europäer in Kopenhagen links liegen gelassen hat, sollte man keine Sekunde davon ausgehen, dass die USA eine Einladung zu solchen Gesprächen auch nur annehmen.
Notwendig ist ein Strategiewechsel: Statt der Fokussierung auf willkürlich gesetzte CO2-Minderungsziele, sollte Europa sein innovatives Potential nutzen und die Erforschung neuer Technologien verstärken. Die Anpassung an unvermeidliche und unkontrollierbare Klimaänderungen muss Priorität bekommen. Das Ende der Klimahysterie ist eingeläutet. Zeit also, die Kritiker der dogmatischen Klimapolitik in die Debatte einzubeziehen, denn immer mehr Bürger stehen den propagierten Weltuntergansszenarien skeptisch gegenüber. Zu Recht: Der angebliche Konsens in der Wissenschaft zu den Ursachen klimatischer Veränderungen entpuppt sich mehr und mehr als Zitierkartell politisierter Wissenschaftler, dem es gelungen ist, die mediale Deutungshoheit über eine These zu erlangen. Bekannt werdende Datenfälschungen und der Fakt, dass eine vorhergesagte Temperaturerhöhung in den letzten Jahren ausgeblieben ist, sorgen für einen Glaubwürdigkeitsverlust der gängigen Klimaforschung. Wir wissen über die Ursachen der Veränderungen des komplexen Systems „Klima“ offenbar wenig. Notwendig ist ein neuer, ganzheitlicher und transparenter Forschungsansatz in der Klimawissenschaft. Alle Wissenschaftsströmungen müssen berücksichtigt werden. Auch müssen wir uns darauf besinnen, dass die Anpassung an sich ständig, zum Teil dramatisch ändernde, klimatische Bedingungen in der Menschheitsgeschichte der Normalfall war und eine Erfolgsgeschichte der Evolution ist. Der Ressourceneinsatz dafür lohnt sich allemal."
FDP- EU-Abgeordneter Holger Krahmer aus Leipzig ,umweltpolitischer Sprecher der Fraktion beim FDP- BFA-Umwelt , letztes Wochenende in Berlin 24.1.10

Mittwoch, 3. Februar 2010

Pubertät, Hirnforschung, Salinger, Nicola Tesla

Meises Liebling, Garten vogelfreundlich: auch im Winter, auch beschneit wird der Hartriegelbusch von Meisen und Finken, Amseln und Heckenbraunellen regelmäßig angeflogen. - EU, Rückmeldung von Obama: Absage an das geplante Treffen US/EU . Ein trauriges Signal, wenn man bedenkt, daß die europäischen Dummköpfe von der Sorte Zapatero gerade noch versucht haben, Obama mit dem Friedensnobelpreis zu bestechen. Die USA sind aus Europa entstanden, die beiden Erdteile verbindet sehr viel, das gehegt werden sollte. Und das alte Europa ist geistig und militärisch in einem schlechten Zustand. - Der Herr Salinger verstarb dieser Tage und bekam ganzseitige Nachrufe in den Feuilletons, als sei er ein Tesla gewesen. Er war aber nur der Verfasser des Pubertätsromans "Der Fänger im Roggen", der recht stimmungsvoll einen Fall von Pubertät darstellt, den des Holden Caulfield. Der wohl Salingers eigene Pubertät beschreibt, wenn man auf das Leben des Erwachsenen blickt, der nie ganz erwachsen wurde. Daraus gleich den Generationsfall zu machen, widerspiegelt das typische Feuilletongeschwätz. Nette, nutzlose Literatur. (Vgl. Isernhagen, NZZ 30.1.10) 

