Dienstag, 04.05.2010, 16:45
Hörsaal 3 der Physikalischen Institute Köln, Zülpicher Straße 77
Prof. Dr. Werner Weber, Technische Universität Dortmund
Dienstag, 4. Mai 2010
Treibt der Mensch - oder doch die Sonne?
Montag, 3. Mai 2010
Pressefreiheit und Nachrichtenqualität
Wilde Kirschblüten über der Dhünn in Odenthal
5°C - 11°C - das ist noch nicht der liebliche Mai, den wir erwarten. Noch sitzen die jungen Meisen im Nest und wärmen sich gegenseitig.
- Tag der Pressefreiheit
Die Pressefreiheit ist wichtig für die Demokratie, die res publica, die Republik, damit die Bürger, die Republikaner, so gut informiert sind, daß sie die öffentlichen Dinge gut beurteilen und darauf ihre Wahlentscheidungen gründen können. Die Nachrichten sind der tägliche Stoff, aus dem die informierten Urteile wachsen. Die täglichen Nachrichten müssen einer Prioritätenliste folgen, die der Bedeutung der Subsysteme der Gesellschaft entsprechen. Arbeit zur Einkommenserzielung im Wirtschaftssystem beschäftigt die meisten Bürger den größten Teil des Tages und des Lebens, dort werden auch sehr viele Nachrichten erzeugt, aber sie kommen im WDR5 kaum vor, und das ist leider ganz ähnlich bei den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern. Daraus resultiert leider eine sehr große Uninformiertheit der Hörer, der Bürger, die selbst in so persönlich wichtigen Dingen wie der privaten Geldanlage und Altervorsorge die allergrößten Lücken besitzen.
Das politische System kommt sich besonders wichtig vor, ist es aber in der modernen Funktionsgesellschaft nicht mehr. Seine Bedeutung liegt in der klugen Rahmensetzung, in der weisen Selbstbeschränkung, in der langfristigen Berechenbarkeit. Auch im Rückzug: Als die Politbürokraten sich noch einbildeten, eine staatliche Bundespost für alle Bürger sei das beste, und in den bestbezahlten Spitzenpositionen seien die ausgeschiedenen Politiker am besten, da wartete man auf den Telefonanschluß 3 Wochen bis 3 Monate (in der sozialistischen Diktatur "DDR" konnten das auch über 3 Jahre sein), man konnte zwischen 1 Apparat auswählen und die Gesprächsgebühren waren sehr hoch. Der Rückzug der Politiker und Beamten, der Name Bangemann hat da noch einen guten Klang, befreite den Telekommunikationssektor zu riesigem Wachstum bei minimierten Gebühren. Man kann an der Zahl politischer Nachrichten einschätzen, ob sich die Politiker wichtig tun oder sich klug zurückhalten. Wer für 66.000 Steuerparagraphen verantwortlich zeichnet, die das Land lähmen und die Bürger unproduktiv beschäftigen, bestätigt sich selbst seine die Bürger belastende Unklugheit. Gut sind die Nachrichten aus dem politischen System, wenn es nur wenige gibt, und die Journalisten wählen politische Nachrichten gut aus, die den Eitelkeitsschwätzereien von Politikern wenig Platz einräumen, das betrifft auch die "Hofberichtserstattung".
Die eingesparte Zeit kann dem wichtigen Wissenschaftssystem zugeteilt werden. Informationen aus Wissenschaft und Technik braucht jeder, sie gehören zur Abrundung der Alltagsorientierung, etwa zur Beurteilung von Energiefragen.
Ähnliches gilt für das Rechtssystem u.a.
In diesem Licht besehen müssen die WDR5-Nachrichten, das gilt auch für den WDR3, als schlecht, als verdummend beurteilt werden, denn durch Larifari- und Unterhaltungsnachrichten einschließlich Fußunterhaltung und Lottozahlen lassen sich GEZ-Zwangsgebühren nicht rechtfertigen. Nachrichten für Dummies haben natürlich ihre Berechtigung, aber nicht im Zwangsgebührensystem. Die klassischen Nachrichten hängten den Sportteil hinten an, Katastrophenunterhaltung kam kurz zum Schluß. Die meisten heutigen Nachrichtensendungen befinden sich auf der Stufe der Verhunzung.