 - Pubertät, Hirnforschung: " Denn sie wissen nicht, was ihr Kopf tut 

Die Jugend hat viele Privilegien. Wenn es allerdings um die Entwicklung des Gehirns geht, ist das Erwachsenwerden ein geradezu erbarmungswürdiger Zustand. Die Seele schwankt zwischen den Extremen, und der Kopf wird buchstäblich zum Hexenkessel. Nimmt man die jüngsten Befunde der Hirnforschung, kann man sogar mit Fug und Recht behaupten, dass wohl niemals mehr im Leben Anspruch und Auftreten so weit entfernt von den tatsächlichen kognitiven Verhältnissen sind wie bei den Herwanwachsenden. Nach außen geben sie sich gerne gereift, selbstbewusst und aggressiv, drinnen im Kopf aber bricht sich das Chaos scheinbar Bahn, werden sie sensibler und schwankender - ist der neuronale Kuddelmuddel zumindest für die letzten Jahre vor dem Erwachsenwerden der vorherrschende Zustand. ... 
     Massive Störungen bei Jugendlichen 
Überraschenderweise aber gab es dennoch einen deutlichen Einbruch: Die Jugendlichen nach den Flegeljahren, also im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, reagierten physiologisch völlig anders: Ausgerechnet im höheren Frequenzbereich der Hirnwellen, den Betawellen zwischen 14 und 30 Hertz und den Gammawellen über 30 Hertz, die bei starker Konzentration und Lernprozessen auftreten, kommt es zu auffallend kleineren und chaotischeren Ausschlägen. Die Synchronisierung und damit die Koordination der höheren Zentren leidet erheblich, wie die Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten (Bd. 106, S. 9866). 
Was bis zur Pubertät noch funktionierte und dann im Erwachsenen völlig selbstverständlich ist, scheint bei diesen Jugendlichen massiv gestört. Uhlhaas und seine Kollegen deuten ihren Befund so, dass die Aktivitätsmuster im Kortex erst spät reifen und 'mit einer vorübergehenden Destabilisierung kortikaler Netzwerke verbunden' sind. ... " FAZ 28.8.09


 - " Nicola Tesla - Vater der Elektrizität 27. Januar 2010 Nur wenigen dürfte der Name Nicola Tesla (1856 bis 1943) geläufig sein. Dabei hat er um 1900 bahnbrechende Erfindungen gemacht. So ersann er den Wechselstrommotor, experimentierte mit Gasentladungslampen, entwickelte den Tesla-Transformator zur Erzeugung von hochfrequentem Wechselstrom, ersann den ersten Radiosender, das Radar und die erste Fernsteuerung. Dass Tesla mit seinen Erfindungen seiner Zeit ein großes Stück voraus war, schildert das Buch "Wie Nikola Tesla das 20. Jahrhundert erfand". ... Der Autor Michael Kruse trennt die Mythen von den Fakten und liefert ein umfassendes Bild vom Leben und Wirken Nikola Teslas, der, aus dem heutigen Kroatien kommend, 1884 in die Vereinigten Staaten auswanderte, wo er seine größten Erfindungen machte. Doch er war zu wenig Geschäftsmann, als dass er von seinen grandiosen Ideen auch finanziell profitiert hätte. ... Das Buch, das zahlreiche historische Aufnahmen enthält, ist auch eine gut verständliche Einführung in die Elektrizitätslehre. Michael Krause: "Wie Nikola Tesla das 20. Jahrhundert erfand". Verlag Wiley-VCH, Weinheim 2010, (geb.), 381 S., 19,95 Euro. 27.1. FAZ

Dienstag, 2. Februar 2010

Aristoteles und der Nutzen, steuerehrlicher Bundeskanzler, strahlende Natur



Strahlende Medizin, strahlende Natur (Bild Wiki.)

- Märchenhaft: Es gab eine Zeit, da ging es aufwärts in der allgemeinen Meinung. Die Leute ließen die Tassen im Schrank und gingen arbeiten, die Schüler zur Schule. Nur wenige Wissenschaftler fälschten Daten, um ihre Institute zu vergrößern. Es gab einen Wirtschaftsminister, der Optimismus verbreitete und das alte Kartellwesen durch Wettbewerb ersetzte. Es gab einen Finanzminister, der sich sträubte, Steuergelder aus dem Fenster zu werfen, um bestimmte Wähler zu bestechen. Es gab sogar einen steuerehrlichen Bundeskanzler, der nicht dauernd an einer Steuer- und Abgabenschraube herumfummelte. Ja, die Zeiten waren gut, der Steuersatz lag bei 12%. Märchenhaft. Nicht in Utopia. Es war die Erhard-Adenauer-Ära.

- Aristoteles und der Nutzen (384-322 v. Seneca): "Viel lügen die Sänger zusammen" - gut, da hat er recht. "Wenn man sich also mit Philosophie beschäftigte, um dem Zustande des Nichtverstehens abzuhelfen, so hat man offenbar nach dem Wissen gestrebt, um ein Verständnis der Welt zu erlangen, und nicht um eines äußeren Nutzens willen. ... Offenbar betreibt man sie um keines äußeren Nutzens willen." (A., Metaphysik, Buch I, cap. 2)
Das muß man doch ein bißchen differenzierter sehen, um zB solchen Blödsinn zu vermeiden: ' Deswegen sagen die Dichter: " Es ist wohlbegründet, daß Helenen über Barbaren herrschen", da Barbar und Sklave von Natur dasselbe ist. ' (Aristoteles, 1. Buch der POLITIK) Man muß die Welt verstehen und nach dem Nutzen der Erkenntnis fragen, und nach dem Schaden von Denkweisen.
Daß etwas "von Natur" so oder so sei, ist eine Fiktion, darauf hätte er auch selbst kommen können. Die "Natur" gibt es nicht, sondern nur Verstehenskonstruktionen gegenüber unendlich vielen Phänomenen und Prozessen.
Die "Natur" ist ein sehr allgemeiner Begriff, dem keine allgemeine Realität entspricht.

- Um 1900, nach einer ungewöhnlich langen Friedenszeit, erwarteten alle europäischen Regierungen einen neuen Krieg, und Krieg wurde als "natürlich" angesehen. Nach dem Nutzen einer solchen Denkweise wurde nur ausnahmsweise gefragt. Man betrieb daher eine merkwürdige Bündnispolitik, die nicht den Nachbarn gewinnen wollte, das wollten nur die Händler und Fabrikanten, die Politik sah im Nachbarn den Feind in spe, den es durch 'Kriegsfreunde' zu kontrollieren galt. Paris fand Rußland nur als Feind Deutschlands und Österreichs sympathisch, sonst gar nicht. Was im Hinblick auf eine Kriegsvermeidung keinen großen Nutzen hatte : Die Mechanik der Bündnispolitik: "Abschiedstoast in St. Petersburg .Frankreich ordnete sich in der Julikrise 1914 Russland bedingungslos unter. Als die Fischer-Kontroverse in den sechziger Jahren über die deutschen Kriegsziele tobte, war im Westen alles ruhig; als die bohrenden Fragen ..." FAZ 1.2.10; (Rez.: Stefan Schmidt, Frankreichs Außenpolitik in der Julikrise 1914, 2009)
Man kann natürlich ganz allgemein an Wissenserwerb interessiert sein, davon geht Aristoteles aus: "Allgemein in der menschlichen Natur liegt der Trieb nach Erkenntnis." ( A., Metaphysik, Buch I, cap. 1) So allgemein und "natürlich" ist das aber nicht, wie jeder (Lehrer) weiß. Auch dafür interessieren sich nicht alle:

- Natürliche Radioaktivität
"Den Hauptanteil in unserer Umwelt liefern jedoch die so genannten primordialen, das heißt von der Erde stammenden (terrestrischen) Radionuklide wie beispielsweise Kalium-40 und vor allem die bei den Nukliden Uran-235, Uran-238 und Thorium-232 beginnenden natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen. Aus diesen entstehen solche Radionuklide wie Radium-226, Radon-222, Blei-210 oder Polonium-210. Allein das radioaktive Edelgas Radon liefert etwas mehr als 50 Prozent der natürlichen Strahlenexposition und verdient deshalb aus radiologischer Sicht besondere Beachtung." Sogar der menschliche Körper selbst ist radioaktiv. Jeder von uns produziert eine durchschnittliche körpereigene Radioaktivität von etwa 8000 Becquerel. Das bedeutet, jede Sekunde zerfallen in einem durchschnittlichen menschlichen Körper etwa 8000 Atome. " (S. u.a. lung.mv-regierung.de/.../nat_radioaktivitaet )

- ' Radioaktive Stoffe sind ein Teil der Natur
30.1.10 FAZ LB
Zu "Staatsversagen" in der F.A.Z. vom 19. Januar: In der Asse lagern als wesentliche Abfallmengen je zirka 100 Tonnen Uran und Thorium sowie etwa 10 Kilogramm Plutonium, verteilt über 125 000 Fässer. In den Fässern sind die Abfälle wiederum eingegossen in Bitumen oder Beton. Nun sind radioaktive Stoffe ein Teil der Natur, es gibt sie überall. So sind in dem Deckgebirge über dem Endlager von einem halben Kubikkilometer Volumen 4 000 Tonnen Uran, 12 000 Tonnen Thorium und 3 500 Tonnen Kalium-40 enthalten, wie sich aus der mittleren Konzentration dieser Elemente in der Erdkruste errechnen lässt. Es werden also die Abfälle in der Tiefe durch die hundertfache Menge an radioaktiven Stoffen im Deckgebirge zugedeckt. Ähnliches gilt für die Menge an Radioaktivität, gemessen in Becquerel. Warum sollten die Abfälle unten im Endlager gefährlicher sein als die darüber in der Erdkruste enthaltene hundertfach größere Menge an radioaktiven Stoffen und an Radioaktivität? Aus der Asse wurde durch den Kaliabbau etwa so viel Radioaktivität herausgeholt (einige zehn hoch zwölf Becquerel), wie durch die Endlagerung der Abfälle wieder hineingebracht wurde (wenn man nur die langlebigen Nuklide betrachtet). '
Dr. Lutz Niemann, Physiker Strahlenschutz, Holzkirchen