Ohne die Qualitätspresse wäre der Bürger außerordentlich schlecht informiert.
- Unter Pressefreiheit verstehen leider viele Journalisten als Narrenfreiheit für sich selbst. Derzeit schwadronieren sie massenhaft und herdentierweise über das Elektroauto und zeigen die derzeitige Kanzlerin, wie sie Werbung für dieses teure Stadtauto macht, weil sie und ihre Politkumpane bereits 100 Millionen € Steuergelder für sog. E-Auto-Projekte ausgeben. Bereits 1905 fuhr das Elektroauto VIKTORIA von Siemens, mit der gleichen Art Blei-Akku, mit dem auch heute noch gefahren wird. Was damals galt, gilt auch heute noch: sehr teuer, sehr schwer, schwache Leistung. Für große Städte mit hoher Schwefeldioxidbelastung (Peking, Shanghai etc.) und bzw. oder starker Staubildung (Moskau, Tokio, Mumbai etc.) bietet Mitsubishi zB ein E-Kleinauto an für 34.000 Euro; es fährt mit Lithium-Ionen-Akkus, deswegen der riesige Preis für das winzige Auto, das nur 170km weit fährt und dann 6 Stunden geladen werden muß. In Tokio können sich viele Gutverdiener ein solches Spielzeugauto leisten, auch in London und NYC, aber für diese Käufer mit hohem Einkommen über 10.000 € monatlich darf es keine Subventionen geben von Steuerzahlern, die 2.000 € verdienen, Frau Merkel! In welchen Nachrichten erfährt man etwas über diese Daten und Zusammenhänge, die zudem stark erweiterungsbedürftig sind?
Sonntag, 2. Mai 2010
Kiew, Ukraine, und anderswo

Zwei Polen, die maßgeblich Osteuropa von der kommunistischen Diktatur befreiten: Der Elektriker Lech Walesa und der Theologe Johannes Paul
(Bild: gatewaypundit.firstthings.com/.../ pope-lech.jpg)
- Kiew, Ukraine, und anderswo: Heim ins Moskowiter Kolonialreich? Bis 2042 hat die neue, rußlandfreundliche Regierung für Preisnachlässe beim Erdgas die russischen Marinestützpunkte auf der Krim verpachtet. Außerdem geht der neue, russischstämmige Präsident Janukowitsch daran, die proukrainischen Maßnahmen seiner Vorgänger Juschtschenko und Timoschenko zurückzunehmen.
Wie konnte Janukowitsch nach der "orangenen Revolution" erneut an die Macht kommen, diesmal offenbar ohne größere Wahlfälschungen? Das orangene Bündnis des nationalistischen Präsidenten Juschtschenko und der liberalen Ministerpräsidentin Timoschenko zerfiel leider schon kurz nach dem Sieg. Schwer zu sagen, was der Hauptgrund war: die persönliche Machtrivalität der beiden oder die politischen Unterschiede. In den Gehirnen der beiden wird dies für sie selbst kaum zu unterscheiden gewesen sein, weil dies der Blinde Fleck in ausnahmslos jedem Politikergehirn ist und immer sein wird. Weswegen man aus grundsätzlichen systematischen Gründen Politikern nie vertrauen darf. Sie bedürfen der strengsten Kontrolle und Aufsicht, die sie aber stets ausschalten wollen, auch mit Appellen an ihre Anhänger, ihnen doch zu vertrauen, sie seien so nette Menschen, die stets nur das Gute wollten. Viele Ukrainer haben sich mit großen persönlichen Opfern für die "orangene Revolution" engagiert, sie haben Juschtschenko und Timoschenko vertraut, ohne zu berücksichtigen, daß sie zur gleichen Berufssorte wie der brutale Wahlfälscher Janukowitsch gehören. Die "orangenen" Ukrainer sind heute enttäuscht, sie haben teilweise resigniert, was der großen Bevölkerungsgruppe der Russen in der Ost-Ukraine neue Kraft verliehen hat. Die zurückliegenden winterlichen Gaserpressungen durch Putins Blockade haben dazu beigetragen. Ein Trauerspiel, dem die naiven europäischen Politiker, allesamt drittklassiges Zwergengewächs, nichts entgegenzusetzen hatten, obwohl sie von Juschtschenko und Timoschenko gebeten wurden.