Aristoteles folgt mit seiner Betonung der Nutzenuninteressiertheit der Erkenntnis dem theoretischen Ideal des freien Griechen, der als Herrenmensch für seinen Nutzen die Sklaven und Unfreien (zB Frauen) besitzt, damit er in Ruhe und Muße theorein / Theorie treiben kann. Wer nicht mehr in der griechischen Sklavenhaltergesellschaft lebt, kann sich nicht mehr nur um die obersten Gründe und Prinzipien kümmern, er muß auch ein bißchen auf Nutzen und Praxis sehen und was es kostet. Nach Nutzen und Funktion zu fragen, kann sogar zum Erkenntnisprinzip werden (vgl. E. Cassirer, Substanz- und Funktionsbegriff) , anwendbar auch bei der Betrachtung des Lohnzettels: 45% direkte Abzüge, Einkommenssteuer und Abgaben (dazu kommen später dann noch Mehrwertsteuer, Solar- und Windsubventionen, Mineralölsteuer etcetera pp.).

Montag, 1. Februar 2010

Asse : Harmloses Wasser




Leise rieselt der Schnee bei
-2°C/0°C

Schellnhubers Achse des Bösen (Bild: m4gw)

Erstaunlich, welch guten Schutz gegen Nässe und Kälte die Vogelfedern bieten. Die eine oder andere Meise übernachtet trotzdem gern im Nistkasten oder in kleinen Nischen unter der Dachtraufe.

- EU-Wahn, Öko-Fanatismus: Milliardenkosten wegen strenger Gentechnikregeln / In Futtermittelimporten dürfen keine Staubspuren von veränderten Pflanzen enthalten sein. Die Bayergentechnik wurde von Wuppertal nach Kalifornien vertrieben - Opel können die Chinesen auch bauen - bei der Gentechnik liegen sie noch zurück - wo sollen die Ersatzarbeitsplätze herkommen?

- Steuergelder raus: 55 Mio. hat der Abriß des alten, schönen Essener Folkwang-Museums gekostet inkl. Neubau eines größeren Museum an gleicher Stelle. Wahrscheinlich braucht man Platz für solche tollen Sachen wie Walton Fords tolles Tierbild "The Island". Auch die bildende Kunst ist auf der Stufe der Verhunzung und völligen Geistlosigkeit angekommen. Dafür braucht sie große, teure Museen.

- Sollte man sich nicht schon mal als Taliban anmelden? Große Bestechungsgelder aus den Steuerkassen winken!

- Asse : Harmloses Wasser
Zu "Staatsversagen" (F.A.Z. vom 19. Januar): Wolfram König, der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), ist als fachlich nicht besonders ausgewiesener Politkommissar von einer Partei, welche in der Kernenergie eine Menschheitskatastrophe sieht, auf seinen Posten gehievt worden. Dass unter seiner Leitung kritischer Sachverstand nicht blühen durfte, liegt nahe. So kann man im Internet unter BfS, Asse, nachlesen, dass pro Tag 12 Kubikmeter Salzwasser in den Asseschacht eindringen, hin zu den Abfällen, welche alle tiefer als 500 Meter unter der Oberfläche liegen. In die Luft des Bergwerks diffundiert Tritium aus den gelagerten Fässern und wandert mit 4 Becquerel (Bq) pro Liter und Tag in das eintretende Wasser. In länger stehender Lauge wurden nur 200 Bq pro Liter gemessen. Aus der Asse wurden 2009 3900 Kubikmeter eingedrungenes Wasser mit einer Tritiumkonzentration von weniger als 20 Bq pro Liter und frei von anderer Radioaktivität in der stillgelegten Zeche Mariaglück gelagert.

Trinkwasser darf nach Angaben des BfS 100 Bq pro Liter enthalten. Man leistet sich das teure Vergnügen, Wasser, welches in Bezug auf Radioaktivität Trinkwasserqualität hat, umständlich zu verpacken und von einer Zeche in die andere zu transportieren. Ich glaube, es wäre für viele Politiker unerträglich blamabel, zu sehen, dass aus der Katastrophengrube ganz harmloses Wasser kommt. Die billigste Lösung für die Asse ist das geordnete Absaufenlassen, aus 500 Meter Tiefe kommt so schnell nichts mehr nach oben, und auch Tritium zerfällt. Man hüte sich aber, Leuten auf den Leim zu gehen, die aus rein persönlichen Motiven von nichts besser leben als von der Katastrophe.


Dr. rer. nat. Klaus Maull, Dortmund, LB F.A.Z., 30.01.2010