Das erinnert an Brandt und Helmut Schmidt, die die Nähe der stalinistischen Diktatoren in Moskau und Warschau suchten, aber die Unterstützung für die Solidarnosz verweigerten, ja, sogar jeden Kontakt ablehnten. Der Großmaul-Politiker Helmut Schmidt, daher sein Beiname "Schmidt-Schnauze", ging lieber mit Diktator Gierek segeln als mit dem Elektriker Walesa angeln. Ohne die amerikanische Hilfe und das Engagement des polnischen Papstes Johannes Paul für die Solidarnosz-Bewegung, wer weiß, gäbe es die stalinistischen Diktaturen vielleicht noch, die Ausbeutung durch die Kommunistischen Parteien, die Stasi an jeder Ecke, die Schüsse an der Mauer.
Samstag, 1. Mai 2010
"Gewohnheiten des Herzens"

Alexis de Tocqueville 1805-1859
(Bild: Wiki.)
" Ein Fluch dem falschen Vaterlande ", schrieb weiland der Eisenbahnaktionär und Rothschild-Verwandte Heine (s. Blog v. 24. Januar 2010) in seinem Weberlied, in dem er auch unterschlug, daß ganz Deutschland vom Elend der schlesischen Weber schockiert war und daß der preußische König Friedrich Wilhelm IV. sogar aus seiner Privatschatulle für sie spendete (s. Golo Mann, Dt. Gesch.). Aber wenn es ihm in den Reim und die linke Gesinnung paßte, nahm Heine die Dinge nicht so genau.
Das falsche Vaterland? Gibt es denn ein richtiges? Smetana war davon überzeugt und machte eine schöne Tondichtung daraus: MEIN VATERLAND (1874-80). In dem Teilstück TABOR greift er weit in die Geschichte zurück, in das 15. Jahrhundert, zu den Hussiten. Mit der Vaterlandsbrille auf der Nase sieht man es schon früh beginnen.
Auch Studenten in dem deutsch-jüdisch-rumänischen Czernowitz konnten vaterländisch sehen:
„Im Januar 1922 stürmte eine Gruppe rumänischer Studenten die Aufführung von Schillers „Räubern“ im Stadttheater, weil sie den Hauptdarsteller für einen Juden hielten. Man wollte ein rein rumänisches Volkstheater ...“ (Der Traum einer Stadt, Rez. : Helmut Braun (Hg.), „Czernowitz“, Links 2005; FAZ 23.12.05).
Wer die Spuren des Nationalismus aufsucht, folgt einer Fährte, die schnell blutig wird. Drum besser wär's, das "Vaterland" ganz zu streichen und, wenn denn die Kind-Eltern-Perspektive partout erhalten bleiben soll - wofür bei Erwachsenen nichts spricht - durch "Mutterland" zu ersetzen. Das wäre dann das kleine Land der Kindheit, des Muttersprachenerwerbs und des Kennenlernens und Erlernens der Sitten und Gebräuche der Heimat. Also eines kleinen Landesteils nur, Niederbayerns etwa, oder Frankens, Frieslands, oder sogar nur Frankfurts. Nach der Kindheit lernt jeder noch dazu, daß sein spezieller Muttersprachendialekt zu einer größeren Spracheinheit gehört, und auch die wiederum verbindet sich mit größeren Einheiten, die aber immer abstrakter und unverbindlicher werden. Handel, Verkehr und leistungsfähige Kommunikationsmittel verbinden immer größere Räume, mit abnehmender Intensität. Schon sehr seltsam ist für den Allgäuer der norddeutsche Gruß "Moin, moin", wie für den Friesen das "Grüß Gott" des Schwaben niedlich klingt. Selbst Nachbarstädte wie Reutlingen und Tübingen können sich stark in ihren Sitten und Gebräuchen unterscheiden, in sie wächst der junge Mensch hinein. Solche Sitten benennt Tocqueville in seinem großen Buch "Über die Demokratie in Amerika" stimmungsvoll als "Gewohnheiten des Herzens", meint dabei aber sehr allgemeine Einstellungen wie etwa individualistische Haltungen und egalisierende Vorstellungen, die von ihrer Herkunft her völlig verschiedene Amerikaner verbindet, Amerikaner, die ansonsten Chinesen sind, die gerne in China-Town wohnen, oder Latinos in Spanish Harlem, Juden in Williamsburg, Italiener in Little Italy etc. Dort pflegen sie ihre "Gewohnheiten des Herzens", ihre "Habits of the Heart", wie es später bei Robert Bellah heißt, der den umschreibenden Ausdruck Tocquevilles in einem Buch seinerseits aufgreift. Amerikaner haben naturgemäß bei der Vielzahl ihrer ethnischen Herkunftsgruppen einen größeren Klärungsbedarf bei der Frage "Who are we?", so der Titel des letzten Buches von Sam. Huntington. Auch er adressiert eher abstrakte Orientierungen und Verhaltensstile. Sie stehen mit den eigentlichen, vorrationalen, unbewußten, früh eingelebten "Herzensgewohnheiten" in Verbindung, wurzeln aber nicht so tief und so sinnlich und landschaftlich wie sie. Die "Herzensgewohnheiten" bilden eine feinnervige, früh eingeschriebene Struktur von Gedächtnisabspeicherungen, die schnell überdeckt werden durch allgemeinere Gedächtnisinhalte, aber ihre fundamentale Ausstrahlung meist behalten und im Alter vergewissernd gerne erinnert werden. Ihre emotionale Bedeutung kann groß sein, selbst wenn der Erwachsene sich anderwo in der Welt angesiedelt hat und dort ein zufriedenes Leben führt. Wenn er die Kinderheimat besucht, kann es ihm leicht gehen wie Heine, mag das Kinderland inzwischen auch zu einem anderen Machtgebilde (vulgo "Vaterland") gehören oder nicht:
" Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute:
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute. "
Freitag, 30. April 2010
Rinks und Lechts kann man leicht velwechsern, besonders am 30. April und 1. Mai in Kreuzberg
Es blüht so schön, auch wenn nach lauem Abend frische Atlantikluft heranweht.
- Rinks und Lechts kann man leicht verwechseln, besonders am 30. April und 1. Mai in Kreuzberg. Straftaten mit quasipolitischem Hintergrund stiegen 2009 laut Innenministerium auf fast 34.000 . Besonders stark und dominierend stieg die Zahl von linken Gewalttaten, davon richtete sich etwa die Hälfte gegen Polizisten (!).
- " Die neue, zarte demokratische Ordnung im Irak.
Zu den Berichten in Ihrer Zeitung über die Wahlen im Irak: Ich habe mich über die hohe Wahlbeteiligung im Irak gefreut. Trotz Bomben und Granaten und des Bannfluchs al Qaidas für die Teilnehmer an der Wahl sind die Iraker nun zum zweiten Mal in Massen zu den Wahlurnen geströmt. Für die arabische Welt zwischen Schatt al Arab und dem westlichen Mittelmeer, ja für die ganze Welt bedeutet das eine historische Sensation.
Was viele Skeptiker für unmöglich hielten, ist - historisch gesehen - im Handumdrehen Wirklichkeit geworden. Gesunder Menschenverstand, Mut und die Attraktivität einer demokratischen Gesellschaftsordnung siegten über erstarrte und überkommene Gesellschaftsformen in einem arabischen Land, das bisher nur feudalähnliche oder diktatorische Systeme kannte. Über Jahrhunderte.
Nur ungern werden es viele wahrhaben wollen, dass der erfolgreiche zweite Wahlgang auch ein nachträglicher Riesenerfolg für den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bush und seine Berater war. Selbstverständlich auch für seinen Nachfolger Obama, der Bushs Politik unbeirrt fortsetzte. Kluge Zeitgenossen werden jetzt sofort auf die Opfer hinweisen, die der Krieg kostete, um das alte Herrschaftssystem zu zerschlagen.
Ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, wie lange und blutig etwa der Weg Frankreichs und Italiens war, um ein demokratisches System aufzubauen. Vom langen Weg Deutschlands zur Demokratie weiß jeder von uns. Er war dramatisch. Für den Erfolg spielte wieder Amerika die entscheidende Rolle.
Auch der Irak konnte nicht aus eigener Kraft ein despotisches Herrschersystem überwinden. Deutschland sollte jetzt aktiv dabei mithelfen, die neue, zarte demokratische Ordnung zu stabilisieren. "
Peter Lang, Darmstadt, LB F.A.Z., 30.03.2010
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